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Der Israelit · 1920-11-18 · Heft 46 (18.11.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 46 (18.11.1920)
Date
1920-11-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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IS November 1996 gelte 6 Nr. 46 Polen betroffen wurde. ES wurde jeder Flüchtling nnbarmherzig niedergemacht. Die beigelegte« Kahlen ergeben nur ein schwache- Bild der Vorkommnisse, da auS den meisten Ortschaften genaue Berichte fehlen. In manchen Städten wurde die gesamte männliche Bevölkerung ntedergemetzelt. Aber noch schlimmer ging es den Frauen und Mädchen, die man vorerst am Leben ließ, um sie zu entehren und in den meisten Fällen doch hinzumorden. Fast überall wurden in den Stznagegen die Thorarollen geschändet. ES ist dokumentarisch erwiesen, daß Offiziere an diesen Schandtaten aktiven Anteil nahmen und daß General Balachowitsch selbst sogar seine Soldaten daraufhin vereidigt, Juden zu ermorden. Um diese Schandtaten zu begründen, verbreitete man daS Gerücht von einer geheimen jüdischen Abteilung, die auf bolschewistischer Seite kämpfe. Eine Untersuchung an Ort und Stelle hat sofort die Haltlosigkeit dieseböswilligen Gerüchteergeben. 'ES muß gerechterweife festgestellt werden, daß die polnischen Soldaten in diesem Abschnitt die Metzeleien nicht mitmachten und sich auS polnischen Bürgerkreisen sogar heftiger Protest Ohoben hat. Der Umstand aber, daß Balachowitsch im engen Einvernehmen mit der polnischen Heeresleitung seine Operationen ausgeführt hatte, berechtigt zu den Anfragen an die Regierung: 1. Ist sie gewillt, die Juden in Zukunft vor Mord und Plünderung zu schützen? 2. Welche Schritte hat sie unternommen, um die Schuldigen zu bestrafen? 3. Ist die Regierung bereit, Entschädigungen an die Opfer oder deren Hinterbliebenen zu zahlen und in Welchem Maße? - Rabbi Melr Rappaporf y'xr. jtTH&fttt, 7. Nov. Rabbi Meir Hakohen Rappaport, der Senior der hiesigen Rabbiner und Bofitzende des BeS-Din, ist im Alter von 73 Jahren dahingegangen, und mit der verwaisten Gemeinde trauert das gesamte gesktzeStreue Judentum um einen Meister der talmudischen Wissenschaft, eine Autorität in der praktischen Halacha, einen herrlichen Menschen, drffen Wahrheitsliebe und Aufmerksamkeit ihn zum Freunde aller machte. Einer hochangesehenen Familie entstammend, — der Borstorbene war in siebenter Generation ein Nachkomme vom Y'E? ~t hat er von seinen Eltern mit den hervorragenden GeisteSgaben auch den Seelenadel geerbt und die Weltklughett, die ihn schon in frühen Jahren zum Führer machten. Kaum LS Jahre alt, wurde er Rabbiner in Lukow, von wo er 1896 als Vorsitzender des BeS-Din nach Krakau berufen wurde. Hier in dieser führenden Stellung kam seine ganze starke Persönlichkeit zur Geltung. Auch die Gabe des Wortes war ihm zu teil, und seine Predigten waren keine Kanzelreden im gewöhnlichen Sinne, sondern Anregungen zu Laten und Handlungen. Er wirkte mit dem jüdischen Worte und dem Gedanken, die er meisterhaft beherrschte, in einer traurigen Zeit aufrichtend, stärkend und zusammenhaltend. Der Verlust ist unersetzlich. n'aittn Die Juden flüchten vor petljurs. KraLa«/ i. November. „Kurjet Codzienntz" meldet aus P roskuro w: Nach der feierlichen Erklärung des Generals Pawlenko, daß die polnischen Truppen sich demnächst hinter den Zbrucz zurückztehen würden hat eine Maffenflucht der jüdischen Bevölkerun, nach Polen eingesetzt. Die Juden verkaufen ihrg beweglichen Vermögen-werte zu Spottpreisene Täglich melden sich durchschnittlich 160 Juden um. Passierscheine für die Auswanderung nach Amerika »der Palästina. ~T> ■■ ■!!