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Der Israelit · 1920-10-28 · Heft 43 (28.10.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 43 (28.10.1920)
Date
1920-10-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite S Nr. 43 1:1 i Der JSraeltt. 38. Oktober 1930 Horthtzs Brachialgewalten ihr finsteres Mord Handwerk zu treiben-vermögen. Man stempelt die Juden zu „Elementen der nationalen De komposition", dichtet ihnen eine unheimliche Po ltttsche und materielle Macht an und suggeriert dem bewaffneten und unbewaffneten Pöbel die Vorstellung eines dämonischen jüdischen Wcltim perialiSmus, gegen dessen Herrschaftsgelüste kein Mittel der Abwehr zu schlecht sei. Wie wird ein jüdischer Weltkongreß auf diese Stimmungen einwtrken? Er wird — man mag wollen oder nicht — erst recht der Welt ein Bild jüdischer Macht Vortäuschen, das ein Hohn auf die Wirklich keit, aber grade gut genug ist, um den Giftmischern des internationalen Judenhasses die wirksamsten Ingredienzien für ihr Hexengebräu zu liefern. Auf diesem, Judenkongreß werden nicht die Millionen jüdischer Seeltzn fichtbar sein, die in selbstlos bescheidener Sittlichkeit ihr kleines, großes Leben der Erfüllung des Gotteswillens, dem fernen Ziel der Menschhettsvollendung weihen — nicht die Betenden und Hoffenden, nicht die Schaffenden, Lernenden und Duldenden, nicht die unzähligen stillen Opfer zähester religiöser Treue wird man schauen und hören, sondern die Rufer im Streit, die Politiker und Rechtvertreter, die Ankläger und Richter! Man wird schelten, fordern, drohen — wird dem Macht-Nationalismus der Völker den Nationalismus des jüdischen Volkes in ganz der gleichen Aufmachung mit der ultima ratio des Schwertes oder des Revolvers entgegensetzen, wird dem Märchen von der Jntereffen-Solidarität der Weltjudenheit durch eine parlamentarische Tragikomödie den Schein der Wirklichkeit zu verleihen suchen und so — in fast unbegreiflicher Blindheit — die Triebkräfte zu neuen Katastrophen schaffen, ehe noch die Wenden der kaum erst erlebten vernarbt find. Eifersüchtig wachen die neu geschaffenen wie die alten Staaten über ihre nationgle «eschloffenhelt — fast nirgendw o ist man beflissen, die den nationalenFremdkörpern widerwillig zugestandenen Mtnderheitsrechte auch nur mit erheuchelter Freudigkeit zu wahren oder gar auszugestalten. Und in einem solchen Augenblicke, zwischen Tod und Leben schwebend, soll die Judenheit der ganzen Welt sich einer kleinen Gruppe von weltfremden Theoretikern zu liebe mit lautem Getöse als politisch-nationale Einheit, das heißt als politischer Fremdkörper in jedem Staate proklamieren? Man komme uns nicht mit ethischen Einwänden, die uns nicht treffen. Wir verachten und verwerfen die assimilatorische Lüge — wir bekennen uns stolz und kühn als Söhne des unsterblichen, allen Völkern wohlbekannten Volkes der Bibel, aber wir bekämpfen mit ebensolcher Entschiedenheit die zionistische Lüge, die aus diesem Volke derBibelein Volk unter Völkern macht, politische Forderungen, ja ein ganzes System jüdisch-nationaler Politik nach dem Schema der Macht- und Jnteressenvolitik der Völker konstruiert und durch dieses Unterfangen das in alle Welt zerstreute machtlose Volk des Geistes in eine geradezu unmögliche Lage bringt. Der Weltkongreß der Judenheit auf ^Grund allgemeiner Wahlen in allen Ländern wäre ein glänzendes Mittel, um die gesamte Judenheit wider ihren Willen auf die zionistischnationalistische Politik festzulegen. Nicht Religion und nicht Humanität wäre ja das einigende Band, das hier die über die Erde Zerstreuten zu gemeinsamer Willensbildung einte, sondern lediglich die Raffen- Stammes- oder Volkseinheit. Die orthodoxen Massen, obgleich sie sicherlich die ungeheure Mehrheit des jüdischen Volkes ausmachen, find heute leider noch viel zu wenig organisiert und politisiert, um dem Weltparlament das Gepräge ihrer Wesensart aufzudrücken. Die sogenannten liberalen und assimilatorischen Kreise