Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1920)
- Date
- 1920-11-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450088-2450129--68543-2525686- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 Novernober 1920 Vrr Mrarltt. Nr. 44 Sette 7 Holzappel, 23. Okt. Am 20. Oktober starb hier ganz plötzlich Frau Samuel Rosenthal, nachdem kaum 2Va Jahre vorher ihr Gatte zur ewigen Ruhe eingegangen war. Es war ein echt jüdisches Haus, das von heiliger Weihe durchhaucht war, in dem edle Gastfreundschaft geübt wurde. Die einzige Tochter wurde dort in altgewohnter Weise erzogen und mit einem auf dem Boden des überlieferten Judentums stehenden Arzte als Gattin verbunden. Dieses hehre Familicnheiltgium ist nun zerstört, aber wie wir hören, soll das Haus von den Angehörigen zu einer wohltätigen Stiftung umgewandelt werden, zur Ehre derer, die darin groß geworden. Die Beerdigung fand am 22. Oktober morgens unter zahlreicher Beteiligung der Gesamtbevölkerung des Städtchens statt und auch von Nah und Fern waren Verwandte und Freunde herbeigekommen zur Ehre der ed'eu Heimgegangenen. Herr Bezirksrabbiucr Dr. Weingarten aus Bad Ems hob in seinem Nachrufe die allgemeine Beliebtheit und Verehrung hervor, die der Verblichenen von allen ohne Unterschied der Konfession wegen ihres geraden, offenen und freundlichen Wesens gezollt wurde, Im Glücke hatte sie Mut und Kraft gewonnen, das Schwere mit Gottvertrauen zu ertragen und zu überwinden. Möge das Bewußtsein, eine solche Mutter besessen zu haben, der einzigen Tochter Erhebung und Trost gewähren. n"2Sün. Würzburg, 29. Okt. Am 18. November d. Js. feiert Herr Distriktsrabbiner Dr. M. Weinberg, Neumarkt, sein silbernes Amtsjubiläum. Posen, 20. Okt. Im bellen Mannesalter verschied hier nach langem schweren Leiden der Kaufmann Arnold Busch. Mit aufrichtiger Trauer beklagt die israelitische Gemeinde, den frühen Tod dieses edlen wahrhaft frommen Mannes. Der Verstorbene war eine lange Reihe von Jahren Mitglied der Kuttnskommission der Synagoge rc. Wie selten einer, nahm er dieses Ehrenamt wahr. „Pflichterfüllung" ging ihm über alles. Auch im Bestreben, der Jugend vielfach zu nützen, zeigte er sich in rühmenswerter Weise. Die Pflege des Gesanges und Verbreitung der Synagogalgesänge lag ihm sehr am Herzen. Aus dem Gebiete der allgemeinen Wohltätigkeit wirkte er als Leiter und Mitarbeiter mustergültig. Ein Wunder ist es nicht, daß die Anteilnahme bei der Beerdigung dieses braven Mannes eine allgemein große c^wesen ist. In der Trauerrede wurde ein getreues Bild des Schaffens und Wirkens dieses seltenen Mannes gegeben. Vermischtes. Berlin, 17. Okt. Eine antisemitische Ausschreitung im Palais de danse führre gestern den Rittergutsbesitzer und Reserveoffizier Wilhelm W alt kin g unter der Anklage der Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung vor das Schöffengericht Berlin-Mitte. Am Abend des 24. Februar suchte, der Weinhandler Litfin aus der Kaiserin Augusta-Allee in C.harlottenburg mit mehreren Bekannten und deren Ehefrauen das Palais de danse auf. In der Garderobe wurde er ohne jede Veranlassung von dem jetzigen Ange lagten angerempelt. Wallking rief: „Sämtliche Juden den Hut abnehmen — ein preußischer Oberleutnant kommt durch"! Lrtfind, der nicht Jude ist, mußte über dieses sonderbare Benehmen' des Angeklagten lächeln. In demselben Augenblick sprang ihm W. an die Kehle, würgte ihn und schlug auf ihn unter Beschimpfungen. Die gegen W. erstattete Anzeige batte ein recht eigentümliches