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Der Israelit · 1920-12-02 · Heft 48 (2.12.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 48 (2.12.1920)
Date
1920-12-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Bette 2 Nr. 48 Der JSrarltl. rigen überstrahlten und zu zertrümmern drohten, die sich nicht um alte, bestehende Gesetze zu kümmern schienen und willkürlich sich Ihre Bahn wählten. Anfangs staunte man sie an, doch sie verschwanden. Und so zeigten sich im Etnzelleben des Volkes Erscheinungen, die' alle bestehenden Volkseinrichtungen aufzulösen und umzustürzen drohten. Neue Gedanken tauchten auf, schön. und blendend. Alles begeisterte sich für dieselben, staunte sie an und bewunderte sie. Man betrachtete ihnen gegenüber alles Bisherige als veraltet. Mit diesen neuen Ideen wähnte man die alte Welt aus ihren Angeln hebest und eine ganze neue, ungeahnte, nach neuen Gesetzen sich aufbauendr und entwickelnde Welt schaffen zu können. Die neuen Ideen erwiesen sich aber bald als unvereinbar mit den Weltgesetzen,- ihre Schattenseiten zeigten sich nur zu bald, ihre zerstörende und sich selbstauflösende Wirkung machte sich fühlbarer, und immer dauerte es nur kurze 'Zeit, dann war ihr Glanz vorüber, die Verwunderung verwandelte sich in Enttäuschung. Es zeigt sich im Weltganzen, wie im Völkerleben, so auch im Leben des Einzelvolkes, daß nur das von Bestand und Dauer ist, was auf festen, wahren Gesetzen beruht, sich nach festen, unverrückbaren Gesetzen bewegt. Die Erhaltung des Weltsystems durch diegleichmäßige und gesetzmäßige Bewegung ist sein Fortschritt und ist auch der einzig wahre Fortschritt im Völker- ' leben, wie auch im Leben des Einzelnen. Und die Erhaltung und der Bestand des Judentums durch sein Gesetz und durch die Bewegung nach demselben und innerhalb desselben ist demnach auch für dasselbe der einzig wahre und richtige Fortschritt. Dadurch ist auch das Judentum yon jeher ein fortschreitendes Volk gewesen und geblieben. Der Fortschritt aber, der nicht erhält, nicht nach Gesetzen, sondern nach Laune und Willkür sich richtet, ist eine einfache Entfernung ins Unendliche. Nicht umsonst laffen unsere Weisen den Bestand der Welt von dem Bestände des jüdischen Volkes abhängen. JYinn O’PW? VV2 '7Q aVll?? "IVLX rr “p Denn sollte dieses mit seinen ewigen, erhaltenden Gesetzen, die ihm, ähnlich den Himmelskörpern, eine feste, gleichmäßige Bahn vorschreiben, zerstört und vernichtet werden können durch eine neue, diesen Gesetzen widersprechende Idee oder deren Repräsentanten; so müßten auch die Himmelskörper durch einen neu auftauchenden Körper, der sich nicht in die allgemeinen Gesetze und Bahnen fügt, aus ihren Bahnen gedrängr und zerstört werden können. Das eine ist nicht wohl anzunehmen und — w'e die tausendjährige Erfahrung lehrt — auch das andkre nicht. (Schluß folgt.) Wochenrnndschali. Die innere» Gegensätze in Grez Moel. Herbert Samuel hat auf die an ihn gerichtete Bitte, den von der palästinensischen „Delegiertenversammlung" gewählten jüdischen Nationalrat, als legitime Vertretung der jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas anerkennen, durch ein Schreiben geantwortet, das von der zionistischen Presse in verschiedenen Lesarten verbreitet worden ist und erst jetzt im englischen Original voriiegt. Es lautet: „Betreffs der Resolutionen die sich auf die Organisation der jüdischen Bevölkerung Palästinas beziehen, schlage ich folgende Bedingungen zur Annahme vor: 1. datz die Autorität jedes vom Völkerbund für die Regierung Palästinas zu erlaffenden Mandates anerkannt wird und keine Anträge angenommen oder auch nur gestellt werden, die mit den Bedingungen des Mandates unvereinbar sind) 3. datz die Versammlung ihren repräsentativen Charakter in Zukunft dadurch behält, datz, wie bei der ersten Wahl, eine entschiedene Mehrheit der erwachsenen jüdischen Bevölkerung sich an der Abstimmung beteiligt. ES versteht sich, datz es nicht die Aufgabe der Versammlung ist, sich mit Fragen zu befassen, die Palästina als Ganzes berreffen, sondern nur mit den' inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft. Es ist ferner festzuhalten, datz die Anetkennung der Versammlung nicht das allgemeine Recht jedes Teiles, jeder Gruppe oder jedes Individuums im Lande, welchenGlaubens auch immer, berührt, der Regierung