aber können weder an politischer Aktivität den Führern des Nationalisdas Wasser reichen, noch besitzen sie die notwendige Prinzipienklarheit, um im Kampfe mit der nationalistischen Ideologie eine tragsähige jüdische Politik zu begründen und zu vertreten. So wäre es vollendete Torheit zu glauben, daß ein jüdischer Weltkongreß etwas anderes bedeutete, als die Unterwerfung des Weltjudentums unter die zionistisch-nationalistische Führung. Nicht viel weniger Torheit verriete es, an die Möglichkeit zu glauben, daß ein gewähltes Wellparlament sich etwa aus ein bestimmt umgrenztes Programm wie den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas oder die Emigration beschränken lassen würde. Wer im Sattel sitzt, wird auch reiten, und die Logik der Tatsachen würde das Weltparlament gar bald auch in die Fragen der Kulturpolitik und des religiösen Lebens htnetnführen. Damit aber berühren wir das letzte und für uns nicht unwichtigste Bedenken, das uns, abgesehen von den entwickelten Erwägungen, dazu drängt, schon jetzt gegen den Kongreßplan Front zu machen: das jüdische Volk ist uns zu heilig, als daß wir die Bekundung seines Wesens und Wollens von der unberechenbaren Zufälligkeit parlamentarischer Wahlen und parlamentarischer Mehrheitsbildung abhängig machen dürften. Uns ist der nationale Wille für alle Zeiten von Sinais Höhen bestimmt worden, und solange nicht im voraus das sinaitische Volksprogramm von allen Schichten und Parteien der Gesamtheit als unveräußerliche Verfassungsgrundlage des parlamentarischen Schaffens anerkannt ist, dürfen , und können die Träger des historischen Judentums, die man als „Orthodoxie" zu bezeichnen pflegt, nicht ohne Not auf denBoden dieses Parlamentarismus treten. So erscheint die ganze Propaganda für den Weltkongreß als eine der schwersten Gefahren der Stunde. Die Verwirklichung der Kongreß-Idee wäre praktisch unzweckmäßig, politisch eine katastrophale Gefahr, religiös mit schweren Bedenken verknüpft. Will man für Palästina und zur Lösung des Emigrationsproblems ehrlich etwas Praktisches leisten, so gibt es dafür bessere Wege der Zusammenarbeit als die Revolutionierung der Gesamtjudenheit durch eine Welt-Wahl-Bewegung. Es bedarf dazu nur der Aussprache unter den vorhandenen wenigen Weltorganisationen und großen Hilfs-Institutionen in Europa und Amerika. WocheiminWali. Weinet mit den drü-ern!. Die Schreckensnachrichten aus allen Ländern des Ostens überstürzen sich und wirken geradezu betäubend. Ueberall, wo noch die Kriegsfurie durch die Lande rast, fließen Ströme jüdischen Blutes. Ob die Schaaren vor dem Feinde fliehen, ob sie im Siegesrausch vorwärts stürmen, immer und überall geht der Marsch über jüdische Häuser, über Trümmerhaufen jüdifchen Gutes, über die Leiber gemordeter^ gepeinigter und geschändeter jüdischer Menschen. In Polen gingen und gehen Dinge vor, von denen uns die zur Zeit im „Israelit" abgedruckte Interpellation an den Polnischen Landtag ein kleines Bild entwirft, diese Vorkommnisse werden in den Schatten gestellt von den Schandtaten der Menschenbestien in der Petljura-Armee in der Ukraine. In Ungarn ist die Giftsaat bereits soweit gediehen, daß man es, wie ein Bericht der heutigen Nummer besagt, vorzieht, die jüdischen Gefangenen in Sibirien zu belassen, da sie es in Slbirien weit besser haben als in Ungarn. „Die Stimme des Blutes unserer Brüder schreit zu uns auf, von dem Menschenboden." Hören wir sie, diese Bruderstimme, warum schweigen wir? Europa schweigt, es hat Anderes zu tun. Aber kann es für^uns etwas Anderes zur Stunde geben, als unserer Brüder und Schwestern, für die im wörtlichsten Sinne die Weheklage des Mittelalters gilt: :nrD d>21' N2L2 zu gedenken? (Zum Wochenabschuitte.) Bon M. I. (Fortsetzung.) Ist aber mit dem Befehle: „“ft '-[b" bas Preisgeben des heimatlichen «etstes beabsichtigt, fo müssen dementsprechend die Worte: mwt pixn $x neben ihrer gewöhnlichen Bedeutung zugleich das ferne Ziel, welches