Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1920)
- Date
- 1920-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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m Sette 4 No. ib Demut dem W»llen des Höchsten n.^2; tonten wir Ihm, daß er unserer Zeit und uns einen solchen Mann geschenkt hat. * Es war ein ergreifendes und Zugleich ein erhebendes Bild, das Hanau am Monrag in seinen Straßen erlebte: „Und es fah der Bewohner, und sie sprachen, eine schwere Trauer ist diese . . Schon nach An kunft der erben Morgenzrige strömten die endlosen Scharen vom Bahnhof durch die Stadt. Gegen 10 Uhr war daS Rabdinerhaus und der ganze Platz davor von einer wogenden Menge angefüllt. Im Lern immer, wo der Verstorbene in stiller Avendstunde bei seinen Büchern saß, fing gegen r/,11 Uhr die Abschtedsfeier an, ein würdiger Auftakt zu der beredten Trauer kundgebung, die sich bis tief in den A ittag hineinzog. gunachst beweinte tm Namen der Familie Herr Lehrer chsenmann tnZherzlichen, schlichten Worten den Ver tust mir der Klage des Propheten: „Es fiel die Krone von unserem Haupte". Herr DipittlSrabdiner Dr. Stein, Schwemfurt, sprach als Freund des Verblichenen von den Tagen des gemeinsamen Studiums und des gemeinsamen Wirkens in Bayern und als letzter im Hause hatte auch Herr Dtsrrikrsrabtnner Dr. Bamberger, Kissingen, Worte treuen Gedenkens. Nun bewegre sich der unabsehbare Zug dmch die Strahen, wo die Läden zum Zeichen der Trauer geschlossen waren und die Stratzenbahnen den Verkehr einsteuen muhten, zur Synagoge. Auf der Kanzel, von wo aus der Verstorbene zwei Jahrzehnte das Wort Gottes verkündet haue, stand nun der Amtskollege Landrabotner Dr. Walter aus Cassel, der dem Schmerz der großen Trauerversammlung in kunstvoller Rede würdigen Ausdruck zu geben wußte. Er dankte im Namen der Gemeinden deS Bezirkes. Ergreifend war es, alS nun Rabbiner Dr. Bon di, Mamz seinem intimen Freund uno wissenschaftlichen Mitarbeiter- Worte der Liebe, des Abschiedes und des Dankes widmete. Er sprach auch von den Verdiensten Bam bergers um die Literarische Gesellschaft, die jedem Leser deS Jahrbuches zur Genüge 'bekannt sind, wie als Mitarbeiter, Interpret und Populartsator des grohrn HlstorrkerS Halevy. Er dankte auch tm Namen des .Traditionellen RavbinervervandeS. Wreder klang tiefempfundener Schmerz der Famtüe aus dem Munde des Schwagers des Verstorbenen, Oberrabbiners Brrdenburg aus A'nhetm und des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, Köln. Dann traten nacheinander Vertreter verschiedener Korporationen und Vereine an die Bahre, den Schetdegrutz und den Dank der Körperschaften überbringend, denen der Verstorbene nahe stand. Herr Jacob Rosenheim- Frankfurt a. M. sprach herzliche Worte im Namen der Israelitischen ReltgtonSgefellschafr, Frankfurt a. M., der Jefchtwa Franlsuct a. M., (ötc auherdem durch zwei Herren vertreten mar) der „Freien Vereinigung", und der Palästina-Veiwalmng. Herr Dr. Hofmann sprach im Namen 'der A^udas Jisroel-Jugendorgantsation und des B. I. A. Es sprachen noch Herr Rabbiner 2r. Marx-Darmstadt im Namen des Orthodoxen Rrbtlmrvetbandes, Herr Rabbiner Dr. Mtchatski-Burgpreppach für das Kuratorium und die Bildungsanstalt Burgpreppach, wo der Entschlafene seine erste rabbinische Wirksamkeit und Lehrtätlgkett ausgeübt hatte, und Herr Dr. Martin Marx- Frankfurt a. M. im Namen des Zentralvereins. Es war bereits Nachmiltagöstunde, als der Zug den Weg von der Synagoge nach dem Friedhof antrat. Neben den Leidtragenden hinter der Bahre, die den ganzen Weg von Männern des Heiligen Vereins ge. tragen wurde, gingen die offiziellen Vertreter der Stadt und der fiaatllchen Behörden, eine große Anzahl von Rabbinern (von den Rabbinern der weiten * Umgegend dürste kein einziger gefehlt haben). Dann fah man in geordneter Gruppe die Schüler der Reltgionsschule und hinter ihnen die nach vielen Hunderen zählende Menge