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Der Israelit · 1920-11-11 · Heft 45 (11.11.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 45 (11.11.1920)
Date
1920-11-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nette 6 Nr. 45 dauer und einen Nachweis über die Anpassung an das schweizerische Wesen und Nützlichkeit für die Volkswirtschaft verlangen darf. Es darf aber bei Erfüllung all dieser Voraussetzungen Le! den Oftjuden keine längere Niederlassungs- -auer verlangt werden. In der Einladung der Freisinnigen Partei zur Sitzung war in Klammern das Wort „Judenfrage" beigefügt. Die Angelegenheit wird also als ein Teil der Judenfrage betrachtet, die man im antisemitischen Sinne lösen will. Uebrigens werden auch Bürgerrechtsgesuche von Westjuden seit anderthalb Jahren zurückgestellt. Aber das Gesuch einer gewissen Luise Kaiser aus Preußen, wurde zur Berücksichtigung empfohlen, mit der Motivierung,' sie sei seit etlichen Jahren aus der Israelitischen Gemeinde ausgetreten, während andere Juden, die feit längerer Zeit in Zürich wohnen, nicht ins Bürgerrecht ausgenommen wurden. Redner bespricht des weiteren den Antisemitismus und weist dessen Angriffe auf die Juden zurück. Prgs. Rutsche (freis.) beanstandet, daß manche 'Rabbiner die Oftjuden ermahnen, an ihren überlebten Gebräuchen festzuhalten. (?) Nach einem kurzen Schlußwort Prof. Spühlers wird'der Antrag der Kou missionsmehrheit mit 40 gegen 39 Stimmen angenommensomit werden von nun ab jüdische Bürgerrechtsbewerber aus dem Osten, im Gegensatz zu Nichtjuden, eine 15-jährigeNiederlassungsdauer nachzuweis en haben. Gngtarrd. üngarifdie JIIilifär-Herrfcfiaff. — Paläftina-nnleifte. London, 3. November. Nach einer Reutermeldung erklärte Harmsworth, daß er bereit sei, den Vorschlag einer Untersuchung über die Militär-Herrschaft in Ungarn durch den englischen Bevollmächtigen in Budapest in Erwägung zu ziehen. Daily-Telegraph behauptet, daß die palästinensische Anleihe nicht, wie bisher mitgeteilt, 2,5 Millionen, sondern 10 Millionen Pfund betragen solle und im Januar zur Ausgbe gelangen werde. Der Erlös ist für Straßen- und Häuserbauten, sowie zur Erweiterung des Eisenbahn-, Telegraphen- und Telephon-Netzes bestimmt. ArnsPMrr. fUneriftanifcfte Juden gegen Sie europäischen JuSenverkoigungen. London, 1. November. Eine Abordnung zahlreicher großer jüdischer Organisationen Amerikas ist auf Einladung des polnischen Gesandten in New - Dork, Fürst Lubomirsky, mit diesem zu einer Konferenz zusammengetreten, um über die Lage der p o l n i s ch e n Juden und die Sicherung ihrer Rechte zu verhandeln. Gleichzeitig ist auch eine Intervention beim amerikanischen Auswärtigen Amt geplant. Die Tagung, in welcher die Deputation gewählt wurde, nahm ferner einen Bericht über die Lage in Ungarn entgegen und beschloß eine scharfe Protest-Resolution gegen die ungarisch:n Greuel. Die amerikanische Regierung wird aufgefordert, in Ungarn zu intervenieren. UatitstLna. Berberf Samuel im S(haare SeSek-Uospilal. 