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Der Israelit · 1920-11-25 · Heft 47 (25.11.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 47 (25.11.1920)
Date
1920-11-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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LL. November MV vke Sukuntt des Würzburger Lebrerleminsrs. Würzöurg, 17. November. Die Frage, wie die Vorbildung der Bolksschullehrer in Deutschland künftighin sich gestalten wird, ist bis jetzt nicht geklärt. Würden die Beschlüsse der Reichsschuikonserenz, welche zunächst nur theoretische Bedeutung haben, Wirklichkeit werden, so müßten die staatlichen Lehrerbildungsanstalten verschwinden, denn auch die Volksschullehrer hätten dann ihre Vorbildung auf den ollgemeinen Mittel- und Hochschulen zu erholen. Daraus würde sich erst recht die Notwendigkeit des Fortbestandes jüdischer Lehrerbildungsanstalten ergeben. Denn, sollte auch die konfessionelle Scheidung der Volksschulen fallen und auch der jüdische Lehrer an der allgemeinen Simultanschule Anstellung finden, (wofür allerdings namentlich in Bayern sehr wenig Aussicht vorhanden ist) so müßte einerseits umsomehr dem Bedürfnis nach entsprechend üorgebildeten jüdischen Religionslehrern Rechnung getragen, andererseits auch den jüdischen Studenten der Pädagogik und Anwärtern auf den Volksschuldienst Gelegenheit gegeben werden zur Erwerbung sowohl jüdischen Wissens als auch methodischer Befähigung für die jüdischen Disziplinen. Jüdische Lehrerbldungsanstalten bleiben also eine Notwendigkeit. Verwaltung und Lehrkörper des Würzburger Seminars sind sich mit der jüdischen Lehrerschaft und weitesten Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit darüber einig, daß die israelitische Lehrerbildungsanstalt in der Universitätsstadt Würzburgerhalten bleiben, vielleicht im Sinne der oben bezeichneien Aufgaben sogar weiter ausgebaut werden muß. Seit Jahresfrist ist eine Reorganisation im Sinne bedeutender Erweiterung und Vertiefung des jüdischen Religionsunterrichtes einschließlich der für Kantor und Schächter nötigen theoretischen und praktischen Ausbildung im Gange. Mit einer Wochenstundenzahl von 16 bis 17 pro Klaffe, (mit Einrechnung der Präparandenzett 6 Ausbildungsjahresklaffen) die ausschließlich diesem Zweck dienen und deren Einzelfächer durch behördliches Entgegenkommen schon jetzt zu Gegenständen der Abschlußprüfungen geworden. sind, dürfte die Würzburger Lehrerbildungsanstalt hinsichtlich ihrer Fürsorge für die religiösen Bedürfnisse des jüdischen Gemeindelebens an der Spitze ihrer deutschen Schwesteranstalten stehen. Seit Anfang dieses Schuljahres hat der nunmehrige Würzburger Diftriksrabbiner Dr. Hanover den Vorsitz in derSeminarverwaltung übernommen. Durchdrungen von der ewigen Bedeutung des im Seminarbetrieb verkörperten altehrwürdigen traditionellen Judentums, getragen vom höchsten Idealismus bietet seine Persönlichkeit im Zusammenhang mit den rabbtnischen und anderen Mitgliedern der Seminarverwaltung und dem erprobten Lehrkörper volle Garantie, daß die Anstalt ihre überkommene heilige Aufgabe auch in veränderte > Zeiten unverbrüchlich erfüllen wird. Die veränderten Zeiten machen aber auch die Mitwirkung weitester Kreise notwendig, die finanziellen Voraussetzungen für die Lösung der bisherigen und hinzukommenden neuen Aufgaben zu sichern. Auf Anregung?des Herrn Dr. Hanover har sich eine größere Anzahl für das Judentum begeisterter Männer aus allen Gauen Deutschlands zu einem Finanzkomttee konstituiert, um durch ausgedehnte Sammeltätigkeit für das Seminar dessen Fortbestand zu sichern, damit