Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1920)
- Date
- 1920-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iffBÜ Ein Centratorqan Iflr das orthodoxe Jatentam flfJBÜ mjwsBUj »8casjggga Beg Sotfel dod Dr. tonn Io Dior cssasi U VftSrj i r M MM 61. Jahrflans* s^J Sranhfurf a stl.. den 25. November 1920 12- Kislew 5681 M 47 «kstonurment pro Vierteljahr r Deutschsandhei dev Postämtern sowie vei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil. dnrckd.Verlag M 6.— viertelt, f. Lehrern KultuSbeomte (n. direktM. 3.—viertelst., monatl. KPig. Bestellgeld Deutsch-Oesterreich Kr.30.— viertelj.; Dschecho» Slowakei Kr. 12.—Ungarn Kr.36 — viertelst. Poleusvvr iv deutsch. Reicbsmk.) M. 9. vierteljährl., Rumänien 10 Lest Holland fl. 1, Skandinav. Kr. 2. Schweizss.1.50,Frankreich u.Bel-ien Fr.2.50, England 1 ad. 6 p.. Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. 1 Der Israeli! erscheint jede« Donnerstag I Inserate Mk.l.50stirdi«>sech8gesva!tene Tnlonel-Zeile einschl. DeirerungSrnschl. :AnSland-Jns.Mk.3.— pro Zeile! Rab. nach Dari« Bei lausenden Jnseratauftr. tartfm. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnseratenannahme dura» .oen Verlag des Israelit G. m. b H., sranrfurt a. M.. Gr. Ei«enSeimerstr. 23 Del. 5842, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. deS In- und Auslands. VlatzvorschrMeu oh», Verbindlichkeit. Aahl»«uaen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. Ro. 19802 — erfolgen an: Postsparkaste Wien Ro. 79««» Postspnrkoflenamt Budapek ‘>'o. 1«»’4 Postscheckamt Zürich Wr. VIII 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 24869 Böhmische Unionhonk in Draa Hanes Jfarmarosof* Blank & Co. in Bncareat Filiale des Wiener Bankvereins in Agram «. deren Filialen. Der Ttadiörudi 0er Artikel und Korrespondenzen des „Israelit“ M nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um gröbere fiuffäfee handelt, nur. naxh Dorherigpr öenebmigung gebattet. InhallsSbevstcht. ' 1. Leitartikel: Resormgemeinde und Sonvtogsgemeinde. — 2. Homiletik: Zwei Kager. — 3. Klein es Fe uilleton: Dr. I. S. Kloch. - lHofmanns Bibelquartett.) — (S. Anski.) — (Deutsche Forschungen am Sinai.) — (Wie der Chessam Sofer dichtete . . .) — (Antisemitismus im Namen Lessings)- (Klavier-Romanze.) 4. Wochenrundschau: Juden und Deutsche. — Ein neuer Kurs in Rumänien? — 5. Aufsätze: Zur Mohetlim-Frage. — Felix Kanter: Die Zioelrhe in der Tschecho-Slowakei. — 6. Korrespondenten und Nachrichten: Frankfurt a. M., (Leqendenbildung.) — Berlin, (Kol Nidre.) — Berlin. — Würzburg, (Die Zukunft des Würzburger Lehrerseminars.) — Köln. (Eine Hilfsaktion für Durchwanderer.) — Warschau, (Eine jüdische Deputation bei 'den Generälen der Mordarmee.) — Warschau, (Verständigung.) — - Warschau. (Neue Bestimmungen für die Emigration aus Polen.) — Prag (Auch in derTschecho-Slowakei ...) — Bratislava, (Das amerikanische Hilfskomitee für die Orthodox e) — Genf, (Vom Völkerbund.) — Wien, (Rumänien als Nat'vnalitäten-Staat.) — Budapest, (Die neuesten Petljura-Pogrome.) Bükarest. — Paris/ (Eine Aktion für die ukrainischen Juden.) — London, (Jüdische Flüchtlinge in Indien.) — London, (Palästinas Nordgrenze.) — New-Iork, (Die Uebersiedlung der „Agudas Jisroel" nach London) — 7. Personalien. — 8. Frankfurter Berichte: Die Katastrophe des jüdischen Volkes. — Trauerkundgebung für den Hanauer Raw. — Hugo Weingarten