Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1920)
- Date
- 1920-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Veite S Sfc. 4T Ser Israelit. Sv. November 1SS0 der Johannisstraße durchaus freuen, denn der Sonntagstempel stellt auf der Stufenleiter des Abfalls immerhin einen wesentlich tieferen Grad unjüdiicher Gesetzesentfremdung dar als die Reformkuite der „Jüdischen Gemeinde" — aber vor dem Forum der Halacha hat eine shnagogale Gemeinschaft, die sich auf den religiösen Grundsätzen jener Reformkulte aufborft, genau ebensogut ihren „Ausschluß aus dem Judentum vollzogen und sich als eine außerhalb des Judentums stehende Sekte konstituiert" wie dies Herr Moritz A. Loeb von der Johanntsftraßen-Gemeinde behauptet. Hält die Gemeindeorthodoxie den religionsgemeindlichen Zusammenhang mit diesem Judentum der Willkür dennoch aufrecht, weil sie sich aus wohlbekannten, von uns nicht gebilligten Gründen dazu verpflichtet glaubt, so könnte sie das grundsätzlich auch tun, wenn zu den mannigfachen Judentüwern der Reform noch der Amerikanismus der Johannisstraße hinzutritt. Nicht ohne aktueller» Grund übrigens hoben wir die Sätze niedergeschrieben, die Herr Loeb beanstandet. Es kam unS dabei wahrlich nicht darauf an, die Gemcindeorthodoxie zu ärgern oder sie kurzer Hand auf dem Wege einer logischen Gedankenoperation zu bekehren. Vielmehr ist es die im Fluffe befindliche Bewegung zur Schaffung einer Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden, was eine Klarstellung dieser scheinbar rein theoretischen Fragen notwendig erscheinen laßt. Ein großer Teil der gesetzestreuen Judenheit steht nun einmal den Resönngemeinden ohne Sonntagsgottesdienst grundsätzlich mit denselben .Empfindungen und Anschauungen gegenüber wie 'die Berliner Gemeinde-Konservativen gegenüber der Johannisstraße. So wenig diese Konservativen sich berechtigt fühlen, die Sonntags-Gemeinde als gleichberechtigte Gestaltung jüdischreligiösen Gemetzsschaftsleben in demselben Gemeindeverbande neben stch zu dulden und damit anzuerkennen, so wenig kann man der an prtnzip!elles Denken gewohnten Orthodoxie zumuten, -sich in eine jüdische Gasamtorgarüsalion hineinzubegeben, die Reformjudentum und Tborajudentum als gleichberechtigte religiöse „Rtchtungan" umfaßt. 'Was dem einen recht, ist dem andern billig: Erachten Gemeindekonservative und Bolkspartei es mit den Grundsätzen moderner religiöser Toleranz für wohl vereinbar, die Gemeinschaft mit der Johannisstraßen-Reform höflich, aber entschieden abzulehnen, so werden sie das analoge Recht doch wohl auch der selbständigen Orthodoxie zugestehen, die in Zwei Lager. Zum Wocheuabschnitt. Die Boten kehrten zu Jakob zurück und bringen ihm die Nachricht, daß Esaw in seiner Feindschaft gegen ihn beharre und mit einer Gefolgschaft von 400 Mann ihm entgegenziehe. Da fürchtete sich Jakob gar sehr und es war ihm bange und er bereitete sich in dreifacher Weise vor, seinen Bruder zu empfangen. Zuerst zum Kriege. Nicht hoffte er, den feindlichen Bruder zu besiegen; er teilte vielmehr all das Seinige in zwei Vager, damit, wenn das eine, geschli gen würde, wenigstens das andere entrinnen könne. Unser Vater Jakob hat hierdurch seinen Nachkommen eine große LehA gegeben und es wird uns erzählt (1. B. d. K. C. 8, B. 13), daß der Prophet Ovadjah, der Haushofmeister deS Königs Achab, in ähnlicher Weise verfuhr. Bor dem Mordschwerte der böken Königin Jsevel barg er hundert Prophetenschüler, je fünfzig in einer Höhle und versorgte sie wit Speise und Trank während der Jahre der Hungersnot. Nicht zusammen ließ er fie wohnen, damit, wen» Jsebel die jeder wie immer gearteten Dauergemetnfchaft reformierter und gefetzeStreuer konfessioneller Körperschaften einen Gewissenszwang für sich und eine Verfälschung ihrer heiligsten Grundsätze erblickt. Wir wollen hoffen, daß in den kommenden Monaten diese Erwartung