5 Jerusalem, 5. Okt. Am 3. Oktober. stattete Herbert Samuel dem Allgemeinen jüdischen Krankenhaus „Schaare- Zedek" in Jerusalem (Sitz der Verwaltung Frankfurt a. M.) einen Besuch ab. Der Oberkommissar bekundete hxt dieser Gelegenheit sein außerordentliches Interesse und seine warme Sympathie für die Anstalt, was er nach eingehender Besichtigung mit folgenden Worten zum Ausdruck brachte: „Das bewundernswerte Werk dieses Hospitals, welches in Jerusalem eine äußerst nützliche Tätigkeit ausübt, hat großen Eindruck auf mich gemacht. Es ist würt^g in ausgedehnter Weise allerseits Unter stützung zu finden." 3. Oktober 1920. , gez. Herbert Samuel." Die Rechte Oer Delegiertennerfammlung- Jerusalem, 27. Okober. Wie von maßgebender Stelle erklärt wird, denkt der Oberkommissar nicht daran, der DelegierLenversammluug^ der von seiten der Orthodoxie jedwede Legitimation abgesprochen wird, irgendwelche Rechte in den Berwaltungs-- angelegenhieiten der jüdischen Gemeinschaften Erez Jisroels einzuräumen. Personalien. Würzbnrg, 3. November. Einen schmerzlichen Vertust hat die Gemeinde Würzbrng erlitten. Einer ihrer besten Baalebatim, Samuel K o h n, ist in der Blüte seines Lebens, mit 48 Jahren dahingerafft worden. Als Sohn ietnes Großen in Jisroel, des Rabbi Wolf Kohn aus Wienerbaden Vjei gebaren, hat er z'eine Jugendzeit zu Füßen großer Lehrer auf den ungarischen Jeschiwos zugebracht und in der Gemeinde Wurzburg, nach kurzem Aufenthalt in Basel und Nürnberg, seine Familie gegründet. Es weinen neben den beiden Brüdern acht unmündige Kinder mit der Mutter um den so früh entriffenen Vater. Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus war Samuel Kahn bekannt ob seines ThaurowiffenS, seiner seltenen Aufrichtigkeit und Geradheit, überall beliebt wegen seiner inneren tiefen Frömmigkeit und ob seines edlen, geistreichen, herzersreuenden Witzes. Sekt Erew Rauschhaschono hat ihn die ganze Schwere der Krankheit ergriffen und nach kurzem und geduldig ertragenem Leiden, hat er am Mittwoch Cheschwan, seine reine Seele auSgehaucht. Seit der letzten Ehrung des verstorbenen Würzburger Raws, hat Würzburg eine solche imposante Trauerkundgebung nicht mehr gesehen, wie die am Donnerstag mittag bei Ueberlübrung vom Trauerhause aus nach Höchberg. Nahezu vollzählig war die Gemeinde erschienen und Son Nah und Fern waren Freunde, Verwandle und Bekannte herbeigeeikt. Am Grabe sprach Distriktsrabbiner Dr. Hannover zu Herzen gehende und tieferschütternde Worte des Schmerzes, indem er unter Anführung persönlicher Erinnerungen den “HOBJ als langjährigen, treuen und vorbildlichen 12-2 rpbtp seiner Gemeinde, als Vater seiner Familie, als feste Stütze seiner Gemeinde schilderte, und mit dem tiefergreifcnden Beispiel der acht Lichtlein der Menorah, die acht Kinder verglich, die der Entschlafene in seinem Hause leuchtend hinterließ. Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, sprach sodann als Jugendfreund, der ihn schon kannte und schätzte, als sie noch beide zu Füßen des großen Schewet Sofer Wr i« Preßburg sagen, schil« derte dann an Hand von.Gemorohstellen, wie der Dahingegangene, aus dem Osten stammend, es so trefflich verstanden hat. die jüdischen Tugenden des Ostens in unsere Lande zu verpflanzen, sagte ihm dann im Namen des Chewras Bachurim Nürnberg, deren Begründer der Verschiedene war, in ergreifenden Worten unaus- > löschltcken Dank. Hierauf ergriff der Bruder, Herr Simon Kohn, Nürnberg, in bitterer Klage und herzzerreißendem Weinen das Wort, um dem dahingegangenen jüngsten Bruder noch ein D’ftBO zuzurufen, indem er ganz besonders die vorbildliche