Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1920)
- Date
- 1920-11-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T* Seite 8 No. 4b- :v^' , - . . ■■ , .‘K -w-- -j •■ »Der JSraettt^ 4 Wenn wir von dem Porstehen den Ndtiz nehmen, f« geschieht dies nicht wegen der an sich gleichgültigen Persönlichkeit des Herrn Geh. Justizrat Rückert odtzr wegen der antisemitischen Arztfrau, die anscheinend noch nicht einmal den Mut gefunden hat, sich zu der Ihrer, vornehmen Gesinnung entsprechenden Tat unumwunden zu bekennen. Der AuSgang der Sache hat Vielmehr grundsätzliche Bedeutung. Er beweist, daß ein. antisemitischer Richter außerstande ist, objektiv zu denken, ja auch nur die gesetzlichen Vorschriften innezuhalten, wenn vor ihm die Angelegenheit eines Jude» behandelt wird. Welch ein Lärm hätte sich im antisemitischen Blätterwalde erhoben, wenn einmal einer der Richter jüdischen Glaubens, deren Objektivität von allen Seiten anerkannt wird, auch nur im entferntesten so für einen Glaubensgenossen Partei genommen hätte, wie Herr Rückert es im vorliegenden Falle — eben weil er seiner ganzen Gesinnung nach nicht anders konnte — für seine Deutsch-nationalen Gestnnungsgenossen getan hat. Jetzt wird in antisemitischen Kreisen behagliches Schmunzeln über das Urteil des Herrn Rückert herrschen, der es gestattet, daß eine Frau aus den sogenannten gebildeten Kreisen für 20 Mark einen Jupen in einem öffentlichen Lokal gröblich beleidigt. Ernsthafte Betrachter werden freilich eine derartige Rechtsprechung, die Gott sei Dank eine ganz vereinzelte Ausnahme bildet, nicht für eine Ruhmestat deutscher Richter ansehen. Den Präsidien der Gerichte, die mit der Geschäftsperteilung betraut sind, mutz das Verhalten des Herrn Rückert aber einen Beweis dafür liefern, datz Richter mit antisemitischer Gesinnung und Betätigung nicht an einen Platz gehören, in dem ihr Gewiffen sie zu unlösbaren Konflikten zwischen ihren Richterpflichten und ihrem antisemitischen Be.'enntnis zwingt. In der stillen Klause des Grundbuchauttes mag ein antisemitischer Richter unschädlich sein, aber aus der hohen Warte des Strafgerichts bedeutet er eine. Gefahr für das Ansehen der Rechtsprechung und deS RichterstandcS. Die. öffentliche Meinung wird Herrn Geh. Justizrat Rückert Dank wiffen, datz er durch fein Verhalten in der Sache gegen Frau Dr. Offergeld diese Tatsache aller Welt klar vor Augen geführt hat. Das Wort eines Frankfurters „non jener Kraft, die stets das Böse will und nnr das Gute schafft", bewahrheitet sich gelegentlich immer wieder. Familimnachrichten. . Barmizlvohfeier Hermann, Sohn des Herrn Siegfried Halberstadt, Schützenstr. 8, Synagoge Friedverger Anlage. Vereinskslender. | Donv'erStag 8 Uhr: Vortxag im PolksbilöuügSr heim über „Probleme der Jugend"; Herr Eeo I ner. Damen und Herren. *7' Freitag abend nach Schul: „Gemoro"; HerrLeop. Oppenheimer. — 8 Uhr: Gemütliches Bet- , sammensein. Samstag vorm., V810 Uhr: ^Gemoro"; Herr Dr. I. P o s e n. — 11-/. Uhr: „Mtschna"; Herr Lehrer A. Hirschberg. — 3»/, Uhr: „Gemoro"; Herr Dx. Hofmann. ,; , . , , - G * ' Agirdas Jssroel-MSdchengrttvve. " " Montag abend 8% Uhr: „Dinim"- Herr Red. Schachnowitz. .. . Dien"'s"tag 8^Ühr?^2^"r^Herr^Zahnarzt Ehr- .mann. Mittwochs abend"Uhr :"„Chumisch" für Anfängerinnen- Frl. Edith Joel. Freitag abend nach Schul: „Sidrahvortrag". Samstag nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer Hirschberg. Bcshamidrasch, Ostendstratze 18 “ Freitag abend nachI Schul: rwbn"} $txx Rachelsohn. Samstag nachm., VsO— V*7 Uhr, Sonntag früh 8—9 Uhr, Dienstag und Donnerstag abend,U—10 Uhr: „Gemoro-Schiur" «Dp 822; Herr> Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. Samstag abend, >5 Uhr, „Messilas Jeschorim": . Herr H. Halpern. MAlltäglich V* Stunde vor Macht: „Dinim"; Herr Rosen zweig. LD Ostendstratze 18. Täglich nachm. 7V2 Uhr, D»noö 8*iöi; SamStag nachm. 4—5 Uhr: Herr Rabbiner S. Weber. Tifereth Bachurim. Sonnlag abend: Herr Dr. May über „Die Geschichte der Juden in Babylon", Lesehalle, Langestr. K HeSetzette«. - Freitag abend 4.10. Samstag morgen 8.—. Samstag nachm. 4.