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Der Israelit · 1920-12-02 · Heft 48 (2.12.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 48 (2.12.1920)
Date
1920-12-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Maßn ahmen' gegen die Ostjuden . nachgeben zu müssen glaubt, und wenn dabet in der Tat nur „Kriminelle" ihrer Bewegungsfreiheit beraubt werden, so läßt sich vom Standpunkt der staatlichen Ordnung kaum etwas einwenden. Die Frage ist nur, welche „Vergehungen" einen uriglücklichen Flüchtling zum Kriminellen stempeln werden! Hierüber' wäre Klarheit erwünscht. Auch setzt die Bestimmung gegen die „Ausgewtesenen" voraus, d<M die Ausweisung-Praxis nicht gleichzeitig schärfe^gehandhabt und dadurch die ganze Einschränkungsklausel illusorisch gemacht wird. Mit einem Federzug ausweisen kan« man jeden Menschen, aber da die Grenzen der Nachbarländer mehr oder minder geschlossen sind, so bedeutet Ausweisung für die der polnischen Hölle Entronnenen Rücktransports also Tod und Verderben. Wir vertrauen darauf, daß die preußische Staatsregierung, beraten vom Auswärtigen Amt des Reiches, angesichts der geplanten neuen Maßnahme erst recht den Geist internationaler Humanität bet der Behandlung der Flüchtlinge walten lassen wird, der ihre bisherigen Erlasse itt dieser Angelegenheit auszeichnete. wästhe - Ausstattungen Anfertigung in eigenen Werkstätten C - Königstraße 11-14 Sjßandauer Str. 16 Gegründet 1815 ijljwSSSju A::.- -r'"- wohnungs-Einrichtungen Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer vier Stockwerke Möbel Transportable Zimmer-Ofen Eiserne Dauerbranö-Wfen 23S.- bis 710.~ Kachel-Bfen 760.- b. 1660.- I Gruöe-Bfen 860.- b.1300.- Man verlange öle illustrierte Preisliste Nr. 116 Är. Simon Eppenstein y'sr- Das thoratreue Judentum wird schwer heimgesucht. Kaum hat sich das Grab über Salomon Bamberger 7>"2CJ geschloffen, der, wie wenige Rabbiner das vdn S. R. Hirsch und Hildesheimer erstrebte Jd^al einer harmonischen Ausbildung der Persönlichkeit, eines inneren Ausgleichs zwischen Thora und Wissenschaft verwirklichte und wir werden durch dle Nachricht erschüttert, daß ihm Dr. Simon Eppenstein gefolgt ist, einer der wenigen aus der Reihe der wahrhaft jüdischen Geschichtsforscher, die ihre Wirksamkeit nicht ausschließlich in der Kritik der überlieferten Quellen des Judentums sehen, sondern von und WQ2N nilttK erfüllt, ihr Streben vor allem darauf richten, die Echtheit und Wahrheit und den un-, vergänglichen Wert unserer überlieferten Güter immer mehr ins Licht zu stellen. Dr. Simon Eppenstein wurde am 25. Ab 1864 in Krotoschin geboren, wo sein Vater, der Kaufmann Salomo Eppenstein, als Chasan ehrenamtlich fungierte. Im frommen und hochangesehenen Elternhause wurde der Grundstock gelegt zu seinem jüdischen Wissen und seiner echten, unwandelbaren irdischen Gösipnung. Die jüdische Gemeindeschule die er dort besuchte, hatte noch den Charakter eines altertümlichen Cheder, und zwar eines sehr altertümlichen. Später absolvierte er das Gymnasium, bezog zunächst die Universität Breslau, um Orientalia zu studieren. Auf dem Breslauer Seminar, an dem er auch Vorlesungen hörte, fühlte er sich durch die destruktiv kritische Art von ' Grätz bald abgestoßen und ging darum nach Berlin, wo er ins Rabbinersemtnar eintrat. Hier tat er sich bald unter den Genossen durch sein eifriges wissenschaftliches Streben hervor. Schon die Gediegenheit seiner Vorträge in dem studentischen Verein Dtbbuk Chawerim ließen den, künftigen Forscher ahnen. 