Gastfreundschaft seines Hauses hervorhob. Nachdem noch ein Mitglied des Kuratoriums der Höchberger Schule, dem der Entschlafene angehörte, sowie Lehrer Oberndörfer aus Niederstetten, Herr Silberstrom Leipzig als Neffe, sowie Herr Lehrer Preßburger aus Creglingen gesprochen hatten, wurde die irdische Hülle N. Schemuel Kahns in die Erde gesenkt. Der Allmächtige tröste die Hinterbliebenen. Bödigherm (Baden), 7. Nov. Am vergangenen Mittwoch wurde im Alter von nahezu 68 Jahren Frau Dina Marx, Gattin des I. Solomon Marx, zur letzten Ruhe bestattet. Mit ihr erleidet nicht nur ihre Familie einen schweren Verlust, sondern auch die hiesige Gemeinde. Mit ihrem gleichgesinnten Manne hatte sie ein echt jüdisches Haus gegründet, in dem sie ihre Kinder zu braven Menschen und fromme Jehudim heranzog. Mit hoher Befriedigung konnte sie auf die Erreichung dieses ihres Lebenszieles zurückblicken. Ihre Kinder nehmen nicht nur eine geachtete Stellung ein — die drei Söhne sind Lehrer, die einzige Tochter an einen Lehrer verheiratet — sondern stehe« auch in Lehre und Leben auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums. Die außergewöhnlich rege Beteiligung bei der Beerdigung aus allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession, war ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung der Heimgegangenen. Bor dem Trauerhause hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach einen tiefempfundenen "ifion und auf dem Friedhofe sprachen Lehrer Schwarzenberg von hier und der älteste Sohn, Waisenhaus-Verwalter in Frankfurt a. M., der tiefergriffen der innigst geliebten Mutter die letzten Äbschiedsworte zurief. Das Andenken der Frau Dina Marx wird zum Segen sein. n*35ttri. 11. November 1920 ‘ Alterode, 3. November. In voller Rüstigkeit konnte dieser Tage der Kaufmann Joseph M Sppev" heim hier, seinen 70. Geburtstag begehen. Ueber dis Hälfte dieser Jahre ist Oppenheim Gemeindeältester. Als solcher har er sich um die Gemeinde in, allen Beziehungen große Verdienste und Anerkennung erworben. In vielfacher Weise kam die Wertschätzung zum Ausdruck. Als nun und nTßj? bvz ist er vorbildlich. Bis vor wenigen Jahren wirkte Oppenheim als Mohel, ohne jegliches Entgelt. Besonders wertvoll sind auch seine Dienste als bv2; Die 8 Kinder, davon 5 Söhne als Kaufleute, leben und wirken im'Sinne des Vaters. Mosbach in Baden, 7. November. Der bekannte Vorkämpfer des gesetzestreuen Judentums in Baden, Herr Nathan Rothschild, hier, begeht nächsten Sabbat in voller Rüstigkeit seinen 88. Geburtstag. vjiwjp 'n Vermischtes, Berlin, 5. November. Wie wir hören, sind die Herren Simon, C. Knoller, Jakob Levy und Moritz Posen aus dem Vorstand des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäufer in Hamburg, bereits vor einigen Monaten ausgetreten. Breslau, 3. November. Zum ersten Rabbiner an der alten Synagoge wurde anstelle des bisherigen, kürzlich in den Ruhestand versetzten Rabbiners Dr. Ferdinand Rosenthal, Rabbiner Dr. Hoffman»« Emden gewählt. Cassel, «. Okt. Die feit dem 21. August 182tz gegründete Esra veranstaltete unter Leitung ihres Begründers, des Herrn Rabbknalskandidaren Max Köhler, Berlin, eine Simchasthaurofeier im großen Saale des Hotel Meier. Es nahmen an der Festlichkeit weit über 100 Personen teil. Die Feier, die aus deklamatorischen, ges