—. Verein Mekor Chajim. Samstag abend 5.25. Freitag abend, nach' Schluß der Synagoge: „Mikro"; Herr Paul M. Aron. SamStag vorm., .nach Schluß der Synagoge: „Dinim"; Herr Rektor B. Falk. — Mittags 12 Uhr, im Hörsaal Friedberger Anlage: „Melochim"; Herr Prof. Weyl. — Nachm. 3-/4 Uhr: „En Jakaus"; Herr Redakteur Schachnowitz. Sonntag vorm. 9°/< Uhr und Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. Posen. Sonntag nachm. 6 Uhr: „Jecheskel"; Herr Dr. Jos. Breuer. , Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend 7 Uhr: „Mifchna"; Herr Rektor Falk. Allabendlich 8% Uhr: „Gemoro"; Herr ' H. Halpern. Jeden Morgen Mischnalernen. Agudas Jisroel-Jugerrdgruppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumisch mit Raschid- Herr Leopold Oppenheimer. — Nachm. 2 Uhr: „a^nn"; Herr Hermann Frankenthal. — N a ch m. 3 Uhr, „Semiroih" - Herr M. G 0 l d e. Damen und Herren. — Abends 8 Uhr: „Jüdische Geschichte"; Herr Red. Schachnowitz. Serren und Damen. — 9 Uhr: „Hebräische prache"; Herr Lehrer Je len. Herren und Damen. Montag abend 8 Uhr: „Dinim"; Herr Oberlehrer Munk. —8-/4Uhr: „Gemoro"; Herr Zahnarzt Ehrmann. Dienstag abend 8 Uhr: „Tefilloh"; Herr Oberlehrer Kaufman n. — a*/, Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hosmann. Mittwoch abend 8Uhr: „Gemoro"; Herr Zahnarzt E h r m a n n. — 8-/4 Uhr: „Nöwiim"; Herr Lehrer Unna. Damen und Herren. Wochengottesdtenst: Morgens 6.45. Nachmittags 4.—. Eine literarische Fälschung. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schreibt uns: Bor einigen Monaten erschien im Verlage von Ferdinand Schreiber in Leipzig und Hartenstein im Erzgebirge eine Broschüre „Die siegreiche Weltanschauung jNeo-Macchiavellismus) und wir Juden", von Siegfried Pentha-Tull. Darin feierte ein gebildeter Jude in vornehmer Art und mit eleganter Feder den angeblichen Triumph des jüdischen Geistes als Vorkämpfer des Materialismus über den germanischen Geist, der den Idealismus vertritt. Dieser jüdische materialistische Geist habe dadurch die Weltherrschaft des Judentums heraufgeführt. Den Widerhall dieser Ausführungen in der antisemitischen und deutschnationalen Presse kann man sich vorstellen. Die „Deutsche Zeitung" schreibt, datz jeden, der die Schrift lese, das Blut in den Adern erstarren müsie. Die „Süddeutsche Zeitung", die „Greifswalder Zeitung", die „Deutsche Tageszeitung", schlachteten dieses angebliche jüdische Schriftwerk nach ihren Kräften für ihre' Zwecke aus und bewiesen, datz der Antisemitismus danach nicht unchristlich, sondern als eine Pfiicht der Selbsterhaltung durchaus mit dem Christentum verträglich sei. - Der Verfaffer dieser Broschüre, ist aber nun kein Jude, sondern der in deutschvölkischen Kreisen gut bekannte christliche Mitarbeiter der „Deutschen Zeitung", Baurat Hantz Schliepmann in Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 9. Während dieser Herr in dem Feuilleton der „Deutschen Zeitung" einen Roman „Was das Leben erfüllt", veröffentlicht, sieht er ruhig zu, daß über dem Strich seine, des Antisemiten und Christen Hans Schliepmann alia8 Dr. Siegfried Pentha-Tull geschriebene Broschüre als von einem Juden verfaßt, gegen das Judentum ausgebeutet wird, eine Kampfesweise, die nicht niedrig genug gehängt werden kann. ($ ä4MW. MtzWmbB Mo» 6edrauctzen Sie Zoltan=SaIbe bei Glejht, Rheumatismus, - > Hexenschuß, Kreuzschmerzen usw. . Enthält.-^/; K. O. H; Verseift. Preis M. 18.— per Flasche faUa in der Apotheke am Platze^ nicht erhältlich, weise man Ersatz zurück und'wende sich an. Apotheker Dr. Heinriek Lflbeke, Hafen-Apotheke 21831 .Hamburg . Neuer weg , 22,1 W- Fisohliaiis Eisemaim Inh.: Seile & Co, Ällerheilifienstr. 61. Tel. 21003H 219.30 uni» ijt l>er Fischhalle Börnestraße* “Barben u. CUeiBffscbe 8P%. £eb. Barfccn.la. LOIMMeMs Vertretungen nur, erstkl. Häuser sucht streng frommer, , tüchtiger,, junger Kaufmann Prima: Referenzen vorhanden. Offerten unter Chiffre 21919 an die Expedition diese« Blattes. Buchhalter; oder.. Buchhalterin perfekt in der amerikanischer Buchführung für Importgeschäft in großer Stadt Bayerns per 1. Januar gesucht. Samstag und Indische Feiertage geschloffen. Offerten unter 81918 an die Expedition dieses Blattes. 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