durch die Auswanderung Abrahams erreicht werden sollte, andeuten. Zu dem Satze: ‘paap n’*6 pmn }öp v'2iv bemerkt der Midrasch: '»n nob' bvm t»bss nap>a d>s> jmbvb nun nnn "n nfobfasB 'w p»a nnn "n xbi n»na nnaaai „Abraham glich einem Gefäße mit Balsam, so lange man ein solches nicht in Bewegung fetzt, so entströmen ihm keine Düste, bewegt inbetz, spendet eS Wshlgerüche aus". Ein anderer AuSspruch de» Mtdrasch lautet: '«2 *73 nx inw oniax m na»p uS nnx a^yn. „Abraham sollte die durch viele Religionssysteme geteilte Menschheit in der Erkenntnis des Einzig-Einzigen zur ungeteilten Einheit verbinden". Dieses Ideal des Judentums wird in den Worten ,,^xix IPX pxn ^x" angedeutet, dessen Verwirklichung erst nach finsteren Epochen in der Geschichte Israels, auS welchen dieses geläutert hervorgehen und nach glücklichen und nur teilweise von finstern Schatten verdüsterten Phasen des Lebens Israels, in welchen dieses die Treue und die Liebe zu seinem Gotte bewährt — erfolgen wird. Tiefsinnig bemerkt deshalb der Midrasch zum folgenden Satze: nt ^>n: »lA -]tyj?xi nbiaxi ,pn»> »pnx inaixp nt *]2*iaxi ,amax 'pfrx anaixp nia^n friaa pamn xn* ^o» apy» »pftx anaixp nt “pp ana x*n p»mn *p ns*o "na lack. Die Geschichte Israels zerfällt in zwei große Perioden, deren jede wieder drei kleinere Zeitabschnitte zählt. Die erste große Periode beginnt mit dem Auszuge aus Mtzrajim und schließt mit der Zerstörung des heiligen Tempels und dem Untergange des jüdischen Reichs. Die geschichtliche Stellung Israels in der ersten Zeit seiner ersten großen Periode entspricht der Stellung Abrahams seinen Zeitgenossen gegenüber. Von Abraham bemerkt der Midrasch: »a» nnn xia^a a*?pn maix "n b»jis>» TJ?n »B “«xap D.TI2X ,1»M3 M X12*7 si'-n na'2P pnü iTHBö. „In der Rorgenzelt des Menschechgeschlechts waren die Völker deS Heidentums zu schlaftrunken, um unter die Flügel Gottes zu gelangen und wer weckte diese Träumer? Abraham". Ferner: nn»n npiS 'nix npp»p ’a px »nix nanj> amax px ax niaixi nnm. Die Tugend wehklagte und rief: „wäre nicht Abraham da, der mich übt, eS wäre Niemand, der mich Mit".., Wie daS Bild Abrahams auf der Höhe de» Altertum» groß und unvergänglich dasteht, wie er in den dichten Nebel der heidnischen Welt „Licht" gerufen, wie er als ein glänzender Meister der Tugend sich zeigte, während die heidnische Welt in erschlaffende Sinnlichkeit versunken war, so war auch Israel bet seinem ersten geschichtlichen Auftreten unter allen Völkern des Altertums der einzige Träger der reinen, auf dem Berge Sinai geoffenbarien Gottesidee, das einzige Volk, welches die engen Schranken seines Volkstums verlassend, die Verwirklichung des Weltentdeals sich zum Ziele nahm, das einzige Volk, welches inmitten einer physisch und psychisch entarteten Welt Sittenreinheit als Grundlage aller Religion verkündete, amax »prtx anaixp nr dna 'iA “jPyxi: „Ich werde dich machen zu einem großen Volke", dies deutet auf jene Epoche in der Geschichte Israels, da Israel unter den Völkern ebenso groß dastand, wie Abraham unter seinen Zeitgenossen. Die zweite, kleinere Epoche in der ersten, großen Geschtchtsperiode Israels beginnt mit dem Propheten Samuel und währt bis zum Tode Salomos. Es Ist dies das goldene Zeitalter des jüdischen Staates. Israel hatte den Gipfelpunkt seiner weltlichen Macht erreicht, die Nachbarnationen waren gedemütigt und unterworfen. Die Urbewohner Palästinas blickten mit Scheelsucht und Neid auf das im raschen Fluge mächtig gewordene Israel: pnsn »p£x anaixp nt ‘■pnaxi. „Ich werde dich segnen". Dies weist hin auf jene Geschichtsphase Israels, da dessen weltgeschichtliche Stellung, der Stellung Isaaks seinen Zeitgenossen gegenüber, der der Fülle des Gottessegens sich erfreuend, znm Gegenstand des Neides in den Augen der Pelischtim geworden. - Die dritte, kleinere Abteilung in der ersten, großen Geschichtsepoche Israels ist eine höchst traurige. Schon

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