Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1920)
- Date
- 1920-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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4. November 1930 von 15 auf 8 herabgesetzt würbe. Erfreulicherweise hat aber der Ausschuß zur'Vorberatung des Gesetzes auf die Vorstellungen der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrervereine" hin, erhebliche Abänderungen vorgenommen. Da die Gefahr besteht, daß als Folge der zur Ausführung der Verfassungsbestimmungen demnächst zu erlassenden Reichsschulgesetze manche kleinen Privatvolksschulkn eingeden mügen, während anderseits Gelegenheit gegeben ist, die Gründung neuer öffentlicher Volksschulen herbeizuführtn, ist folgende neue Bestimmung von großer Bedeutung: „Wird eine der genannten Privatschulen in eine öff ntliche Volksschule umgewandklt oder auf Grund gesetzlicher Bestimmungen aufgelöst, so fallen für die in den öffentlichen Schuldienst zu übernehmenden Lehrkräfte die Nachzahlungen fort." Ferner wurde der nachzuzahlende Betrag auf 1200 Mk. pro Jahr herabgesetzt und bkstlmmt: „Lehrern, die aus nicht in ihrer Person liegenden Gründen (Stellenmangel) Beschäftigung an einer Privatschute genommen haben, kann die Einzahlung ermäßigt werden." Damit ist gesetzlich festgelegt, daß die jüd'schen Volksschullehrer bei ihrer verspäteten Anstellung Anrecht auf Erlaß eines Teils der Nachzahlung erhalten, da die Vorbedingung wohl in dev Regel als gegeben zu erachten ist. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß .das,Plenum der preußischen Landesversammlung .die Beschlüsse der Kommission bestätigen wird' Von den zur Zeit im preußischen Unterrichtsministerium maßgebenden Männern aber kann vorausgesetzt werden, daß sie die neuen Vorschriften dann in loyaler Weise durchführen werden. Me Entwicklung der Wischen Aiederlaffung in Erez Moel. In der letzten Woche haben im englischen Unterhause Interpellationen über Palästina und das Mandat staitgefunden, die in Verbindung mit den Erklärungen Herbert Samuels bet der Eröffnung des Regierungsrates 7stehe den Bericht an anderer Stelle — über die Entwicklung der Dinge im heiligen Lande wiederum größere Klarheit gewahren. Im Unterhause erklärte der Unterst aatssekretar des Auswärtigen, Harmsworth, daß eine ganze Reihe von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in Vorbereitung und Ausführung begriffen feien, fo z. B. die Errichtung von Banken zur Gewährung langfristigen Agrarkredits, Wertzuwachssteuern auf Grundv besitzdie Vereinheitlichung der Maße und Gewichte, die Bekämpfung der Malaria, und In unserer Gemeinde soll, nach Aussagen von Leuten, die das wissen müssen, der Bedarf an Blumen sich jährlich auf Hunderttausende belaufen. Damit könnte man Häuser gründen und Existenzen erhalten. Und die Blume ist hier nur ein Symbol... für tausenderles anderen schönen Tand, der schmückt und entzückt, aber welkt, verweht und vergeht, wie der gestrige Tag... Eine Sturmflut von Papiergeld rast über die Welt. In Bank und Börse schwimmt man in der Katastrophenkonjunktur bis zum Ertrinken. Und da werden horrende Summen verschleudert an Dinge des täglichen Nichtbedaifes, an die man in normalen Zeiten nicht einmal im Traume gedacht hätte. Ihr könnt das in jedem Sinne schmutzige Geld in Menschenglück, im Kindergedeihen umsetzen. Und ihr tut es nicht?... Aach der Väter Veispiel. (Zum Wochenabschnitte.) Bon M. I. , - (Schluß). Den letzten Ring an der Kette der Ereignifle der ersten großen Phase in der Geschichte Israels bildet Jakob. Ein höchst trauriger Abschluß! Dieser Abschluß konnte im göttlichen Plane unmöglich ein endgültiger sein, konnte unmöglich das verheißungsvolle: liiw prtrr sein. Jakob sollte nicht den Schlußstein in der Geschichte Israels bilden, sondern blos einen bedeutungsvollen Wendepunkt. Jakob war das Samenkörn, welches in den Boden gesenkt wohl in Ber- Ger MrasUr. -■ der Aufbau neuer Stadtviertel in den Hauptstädten. Auch beschäftigte sich eine Landkommission mit der F'eftstellun g der für den Anbau