ihre Anschauungen über die sie betreffenden Angelegenheiten zu unterbreiten oder Beschwerden über Dinge vorzutragen, über die sie Ursache haben, zu klagen". Der Oberkommissar ist somit der Meinung, daß in der Tat eine Mehrheit der volljährigen jüdischen Bevölkerung an der Wahl tetlgenommen habe. War dies trotz des einmütigen Verbotes der Wahlbeteiligung durch sämtliche Rabbinen des heiligen Landes wirklich der Fall, so wäre es eigentlich Pflicht der rabbinisch n Kreise Erez Jisroels doch einmal ernstlich den Ursachen einer so furchtbaren Nuderlage der rabbinischen Autorität in der alten Heimat der Thora ernstlich nachzugehen und sich schonungslos darüber auszusprechen. Das „amerikanische Gold" dcs Mlsrachi-Emissärs Rabbi Fischmann — nach de Haans bitterem Worte — allein, und die Vorspiegelungen, die man den sefardischen Putz- und Waschfrauen gemacht hat, um sie zur Wahlurne zu bringen — erklären manches, aber nicht alles. — Traurig genug, daß die Uneinigkeit unter den Gesetzestreuen, der Verrat eines Teiles des„Misrachi", >. tcEifersucht zwischenS fardimund Aschkenasim und die mystisch-philosophische Sonderpolitik des Herrn Rabbiner Kuk die Macht nun kleines Arnillelbn. Gin Rarranensproß. Es war am 1. November 115b. Die Glocken aller Kirchen der Stadt Liffabon, der Hauptstadt Portugals, waren in Bewegung und läuteten mit hellem Klange das Fest der Allerseelen ein. Die Kirchen waren vollgesüllt mit Menschen, die den Gott der Liebe anflehten und der abgeschiedenen Seelen gedachten. Es waren gar viele fromme Taten, auf die sich die guten Liffaboner berufen konnten. Hatten sie doch das Feuer des Autodafe mehrmals angezündet, worauf die Ungläubigen vor den Augen des versammelten Volkes rösteten, Hatzen sie doch einer Bande von Matrosen die Weisung gegeben, sich auf die Häuser der unzuverlässigen Marranen-Nachkommen zu stürzen, sie auszuplündern, deren Bewohner, Greis samt Kind, zu ermorden. Cs läuteten die Glocken und predigten die Geistlichen von Liebe und frommen Taten .... Inzwischen bäumte sich draußen die ganze Natur gegen Heuchelei und Lüge auf. Die Strömung des Tajo erhob sich himmelhoch, trat kühn über die Nfer und setzte den einen Teil der Stadt unter Waffer, der andere Teil wurde aber von einem furchtbaren Erdbeben geschüttelt, das 30000 Menschen unter den Trümmern der eingestürzten Kirchen begrub. In einer der eingestürzten Kirchen lag eine Frau, die ein Kind unter ihrem Herzen trug. Sie war lebendig begraben und sah nicht die geringste Aussicht, aus ihrem Trümmergrabe ans Licht zu kommen. Berghoch türmte sich das Mauerwerk über sie und um . sie herum und keiner konnte mehr zu ihr gelangen, um ihr Nahrung cder Rettung zu bringen. Diese Frau entstammte einer Marranenfamtlie, Purtada mit Namen. Ihre Vorfahren wurden vor 208 Jahren gezwungen, sich zur Kirche zu bekennen, nachdem sie nicht den Mut gehabt hatten, gleich vielen anderen das Los der Auswanderung aus sich zu nehmen. Im Geheimen hat aber die Familie die jüdischen Bräuche und Traditionen treulich gehütet, obwohl sie nach außen hin zu den frömmuen, fleißigsten Kirchenbesuchern gehörte. Das Geheimnis des Judentums hat sich von Varer auf Kind erhalten und blieb auch lebendig im Herzen der Frau, die jetzt dem Hungertode unter den Trümmern entgegensah. Noch glaubte die Verzweifelte an ein Wunder und sie gelobte, bei einer unerwarteten Errettung sich frei und offen zum Glauben der Väter zu bekennen und käme was da wollte. Wie sie weinenden Herzens dieses Gelöbnis immer und immer wieder vor sich hersprach, ertönte ein neuer erschütternder Krach, der die Steine und Trümmer durcheinander schüttelte. Und siehe da. Durch die neue Erschütterung war ein Weg durch den Trümmerberg geöffnet. Ein heller Strahl drang in das tieje Grab, dem die Verzweifelte jetzt nachging, bis sie ins Freie gelangte. Das erwartete Wunder hatte sich vollzogen und die Frau ward gerettet. In treuer Ausführung ihres in verzweifelter Stunde gemachten Gelöbniffes verließ sie sofort Liffabon und gelangte nach langer beschwerlicher Reise in London an, wo sie sich öffentlich zum Judentum bekannte und sich der jüdischen Gemeinde anschlotz. Kurz darauf genatz sie eines SohyeS, der den Namen Abraham erhielt und treu in jüdischem Geiste erzogen wurde. S. Dezember 1930 völlig in die Hände dee radikalen Linksparteien