Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1920)
- Date
- 1920-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Anseratenannahme durch den Verlag deS Israelit G. m. b H., Frankfurt a. M>, Gr. Eschenheimerstr. 23 Tel. 5842, Amt Hansa» sowie sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. VladnorfchrMen ohne VerdtndliLkett. BSS M «» Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. IS 802 - erfolgen an: Conto »ei der Postsparkasse Wien No. VS «05 Conto bei dem Boftsparkastenamt Budapest No. 48424 Conto Leim Postscheckamt Zürich Nr. VDI V254 Conto Leim Postscheckamt Amsterdam No. 24888 Conto bei der Böhmischen Unionvank, Prag und deren Filialen. vier nacftörutfe öer nrttftel unö Correfponöen?en öes »Israelit“ M nur unter genauer Quellenangabe, unö, lowell es llck um größere ttukMe banöelt, nur naöi vorheriger öenehmigung gellattet. . Ittl/altsüverftcht 1. 8 ettartikel: Urr jüdische MettKongrrß. — 2. Homiletik: Nach der Mter Krispirl. — 3. Kleines Fe uilleton:Toh«wabohu^ — 4. Wochenrundsch aur Weinet mit unseren Brüdern ... — Der „Geheimerlaß" zu Gunsten'der Ostjuden. — 5. Aufsätze: Dir Wahrheit über Polen. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Religion und Antisemitismus). — Wien- (Palästinazentrale der Agudas Jisroel). — Warschau, (Allerlei aus Polen). — Warschau, (Die Agudas Jisroxl in Polen). — Warschau, (Neue Schreckenskunden). — Kowno, (Jüdische Emigrationskonferenz). — Moskau, (Wrangel ruft zu Pogromen auf). — Paris, (Kein Vrund). London, (Die ukrainische Katastrophe). — New-I)ork, Ein amerikanischer Bericht über die magyarische Hölle). — Jerusalem, (Entschädigung). — Köln, (Die augenblickliche Lage.in Palästina). — 7. Personalien. — S. Vermischtes. — 9. Frankfurter Berichte: Almosenkasten. -7- Der Ausschuß der Israelitischen Gemeinde. — Israelitische Gemeinde. — Versammlung des Zentralvereins. — Gesellschaft für jüdische Volksbildung. — Die Sijum-Ftzier des ü"V-Vereins. — Melvchim-Vorträge.Jüdische.-Frauenvereintgung E. V. — Vereinskalender. — Gebetzeiten. — Familiennachrichten. — 10. Feuilleton Beilage: Schvlem Asch: In den Tagen der Pogrome. — Kavd. Der jüdische Welttongreß. Fast zwei Jahre ist es her,. daß die Idee eines großen, aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden jüdischen Kongreffes, der deutschen Juden von zionistischer Seite in die Massen geworfen wurde und lebhafte Auseinandersetzungen verursachte. Man wollte damals — das war wenigstens das nächste, offiziell zugegebene Ziel — eine legitimierte Vertretung der gesamten deutschen- Judenheit schaffen, um auf diese Weise in ein.- Zusammenwirken mit den Kongreß-Vertretern anderer Länder, insbesondere Am e ri ka s, htneinzukommen Und dann gemeinsam die Forderungen für das jüdische Volk beim Friedenskongreß-zu vertreten. Der Plan, scheiterte nicht nur an dem entschloffenm Widerstande weiter Kreise der deutschen Judenheit, besonders der Orthodoxie, sondern auch an der Entwicklung der Ereignisse.selber, deren Lauf das Tempo der innerdeutschen Auseinandersetzungen über die Kongreßfrage weit hinter sich ließ. Die Friedenskonferenz war zu Ende, ehe die Kongreßidee in Deutschland sich durchringen konnte,' aber diese hätte schließlich auch im Falle der Verwirklichung in ein rein zionistisches Partei-Unternehmen eingemündet, da sich nach anfänglichem Schwanken auch' die Zentralvereins- Kreise von der Gefährlichkeit der Aktion überzeugt hatten. Nun ist, wiederum von zionistischer Seite, die Frage eines allgemeinen jüdischen Weltkongresses auf die Tagesordnung gestellt worden. Die Londoner Jahreskonferenz hat eine