verfügbaren Ländereien, wovei die Interessen der bereits im Lande wohnenden Ansiedler besonders gewahrt werden sollen. Die Eisenbahn von Jaffa nach Lud ist 'erweitert, der Hafen von Haifa wird benutzbar gemacht werden. Hierauf erklärte der Unterstaatssekretär hinsichtlich der jüdischen Heimstätte wörtlich folgendes: „Einige elfte Schritte sind unternommen worden, um die Erklärung der Regierung vom 2. November 1917 äuszuführen, so z. B. hinsichtlich der Einwanderung in Übereinstimmung mit der Einwanderungsverordnung. Juden, deren Anträge von der , zionist scheu Organisation unterstützt' werden, können bis zu einer vereinbarten Anzahl Bisa von den britischen Konsulaten in der ganzen W lt erhaten, wobei die zionistische Organisation die Verantwortung übernimmt für die Versorgung und Erhaltung der Ein- Wanderer, im Falle es ihnen nicht gelingt, Beschäftigung zu finden. Einige hundert Einwanderer kommen monatlich an und werden beim Wegebau, der Urbarmachung von Land und in den bestehenden jüdischen Kolonien beschäftigt. Die hebräische Sprache ist auf gleichem Fuße mit Arabisch und Englisch in allen zentralen Regierungsämtern und in allen denjenigen Städten und Distrikten als offizielle Sprache anerkannt worden, in denen eine beträchtliche jüdische Bevölkerung wohnt. Die Aufnahme einer Regierungsanleihe für Eisenbahnen und andere öffentliche Arbeiten wird erwogen. Auf eine weitere Anfrage des gleichen Abgeordneten antwortete im UnterhauseC Ham berl ain, es sei zu hoffen, daß das Mandat für Palästina dem Vöikerbund-Rate bald unterbreitet werden könne, wobei die Regierung selbstverständlich beabsichtige, der Balfour-Erklärung gerecht zu werden. Ueber die Grenzen Palästinas «fei es verfrüht, jetzt etwas zu sagen. Herbert Samuels Erklärungen verstärken den günstigen Eindruck, den man von seiner nüchternen, vorsichtigen Politik gleich von vornherein empfangen hat. Kann auch vons einem „jüdischen^ Palästina" auf lange Zeiträume hinaus nicht die Rede sein und wäre es auch sträflich, von der palästinensischen Kleinarbeit eine Linderung der Judennot oder gar eine Lösung des Judenprobiems zu erwarten, so hat doch die gesamte >Ji. 44. Helix Juden heit find die Orthodoxie nicht zum wenigsten alle Ursache, grade in dieser Ablehnung aller politischen Phantastereien durch die verantwortlichen englischen Staatsmänner eine Gewähr für die Solidität des in Palästina beginnenden Aufbau-Werkes zu erblicken. Aus dem fortwährenden Drängen auf einen Judenstaat oder dem unausgesetzten Wiederholen des unbedachten Weizmann'schen Ausspruches: „Palästina müsse so jüdisch werden, wie England englisch", kann für Juden und Judentum nichts Gutes herauskommen. Wir bedauern, daß ein so angesehenes Blatt wie Jewish Chronicle sich noch immer nicht entschließen kann, in dieser Hinsicht den Tatsachen vorbehaltlos Rechnung zu tragen. Der Wortlaut des Mandates wird, das bezweifelt auch das genannte Blatt nicht mehr, über die Richlimen der Curzon'schen und Samuel'schen Palästina- Politik nicht hinausgehen und einen völkerrechtlichen Anspruch der Juden auf Erez Jisroel in keiner Weise begründen. Aber wir fragen: welchen anderen.Erfolg hätte eine auf dem Papier stehende „öffentlich-rechtliche Sicherung" der theoretischen „Heimstätte" haben können als die erneute bittere Feindschaft und den offenen Kampf des Arabertums? Es gibt für die Juden in ihrem Verhältnis zu Erez Jisroel auch in Zukunft keinen anderen Weg als denjenigen, den unsere Väter seit Jahrhunderten in betspielloscr Zähigkeit und Opferfreude brschritten haben: beten und arbeiten, hinetngehen in das Land, dort Wohnstätten gründen, den Boden bebauen und ein jüdisches Famtlten- und Volksleben von Generation zu Generation entwickeln, die politische Zukunft aber dem Hüter Israels anheimstellen. Ium talmudischen Recht vom Standpunkt -er Zmisprudenz. Von Syndikus Dr. jur. et rer. pol. Leonharv Kirsch in Berlin. In Nr. 36 des „Israelitischen Familienblatts" hat Rechtsanwalt Dr. Schweitzer jedem Juristen nahegelegt, das talmudifche Recht mir der