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Der Israelit · 1920-11-04 · Heft 44 (4.11.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 44 (4.11.1920)
Date
1920-11-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 44 Ver A-raeltt allein aufgebaut werden, ohne Hilfe der anderen jüdischen Körperschaften. Dr. Feßler tritt für die sofortige Gründung eines internationalen Palästinakomitees aus Vertretern aller jüdischen Parteien ein. Die unmittelbaren Aufgaben der Agudas Jisroel sollen sein: 1. die religiöse Erziehung. 2. Wiederaufbau Palästinas. 3. Hilfswerk im Osten. 4. Emigration.' Herr Botschko-Basel wies auf die Notwendigkeit hin, den großen geistigen Kräften die in der Agudas Jisroel wirksam seien, die gebührende Anerkennung im öffentlichen Leben zu Teil werden zu lasten und sagte, die Beiträge für den Erez Jlsroel-Forids der Agudas Jisroel erweisen den Ernst ihres Entschlusses, ihre Pflicht gegenüber dem heiligen Lande zu erfüllen. Auch im Osten Londons fand am gleichen Tage ein Massenmeeting in der großen Synagoge Machstke Hadaß statt. -- ' Arnenikcr. Die iüdlfche Einmanderuns- Z?erv-Pork, 12. Okt. Der New-Aorker Korrespondent des „Moment" schreibt: Der Emigrantenstrom aus den verschiedenen europäischen Ländern nach Amerika wird immer größer. Täglich kommen Schiffe mit Einwanderern. Manche von ihnen müssen einige Tage in Ellis Island oder auf den angekommenen Schiffen warten; das ist daraus zu erklären, daß es für die Einwanderungsbeamten fast unmöglich ist, alle Ankommenden sofort zu kontrollieren und die ärztliche Untersuchung und andere Formalitäten vornehmen zu lassen, denen fich jeder Einwanderer unterziehen muß, bevor er ins Land eingelassen wird. Ms Illustration, wie stark der Zustrom der Einwanderer ist, dient der Bericht des New- Aorker Einwanderuugsamtes, welcher soeben veröffentlicht wurde. Danach sind im Monat Juni 1920 etwa 70000 Einwanderer in den Bereinigten Staaten angekommcn, das ist um 100pCt. mehr als im Juni 1919. Diese Zahl ist größer als die Zahl in jedem einzelnen Monat seit Juni 1914. Der größte Teil der Einwanderer find Juden. Aus dem Bericht ist auch zu ersehen, daß vom 1. Juli 1919 bis 30. Juni 1920 600 000 Einwanderer in die Vereinigten Staaren gekommen sind; ihre Zahl dürfte, wie man annimmt, bis Ende 1920 auf 1 Million steigen. Charakteristisch ist übrigens, daß in dem Berichtsjahr 1919/20 400000 Personen nach Europa ausgewandert find. Palästina. Rus Palästina. Jaffa, 5. Oktober. Neben einigen hundert Chaluzim, die letzhin in Palästina gelandet sind, sind auch mehrere wohlhabende Juden aus Frankreich und Amerika hier angelangt, um sich nach Jndustriemöglichkeiten umzusehen. Eine amerikanische Gesellschaft will mit einem Kapitas von zwei Millionen Dollar eine Fabrik für Herstellung von Kokserven aus Palüsttnafrüchten gründen. Die angelangten Chaluzum verrichten schwere Arbeit beim Ausbeffern von Landstraßen und Waldanlagen. Es ist aber zu befürchten, daß bei Beendigung dieser Arbeit Arbeitslosigkeit eintritt, wenn nicht inzwischen intensivere Kolomsalionsarbeit in die Wege geleitet wird. Andererseits ist ein Aufschwung im Baugewerbe zu erwarten, da man in Jaffa, Haifa und Jerusalem demnächst mit Häuserbau zu beginnen gedenkt. Im Laufe des Monats wird der Baron Edmund von Rothschild aus Parts hier erwartet. Man sagt, er konlme mit großen Koionisations- und Juduftrieplünen, und die Zionisten find ein wenig deprimiert, daß der Baron scheinbar an eine Mitwirkung von ihrer Seite nicht denkt. Außerdem wird bekannt, daß die Regierung den Baron Rothschild um eine Anleihe von zwei Millionen Pfund zur Vergrößerung