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Der Israelit · 1920-11-25 · Heft 47 (25.11.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 47 (25.11.1920)
Date
1920-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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— — -n-.-. > V. ... ... - ,„IJI|, L! — 1U„ feette 4 No. 47 Der Israelit. SS. Novemöer 1VSV Schein erregen, als würden die mit der Führung der Matrikenämter betrauten Rabbiner die geschlossene Zivilehe als iacrosanet erklären. Man stelle sich folgenden Fall vor: Ein jüdischer Ehemanne , der eine Zivilehe einging, meldet bei dem zuständigen Rabbinate seiner Ortsgemeinde die Geburt eines Kindes an. Uber die vollzogene ^Ehe" legt er den Trauungöschein der Zivilbehörde vor/ der Rabbiner ist genöügt, das Kind als „ehel ch" einzmragen und über die „eheliche" Geburt des Kindes auf Verlangen ein Z-ugnis auszustellen. Mit diesem vom Rabbinate ausgestellten Gebnrtszeugnisse kann nun der der Zivilehe entstammende Sprößliug männlichen und weiblichen Geschlrchtes nach Jahren ein Kind aus gut jüdischem Hause heiraten, ohne daß es den gut jüdischen Eltern einsallen würde, über die eheliche oder uneheliche Geburt ihres zukünftigen Familienmitgliedes viel nachzudenken. Und doch kann es sich in diesem Falle trotz Rabbinatszeugnisses um einen notorischen *"!7£ö oder einen solchen handeln, der "NL8 ist. Von der eigentümlichen Stellung des Rabbiners, der genötigt ist „nach besinn Wissen und Gew ssen" etwas offiziell, d. h. „amtlich" anzuerkennen, was er vermöge seiner Stellung und r ach seiner innersten religiösen Ueberzeugung unbedingt verurteilen muß, wollen wir ganz absehen. Das ist ein Zwtelpalt, der in der zweifachen Stellung des Rabbiners als Beamter dem Staate gegenüber und als Seelsorger seiner Gemeinde gegenüber, begründet ist und über den kein Rabbiner so leicht hmwegkommen wird. t Zu größeren Komplikationen und noch größeren seelischen Konflikten wird es in unserer Republik kommen, wenn die von der Regierung beabsichtigte Trennung der Kirche vom St ate zum. Gesetz erhoben' wird. Es kann schon j tzt verraten werden, daß selbst nach der g planten Trennung der Kirche vom Staate die Seelsorger aller Konfessionen nach wie vor mit der Führung der Matrikenämter betraut werden, dies schon aus — Ersparnisgründen, da sonst der Staat genötigt wäre, Standesämter einzusühren und Standesbeamte anzuftellen, was den Staats-' sock l um viele Millionen jährlich belasten würde. Nach den bisher gen Erfahrungen steht zu erwarten, daß nach vollzogener Trennung der Kirche vom'Staate die Zivlitrauungen noch mehr ty Mode kommen und die religiöse Trauung fast vollständig verdrängen werden. D:e Rabbiner werden aber in ih-er l^genfchaft als staatlich anerkannte und bestellte Matrrkensührer gej zwungen sein, die Kinder, die solchen Ehen enti spossen, als „ehelich" anzuerkennen und dies so- I gar amtlich mit ihrem Rabbinatssiegel zu be-! Wiegand der Ps.pyrusfoi scher. Prof. W. Schulart, der Prähistoriker, Prof. Dr. E. Wert, teilen eine große Anzohi wertvoller archäologischer und topographischer Beobachiungen mit und Wiegand behandelt Bautechnik, Baustil und Schmuckformen "jener Wüüenruinen, der Reste der One des einst gesegneten Landes, die hier in den ersien Jahrhunderten der christlichen Zeit liegen. Der hohe Be-g, der hier seit uraller Zeit von Wallfahrern bestiegen wird, tr.