■! i - nmri r niTffln ii^fTT d— AtaNen. Die Rst ier Chalujira- Zürich, S. November. „ Aus Triest wird gemeldet: AufAufforderung der Konfrrenz der italienischen Zionisten, dir entrüstet ist über die Leiden der Chaluzim, welche bei dem jetzigen kalten Wetter ohne Obdach und entsprechende Küche i« Triest sich stauen, traf Generalsekretär Laubmann am 2b. Oktober in Triest ein unb intervenierte bei der Direktion des Lloyd. Der zur Inspektion herbeigerusene Kommissar versprach vorläufige Besserung, sowohl was Obdach als auch Speise- Versorgung betrifft. Permanente Besserung ist jedoch ohne gesicherte- Budget für die Emigration unmöglich. Berlin, 10. N»v. Ein Telegramm de» Krankenhauses der jüdischen Gemeinde, in de« bekanntlich u. a. Verletzte »on der Explosion in der Henning», dorfer Straße liegen, lautet: „Durch da» Versagen der Elektrizitätsversorgung außer Stand gesetzr, unsere Heizanlagen in Gang zu bringen, müssen wir eventuell unsere Kranken in ihre Wohnungen entlassen und lehnen jede Verantwortung für Schädigung der Insassen «nsereS Hause» ab". Diese Zustände herrschten übrigennicht nur im Jüdischen Krankenhaus, sondern in fast alle» modern eingerichteten Hospitälern. Es sei daran erinnert, daß beim letzten Streik der Gaswerke die Krankenhäuser nicht einmal imstande varen, den Patienten Essen zn bereiten.^ -ß Berlin, 5. September. Der Vurschenrag de» „Burschenbund. Konfents" de» Verbände» Paritätischer Korporationen hat sich auf seinem letzten Burschenlag in Berlin gegen jede parteipolitische Betätigung de» Verbände» ausgesprochen. Die Ziele de» Vurschenbvnd»- Konvent» sind: Ausbau de» studentischen Leben» in Vaterländischem und freiheitlichem Geiste, Erziehung zu staatsbügerlicher Betätigung: Gleichberechtigung aller d.eulschen Studenten ohne Rücksicht auf Geburt und Glauben. Geistige «nd sittliche Korderung der Mitglieder, ihre körperliche ErttAchttgung, besonder» durch Gporl. Diese Korporationen des Verbände» tragen Farben «nd geben unbedingtr Sati»- fakrion. Sie nennen sich paritätisch, röeil sie niemanden seiner Religionszugehörigkeit «egen z«. rückweisen. Gte nennen sich nationalfreiheitlich, »eil sie nur Deutsche ausnehmen «nd freie Betätigung deutscher Gesinnung verlangen, aber die poltitsche Parteizugehörigkeit al» Privatsache ihrer Mitglieder ansehen. — Drei Wiener »ationalfreiHoitliche Korporationen treten dem Verband auf foinor Berliner Tagung bei. - Königsberg Pr., S. Noo. Bor lt Jahre« hatte unser allverehrier Herr Rabbiner Benjamin Millakowsky eine Gchar gleichgesinnter Mitglieder der Königsberger Synagogengemeinde um sich versammelt, um mit ihnen den gesamten Talmud mit seinen Erläuterungen und Erklärungen durchzustudieren. An Hindernissen und Hemmungen Verschiedenster Art hatte e» im Laufe der Jahre wahrlich nicht gefehlt. Der Krieg, politische Unruhen — nicht» jedoch kormte die lernbegierige Schar von ihrer Gemoro fernhalten. Die Jahre vergingen und von unerschütterlichem Lerneifer getragen, harte die Talmudvereintgung da» Studium vollendet. Diesem Anlaß galt die Feier in der Synagoge und in der Kantloge, die am 24. Oktober stattfand. Au» allen Parleirichiungen waren die Juden Königsbergs herbeigeströmt, um Zeugen einer Feier zu sein, wie sie Königsberg in dieser Form nicht erlebt hat. Nachdem der Verstorbenen derTalmudvereinigung durch die Kantoren der hiesigen Gemeinden gedacht worden war, begrüßte im Namen der Kantloge Prof. Lassar Lohn die Anwesenden, um gleichzeitig den Talmud vom wissenschaftlichen Standpunkt au» zu würdigen. Herr Rabbiner Millakowsky, der Dozent der „Talmudveretnigung", behandelte da» Moment des Friedens im Talmud. Herr Gemeinderabbkner Dr. Lew in faßte es in seinen Ausführungen als besonders gutes Omen für sein weiteres Wirken auf, gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Königsberg an einer solchen Feier tetlnehmen zu dürfen. Längere Betrachtungen über den Talmud stellte Herr Rabbiner Dr. PerleS an. Herr Justizral Hirsch überbrachte in würdigen Worten die Grüße deS Vorstandes der Synagvgengemeinde. Einige Bstrabbiner gaben ihrer Freude Ausdruck, auch in Deutschland Brüdern zu begegnen, die die Tradition d'eS Talmudstudium» Hochhalten. Herr Ephraim Ptczenik wie» darauf hin, daß auch diejenigen, die die Talmudeisrigen bei ihrem Studium unterstützen, sich Verdienste erwerben. And ein solche» Verdienst hat sich in hohem Maße die Synagogengemeinde erworben, die in jeder Weise die Bestrebungen de» Dozenten fördert. Nachdem ein größer Teil der Anwesenden, durch diesen Abend angeregt, ihre Namen in die Listen der „Talmudooreinigung" eingetragen hatten, begann der Abschied, der sich in warmen Worten de» Danke»' den Veranstaltern gegenüber äußerte. Die Freude, tm einer solchen Feier teilgenommen zu haben und der Wunsch baldigst wieder Zeuge eines solchen gefte» sein zu dürfen, leuchtete