des Eisenbahnnetzes in Palästina angegangen hat. Kommt die Anleihe zustande, so darf in allernächster Zeit mit der Bahnverbindung zwischen den Kolonien Rechoboth, Petach Tikwah und Rischon gerechnet werden. Nach Berichten hiesiger Blätter ist von drei Juden und zwei Arabern tu Jaffa eine Schiffsg es eil schaft mit dem Grundkapital von 10000 ägypt. Pfund gegründet worden. Spezialgebiet der Gesellschaft ist die Ver- und Ausladung der abgehenden und ankommenden Schiffe und die Beförderung der Ware in das Jnnenland. Die Gesellschaft wird von den zionistischen Fonds unterstützt. Die erste Tagung fles paläRinenlifchen Regierungs-Rafts.) Jerusalem, l5* Okt. Am 6. Oktober trat der von Herbert Samuel ernannte Rat, dem drei jüdische Mitglieder angehören, zu seiner ersten Tagung zusammen, wobei Herbert Samuel eine längere Ansprache hielt. Er betonte,, daß der Regierungs-Rat nur einen ersten Schritt in der Entwicklung der Selbstverwaltung Palästinas bedeute, und berichtete dann über die noch schwebenden Verhandlungen betr. die Grenzen, die Umgestaltung des Beamtenstabes, und die Eröffnung des Grundbuches, sowie eine ganze Reihe anderer wirtschaftlicher Angelegenheiten. Eine große Rolle spielen dabei insbesondere die Eisenbahnbauten, an die man bereits mit großer Energie heranqegangen ist. Hospitäler erhält die Regierung insgesamt 15 mit 293 Betten. Ein Bete- > rinär-Dienst ist eingerichtet worden. Auf dem Gebiete des Erziehungswksens wird die Errichj tung einer Schule für Gesetzeswissenschaft ins Auge gefaßt, sowie der Aufbau eines gewerblichen Schulwesens. Der Redner verbreitete sich dann weiter über die Förderung der archäologischen Forschung, die Erleichterung des Reifens und der Einwanderung, wobei er darauf hinwies, daß eine g ewisse Anzahl Einw anderer, meistens Juden in den Häfen ankämen und Beschäftigung fänden. Ihre Anwesenheit gereiche also dem Interesse der anwesenden Bevölkerung zum Vorteil und es bild e dies eineJllustration der Tatsache, daß der Prozeß des Aufbaues des jüdisch-nationalen Heimes der nichtjü disch en Bevölkern«g Nutzen und nicht Schaden bringen werde. Die Debatte erstreckte sich hauptsächlich auf die Frage der Beamtenernennung. Iellin trat für baldigen Anschluß des transjordanischen Gebietes an Palästina ein, da diese Verbindung wirtschaftlich lebenswichtig sei. Der Arbeitervertreter Ben Zwi verlangte Aenderung des Arbeiterrechtes. Samuel versprach ernstliche Er. Wägung aller vorgetragenen Anregungungen. Die sogenannte Delegiertenversammlung. Jerusalem, 15. Okt. Das Rumpf-Parlament, das sich entgegen allem Rechte als gewählte Vertretung der jüdischen Bevölkerung Palästinas ausgiebt, an dessen Wahl aber der größte Teil der jüdischen Einwohner aus religiösen Gründen sich nicht beteiligen konnte, trat am 7. Oktober in feierlichen Formen zusammen. Herbert Samuel hatte brieflich die Hoffnung ausgedrückt, daß die Beratungen der jüdischen Gemeinschaft zum Wohle gereichen und harmonische Beziehungen zu den anderen Gemeinschaften herbeiführen werden. Unter den anwesenden Abgeordneten befanden sich sechs Frauen. Neben einigen wenigen Misrachisten waren anfangs auch eine Anzahl orthodoxer Herren — hervorgegangen aus der „Kalpi charedi// von Rabbiner Kuk — erschienen, die aber sehr bald den Rückzug antraten, als ihre Anträge wie in diesem Milieu selbstverständlich, einstimmig abgelehnt wurden. Die Versammlung wählte einen National- Rat von dreißig Mitgliedern, der nun gewiß den Versuch machen wird) sich der palästinensischen 4. November 1930 Judenheit als einzig berechtigte Vertretung zu oktroyieren. Man kann nur hoffen, daß die englischen