y'st. — Familiennachrichten. — Vereinskalender. — Gebetzeiten. — 10. Feuilleton Beilage: Josef Kastein: Der Krunnen. — I. P. Perez: Glam habva. — Kindereae: Ch. Bloch: Talmudtfche Weisheit. — Heinrich Einstädter: Gin Kätsrtmärchen. Rätselauflösung Resormgemeinde und Sonntagsgemem^e. Wir empfangen von Herrn Moritz A. Loeb, dem Führer der konservativen Fraktion in der Berliner Repräsentantenversammlrmg folgende Zuschrift: ' „Die Wochenrundschau in Nr. 45 des „Israelit" beschäftigt fick mit der F>age der Aufnahme der sogenannten „Reformgemeinde" in Berlin' in die große Multei gemeinde. Nach objektiver Darstellung des Verlaufs jener Sitzung, in der auf eine an den Gemeindevorstand gerichtete Anfrage der Liberalen, sowohl die Vertreter der jüdischen Volkspartei (Zionisten) als auch der Sprecher der konservativen Fraktion, sich mit aller Entschiedenheit gegen die Aufnahme der Reformgemeinde erklärt hatten, heißt es in jenem A-iikel: „Der auf dem Boden des altüberlieferten Judentums stehende Beurteiler wird diesen Wortstreit nur mit Kopfschütteln anhören köriyen. Es ist wirklich nicht einzusehen, welcher prinzipielle Unterschied besteht zwischen dem Standpunkt beispielsweise deS Gemeinderabbiners Kellecmann und seiner Genoffen und demjenigen, der Sonntagsgemeinde. Die dem Judentum fremden religiösen Lehren, welche die Rkform-Rabbiner der großen jüdischen Gemeinde veikünden, der Geist der Richtlinien des liberalen Judentums, der innerhalb derselben jüdischen Gemeinde als anerkanntes Judentum figuriert, unterscheiden sich lediglich graduell, nicht prinzipiell von dem Judentum der Johannisstraße und es ist wirklich vom Standpunkte der Logik nicht eiruusehen, was den Mtiglied' rn der Berliner Repräsentantenversammlung das Recht gibt, theologische Unterschiede zw scheu Johannisstr aße und Oranienburgerstraße zu kvnsiruiercn." Diese Sätze sind es, die mir die Jeder in'd.eHand drücken. Zunächst, wer über Berliner Verhältnisse schreibt, sollte sie doch auch kennen) bet dem Autor dieser Rundschau ist das sicher nicht der Fall, das beweist schon der Satz vom „Gemeindeiabbiner und seinen Genossen". Jeder mit Berliner Verhältnissen auch nur oberflächlich Vertraute weih, daß Dr. Kellermann gleich dem Hauptmanne in der allen preußischen Armee eine Klasse für sich bildet, sodaß er auch inmitten seiner An tskollegen isoliert dasteht. Das nebenbei. Ist es aber, um auf die Hauptsache zu kommen, wirklich notwendig, dem Israelit noch auseinanderzusetzen, worin, der prinzipielle Unter schic d zwischen der Resormgemeinde und dem sogenannten liberalen Judentum besteht? Daß Orgel und 3 americhor, daß die Ausmerzung markanter Stellen in den Gebetbüchern für die gesetzestreuen Mitglieder der Gemeinde ebenso viele Steine des Anstoßes find, bedarf keiner weiteren Erörterung. Aber so unannehmbar für uns jene Reformen sind, so sehr wir sie als. pietärlase Konzessionen an die auherjüdische Umwelt beklagen, so vermögen sie doch nicht dem Gottesdienst gänzlich den Charakter dcs jüdischen Gottesdienstes zu nehmen. Ganz anders liegt es bei dem Gottesdienst in der Resormgemeinde. Er fußt auf einer Verleugnung des Grundprinzips des Judentums, des Sabbats. Er degradiert den Sabbat zum Werktag und setzt den Ruhetag der chnsttichen Kirche an seine Stelle. Damit hat diese Ge- ' meinde von selbst ihren Ausschluß aus dem Judentum vollzogen und sich als eine außerhalb des Judentums stehende Sekte