Kommission gewählt, die den Gedanken fördern und die Vorbereitungen zur Ausführung treffen soll. Soweit wir sehen können, werden für die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit eines jüdischen Weltparlaments, das auf demokratischer Grundlage aus allgemeinen Wahlen in der ganzen Diaspora hervorgehen soll, dreierlei Hauptargumente geltend gemacht. Erstens erfordert die tragische Lage der jüdischen Volksteile im Osten Europas, deren Martyrium zum Himmel schreit, eine machtvolle Zusammenfassung jüdischen Willens und jüdischer Kraft im Rahmen einer gewählten Vertretung, deren anklagendes und aufrüttelndes Wort das Ohr der politischen Mächte vielleicht eher finden, das Weltgewiffen sicherer wecken würde als die isolierten Bemühungen einzelner jüdischer Organisationen. Das Weltparlament wäre zweitens das gegebene Forum, um das ungeheure Problem der jüdischen Wanderung mit gemeinsamen Kräften zu lösen. Und endlich sollte von dieser Stelle aus die intellektuelle und materielle Kraft der Judenheit. aller Länder in den Dienst der aktuellsten Aufgabedes Aufbaues der jüdischen Heimstätte ^in-Pa last in a gestellt werden. Es kann nun gar keinem Zweifel begegnen daß grundsätzlich, für den ersten dieser dre Zwecke ein gewähltes Weltparlament das geeignete Instrument sein mag, sofern man überhaupt glaubtdaß die sittliche Wucht einer solchen Demonstration die tiefliegenden politischen Ursachen: der östlichen-Dauerpogrome zu beeinflussen vermag. Dage — ‘ragen wir zu bezweifeln, daß praktis»' : agen wie die der Emigration und des Palästina-Aufbaues eine Förderung durch -den Weltkongreß, wie er gedacht ist, erfahren können. Der Kongreß würde, darauf ist mit zehn gegen eins zu wetten, zu dreivterteln aus oft- und Nestjüdischen „Intellektuellen" zusammengesetzt sein, diesehr viel Idealismus mit wenig Sachlichkeit und geringer praktischer Erfahrung vereinigen. Die- Einwanderungsländer würden — auch das ist ohne Prophetie mit Sicherheit vorauszusagen — durch einen ungeheuren Lärm in eine sachlich unberechtigte Angst vor jüdischer Maffen-Mnwanderung htneingeredet) die stille und gediegene Palästina-Politik Herbert Samuels aber rettungslos kompromittiert werden. Es bleibt demnach eigentlich nur die Prüfung der Frage übrig, ob der Weltkongreß für die allgemeine Lage und für die Rechtsstellung der Juden in den Ländern der Verfolgung eine wesentliche Befferung verspricht. Das seelische Bedürfnis allein nach einem gemeinsamen lauten Aufschrei aus jüdischer Brust auf der Tribüne der öffentlichen Meinung der Welt genügt jedenfalls nicht, um jene Frage schlechtweg zu bejahen. Grade die jamn ervolle Lage, in der wir uns befinden, mahnt erst recht zur vorsichtigen Prüfung jedes Heilmittels, das man uns anpreist, und das unter Umständen Gift statt Balsam für den totkranken Organismus des jüdischen Volkes bedeuten könnte. Wir stehen nicht an, es mit allem Ernste auszusprechen, daß -wir den , Weltkongreß" für das ungeeignetste Mittel halten, um dem Blutvergießen, den Mißhandlungen, der Rechtsverkürzung, unter denen Millionen unserer Brüder leiden, Eknhalt zu tun. Er wäre vielmehr ganz dazu angetan, die Lage zu verschlimmern und den haßerfüllten Feinden des jüdischen Volkes neue Waffen in die Hände zu spielen. Wer wollte sich darüber täuschendaß es die Hochstut des nationalen Chauvinismus ist, unter deren Wellenschlag die Juden des Ostens zu versinken drohen! Dieser aus Selbstsucht, Machtgier und allgemein menschlicher. Bestialität zusammengesetzte Gewalt-Nationalismus schafft hie Atmosphäre, in der allein die Soldateska Hallers, Petljuras Banden und