Behörden und die Oeffentlichkeit diesen Versuch in gebührender Weise ablehnen werden. Kerbers Samuel auk öem Serge Sion. Jerusalem, 15. Oktober. Am Mittwoch Nachmittag besuchte Herbert Samuel in Begleitung von Lord Hay die Armen- und Pilgerwohnungen auf dem Berge Zion (NÜVN die bekannte Schöpfung der ungarischen, deutschen und holländischen Orthodoxie. Am Eingang des Bothe Machse-Vtertels begrüßte der Vertreter der Amsterdamer Pekidim, Rabbiner Horovic^, den Oberkommtssar, und ein aus Schülernder Pekidim-Schulen gebildeter Chor trug eine Hymne vor. Ansprachen hielten die Herren Rabbiner Katzenellenbogen, Kostin und Horovicz. Oberrabbiner Chaim Sonnenfeld war mit einer Thorarolle erschienen und segnete den Besucher mit dem Zionssegen. Bor der Synagoge mar eine kleine Ausstellung von Arbeiten der Schüler arrangiert. Nach einem Besuche in der Wohnung des Oberrabbiners Chaim Sonnenfeld nahm Herbert Samuel imHause des Rabbiners Horovicz den Tee ein und verweilte eine halbe Stunde. Beim Abschied ersuchte Samuel Rabbiner Horovicz, der im Begriffe war, ins Ausland zu reisen, dem orthodoxen Judentum in der Diaspora seine.besten Grüße zu überbrinqen und den Wunsch auszudrücken, daß ihn die Orthodoxie bei dem Aufbau Palästinas kräftig unterstützen möge. Die PalästinaSeuMen- Werlin» 23. Oktober. ZP. T. B. meldet: T)ro englische Regierung hat die Rückkehr sämtlicher Paiäftinadeutschen, die anläßlich des türkischen Waffenstillstandes nach Aegypten und von dort zum Teil nach Deutschland verschickt worden waren, gestattet. Der Oberkommissar vonPalästma.Sir Herbert Samuel soll beauftragt worden sein, für die Unterbringung der zurückkehrenden Deutschen Sorge zu tragen. Das Manöat Wer Palästina. «London» 26. Okt. In einer Versammlung der Vertreter der Londoner Synagogen sprach Professor Dr. Weitzmann über die nächsten Aufgaben der zionistischen Exekutive, in bezug auf den Wiederaufbau Palästinas. Bezüglich des Mandates sagte er, es bestehe berechtigte Hoffnung, daß dos Mandat folgende Punkte enthalten werde: 1. Die Bestätigung der San Remo-Entscheidung. 2. Ene Verpflichtung der britischen Regierung, diese mit allen administrativen Mitteln zu verwirklichen. 3. Die Schaffung einer Repräsentanz der palästinensischen Verwaltung, bestehend aus Vertretern der zionistischen und anderen jüdischen Organisationen. Berlin, 25. Okt. Die Religionsgemeinde des Westens harte in dieser Woche einen ganz besonders herben Verlust zu beklagen. Frau Minna Kugelmann, eine seiten gute und edle Seele, ward uns in der Blüte ihres Lebens mit 49 Jahren genommen. 2\ Jahre stand sie ihrem Gatten als eine liebevolle Gefährtin zur Seite. Mit kleinen und bescheidenen Mitteln haben sie beide ein Heim gegründet und dank ihrer Biederkeit und ihrem Fleitze wuchs ihr Name und ihre Stellung von Jahr zu Jahr. Und auf den Höhen des Glücks wahrte sie fich ihre rührende Bescheidenheit, ihre von getragene Frömmigkeit, die nie viel Wesens vcn sich macht. Sie war eine nps so wie das Gotteswort es erwartet, denn sie gab und gab immer wieder und gab mit einer solchen Freude und Bereitwilligkeit, daß die Wohltat den Empfänger nicht beschämte und den Spender wahrhaft adelte. Die Trauer feier, die am Montag stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung ihrer allgemeinen Beliebtheit. Im Trauerhause sprach ihr Gatte rührende Worte des Dankes und des Abschieds und Rabbiner Dr. Hartwig Carlebach und Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer rühmten mit ergreifenden Worten ihre seltenen Tugenden. Möge ihr den Ihren beistehen. r/'nsijn.

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