ägt nach der Bibel, die ihn den Berg Hör nennt, Arons Grab. Eine byzantinische Klrche hat dann hier gestanden, an dem Glatze erbebt sich jetzt ein kleiner islamitt'cher Bau. Aber auch das Sinai Problem selbst haben die deutschen Gelehrten in Angriff genommen und glauben, den wahren Sinai gefunden zu haben, einen wildzerrissenen mit seinen goldgelben Jelsmassen weithin sich'baren, monumental ausgebauten Berg, der heute Dshebel Jelek heißt. Die byzantinische Tradition suchte, wie man jetzt erkennt, den Stnai-B^g zu weit im Süden, was sich mit den Angaben der Bibel über die Sicnte des Geietzes nicht vereinbaren läßt. Das zweite Heft der Veröffentlichungen wird die Inschriften des Sinai-Gebietes behandeln, die Prof. D. A.'Alt, jetzt in Basel, gesammelt hat. (Wie der Chassam Sofer dichtete . . .). In einem Feuilleton „Bilder aus dem alten Preßburg" in der jüdischen Presse, Organ für die Jnt-resstn des orthodoxen Judentums in der Tschecho Slowakei, wird unter anderem auch vom früheren Schüler der Jeschiba, Moritz G. Saphir erzählt. Saphir schrieb damals lerne ersten Verse für eineLZreßburger Zeiiung. Das bekam ihm aber übel. 8r wurde aus der Jeschiba ausgewiesen. Aber die traurige Tatsache hatte eine heilere Form. Der Raw (der Chaffam Sofer) ließ ihn rufen und sagte üjm recht bündig: , stätigen. Hier girbt es nur. einen Ausweg: die alte jüdische Trauung NVv rH3- (Man sollte glauben) daß keine Behörde einem Rabbiner verwehren könnte, auf den Matrikel-Auszügen gegebenen Falles deutlich zu vermerken, daß eine religiös e Eheschließung nicht stattgefunden hat. Darauf müssen die Rcchbinen aus Gründen der Wahrhaftigkeit — von ihrem religiösen Standpunkte ganz abgesehen — nnter allen Umständen bestehen. Red.) tvrresponoenzeu und Aachrlchteu. Dsutfdte# Neirh. begenSenbildung- Krankfnrt a. M., 17. November. In einem Interview behauptet Prof. Dr. Pick aus Berlin - u. a., die Preßburger Konferenz habe „in einer feierlichen Resolution den Kampf gegen den Zionismus und noch mehr gegen den ^Mtsrachi als den Zerstörer alles Heiligen mit in das Programm der Aguda ausgenommen". Wir wissen nicht, welches parteipolitische Interesse der „Misracht" daran hat, derartige, vergiftend wirkende Unwahrheiten zu verbreiten. Die Resolution, die in Preßburg angenommen wurde, enthält auch nicht ein einziges Wort von dem, was hier behauptet wird/ sie sagt einfach, daß die „Aguda" ihre cigenen Wege gehen und weder mit dem „Mtsrachi" kämpfen, noch sich mit ihm verbrüdern solle. Drese Resolution war das Ergebnis eines Kompromisses zwischen entschiedenen Gegnern (Polen, Tschecho-S owakei) und Freunden (Holland, Lltrar-en) d s „Mtsrachi", während die An'chauung, daß der Mtsrachi die religiöse Autorität in den Gemeinden zerstöre in dem ofstztellen Berichte ausdrücklich als Meinung der Vertreter der beiden erstgenannten Länder allein wiedergegeben. war. Es ist überaus traurig, daß grade mierachistische Kreise in ihrer Abneigung gegen Agudas Jisroel sich immer wieder Uebertretbungen und Unkorrektherten zu schulden kommen lassen, die den Gegensatz unnötig erweitern. In dieses „Saphir, ich höre du wächst Gedichte für die Zeitungen; nun will ich dir zeigen,, daß ich auch Verse machen kann: Saphir! . marschier von hier"!- (Antisemitismus iin Namen Lesfings.) Der Braunschweiger literarische Verein „Lessi»gvund" ist zurzeit Schauplatz einer literarisch-politischen Fehde. Der Schriftsteller Kanmir Edschmid lallte einen Vortrag über neuere deutsche Literatur hallen Dies veranlaßie eine Anzahl Mitglieder, mit dem Austritt zu drohen, falls der Schriftsteller seinen Vortrag halte; denn er sei — Jude und verderbe die deutschen Sitten (!). Fred Hildebrandt geht nun in den Braunschwetger Neuesten Nachrichren mit diesen sonderbaren Lüeratürf'.eunden heftig ins Gericht, indem er zunächst feststellt, daß der Darmstadter Eduard Schmidt alias Kasimir Edschmidt überhaupt rein arischer Raffe sei, indem er weiter daran erinnert, daß die Leistung allein in der KuM das Entscheidende sei, ganz gleichgültig, ob der Betreffende nun Spartakist oder Deutschnat^onaler, Christ, Jude oder Heide sei. Der „Lessingbund" will nun darüber abstimmen lassen, ob der Vorirag Edschmlds stallfinden