nicht aus finanziellem Unvermögen der Zusammenbruch der Anstalt und damit weiter Teile des deutschen Judentums etntrete. Möge der Appell dieser Männer an die Gebefreudiqkeit der Glaubensgenossen offenes Ohr und offene Hand finden! klne Bilfsahtion (ür Durchroanderer. Kot«/ 12. November. Eine großzügige Hilfsorganisation ist in unserer Gemeinde ins Leben getreten zum Besten unserer ostjüdischen Brüdern und Schwestern, die Not und Gewalttat ins Elend treiben. Deutschland, Der Israel«. - und insbesondere Köln ist Durchgangsstätte für die Durchwanderer nach Holland, Belgien und Frankreich. Avf dem hiesigen Bohnhos ist eine Hilfsorganisation geschaffen worden, die geleitet von edeldenkenden jüdischen Frauen und Männern, und unterstützt von der selbstlosen hingehenden Arbeit unserer jüdischen Jugend alles versucht, um den Unglücklichen ihr Los zu erleichrern. Bet ihrer Ankunft werden sie sofort von unseren Helfern und Helle'innen empfangen. Um sie vor Ausbeutern zu schützen, werden Fahrkarten, Pässe usw. besorgt und jeder Rat erteilt. Bis zur Weiterreise, die meist nach einigen Stunden erfolgt, werden sie durch Nachtquartier, Speise und Trank am Bahnhof (am Bahnhof selbst ist eine streng rituelle Küche eingerichtet) und durch Verabreichung von Kleidungsstücken versorgt. Die anderen Gemeinden, die von der Einwanderung verschont sind, sind doppelt verpflichtet, diese jüdische Pflicht an unseren Brüdern zu erfüllen, und uns, soweit es in ihren Kräften steht, zu unterstützen. — Wir dürfen daher auf den heute veröffentlichten Aufruf Hinweisen. - Roten. kine jüdifdie Deputation bei den öeneräien der nioröarmee. Warschau» 10. November. Während der Anwesenheit der Generäle Balachowicz und Sawinkows in Ptnsk entsandte die hortlge jüdische Bevölkerung eine Deputation mit dem Rabbiner an der Spitze, welche Maßnahmen zur Einstellung der furchtbaren Gewalttaten gegen die Juden erwirken sollte. Balachowicz legte der Deputation dar, er hätte bereits die nötigen Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Exzesse unternommen, erging sich jedoch dann in Vorwürfen gegen die Juden. General Sawinkow wies vor allem darauf hin, daß die Juden verpflichtet seien, ihn und Balachowicz in ihrem Kampfe gegen die Bolschewiken zu unterstützen. Dann erkärte er, er hätte gemeinschaftlich mit Balachowicz bereits die nötigen Maßnahmen zur Unterdrückung der Gewalttätigkeiten getroffen. Als die Deputation darauf hinwies, daß sich - bisher eine Wirkung dieser angeblichen Maßnahmen nirgends gezeigt habe, begann Sawinkow über die Ursachen dieser Exzesse eine neue Theorie zu entwickeln, indem er darlegte, daß die Gewalttätigkeiten gegen die Juden von Militärangehörigen begangen würden, welche bet der Mobilisierung in die Rote Armee ausgenommen und dorr von den jüdischen Kommunisten schlecht behandelt worden seien. Sie hätten keine Gelegenheit gehabt, früher mit ihnen abzurechnen, und täten es jetzt. Nach diesen geradezu zynischen Erklärungen verlangte dann Sawinkow, die Juden mögen ihm und seiner Armee mehr Sympathie erweisen, als sie es bis nun getan hätten. Wie sehr die angeblichen Maßnahmen wirken, beweist die Tatsache, daß laut Meldungen aus Ptnsk die Soldateska der „Befreier" weiter im Gebiet von Mosyr gegen die Juden wütet. Unter anderem wurde die Stadt Rubel von den Balachowicz-Söldnern total ausgeplündert und dabei sieben Personen getötet und eine Anzahl Frauen geschändet. In Warschau sind die Vorsteher der Kreise Pinsk, Brest und Kobryn eingetroffen, um der polnischen Regierung Bericht über die Untaten der Balachowicz-Armee in ihren Kreisen