Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1920)
- Date
- 1920-10-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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an. »n,-« is»» __-_ dekanntlich in Jerusalem ein Pogrom statt. Aber wie erhebend, daß am Sabbat Nachmu der - gleichen Jahres der jüdische Oberkommiffar durch die gleichen Straßen, in denen einige Monate früher jüdisches Blut geflossen ist, zu Fuß nach -er Synagoge wandelt, bejubelt von allem Volke, nicht zuletzt von den Arabern. Gerade die reitg i ö se Gesinnung Samuels ist rS, die den Arabern besonders imponiert und deren Vertrauen stärkt. Die Araber hatten früher oft geklagt, daß die Zionisten durch ihre radikale Weltanschauung die arabische Jugend verderbe, und sie sind jetzt über den religiösen Geist, der aus dem' Verhalten des Gouverneurs spricht, sehr erfreut. Palästina ist ein Nationalitätenstaat unter dem Schutze des Völkerbundes und dem Protektorate Englands. Nationalitätenstaat aber nicht Judenstaat. Denn die Juden bilden nur ein Achtel der Bevölkerung, ein Achtel machen die Levantiner aus, während die Araber sechs Achtel der Bevölkerung bilden. Somit find die Juden nur in der Minderheit, die aber darum durch die englischen Gesetze vor Druck und Entrechtung vollkommen geschützt ist. Die Arbeit muß dahin gehen, diese Minorität, freilich in aller Stille und Ruhe und nach den Gesetzen der Zweckmäßigkeit, in eine Majorität umzuwandeln, aber auch dann, natürlich auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller anderen Nationalitäten. Das Wort „Enteignung" und ähnliches darf aus jüdischem Munde nicht gehört werden. Höchste und vornehmste Aufgabe der Agudas Jisroel ist aber fürs erste, ein selbständiges, unabhängiges Schulwerk zur Pflege der Thora in Palästina zu schaffen. Deutschland allein kann heute bei der enormen Geldentwertung die Arbeit nicht leisten, aber dennoch darf Deutschland seinen Anteil nicht zurückhalten und seine Mitarbeit nicht zurücktreten lassen, da Deutschland eine altbewährte Ehrenstellung in Erez Jisroel zu bewahren hat. Palästina muß Kulturzentrum der gesamten Judenheit aller Län der w erden. Lorrefponperrzerr und AachrWm. Derrtsttzes UsLrtz. 0er ßilfsDerein Oer Deuffriien Zügen Berlin, 15. Oktober. Am 11. Oktober fand in Berlin unter Vorsitz des Herrn Dr. James Simon die statutengemäße Sitzung des Zentralkommitees und die Generalversammlungdes Hilfst) ereinsd er Deutschen I u d en statt. Das Zentralkommttee genehmigte den erstatteten Geschäftsbericht einstimmig. In das Zentralkommitee neu gewäht wurden die Herren Alex Bendix-Düren, Sigesmund Cohn- Luckenwalde, Oberrat MaxGoldschmidt-Mannheim, Josef Jaeobs-Trier, Rabbiner Dr. S. Levi-Mainz, Bernhard Wolf-Diainz, Direktor der Deutschen Bank Joachimsohn-Berlin. An die Sitzung des Zentralkommitees schloß sich unmittelbar die Generalversammlung an. Einleitend bemerkte der Vorsitzende in seinem Referate, daß die Jahre 1919'20 für das Judentum wohl die traurigste Zeit gewesen sei, die es seit Zerstörung des Tempels in Jerusalem gesehen. Uebrr die Juden des Ostens sei ein Elend hereingebrochen, dem gegenüber keine Möglichkeit durchgreifender Hilfe und Linderung vorhanden sei. In dieser schweren Zeit habe sich ober auch das Solidarttätsgefühl der Judenheit aufs glänzendste bewährt. Das Schulwerk in Palästina und in der Türkei mußte, einschließlich des Technikums