soll oder nicht. Ob die Leute nicht lieber abstimmen wollen, ob sie den Namen Lesfings noch weiter tragen sollen? Klavier-Romanze') Die Klavier - Komposition „Romanze" von Max Neu mann, dem Leiter des Jüdischen Orchestervereins die soeben bei Sänger u. Friedberg erschienen ist, ist ein äußerst feinfühliges, großzügig angelegtes und doch bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes We k. Die Komposition zeichnet sich durch ihre klare, durchsichtige Harmonisierung, durch ihre entzückende Kapitel gehören auch die Verdächtigungen, die auf dem Delegiertentag des schweizerischen. „MiSrachi" von dem Referenten, A. I. Rom, gegen die Gesinnungsreinheit der Aguda-Führer gerichtet worden sind. Solche Dinge zu widerlegen, lohnt wirklich nicht/ es genügt, sie niedriger zu Helgen» Kol märe. < Aerlt«, 19. Nov. Die letzte Repräsentanten - Sitzung brachte eine neue Debatte über das Kol Ntdre- Gebet. Die Synagogen-Borstände der Synagogen Kaisersiraße und Kottbuser-Ufer haben den liberalen Machthabern in erfreulichem Selbstbewußtsein den Streich gespielt, daß sie, ohne viel zu fragen, das von liberaler Neuerungssucht abgeschaffte uralte Kol Ridre-Gebet am -letzten Jaum Kippur wieder einsührteru Darob natürlich große Entrüstung bei den liberalen Mannesseelen. Der Vorstand mußte beteuern, daß er der Revolution in der Kaiserstraße und am Kottbuser-Ufer vollkommen sernstehe und weder offenen, noch geheimen Einverständnisses mit den Empörern schuldig sei. Dr. Klee konstatierte mit Recht, daß der ganze Vorgang lediglich ein Symptom für die nicht aufzuhaltende Bewegung auf' Einführung des Paroch ialsystems sei, wogegen von liberaler Seite wiederum das hohe Lied von der Gemeinde-Einheit gesungen und als Gespenst die „Trennung der . beiden großen Richtungen in der Gemeinde" an die Wand gemalt wurde. Im übrigen löste sich die Debatte in Wohlgefallen auf. Eine Sonderkommission soll sich m t der Notlage der oft jüdischen Studenten in Berlin befassen. Endlich wurde beschlossen, van den Koscher-Fleischhändlern einen Beitrag zu den Schächtkosten zu erheben, der von den Händlern mit 10 Pfg. pro Pfund auf die Verbraucher abgewälzt werden soll. Berlin, 18. Nov. Der Vorsitzende der liöe- 'ralen Fraktion innerhalb der Rcpräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Mo^' Ginsberg, hat sein Amt' als Repräsentant niedergelegt. Jnfolg dessen tritt der bisherige Rep^äentantenftellvertreter, Herr Magtslratsrat Dr. N e u m a n n (konservativ) als Repräsentant ein und wird seinerseits durch Herrn Fabrikbesitzer Theodor Löwen b erg (konservativ) ersetzt. Durch diese Veränderung --zählt die Rchräsentantenversammlung nunmehr 5 Konservative, 12 Liberale und 4 Mitglieder zder jüdischen Volkspartet. Die liberale Majorität, 12 gegen 9, steht nur noch schwachen Füßen. Melodieführung, und ganz besonders durch ihre herrlich, . Kantilene aus. Dabei hat sie den großen Vorzug 'daß der Verfasser bei ibrer Anlage besonderen Wert darauf gelegt hat, sie leicht spielbar einzurichten/ sodaß schon mittelmäßig Fortgeschrittene sie bewältigen können. Die Komposition zeigt den auf der Höhe der heutigen modernen Kunst stehenden Komponisten. Wir können sie wärmstens empfehlen. B.>P. Samlllennachnchten. » Barmizwoh-Feier. Adolf (Abraham), Sohn des Herrn Bernhard Budweitz, Kaufmann in Schwäbisch- Hall (Württb.). — Reginald, Sohn des Herrn MoseS (Max> Oppenheimer, Liberty-Road 7, London N. S, Highburg. Saddai-Anfang und Ausgang. nbm rair- ORT» Anfang Datum AuSgang Uhr iMin. Ivsol 5681 Mr jMiu. 37. IL.Kislew Frankfurt a. M 4 05 9lov. 5 20 Berlin .... 4 — 4 47 München . . . 4 15 5 08 Straßburg . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Bosen .... — ’ — - — ■ Nürnberg. 4 io 6 07 Hamburg . . . — — 5 06

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