konstituiert. Daß dem so ist, wird auch von jüdisch-indifferenten Kreisen empfunden, und so ist es der Resormgemeinde trotz aller Anstrengungen, trotz des starken Anwachs.ns der Seelenzahl der Juden in Berlin nicht gelungen, ihre Mitgliederzahl in> den letzten Jahrzehnten nennenswert zu verwehren. Was sich bei ihr einzig und allein vermehrt hat, sind infolge der Verhältnisse die Ausgaben. Leistet sich doch die Reformgemeinde den Luxus von nicht weniger als drei Predigern. Wenn sich auch nun unter den führenden Männern der Reformgemeinde eine ganze Anzahl von schwerreichen Leuten befindet, so ist doch deren Begeisterung für ihre Gemeinde nicht groß genug, um sie zu finanziell,n Opfern anzuspornen. So muß die Resormgemeinde immer und iu-mer wieder bei der Hauptgemeinde um Erhöhung der ihr gewährten Subvention einkommen, obgleich ihr ganzes Budget nur ca. 200000 Mk. beträgt. Da auch das nicht auf die Dauer hilft, bat man sich jetzt entschlossen als Radikalmittel die Eingemeindung zu fordern. Die Reformgemeinde verbindet damit den bisher öffentstch nicht ausgesprochenen Wunsch, von der Hauptgeweinde eine Synagoge im Westen' für den Sonniagsootiesdier.st eingeiäuu t zu erhalten, in der Hoffnung, daß sich dort die zahlreichen Be'ucher einstelleu, die ihr in der Johannikstiaße so regelmäßig — Wen. * Ein Sonmagsgonesdienst der Resormgemeinde, veranstaltet in der abgeiigcnrn Johannisstiatze ohne Besucher und ohne offiziellen Hintergrund ist ein verlorener Posttn sin Getriei-e der Weliftadt Berlin — Ein Sonntagsaniiksdieust etwa in 8rr Prachtsynagoge Fasanen* ße, veranstaltet von der Jüdischen Ge• de Berlin würde eine ganz andere Bedeutunc Diesen wünsche x zu verhindern, auch wenn es uns nicht gelingen sollte „theologische Unterschiede" zu konstruieren, und wissen uns dabei eins mit allen, die für die Imponderabilien des religiösen Lebens ein Organ haben." Es liegt in der Natur der Sache, daß den Führern der in gemischten Gemeinden wirkenden Orthodoxie an einer Herausarbettung der reltgösen Prinzipien und prinzipiellen Gegensätze nicht grade Viel gelegen ist. Wir begreifen es also, wenn der Verfasser der vorstehenden Zeilnr, sich und andere über den religiösen Charakter des auf dem Boden der Richtlinien stehenden Berliner Gemeinderabbinats liberaler Observanz leise hinwegzutäuschen sucht, und Herrn Kellerma/iu zu einer Ausnahme-Erscheinung stempelt. Objektiver Prüfung hält diese Unterscheidung leider nickst stand. Was diesen Herrn von seinen Kollegen in religionswissenschaftlicher Hinsicht trennt, wird weit mehr durch „Temperomentsunterschirde bestimmt als durch religiöse oder wissenschaftliche Ueberzeugung. Genau so^ wenig vermögen wir zuzugeben, daß der Sabbat in höherem Grade ein „Grundprinzip des Judentums" darstellt als die Göttlichkeit der ganzen Lehre, die von den Reformgebetbüchern der Berliner Jüdischen Gemeinde in mehr oder minder deutlichen Wendungen verleugnet wird. Nicht als „pietätlose Konzessionen an die außerjüdische Umwelt" sind uns Orgel und Damenchor Steine des Anstoßes, sondern als Ausdruck der Emanzipation vom jüdischen Reltgionsgesetze überhaupt, als Syn-bol für jene Gesinnung, die in den vom Berliner Gemetnd)(vorstand rezipierten „Richtlinien" ihre theoretische Formulierung gefunden hat. Wir geben selbstverständlich rückhaltlos zu, daß wir uns im Endergebnis der ablehnenden Stellung der Berliner Repräsentanten gegenüber