in Haifa, infolge der politischen Veränderungen liquidiert werden und ging in zionistische'Hand 1 _Der IKrnettr._, über. Ebenso mutzte das Schulwerk in Rumänien, Bulgarien und Griechenland schon während des Krieges aufgegeben werden. Ueber dte weitere Tätigkeit des Htlfsvereins im Jahre 1919-20 berichtet der Generalsekretär Kahn. lx/a Millionen Mark hat er im Berichtsjahre verausgabt. Die Einwanderung der Oftjuden beschäftigte den Hilfsveretn lebhaft und mit seiner Hilfe wurde daS Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisation Deutschlands ins Leben gerufen und in Verbindung damit das Asyl in der Wiesenstraße. Die Auswanderung war im Kriege stark zurückgegangen. Statt 600000 Personen, die wahrscheinlich aus dem Osten auswandern wollten, sind während des Krieges vur 75000 ausgewandert, sodaß eine Stauung von 525 000 Auswanderern besteht. Dazu kommt eine jährliche Durchschnittsauswanderungszahl von 126—125000. Es würde also bei gleichbleibenden Zahlen wie in Frtedenszeiten mit 650 000Personen zu rechnen sein, die zur Auswanderung bereit ständen. Wenn diese Zahl befördert würde, käme man erst wieder zum Maßstab der Frtedenszeit zurück. Dem Hilfsverein ist ein Zentralbüro für jüdische Auswanderung angegliedert, das zusammen mit den Büros der Jca und Jto arbeitet. Zum Schluffe spricht noch Dr. Nathan über die Liquidierung des Schulwerkes im Oriente, was nicht gleichbedeutend mit der Einstellung der Hilfsarbeit im Oriente sei. Er bespricht ferner die furchtbaren Zustände im Osten und die Bedeutung der Ostjudenfrage in Deutschland. LWZ Die Ausweisungen aus Schienen. ®pr* Berlin, 18. Oktober. """Das W. T. B. teilt mit: Das „Jewtsh Chroniele" vom 1. Oktober behauptet, die Ausweisung jüdischer Arbeiter polnischer Staatsangehörigkeit aus Oberschlesien sei auf dringendes Verlangen der deutschen Behörden erfolgt. Diese Behauptung ist völlig unbegründet und unwahr. Wahr ist dagegen daß der französische Oberst Blanchard die Austreibung dieser Arbeiter befohlen hat. Der Bericht behauptet ferner, es feien vierhundert jüdische Arbeiter von Myslowitz an die polnische Grenze gebracht worden, unterschlagt aber die Tatsache, daß die Verschleppung durch polnische Sokols erfolgte. Segen Sie Nusweisungen Ser gslkiläien Mclttiinge Wien, 12. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Der polnische Gesandte Dr. Szarota sprach in Begleitung der Ministerialräte Binder und Smolka beim Staatssekretär für Aeußeres Dr. Rennes vor, um über die Härten bet der Heimbeförderung polnischer Untertanen Klage zu führen. Unterstaatssekretär Dr. Renner betonte, daß solche Härten der österreichischen Regierung ferne liegen, aber sie habe angesichts der Wohnungsnot in Wien und der Ernährungsschwierigkeiten die Pflicht, für ihre eigenen Staatsbürger Raum zu schaffen. Mit Rücksicht auf die kriegerischen Ereignisse im Osten sei die Repatriierung ins Stocken geraten. Die österreichische Staatsregierung erwarte jedoch, daß, sobald der Friede hergestellt sein werde, die Hetmbeförderung wieder organisiert und in raschem Zuge vorgenommen werde. * Die Kahlen in Oefierreidi. Wien, 18.. Oktober. Die Wahlen in die österreichische Nationalversammlung endeten mit einemSiege derChristltchsozialen und der Sozialdemokraten. Die ersteren haben 14 neue Mandate, die letzteren 6 neue Mandate gewonnen. Die Christlichsozialen bilden mit 78 Mandaten die größte Partei. Das einzige jüdische (zionistische) Mandat des vorigen Landtages (Stricker) ist verloren gegangen. Der ganze bürgerliche Liberalismus ist mit einer _R». 