1889 wurde er nach Abschluß seiner Prüfungen in Briefen, Westpreutzen, als Rabbiner gewählt, wo er bis zum Jahre 1911 'wirkte, aus dem stillen Winkel heraus eine eifrige Gelehrtenarbeit entwickelnd. Hier erwarb er sich als Geschichtsforscher einen solchen.Ruf, daß ihm, nachdem Abraham Berliner in den Ruhestand getreten, die Dozentur für jüdische Geschichte und Literatur am Berliner Rabbinerseminar angetragen wurde. Nach dem Tode Jakob Barths übernahm xr noch das Fach der Exegese. Eppenstein war mehr Literarhistoriker als Historiker, auch das ist charakteristisch für seine jüdische Gesinnung, die den eigentlichen Wert unserer Geschichte nicht so sehr in den materiellen Auswirkungen, sondern in den kulturellen sehen wird und, da jüdische Kultur für „das Volü hes> Buches" vor allem die Pstege seiner Thora und' aller ihrer Inhalte bedeutet, in der jüdischen Literaturgeschichte den Kern der jüdischen Geschichte erkennt. Die Vertrautheit mit den Ortentalten — er war ein tüchtiger Arabist — setzte ihn in den Stand, die Blütezeit der jüdischen Literaturgeschichte, die spanische Periode aus den primären Quellen zu erforschen und vor allem die spätgaonätiche Z?it, die sein Spezialgebiet war, und für die er als Autorität galt. Neigung und Befähigung veranlaßten ihn, die Exegeten des Mittelalters zu bevorzugen. Er hat uns eine Reihe von bisher wenig bekannten Schriften aus der spanischen und proveny üischen Schule erschlossen und dadurch unser Verständnis der Bibel Eröffnungssitzung fand in Parts am 9. Februar 1807 statt. Die Begrüßungsrede Puriadas fand ein freundliches Echo in der ganzen französischen Presse. Daß die gutgemeinte Gründung in ihren Folgen nicht immer die besten Früchte trug, war nicht die Schuld Purtadas. Nach Auflösung des Sanhedrin, blieb auch Purtada in hoher öffentlicher Stellung. Er starb am 29. Januar 1815 als Schatzmeister der Stadt Bordeaux. Nicht „tattsch", sondern „harzig". Eine Erinnerung an Prov.-Rabb. Dr. Bamberger in Hanau Unvergeßlich bleibt mir ein Erlebnis im Herbst 1914, da lch Rabbiner Bamberger ins Gefangenenlager bei Bad Orb begleiten durfte, wo er zum ersten Mäl die Seelsorge auszuüben hatte. Die Sache war damals noch ganz neu. Gefangene hatte man auf der Straße noch nicht gesehen und von jüdischen Gefangenen sprach man noch im Tone eines Märchens. In Hanau stieg Rabbiner Dr. Bamberger zu mir in das Abteil 3. Klaffe, obwohl er im Heeresauftrage Anspruch auf 2. und 1. Klaffe hatte, und tn anregender Unterhaltung waren die Stunden der Fahrt rasch verfloffen. Nach einstündiger, nicht gerade angenehmer Wagenfahrt von Bad Orb aus, waren wir im Lager. Wir wandelten durch die aufgewetchten Zeltstraßen und sahen uns das bunte Leben der fremden Soldaten an. Zum größten Teile Russen, zum kleineren auch Franzosen. Die Wachtmannschaft verwies uns auf eine große Baracke. Dort waren alle jüdischen Gefangenen untergebracht und harrten unser. Zum ersten Male sahen wir unsere Brüder, die „in Not und Gefangenschaft geraten waren", von Angesicht zu Angesicht. Es waren etwa 100 an der Zahl, halb Kinder noch, aber auch e. graute Köpfe, in allen möglichen Monturen, aus allen Schlachtfelde n des