der Trauergäste. Auf dem Friedhofe . angelangt, sprachen als Freunde und Nachbarkoüegen Provinztalrabbtner Dr. Cohn-Marburg und Provinzialrabbiner Dr. C ahn-Fulda. Den Dank der Gemeinde Hanau brachte Herr Vorsteher Rosenberg zum Ausdruck, den des Borsteheramtes Herr Julius Stern, für die Kreisvorsteherämter Herr Rechtsanwalt Dr. Ko re ff. Zuletzt sprachen noch Herr Lehrer Sulzb ach er-Hanau den Dank der Gemein debeamten und der Lehrerschaft deS Bezirkes aus und Herr Josef Rothschild als geborener. Hanauer legte der verwaisten Gemeinde nahe, im'Sinne des Beworbenen Hanau zu einer „Stätte der Thora" zu machen. Viele Redner, so auch Vertreter des Frankfurter „Mekor Chajtm", der Orts- und Jugendgruppe der Agudus Jtsroel, konnten wegen der vorgerückten Stunde nicht mehr?u Wort kommen. Nach einem kalten Morgen war inzwischen die Sonne in herrlich klarem Herbstglanze aufgegangen, und in die dumpfe Trauer schlich sich, als man still zur Bahn ptlgerie, das trostreiche Wort der Weisen zum Schriftsätze rpvv.'i «21 pwn mt: „Es geht neue Sonne auf, wenn in Israel eine Sonne untergeht . . Der Israelit. 11. November 1S2S Lsrrefpvaoenzen und AachNKIe». Ms??05v6rlorgung in veuilclilkinS. Krankfnrt a. W.» 7- November. Die „Zentrale fürMazzosversorgung" schreibt uns: Wir waren zu unserm Bedauern bisher außerstande/ die jüdischen Gemeinden über die neuen Grundsätze der Mazzosversorgung für das nächstjährige Peßachfest zu unterrichten, weil die Bestätigung der Reichsgetreidestelle noch ausstehr. Doch dürften folgende Bestimmungen kein« wesentlichen Aenderungen mehr erfahren. Die Bestellung der Mazzos erfolgt durch weg durch Vermittlung der jüdischen Gemeinden, die ihrerseits verpflichtet sind, diese Bestellungen zu sammeln und den Bäckereien weiterzugeben. Bet der Wahl der Bäckerei sollen die Gemeinden die Wünsche ihrer Mug teder tun ltchft berücksichtigen. Unmittelbare Bestellungen aus dem Publikum darf keine Bäckerei annrhmcn. Auch die Erteilung von Bestellungen an Händler ist ausgeschlossen,' doch kann Händlern unter Zustimmung der Gemeinde von oen Bäckereien die Auslieferung der Mazzos an das PuoUkum übertragen werden. Bezugsbe rechttgt für die volle Maz^osmenge — die wesentlich geringer sein wird als tm Vorjahre — sind leoiglich diejenigen, die eidesstattlich versichern, daß sie sich am vorjährigen P ßachfeste des Chomezgenuffes enthalten hatten- Wer der Mazzos nur zur Sederfeier bedarf, erhält ein Pfund. Den Mazzosbeztehern ist das gewlchtsmäßtge Aequivalent an Brotkarten, das ihrem Bezug entspricht, einzubehalten. Die Organifafiönsbeffrebungen in Preußen. Aerti«, 5. November. Der Deutsch-Jsraeliüsche Gemeindebund hat seinen Gemeindetag, der, im November ftatifinden sollte, auf den 21. Januar j.921 vorschoben, um vorher erneute Verständigungsoerhandlungen mit den Groß-Gemeinden zu versuchen. Oester veirh. ekNMilki-ZvMle Merrlckmkt in Oelserreicb- Wie«, 24. Oktober. Das Ergebnis der Parlamentswahlen in Oesterreich, das den Christlich-Sozialen einen großen Erfolg gebracht hat, ist auf die Gestaltung der innerpolitischtn Verhältnisse nicht ohne^Etnfluß geblieben. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung haben ihre Aemter medergelegt und den Christlich-Sozialen die Herrschaft überlassen. Sie haben damit ihren Willen dokumentiert, knne Erneuerung der Koalition anzustreben. Die Christlich-Sozialen sind wohl von diesem Schritt der Sozialdemokraten nicht sehr erbaut — sie würden gerne eine neue Koalition mit der Sozialdemokratie eingehen, in welcher sie freilich das erste Wort führen möchten — aber als stärkste parlamentarische Partei sind sie gezwungen, die Macht zu übernehmen. Man mutz daher für die nächste Zeit mit einem christlich-sozialen Regime in Oesterreich rechnen. Ob die neuen Herren es vermögen werden, dem armen Oesterreich Hilfe zu verschaffen, soll in diesem Momente nicht näher behandelt werden. Die OeffmtUchkeit