modernen Jurisprudenz zu vergleichen, insbesondere dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch. Er hat selbst an einigen modernen Bestimmungen gezeigt, daß diese bereits im talmudischen Recht enthalten sind. Er sagt weiter: „Im modernen Deutschland haben wir uns mit voller Entschiedenheit zu dem ethischen Standpunkt des jüdischen Rechts bekannt". Ich kann mich indes dieser Ansicht nicht anschließen. In dem von Schweitzer angeführten Falle des Spiels und der Welte mag dies zutreffen. Unterzieht man aber die heute wesung übergehe, das aber ein neues Leben und Wachstum in sich birgt. Jakob ist das Ende und zugleich der Anfang der GeschtchtSperioben Israels, Ende der ersten und Anfang der zweiten großen Periode, die, mit der Zerstreuung Israels beginnend, ihren endgilligen Abschluß erst in der fernen Zukunft findet, da das Israel- und Welttdeal zur Verwirklichung gelangt sein wird. Diese zweite Periode der Geschichte Israels zerfällt gleichfalls in drei kleinere Abteilungen und diese entsprechen wiederum dem Leben der drei Patriarchen, jedoch in umgekehrter Reihenfolge, deginnend mit Jakob und schließend mit Ab aham. Die erste Abteilung in der zweiten Geschichtsperiode Israels beginnt mit der Zerstreuung und dauert das ganze Mittelalter hindurch bis tief in die Neuzeit hinein. Diese Abteilung ist finster und traurig, wie die Lebensschicksale Jakobs. Zweck dieser finstern Zeit mar die Läuterung Israels. In der Not und im Elende sollte es der Göttlichkeit seines Glaubens inne werden. Und wenn die Prüfung mit gutem Erfolge abgelegt sein wird, sollte es den Lohn erhalten im Aufgehn des MorgenroteS einer bessern Zeit. Die zweite Abteilung in der zweiten Geschichtsperiode Israels liegt in der nicht fernen Vergangenheit, da es begann hell zu werden in den Gemütern, die Nebel der Vorurteile sich lichteten und Israel der Menschenrechte teilhaftig wurde, die ihm solange vorenthalten wurden — und dauert noch an. Diese zweite Geschichtsphase gleicht dem Leben Isaaks. Wie Jsäak von den Pelrschtern beneidet wurde und diese in ihrem Neide riefen: litya so ergeht es auch dem heutigen Israel und wie dorr die niedrige Hetze üur vom niedrigen, auf tiefer Stufe der Gesittung stehenden Plebs in Szene gesetzt wurde, der König und sein Höf jedoch, der allenfalls durch sein ruhiges Verhalten und Gewährenlassen der Hetze dieser Vorschub leistete, den Isaak aufsucht und um dessen Freundschaft anhält, so findet auch tn unserer Zeit der Antisemitismus nur in verrohten und entsittlichten Gemütern dauernde Stätte, während die leitenden Kreise und die Intelligenten unter dem Volke nicht verkennen, daß Israel für den Aufschwung der Sraaten von hoher Bedeutung ist. Wird Israel auch die Periode des Glückes überdauert haben, seine Beteiligung am Fortschritte der Völker keinen Rückschritt auf dem Gebiete der Religion zur Folge haben, dann wird der Neid der Völker gegen Israel schwinden, dann werden die Völker des ganzen Erdenrundes voller Ehrfurcht auf Israel blicken, das die zwei harten Proben des Glücks und des Unglücks glänzend bestanden und von der Göttlichkeit des jüdischen Glaubens dadurch Überzeugt werden, dann beginnt die dritte Periode in der zweiten Geschichtsepoche Israels, da JSrael von aller Welt geachtet, Abraham gleich, als D'pVx «nw unter den Völkern dastehen wird: 'vn parm ^a* ana pvrm “ja naaa. Damit man ja nicht glaube, Isaak und Jakob bilden den Schluß der jüdischen Geschichte, dieser daher ein trauriger sein werde, deshalb wird hinzugefügt: naan 'vri, die zweite Periode wird mit Jakob beginnen und in dir ihren Abschluß finden. Das schöne Ende der zweiten Periode wird jedoch nicht allein und nicht vorzüglich in der günstigen sozialen Stellung Israels bestehen, nicht darin, daß es ungestört der Lebensgüter und der Menschenrechte sich erfreuen wird, sondern daß mntio tt naia na naaa '»n sppim nnpn nriK sjk nwstsrr n» .,du wirst zur Quelle Wie die Quelle die Menschen von der Unreinheit befreit, so wirst auch du die geistige Unreinheit der Menschen bannen".