östlichen Kampfgebietes und aus allen Gegenden des weiten Zarenreiches. Zumeist Ueberlebende von T a n n e n b e r g, denen die ganzen Schrecken des schaurigen Abgrundes in Masurien noch deutlich in den Augen saß. Wie eine aufgeschreckte Herde drückten sich die Leute aneinander und mißtrauisch schauten sie auch zu dem großen, stämmigen Mann hinauf, in dem sie etwas wie einen preußischen Hauptmann in Zivil vermuteten. Ich sprach zu ihnen so gut es ging, in den Sprachen ihrer Heimat und klärte sie auf, und ich sehe noch, wie sie sich um die mitgebrachte Thorarolle scharten und sie mit Küffen bedeckten, als gelten diese Küsse der Heimat und all dem, was dort lieb und teuer und heilig ist. Und nun sprach Rabbiner Bamberger von einer ad.hoc zusammengestellten Kanzel zu den Gefangenen in der einfachsten, schlichtesten Weise, nach den leichtesten verständlichsten Ausdrücken gerade angelnd. Er sprach von der Heimat und von der Pflicht, und ich mutzte bewundern, mit welchem Mut und welch' feinem Takte — die deutsche Wachtmannschaft war mit dabei — er auch von ihrer für ihr Vaterland treu erfülltest Pflicht sprach und von ihren Rechten im Feindeslands und dann von ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Ganzen. Tröstend sprach er von Frieden und von froher Heimkehr. Und viele, viele ehrliche Tränen sah ich in dieser aus Juden Kaukasiens, Sibiriens, Polens und Litauens zusammengewürfelten, durch eine Laune des Krieges eigenartig geschaffenen neuen Gemeinde des Hanauer Rabbtnatsbezirks fliehen. Ich fragte nach der Predigt einen jungen Litauer, ob er die Rede verstanden hätte. „Varwotz nit(warum nicht), gab er mit einer Gegenftage zurück. „Aber er sprach doch deutsch"?, bezweifelte ich. „Taitsch?, harzig hot er geredet"! Das Wort blieb mir in Erinnerung. Und wenn ich heute den M e n s ch e n Bamberger — abgesehen von seiner Bedeutung als Rabbiner und Lehrer, als Mehrer der jüdischen Wissenschaft — gerecht werden will, so denke ich nur an jenes Wort des litauischen Gefangenen. Es war das Geheimnis seines großen Menschentumes, daß alles, was er sprach, waS er unternahm und was er tat, mit dem Herzen tat. _ •* (Die Juden in der amerikanischen Armee während des Krieges). In New-York sind, wie das „Jewish Corr. Bur." meldet, interessante Ziffern veröffentlicht worden, die über die Beteiligung der Juden in der amerikanischen Armee während deS Krieges Aufschluß geben. Danach haben die Juden, die bloß 3 Prozent der Gesamibevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen, 250000 Soldaten der amerikanischen Armee gegeben, alw um ein Drittel mehr, als man nach ihrer prozentuellen Zahl hätte erwarten können. Damit hat die amerikanische Judenheit einen Rekord unter allen Rassen der Vereinigten Staaten erreicht. Was die Opfer unter den jüdischen Soldaten betrifft, so haben 3500 ihr Leben verloren und 18000 wurden leicht oder schwer verwundet. Die genauen Materialien über die Beteiligung der Juden in der amerikanischen Armee während des Krieges werden in einem speziellen Buche durch H. JuliuS Levtt, den Direktor des BureauS für jüdische KriegSstatisttk, in kurzem veröffentlicht werden. (Der Untergang des Pharao Necho). Die englischen Ausgrabungen in der hettitifchen Residenz Karkemisch, die auch im letzten Jahre fortgesetzt

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