mglichen und musikalischen Darbietungen und einer Festrede des Herrn Köhler bestand, unterhielt alle Teilnehmer viele Stünden. v Bad Homburg, 9. Nov. Die Agudas Jisroel- Jügendgruppe Hombing v. d. H. hat für den Winter folgendes Programm aufgestellt: Montag abend *1$ ttljr, „Mischna-Schtur^; Lokal Tb. Rosenthal, Promenade 48/51. Dozent Herr Versicherter, Frankfurt a. M. Mittwoch abend 3/49 Uhr, 1. Abend: „Tefilloh-Schiur"; 2. Abend: „18 Briefe Hirsch's". Dozentenstelle z. Zt. noch unbesetzt. Donnerstag abend 3/«9 Uhr, „Dtnim- Schiur"} Lokal bei Th. Rosenthal, Promenade 49/TI. Dozent Herr Versicherter, Frankfurt a.M, Samstag abend %9 Uhr, alle 14 Tage: Gemütlicher Abend, Hriel Braunschyieig. Samstag mittag 3*/a Uhr, „Chumifch mit Raschi-Schiur"; Dozent S. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Winter. Veitshöchheim, 20. Okt. Eine schlichte, aber sehr erhebende Feier fand kürzlich in. der hiesige» Synagoge statt, woselbst eine künstlerisch ausgefüorte Gedenktafel mit den Namen der 16 Kriegsteilnehmer, von welchen drei auf dem Felde der Ehre gefalle» sind, feierlich enthüllt wurde. Hierzu hatten sich in de« von der staatlichen Lehranstalt unter der verständnisvollen Anleitung des Gartenbaulehrers Sturm mit grünem Pflanzwerk stimmungsvoll auSgeschmückren Gotteshause neben den Vertretern der geistlichen und weltlichen Behörden des Ortes, sowie der verschiedene» Vereine auch viele ehemalige Söhne der hiestge» Kultusgemeinde, sowie Vertreter des Bundes jüdischer Kronisoldateu etngefunden. Nach einem einleitende» Chorgesang nahm der Distriktsrabbtner von Würzbürg, Dr. H a n o v e r, das Wort, um in zündender, meisterhaft aufgebauter Rede die Gedenktafel der Gemeinde zu überaeben. Ein gut gelungener Schülergesang und ein wirkungsvoll zu Gehör gebrachter Mannerchor unseres hiesigen Synagogenchores öeschloffen die eindrucksvoll verlaufene Feier. Marktbveit, L5. Oktober. Bor Kurzem wurde hier die neugegründete jüdische Volksschule mit einer kleinen Feier eröffnet. KultuZvorstand H. Sk Weinberg Betonte in seiner Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Eltern- und Gemeinde- Mitglieder bas innige Zusammenarbeiten zwischen dem bisher als Religionslehrer amtierenden und nun zum Volksschullehrer ernannten H. S. Brückheimer und der hiesigen Kultusgemeinde und wünschte, daß dieses gedeihliche Verhältnis auch weiterhin bestehen möge. Herr S. Brückheimer entwickelte sein Schulprogramm dahingehend, daß er die Schüler zu aufrechten Juden, zu guten Deutschen und zu gesinnungstüchtigen Menschen erziehen wolle. Herr Schub- und Stadtrat Karl Z i m m e r m a n n wünschte dev neuen Schule frohes Blühen und bemerkte, indem er H. Brückheimer in sein neues Amt einwies, daß er der neuen Schule die gleiche Obsorge zukomme» lassen wolle, wie den übrigen Schulen seines Bezirks. Tie würdige Feierlichkeit hinterließ bei alle« Anwesenden den tiessteu Eindruck. Vereinswesen. Fulda, 9 Nov. Am 18. und 17. November (Butz- und Betlag), findet in Fulda ein Bezirkstag der hessischen Agudas Ji-sroel-Jügendgruppen statt.' Vorläufiges Programm: Dienstag abend: Gemütliches Zusammestseln. Mittwoch, 8*/, Uhr: > Gemeinsamer iipw. 9% Uhr: Geschäftliche Sitzung (Begrüßungen, Referat über die Tätigkeit in de»

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