allen auS den Augen. Hnmbnra, 10. Nov. Die Wiedereröffnung de» Israelitischen GemeinschastsheirnS fand durch eine festliche Veranstaltung im Logenhetm statt. Hervorragende Künstlerinnen unserer Theater hatte» sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Die Festrede hielt Syndikus Nathan, die sich über die Ziele und Bestrebungen deS Gemeinschaftsheims verbreitete. E» folgte dann ein Violinkonzert von Irl. H. Goldschmidt und H. Rosenbau, hieran schlossen sich Gesang», vorrräge de» Frl. Rose Adler vom Hamburger Stadttheater, dann folgten Rezitationen des Frl. Olla Bauer vom Deutschen Schauspielhaus und Marella HalliSz von den Kammerspielen. Sämtliche Darbietungen fanden lebhaften Beifall. Bremen, »8. Dkt. Unter dem Vorsitz Sr. Ehr«. deS Herrn Rabbiner Dr. Roseuak fand hier eine Zusammenkunft der AgudaS JiSroel in Gemeinschaft mit dem Talmud-Thora-Verein statt. Dieser Verein ist im vorigen Jahre auS dem Aguda-Gedanken hervorgegangen und hat sich zum Zwecke gesetzt, das mtR« Studium zu vervreiten, Lernvorträge abzuhalten, an»D anzuschaffen, geeignete Bücher an Kinder zu verteilen, Prämien für fleißigen Synagogenbesuch und fleißiger Lernen zu verteilen. Mit Befriedigung blickte man insbesondere auf die VDirt und ,"r>n-V«t träge zurück, die Herr Rabbiner Dr Rosenak allwöchentlich gehalten hat. In diesem Jahre sollen dreimal in der Woche imrv abgehalten werden. Die Anwesende« gaben die Zusicherung, sich eifrig beim Lernen emz»- finden. Mit besonderem Eifer setzte sich Herr cand. jur. Ignatz Rosenak für die Erweiterung der Vereinsaufgaben im Sinne der Aguda nach jeder Richtung hin ein. Frau Rabbiner Dr. Rosenak sprach zu dvn anwesenden Damen und ermahnte namentlich die weibliche Jugend, sich tm jüdischen Wissen zu bereichern und durch fleißigen Synagogenbesuch das Interesse a« „Lernen" zu wecken und zu fördern. An der Diskussion beteiligten sich die Geschwister Zacharias als Vertreter der Jugend und L-err Max. Abraham als mustergültiger "np'lp-Beamter. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles hielt Herr cand. jur. Rosenak einen ausgezeichneten Vortrag über „Die große Täuschung". Der Redner verstand es, de^attehrte Thema allgemein verständlich und überaus feMlnd vorzutragen. Die Ausführungen fanden ungeteilten Beifall, die Widerlegungen der von Delitzsch behaupteten Dinge waren so überzeugend, daß jede Frage restlos beantwortet wurde. Mit einem herzlichen Dank deS stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn A. Trünberg, an den Redner, schloß die Versammlung. Oldenburg, s. Nov. Am Sonntag nachmittag fand die Einführung des neuen Landrabbiners, Herr» Dr. de Haas aus Kattowitz, verbunden mit einer gottesdienstlichen Feier statt. In Vertretung des Ministeriumwaren Herr Geh. OberregierungSrat v. Finkh, als Vertreter der jüdischen Gemeinden die Mitglieder de» LandeSgemetnderates erschienen. Nach einem EinleitungS- und Begrüßungsgesang des KinderchorS bestieg Herr Dr. de Haas die Kanzel und entwickelte in von Herzen kommenden und zu Herze« gehenden Worten Aufgabe und Ziel seines künftige« WtrkenS, daS in der Betonung deS Friedens mit allen Menschen ohne Unterschied der Konfession gipfelte. Nach dem Mincho- und Maariwgebet beschloß sodann ein Gesang der Kinder die wirkungsvolle Einführungsfe;er. Wien, S. Okt. Im Währinger Tempel wurde ein auS der Ehe eines Nationaljuden mit einer Christin hervorgegangener Junge, der vollkommen hebräisch.national - erzogen, aber unbeschnitten ist, anläßlich seine» AbituriumS mit Maphtir beehrt und aufgerufen. Der verantwortliche Rabbiner, Dr. Feucht« wang, duldete den Skandal, wie er erklärte, „mipne darke fcholaum", nachdem der Rabbiner von Döbling, Sr. Frankfurter, das Ansinnen zurückgewiefe» hatte. Der angerufene Kultusvorstand der Wiener Gemeinde deckt mir Schreiben vom 31. August de« Rabbiner, indem er erklärt, dessen Verhalten sei „zwar ungesetzlich", aber notwendig gewesen, um die in Kiri row* ORT» Anfang ’&ümm AuSgang LUbr iMin. I1920| 5681 Uhr jMin. 20. 9. Kislew Franksnrt * M, 4 io! Nov. S »s Berit» .... - l» 4 bi Müvche« . . . i S 14 Mr«k>«rs . . — — I — . . . — — I — — 3M«» ... . — 1 — — Ufttttfceg«. . . 4 s»! r 11 . . . ** — s 11

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