nicht getäuscht wird. Wochenmndschaii. laben nab Seatsche. Die letzten Vorgänge in P'0g und anderen Städten hinter den böhmischen Bergen zeigen deutlich, wie wenige die Völker, allen Grenzregulierungen und Neuordnungen zum Trotze, imstande sind, in ihrem innersten Wesen über Nacht umzulernen und sich umzustcllen. Man durfte in letzterer Zeit im Vergleich zu anderen Ländern die Tschechoslowakei ein glückliches Land preisen, wo ein Volk fast all seine politischen Träume erfüllt sah und unter weit günstigeren Lebens- Verhältnissen als sonstwo in Mitteleuropa seinem politischen Konsolidierung und der Fortentwicklung seines Wirtschafts- und Geisteslebens entge ensehen konnte. Aber von alten lieben Gewohnheiten kann man in Böhmen so wenig lasten wie anderswo. Zu diesen Gewohnheiten gehören gelegentliche blutige Schlägereien auf dem Ring zu Prag zwischen Tschechen und Deutschen^ und eS gehört auf der anderen Seite mit zum Bilde, daß dabei jüdische Firmenschilder heruntergerisien, jüdische Geschäfte geplündert, jüdische Paffanten mißhandelt werden, daß überhaupt die ganze Kampagne unter dem Schlachtenrufe „Gegen die Juden und Deutschen" vor sich geht. Und bet den Dimensionen, die heute überall diese Hetzen annehmen, in einer Zeit, da das Menschenleben billig und Eigentum nicht mehr heilig ist, in einer Zeit, da die Technik des Mordens und Plünderns in fünf grauenvollen Lehrjahren bis zur Vollendung ausgebaut wurde, ist es wahrlich nicht zu verwundern, daß das Bild in den Straßen Prags, Egers und Pilsens heute nock etwas trostloser ist wie bei früheren ähnlichen Anlässen und daß es in den Ju dengassen schon bedenklich nach Pogrom tust riecht. Was haben die Juden im tschechoslowakischen Staate Unrechtes begangen? Sie sollen früher, als die Nationalitäten noch unter dem österreichischen Doppeladler „vereinigt" waren, mit den Deutschen gehalten haben und sie führen heute noch deutsche Namen. Das ist alles! —-- eine Höhle entdecken und deren Jnsaffcn ausrouen würde, d,e Prophetenschüler in der anderen Höhle errettet würden. > In allen den Leiden urid Verfolgungen der langen und oftmals, traurigen Geschichte unseres Volkes hat stch dieses Verfahren unseres VaterS Jakob vielfach bewährt. Als daS römische Weltreich den Ueberrest Israels ganz und gar zu zermalmen drohte, da erblühte dem bedrängten Volke ein neuer.Frühling an den Ufern deS Euphrat und des Tigris unter der Herrschaft der Parther und Gabrier und seitdem war immer das Golusle'd ein ivn.l eine Walze, die einmal dahin, einmal dorthin rollt, aberniemals hat Gott die Gesamtheit Israels preisgegeben. Er hat irnmer einen Zufluchtsort bereitet, wo wenigstens ihrer ein Teil sicher und geborgen war. „Und er sprach: wenn kommen wird Esaw zu dem einen Lager um es zu schlagen, so wird daS andere Lager zur Rettung fein", zur Rettung nicht nur für sich, sondern auch für die bedrängten Brüder. Immerwährend haben die in Sicherheit wohnenden Brüder die Verfolgten und AuSgewiefenen freundlich und zuvorkommend ausgenommen und Ovaren bestrebt, ihr hartes Los nach Kräften zu lindern. Und so geschieht es auch heute noch. Warum leidet aber Israel so schwer? Hören wir, waS unsere Weisen aus der Stdra herauslefen: Nachdem Esaw sich mit Jakov auSgesöhnt und das ihm dargebotene Geschenk angenommen hatte, da sprach er: roton rdSji nyw „wir wollen ziehen und wollen gehen und ich will dir gegenüber gehen". Diese eigentümliche AuSdruckSweise wird im Midrasch dahin erklärt, daß Esaw dem Jakob den Vorschlag machte, diese Welt ebenso wie die künftige Welt mit- Werden sich unsere Hasser und Hetzer in Deutschland dies merken? Zur Zeit, da fie hier dir Juden als „dem deutschen Wesen fremd und feind" auf den Tod bekämpfen und 'ein Kesseltreiben gegen sie in Szene setzen, wie man eS in den Tagen der schlimmsten Reaktion nicht gekannt, zur gleichen Zeit leiden dort in Böhmen