48 «ette » Stimme vertreten und zwar mit der des Grafen Czerntn, dessen liberale Gesinnung von Bielen angezweifelt wird. Ungarn. Juienpogrume In BuDapeH Wie», 8. Oktober. Heute hier eingetroffene Reisende aus Budapest berichten von einem großen Pogrom, der sich in der ungarischen Hauptstadt abgespielt haben soll. Der Pogrom ging von einer Versammlung des von Stefan Friedrich gegründeten Vereins „Das erhöhte Ungarn" aus. Die Versammlung war verboten, wurde aber dennoch abgeahlten. Nach der Versammlung zogen die Anhänger Friedrichs durch die Leopoldstadt und überfielen zahlreiche Passanten. Es sollen mehr als 100 Personen schwer verletzt worden sein. Vorgestern abend kam eS im „Cafe Club" neuerdings zu antisemitischen Ausschreitungen. In den Abendstunden drangen etwa 30 Personen in das genannte Cafe ein und mißhandelten die anwesenden Juden und zerschlugen das Kaffeehaus. Es gelang der Polizei, die Täter festzunehmen. Die Schlägereien wurden von denselben Leuten veranstaltet, die an dem vor zwei Monaten in demselben Lokal verübten Mord beteiligt waren. Sie lluswellungen in Ungarn. Budapest, 11. Oktober. Eine Verordnung der Regierung verfügt die Ausweisung der seil 1914 eingewanderten Ausländer jüdischer Raffe. Die Behörden werden angewiesen, diese Verordnung schleunigst und mit der größten Genauigkeit durchzuführen. Ferner wird angeordnet, daß die Ausgewtesenen mit ihren Familienmitgliedern bis zur technischen Durchführung der Ausweisung interniert werden. Ausgenommen sind nur jene jüdische Ausländer, die sich in amtlicher Mission fremder Staaten hier befinden oder sich nachweisbar in wichtigen Privatangelegenheiten hier aufhalten. Die Ausnahme bezieht sich jedoch nicht auf diegalizischen, polnischen oder russischen Juden. „Az Ujsag" meldethierzu, daß die Ankündigung der Jnternterungs-, beziehungsweise Ausweisuttgs- , Verordnung im Kreise der interessierten Ausländer große Aufregung hervorgerufen habe. Die ausländischenGesandtschaftenundMissionen werden seit Tagen wegen Informationen förmlich bestürmt. Der größte Berkehr ist natürlich auf der polnischen Gesandtschaft, die den Standpunkt vertritt, daß alle diejenigen, welche in unzweifelhafter Welse ihre polnische Staatsbürgerschaft Nachweisen können, ohne Hindernis nach Polen zurückkehren können. „Pester Lloyd" wirft dabet die Frage auf, ob diese Regierungsmaßnahme, welche von der jüdischen Rasse und nicht vom jüdischen Glauben spricht, sich auch auf die getauften Juden bezieht. Budapest, 10. Oktober. Auf den Ausweisungsbefehl für die in Budapest befindlichen galizischen Juden hin haben 15000 Ostjuden von der Regierung die Ausstellung von Pässen nach Palästina verlangt. Noten. pogram-prozesse. Lodz, 12. Oktober. Mit großem Interesse wurde in jüdischen Kreisen der Prozeß verfolgt, der am Donnerstag die hiesigen Gerichte beschäftigte. Er betrifft eine Demonstration im September v. Js., die mit blutigen Judenexzessen geendet hatte. Bon den IS Angeklagten, 8 Polen und 5 Juden, sind 12 zu schweren Kerkerstrafen verurteilt worden. Der Rflöüiner im Senate. Warschau, 12. Oktober, In einer der letzten Landtagssitzungen kam die Frage der geistlichen Vertretungen im Senate zur Sprache. Es find vorgesehen für die katho-