gespielt haben. Diese freuen sich zwar vorläufig damit, daß die Partei Kuk ihnen den Gefallen getan hat, ein paar Sitze im Nattonalrat anzunehmen, um dort — neben der homöopatischen Dosis „Misrachi" — als festgenagelte Mesusa die Romantik des ohnmächtigen, unschädlichen Jeschiwa- Judentums zu repräsentieren — aber es wäre eine schwere Selbsttäuschung, sich von dieser Art „Vertretung" desThorajudentums irgend eine religiös aufrichtende Wirkung auf die in höchster Gefahr schwebende Jugend Palästinas zu versprechen. Ganz im Gegenteil. Diese Vertretung verleiht lediglichlich dem raÄkal-modernen Nattonalrat den Glorienschein jüdischer Gesamtheitswürde und verstärkt damit die zersetzenden Wirkungen, die von der in Gold und Macht prangenden zionistischen Bürokratie auf die Seelen der Heranwachsenden Generation ausgehen. Dem von den Rabbinen Disk in und Sonnenfeld geführten Teil der Orthodoxie Erez-Jisroels, der in unangreifbarer Festigkeit den die Autorität der min negierenden jüdischen Machthabern, ob das Glück der Stunde ihnen auch lächelt, die Gefolgschaft versagen, bleibt der Trost des Rückblicks in die jüdische Geschichte. Der aittP "irrw, das mw des Jesatas und die DTOü der Makkabäertage mögen ihnen kraftspendende Vorbilder sein. Sie werden aus den letzten Worten des Sümuel'schen Briefes und aus den in voriger Nummer mitgeietlten offiziösen Zusicherungen wenigstens zunächst die eine Zuversicht schöpfen, daß man sie vorläufig nicht offen vergewaltigen lassen, und daß man ihre korporative Unabhängigkeit nicht antaften wird. Von hier aus kann jederzeit ein Gesundungsprozeß des öffentlichen Lebens wieder beginnen, wenn die 'Krise des Augenblicks, die in erster Reihe eine Geldkrise, in zweiter Reihe eine organisatorische ist, überwunden sein wird. Znternlemngen. Aus Berlin geht uns die Mitteilung zu, daß mit der oft bereits erörterten und glücklicherweise immer wieder hintangehaltenen Internierung von „lästigen Ausländern" in Preußen jetzt ernst gemacht werden soll und ein ent'prechendes, m trelgroßes Lager dafür schon bereitgestellt sei. Es wird versichert, daß nur solche Ausländer — natürlich wird es sich praktisch meist um Oftjuden handeln — von der Internierung betroffen werden sollen, die sich einer Straftat schuldig gemacht, oder die einem an sie ergangenen Ausweisungsbefehl keine Folge geleistet haben. Man mag es verstehen, wenn auch nicht billigen, daß die preußische Regierung dem unausgesetzten Drängen bestimmter Volkskreise nach 1 -11J—L 1 . ... . -e Wie das Kind ein Jahr alt war, überstedelt seine Muiter mit ihm nach Bordeaux in Frankreich Dort verbrachte Abraham seine Kindheit, besuchte die Schule, wurde auch den jüdischen Wtssensquellen zugeführt und genoß schon in jungen Jahren als Gelehrter, großes Ansehen. Zur Zeit der großen französischen Revolution gehörte Abraham Purtada der Kommission an, die eingesetzt war, um Vorschläge für die Verbefferung der Lage zu machen. Während der Schreckensregierung der Jakobiner kam Purtada um sein ganzes Vermögen und er selbst wiederholt in Lebensgefahr. Allein dank seiner großen Energie, seiner Klugheit und seinen Geistesgaben, gelang es ihm wieder zu Ehren und Reichtümern zu kommen und sein Name ging durch alle französischen Lande. Als Napoleon Bonoparte an die Spitze Frankreichs als Lenker der Geschicke Eurapas kam, gelangte auch. Purtada wieder zu Bedeutung. Zu den hundert Notablen, die eine jüdische Körperschaft, einen jüdischen Senat bildeten, gehörte auch Abraham Purtada. Er wurde sogar zum Präsidenten dieses von Napoleon eingesetzten Senates gewählt, dem zunächst die historisch bedeutsame Ausgabe zufiel, die jüdische Emanzipation vorzubereiten. Es war eine Lebensfrage für die jüdische Zukunft, nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Nachbarländern Deutschland und Italien. Den Verdiensten Abraham Purtadas und seiner Staatsklugheit ist es nicht zuletzt zu verdanken, datz trotz vielen Gegenströmungen, die damals im Parlamente und am Hofe des Kaisers wirksam waren, die Emanzipation zur Durchführung gelangte und auch die Gründung des bekannten jüdischen Sanhedrin vom Kaiser genehmigt wurde. Dieses Sanhedrin war mit unbeschränkten Machibefugniffen in allen religiösen und weltlichen Angelegenheiten auSgestattet. Sei»

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