die Juden schwer für ihr Deutschtum. Ein Gleiches erlebten und erleben wir auch in der Provinz Posen und im oberschlesischen Abstimmungsgebiete. Eine Lehre haben die RechtSparteiten so wenig daraus gezogen, wie sie sich jetzt von den Vorgängen in Böhmen werden belehren lassen. Sin neuer Karr in RamSaieal Jorga, der bekannte rumänische Professor des Antisemitismus, hatte, wie eS eine zettlang scheinen wollte, umgelernt. Man erinnert sich eines VortrageS, den er im Czernowitzer Stadttheater gehalten hatte, in dem er über die Juden ungefähr folgendes ausführte: „Sie sind hier autochthon, die Gebeine Ihrer Ahnen ruhen in diesem Boren, der Ihnen lieb, heilig und teuer ist. Sie haben mitgearbeitet an der Entwicklung dieses Landes, darum müssen wir Ihnen die volle Gleichberechtigung gewähren, nicht allein vom Standpunkt der Gesetzlichkeit, sondern ganz besonders vom Gesichtspunkt der hohen Gerechtigkeit. Wir müssen peinlichst vermeiden, den Eindruck zu erwecken, als ob wir Sie nach anderen Grundsätzen behandeln wollen als nach denen, welche auch für das rumänische Volk in Geltung sind. Es liegt für uns gar kein Grund vor, Sie zu verfolgen oder Sie in kultureller oder sozialer Hinsicht zu benachteiligen und Ihre Rechte zu schmälern. Wir müssen den Standpunkt wahren, der sowohl dem Staate als auch den nichtruwänischen Elementen zum Vorteil gereicht. Dann wird das edle rumänische Volk, in dessen Namen ich spreche, glück.ich sein." Jorga hat's gesprochen, die Welt hat's gekört. Ein Amschwung trat in der öffentlichen Meinung ein. Jorga hat sein Ziel erreicht. Der Ministerpräsident Vajda Voivod hat in Paris sich Gehör verschaffen können, und es trat eine bessere Zeit für den rumänischen Premier dort ein. Dies schilderte Vajda ganz offen in der Kammer. Und nun ist alles fertig. Der Friedensvertrag ist ratifiziert, Großrumänien ist auferstanden und kann sich den Luxus des Antisemitismus schon wieder leisten. An den Hetzen, die jetzt offiziell und inoffiziell auch in Rumänien ins Werk gesetzt werden, hat wieder in altgewohnter Weise Professor Jorga einen hervorragenden Anteil. W nn nicht alle Zeichen trügen, " einander zu te len. Jakob aber lehnte diesen Vorschlag ab. NNL02 ,D'21 D'N^'.I '2. Die Kinder werden schwach sein in Erfüllung der Gottesgebote; vblp DK Dp^n1?, wenn sie ungestört die Freuden dieser Welt genießen dürften, fm dV ,NNK ov DipEni, so würde sie dereinst der eine Tag, der Tag deS Gerichts, hinwegraffen, jks iinpiip Wnr» jK5tn bv INDI und verloren wä,e die ganze Heerde JSraelS. . vtay K3 nr? Bbivi nwm ipSn np». „Möge doch mein Herr (Eiaw) vorherzirhen vor seinem Knechte und sich aus schließlich erfreuen deS Glückes dieser Welt ’JK “noys* P»b6. „Ich aber werde langsam vorMärtS streben und auSharren auf meinem Wege, wenn ich auch Niedrigkeit und Verbannung tragen muß. .TVytP bOK HPK “tf. Bis daß ich kommen werde zu meinem Herrn nach Setr. Rabbi Abahu sagte: Wir finden, nirgendwo angedeutet, daß Jakob während seines ganzen Lebens jemals in Setr gewesen; es beziehen sich vielmehr diese Worte ans die messtantsche Zeit, von der es heißt (Obadja Kap. 1, B 21): Und es werden Heraufziehen die Helfer auf den Berg Zion, zu richten den Berg Esaw und GotteS wirb sein die Regierung". Unser Vater Jakob wollte nicht, daß seine Kinder sich mit denen Esaws vermischen und zu einem Volke werden. Wohl sah er voraus im prophetischen Getute, welche große Rolle dem Bruder.Edom (Rom) in her Weltgeschichte zu spielen Vorbehalten war. Er oher wollte nicht teilnehmen an der Hoheit, an der Macht, an dem Reichtume, an dem Glücke des Bruders, er verzichtete für sich und seine Nachkomrnen auf die ungestörten Freuden dieser Welt; erwutzte, daß-,der hohe Beruf Israels, ein GotieSvolk zu sein, nicht leicht vereinbar ist mit dem Bollgenuffe der irdischen Freuden. „Die Kinder sind schwach in der Erfüllung der GotteS«