Schicksal. Sie war plötzlich spurlos verschwunden, sodaß die Vermutung aufrauchte, daß die damit beschäftigten Polizerbeamten von Waltking in gewisser Weise beeinflußt worden seien. Erst auf eine Beschwerde des Rechtsanwalts Dr. Großmann tauchte die Anzeige plötzlich wieder auf und das Verfahren nahm seinen Fortgang. Der Amtsanwalt beantragte, da es sich um eine höchst pöbelhafte antisemitische Ausschreitung recht roher Art handelte, drei Monate Gefängnis. Das Gericht sah keinen Anlaß, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen und erkannte auf sechs Wochen Gefängnis Berlin, 20. Okt. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte,. stand gestern eine Privatklage zur Verhandlung, die der Schriftsteller Dr. Arthur Dinier gegen den Schriftsteller der Wochenausgabe des „Berliner Tageblatts", Dr. Leonhard Birübaum, angestrengt hatte. Am 9. November 1919 erschien in der Wochenausgabe ein mit Julius Barasch Unterzeichneter Artikel: „Antisemitismus als Geschäftsobjekt". Er beschäftigte sich mit dem in einem Leipziger Verlag erschienenen Buch: „Die Sünde wider das Blut"! von Dr. Dinier. Das Buch wurde als Pamphlet bezeichnetes wurde gesagt, daß der Verfaffer einen versteckten Kampf mit vergifteten Pfeilen führeer werfe mit vollen Händen mit Schmutz, arbeite mit Verfälschungen usw. Der Artikel ging dann auf den Inhalt des Buches näher ein und suchte unter Bezugnahme auf Uebersetzungen bekannter jüdischer und christlicher Gelehrter und Kapazitäten auf dem Gebiet der Religionsgeschichte nachzuweisen, daß Dinter in seinem Roman Fälschungen des Kolnidre-Gebets und bestimmter Stellen aus dem Schulchan Aruch begangen habe. Dinter behauptete wasrheitswldrig, daß nach jenen Satzungen der Ehebruch mit dem Weib eines „Akutn" erlaubt sei, er behaupte, das Akum „Nichtchrist" bedeute, während dieses Wort tatsächlich eine Zusammenstellung aus vier hebräischen Worten darstelle, die die Tierkreisbilder bedeuten. Ferner behaupte der Roman wahrheitswidrig, datz es dem Juden nach seiner Religtonsvorschrift erlaubt sei, einen Meineid zu leisten. Das Gericht kam auf Antrag, der Rechtsanwälte Dr. Fritz Cohn und Dr. Klee zu einer Vertagung, da der Vorsitzende und die beiden Schöffen erst Kenntnis von dem Roman selbst erhalten sollen und ferner der bekannte^ Neligionsforscher Geheimrat Prof. Dr. Strack zu der nächsten Verhandlung als Sachverständiger geladen werden soll. Hamburg, 20. Okt. Zu einer ernsten Feier hatten sich auf Einladung des Vereins Mekor Chajim e. V., zahlreiche Mitglieder unserer Gemeinde am Donnersrag, 14. Oktober, abends im Vereinsiokvl Grmdethof versammelt. Man bemerkte unter den Gästen Herrn Oberrabbirier Dr. Lerner, Altona, Vertreter der Gemeinde, des Synagogenverbandes, der Repräsentanten- und Delegierienkollegien. Denn es galt aus Anlaß des Jadrzeitstages des unvergeßlichen Dr. S. P. Nathan s. A., auch dem wehmütigen Gedenken derer, die von unserem Verein hinauszvgen in den Krieg, um nicht zu uns zurückzukehren. Nach dem den Trauerakr einleitenden .Schiur brachte Herr Oberkantor Bürger ergreifend eintge Psalmen zu Gehör. Alsdann bestieg der erste Vorsitzende Herr A. Joelsohn das Podium, um die Bedeutung dieser Veranstaltung darzulegen. Mit einem Mahnwort, durch unser Leben das Angedenken Dr. Nathans und der teuren Gefallenen zu weihen, schloß er seine gehaltvollen Ausführungen, um daran anschließend im Namen der Verwaltung die Gedenktafel für die gefallenen Helden der Obhut des Vereins zu übergeben. Herr Oberkantor Prysucher