zu erstatten. Verständigung. Marsch««/ 12. November. Nach Ankunft des Initiators der polnischjüdischen Verständigung, Dr. Alfred Nosstg aus Berlin, soll hier die Verständigungskommission von neuem zusammentreten. Wie verlautet, wurde Nosstg von der polnischen Regierung eigens hierher berufen. No. 47 Sette 5 neue Beftimmunsen für die Emigration aus Polen. Warscha«/ 12. November. / Das polnische Emigrationsamt hat, wie die „Jüdischen Emtgrationsnnd Reisenachrtchten" Zürich, melden, neue Paßbestimmungen erlassen. Um einen Auslandspaß zu bekommen, müssen eine Reihe von Dokumenten vorgelegt werden'. Die Auswanderung aus Polendürfte auch noch * dadurch erschwert werden, daß die polnische Regierung eine Gebühr von eineinhalb Prozent von den Schiffskarten vorgeschrieben hat. Da nun diese Gebühr nur von den in Polen gekauften 5 Karten behoben werden kann, so ist es im In- - tereffe des - polnischen Fiskus, die Emigranten ohne Karten nicht hinauszulassen, damit sie nicht ) im Ausland die Schiffskarten kaufen. Dies verf langsamt die Ausreise der Wanderer so, daß letztens nur 60 bis 70 täglich nach Danzig kamen. I Ts cherho-Ktorvakei. fludi in 9er Cfehechoflomahei! 1 Urag, 17. November. Z Die seit Tagen hier andauernden Demon-? strationen nehmen stark antisemitischen Charakter an. Es wird gegen die Deutschen und f Juden, vornehmlich aber gegen die letzteren, herf gezogen. Im Stadtteile Wetnb erq e wurde der | jüdische Tempel gestürmt und heilige Bücher $ wie auch Thorarolleu in Fetzen aus die Straße * geworfen. Dann wurde die Wohnung des j? Rabbiners heimgesucht und geplündert. Von den L demolierten Häusern und geplünderten Geschäften f gehören die meisten Juden an. | Aehnliche Nachrichten kommen aus Eger und f aus Pilsen. | — j: Das amerihanifcbe Hilfskomitee i für die Orthodoxie. Bratislava, 12. November. * Im Aufträge der orthodoxen Landeskanzler £ wurde für das amerikanische Hilfskomitee ein! Memorandum über die Lage der orthodoxen / Rabbiner der Slowakei sowie der Jeschi- 1 wos verfaßt, worin besonders auf die unge» I rechte Behandlung der orthodoxen Rab- | bittet und der Jeschiwos seitens des Joint- Komitees in Preßburg hingewiefen würde. i Mr. Morris Engelmann har dieses Memo- \ randum persönlich stark befürwortet und teilt nun J aus New-Iork mit, daß an die orthodoxe Landes- 1 kanzlei ein Scheck von 400.000 tschechischen Kronen für die orthodoxen Rabbiner und die Jeschiwos abgegangen sei. . \ Die Wiener Jüdische Presse weist daraus hin, daß diese Zuwendung nur eine unzureichende j Entschädigung für die jahrelange Vernachlässigung : der Orthodoxie in der Slowakei bedeutet, die schon seinerzeit, als das amerikanische Hilfsgeld i in Budapest zentralisiert war, sehr schlecht weg- I gekommen ist, aber gar von dem seit zwei Jahren i in Preßburg wirkenden Komitee in der unver- \ antwortlichsten Weise übergangen worden ist. \ Diese Spende enthebt das Preßburger Joint- .jf Komitee durchaus nicht der Pflicht, in Hinkunft $ den notleidenden Rabbinerfamilien und Jeschtbot, seine Aufmerksamkeit bester zuzuwenden, sondernsondern soll eher ein Memenro für eine fernere, gerechtere Verteilung sein. | Schirret?. Dom Völkerbund. | He«f, 19. November. Die englische Regierung hat in einer i Mitteilung an den Völkerbund sich damit ein- | verstanden erklärt, Truppen zur Verfügung zu; stellen zum Schutze der öffentlichen Ordnung zu Wilna und in den litauischen Abstimmungsgebieten bis zur Vornahme der Abstimmung. Die spanische Regierung hat ebenfalls zwei Kom 3 pagnien zur Verfügung gestellt.!

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