sieht dem neuen Regime jedenfalls mit gemischten Gefühlen en gegen. Für die Juden Oesterreichs dürfte die neue Aera sicherlich eine Verschlimmerung der Lage bringen, wenn man auch erwarten darf, daß die Herren Kunschak- Wetßktrchner als Regierungspartei etwas Wasser in ihren antisemitischen Wein schürten werden.» Sie haben es auch seinerzeit getan, als sie im alten Oesterreich die Herren von Wien waren... Allenfalls ist angesichts der neuen Lage das Fehlen eines jüdischen Vertreters im Parlament doppelt bedauerlich. Die Sozialdemokraten, die nunmehr als Oppositionspartei sich noch austoben wollen, mögen wohl hie und da für den Schutz der Juden ein Wort finden, viel darf man sich aber davon nicht versprechen. Was den Verlust des jüdischen Mandates anbetnfft, so muß festgestellt werden, daß die Zionisten, die heute die anderen jüdischen Parteien des Verrates beschuldigen, selbst einen schweren taktischen Fehler begangen und somit den Verlust des Mandates mitverschuldet haben. Stricker hat tm Jahre 1919 das Mandat nur dank einer Koppelung mit zwei anderen jüdischen Gruppen, Ofner und Bissel erhalten, woraus hervorgeht, daß die zionistische Partei allein außerstande war, daS Mandat zu erlangen. Da nun das neue Wahlgesetz die Koppelung ab geschafft hat, war die Gefährdung des Mandates klar und konnte nur verhütet werden bei einer jüdischen Einheitsfront. Die zionistische Partei, die aus ihrer Mitte den Kandidaten stellte, war somit verpflichtet, mit den anderen jüdischen Gruppen Fühlung zu suchen und dahin zu streben, daß ihr Kandidat nicht als Parteimann, sondern schlechthin als der jüdische Kandidat auftrete. Das ist nicht geschehen. Strecker trat auch diesmal als Parteikandi,dat aus ^nd dieser Umstand führte zur Aufstellung der Kandidatur Schwarz-Hiüer und zur Zersplitterung der jüdischen Stimmen. Die Annahme, daß die Wahlbeteiligung diesmal klein und die zionistischen Stimmen ausretchen werden, Stricker das Mandat zu verschaffen, erwies sich als falsch. Allerdings, die Stimmen, die die beiden jüdischen Kandidaten erhielten, waren für die Erlangung eines Mandates unzureichend, da beide kaum etwas über 13000 Summen erhielten, die Wahlzahl aber über 14000 betrug. Nun,.da die österreichischen Juden im Nationalrat ohne Vertreter sind, sollten sie dahin streben, eine Einheitsfront zur Abwehr herzufteüen. Leider hören die Parletrekriminationen nicht auf und die so sehr gebotene Solidarität ist nicht vorhanden. Wenn die Herren Zionisten besonders die Orthodoxie beschuldigen, sie härte christlich-sozial (?) gestimmt, so verdient diese Verleumdung so niedrig als möglich gehängt zu werden. Die Zionisten haben sich in Galizien immer mit oen Antisemiten verbunden, so oft es galt, einen Assimtlanten zu Fall zu bringen. Der heutige Präsident des „Misrachi" in Oesterreich, Dr. Samuel Rapaport, hat im Jahre 1911 im Wahlkreise Zviktew-Rava seinen Wählern beim ersten Wahlgang in einer Erklärung im antisemitischen „Slowo-Bolskie" dffen aufgefordert, bei der Stichwahl für den Antisemit Starzinski gegen den Assimilanten Steinhaus zu stimmen. Zu einer solchen Handlungsweise hat sich die Orthodoxie nie hergegeben. Konferenj 9er Joinf-Direftforen. Wien, 4. November. Mitte dieses Monats soll hier eine dreitägige Konftrenz sämtlicher Vertreter des Joint-Dtstrtiutions-Komitee aus Polen, Littauen,Deutschland, Oesterreich, Tichecho-Slowaket, Ungarn, Rußland, Türkei, Palästina und Syrien stattfinden. Ungarn. kin Sali unter vielen. Budapest, 21. Oktober. In der ungarischen Nationalversamm* ung interpellierte der Abgeordnete Rapprrt über eine besonders skandalöse Mordaffäre, welcher zwei reiche Budapester Juden, der Wetnhändler Adolf Landau und sein Sohn, zum Opfer relen und an welcher wiederum das Mtltär Anteil hat. Am 19. September d. I. erschien Gendarmerie in der Woh ^ung der beiden Landau und verschleppte sie zunächst in eine Kaserne, in