riß durch sein mir Inbrunst vorgetragenes El mole rachamim-Gebet dre Anwesenden hin. In einer zu Herzen gehenden Gedenkrede schilderte Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer das Leben und Wicken Dr. Nathans, die Hingabe der Gefallenen im Dienste der Thora und des Vaterlandes. Die ergreifende Feier fand ihren Abschluß durch einen eindrucksvollen gesanglichen Vortrag des Herrn Oberkantors Bürger. Strastburg, 20. Okt. Zum Nachfolger des aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amt zurückgetretenen Rabbiners der israelitischen Neltgionsgesellschnft — jetzt Societäisraä ite religieuse — Herrn Josef Buttenwie ser, ist am 17. Oktober Herr Robert Brunsch wig z. Zt. aumonier milituire bet den Besatzungstruppen in Saarbrüaen, gewählt worden. Herr Brunschwig ist Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Karlsruhe, 2ö. Okt. Vor dem Schwurgericht in Karlsruhe in Baden hatte sich gestern der 24 jährige! Student Robert Engelhorn aus Baden-Baden,! Sohn des Kunstmalers Prof. Engelhorn, wegen Mordes zu verantworten. Der Angeklagte hatre am 7. März d. Js. in Baden-Baden auf offener Straße den etwa gleichaltrigen Studenten Franz Cahn, ohne jeden Anlaß erschossen und sich dann selbst einen Schuß in den Oberschenkel beigebracht. Die Tat errveckte damals großes Aussehen und gab zu der Vermutung Anlaß, Engelhorn habe aus antisemitischen Motiven heraus gehandelt. Der Angeklagte bestritt, durch antisemitische Beweggründe zu der Tat veranlaßt worden zu sein. Sein eigentlicher Beweggrund sei das Verlangen gewesen, aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Die medizinischen Sachverständigen kamen zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte an Dementia praecox leide und daß er für die Tat nicht verantwortlich gemacht werden könne. Der Staatsanwalt plädierte für Bejahung der Schuldfrage auf Mord. Die Geschworenen verneinten dies jedoch und ebenso die Frage auf Totschlag. Der Angeklagte wurde daraufhin freigesprochen und einer Irrenanstalt überwiesen. Ansbach, 25. Okt. Als Zeichen des Dankes für die opferbereite Mitarbeit der israelitischen Einwohnerschaft Ansbachs überwies der Hauptausschuß des Ortssammelkomilees Ansbach (Sta^t) für die Armen der israelitischen Kultusgemeinde 1000 Mk. In einer Zeit, da die Leistungen der deutschen Judenheit während des Krieges nicht genug herabgewürbigt werden können, freuen wir uns, von maßgebender Stelle eine ehrliche Stimme der Anerkennung verzeichnen zu dürfen. Birstein, 13. Okt. Zur Gründung des „Bezirksvereins Süd" (analog dem Bezirksverein Cassel, Ost), traten die Lehrer der Kreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern, sowie einige Nachbarkollegen am 7. Oktober in Gelnhausen zusammen. Zweck und Ziel des Vereins ist: 1. Förderung des jüdischen und profanen Fachwissens- 2. Erörterung gemeinsamer Interessen- 3. Pflege der Zusammengehörigkeit. Zu Vorsitzenden wurden die Herren Levt, Birstein und Ehrenreich, Langenselbold, gewählt. Kisfingen, 24. Okr. Herr Distriktsrabbiner Dr. Vamberger schreibt uns: Während des Krieges bis auf die jüngste Zeit habe ich auf an mich gerichtete Anfragen den Genuß der Butter gestattet, die nicht unter Aufsicht hergestellt war. Nach den jüngsten Erfahrungen möge der von wir gegebene m\"i als nicht mehr bestehend betrachtet werden. Es ist nun Pflicht jedes Einzelnen, sich die Gewißheit zu verschaffen, ob die von ihm zu beziehende Butter rein und ohne Beimischung von Margarine ist. Goch, 20. Okt. Wegen Schülermangel wurde am 1. Oktober die Elementarschule zu Goch, seit 1902 Kommunalschule, nach mehr als 70 jährigem Bestehen geschloffen. Der derzeitige Lehrer, Herr Oppenheimer, trat nach mehr als 30 jähriger Tätigkeit an derselben, mit diesem Tage in den Ruhestand. Posen, 20. Okt. Vor ungefähr dreißig Jahren stiftete Moritz Rohr in Breslau, zu Ehren seiner verstorbenen Eitern einen Betrag von 600000 Mark mit der Bestimmung, datz in Posen ein Krankenhaus erbaut werden soll. Der Stistungsbetrag wurde der hiesigen Synagogengemelnde zu diesem Zwecke mit der Maßgabe überwiesen, daß das Krankenhaus die Bezeichnung „Jüdisches Krankenhaus Abraham und Henriette Rohrsche Stiftung" führen soll. Das Stif. tungskapilat ist durch Spenden von anderer Seite bedeutend verstärkt worden. Die aus den Gesamt-Legaten fließenden Einnahmen, welche zur Vestreituug der Ausgaben verwendet werden, reichen zu letzterem' nicht aus, es muß vielmehr die hiesige Synagogen, gemeinde einen erheblichen Zuschuß leisten. Die An. statt ist an der Glaeistraße auf'einem vier Morgen großen Grundstücke belegen, wovon ein Morgen bebaut ist. Das Krankenhaus hat einen Vorgarten und einen großen Hintergartendavon ist noch ein an der Königftraße gelegenes, drei Morgen großes, anbebautes Bodenland vorhanden. Das Krankenhaus hat 16 größere und kleinere Krankenräume, mit den dazu nötigen Nebenrälimen. In jedem Stockwerke befinden sich geräumige, offene Liegehallen. Außer einem Verband- und Untersuchungsztmmer hat das Krankenhaus l zwei Operationsräume, ein Laboratorium und ein Rüntgenkabinet. Im Krankenhaus« ist eine bequem eingerichtete Synagoge, in der täglich mit Minjan gebetet rvnd. Die Verwaltung erfolgt durch eine aus der Gemeinde gewählte Kommission: Das KrankenhanS besitzt eine Hausapotheke. Es ist hervorzuheben, daß die Lage des Krankenhauses eine relativ günstige ist. Es werden jährlich ungefähr 500 Kranke, darunter auch christliche, ausgenommen. Durch den starken Zuzug aus Kongreßpolen ist das Krankenhaus zum größten Teile mit jüdischen Patienten belegt. Sarajevo, 23. Sept. Anläßlich des offizielle" Besuches des Pcinzregenten Alexander von Jugoslawien in Sarajevo wurden die Oberrabbiner der sephardischen, Dr. Levi und der der aschkenasischen Kultusgemeinde, Dr. Weszel, mit dem Sv. Sava-Orden ausgezeichnet, welcher denselben beim Gaiadiner vom Präsidenten der Landesregierung angeheftet wurde. Es sind dies unseres Wissens die ersten Auszeichnungen an Juden im neuen Königreiche Jugoslawien. Die große Judenfreundlichkeit des Prtnzregenten ist überdies zur Genüge bekannt. Jerusalem, 1. Okt. Herbert Samuel hat den Versöhnungstag in der Synagoge des sefardischen Waisenhauses zuaebracht und im Hause des Herrn Borochow angebissen. Auf seiner Rundreise durch das Land hat Samuel die 7 größten Städte und 24 Kolonien und Dörfer besucht. Familiennachrichten. Barmizwohfcier. Ludwig, Sohn, des Herrn I. Halberstaot, Halle a. S. — Hans Leo, Sohn des Herrn Dr. med. Felix Lehmann, Bensheim a. d. Bergstr Frankfurter Kerichtr. Kijum-Zseier im Schaß Aerelrr. „Ordnung a la Aschtenas" und „Simcho a la Ausland". Sie hatre zuerst keinen leichten Kampf, die „deutsche Ordnung" gegen die „östliche Simcho". Kampsparteten waren auf der einen Seite, der Festausschuß, deffen Mitglieder zum Teile schon nach den ersten zwei Stunden stockheiser waren, und auf Groß-Frankfurt am Eschenheimer T urrn Theater ZiSlspfai und Bie^babapett Kassenöffnung 61|3 Uhr, Anfang 7Vs Uhr abends Weinklause Eingang nui» SSiftstraße 32