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Der Israelit · 1920-10-14 · Heft 41 (14.10.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 41 (14.10.1920)
Date
1920-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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w. Sette 6 Nr. 41 »er Mrarttr 14 Oktober 1830 genannt, in denen die Ermordeten, Geschändeten und Schwerverletzten nach Namen, Art und Tag der Tat angeführt werden. Diese Liste bildet nur einen kleinen Teil der unerhörten Grausamkeiten. Ein anderes Protokollenthält durch 'Zeugen einwandfrei beglaubigte Einzelheiten über die Schandtaten in Ko!somea, Stanislau, Marianol, Halttsch und unzähligen anderen Städten und Städtchen. Das gesamte Material ist dem Landtag zugestellt, mit der dringenden Bitte, eine Untersuchungskommission schleunigst einzusetzm. Aramkretch. öioniRen un9 3 C N Uaris, 6. Oktober. Wie die Jüdische Pressezentrale Zürich meldet, verhandeln die Zionisten eifrig mit der Je a und mit dem Baron Rothschild über deren Teilnahme am Ausbau Palästinas. Die Verhandlungen sollen bereits sehr weit gediehen sein, und Aussicht auf einen günstigen Abschluß bieten. Die franjöfifdie Regierung und die poinifchen Judenverfolgungen. Baris, 6. Oktober. Auf eine Eingabe der Alliance Israelin hat die französische Regierung geantwortet, es handle sich um „isolierte Akte" und nicht um eine „systematische oder organisierte Verfolgung der Juden"! Mvn darf immerhin annehmen, daß diese offenbar von Polen diktierte Antwort vor dem bolschewistischen Rückzug concrpiert wurde. England. Sivnistifckie Reorganifafion- «Loudon, 7. Oktober. Gemäß amerikanischen Anregungen werden eine Anzahl Abteilungen der hiesigen zionistischen Büros abgebaut und teilweise nach Jerusalem verlegt. In London verbleiben die Refforts für Politik, Organisation und Finanzen. Oes Chief-Rabbi HJelfreife. Loudou, 7. Oktober. Durch ein von 700 Gästen aus den ersten Gesellschaftskreisen besuchtes Abschiedsdiner ist diese Woche der Beginn der großen Weltreise des Chiefrabbi Dr. Hertz begangen worden. Es sprachen u. a. Lord Mtln"er, der Oberlichter Lord Reading, Chacham Gast er, nachdem Dr. Hertz die Hoffnungen, die man an die Reise knüpft, auseinandergesetzt hatte. Es soll das Band das die jüdischen Gemeinden in Südafrika, Australien, Neu-Seeland und Canada an das englische Mutterland und an das Londoner Oberrabbinat knüpft, enger.gestaltet werden — eine ziemlich unklare Vorstellung, die mehr aus der allgemeinen englischen Politik hervorgangen ist als aus realen Bedürfniffen des jüdischen Gemeindelebens. Wertvoller kann sich die Reise für die finanzielle Fundierung des großen War Memorial Fund (Kriegs-Erinnerungsfonds für jüdische Bildung und Erziehung) erweisen, der nach dem ersten Anlauf nicht mehr recht vorwärtskommen will. Dennoch erblicken ernste Kreise in dem ganzen Reise-Unternehmen, das den Chief Rabbi ein ganzes Jahr von London ferngehalten wird, einen schweren Fehler, der nicht ohne Einfluß auf künftige Schicksal des Chief-Rabbi-Amtes bleiben könne. Mike kür die uhrainifchen Juden. London, 8. Oktober. Das unter Vorsitz von Dr. Jochelmann hier bestehende Hilfskommitee macht erneute Anstrengungen, um größere Fonds für die unglücklichen Opfer der Petljura-Banden aufzubringen. Es sollen größere Summen für medizinische Hilfe angewiesen werden. Die Verteilung wird der Vertreter des kanadischen Hilfskommitees, H. Saltzmann in der Ukraine vornehmen. Segen Ben Rnfifemitismus in kMieiM- Chicago, 20. September. Eine von Vertretern des Verbandes der Rabbiner (reformierter Richtung), des Frauenbundes, der Bene-Brith-Logen und des Abwehr- Vereins gebildete große Versammlung beschloß eine energische Aktion zur Bekämpfung der auch hier wachsenden antisemitischen Verleumdungen. Anlaß Lot namentlich die Verbreitung des bekannten Machwerkes: die „Protokolle der Aeltesten Zions". Jakob Schiffs Reffaffung. Wem-Kork, 30. September. Die Beisetzung Jakob Schiffs fand am Mittwoch unter ungeheurer Beteiligung statt. Die Gerichtshöfe hoben zu Ehren des-Verstorbenen ihre Sitzungen auf. Die Straßen waren von vielen Tausenden besetzt, die Schiff die letzte Ehre erweisen wollten. Vom Präsidenten Wilson lief ein herzliches Beileidsschreiben ein. — Im Testament sollen im Ganzen 1350000 Dollars für milde Zwecke ausgefetzt sein. (Das'sind nach heutigem Valutastand etwa achtzig MillionenMark.) HJohlfäfigheifsffiffungen Jahoh Schiffs. Werv-York, 6. Oktober. Im Testament Jakob Schiffs werden 1350000 Dollars für wohltätige Zwecke ausgesetzt, darunter 300000 Dollars zur Erforschung der Taubheit und 25000 Dollars (nach dem heutigen Stand der Valuta etwa 1,6 Millionen Mark. Red.) für das jüdische Waisenhaus in Frankfurt a. M., das schon wiederholt von Schiff bedacht worden ist. vom Joint viffrihulion-Commitee. London, 7. Oktober. Wie verlautet, Hat das Joint Distribution- Commitee die Absicht, in der allernächsten Zeit wiederum eine größere Delegation nach Osteuropa zu entsenden, um eine den Verhältnissen angepaßte neue Organisation für die Hilfstätigkeit an Ort und Stelle zu schaffen. — Der Joint hat ferner beschloffen, die bisher in den europäischen Zentren den Durchwanderern nach Palästina gewährten Unterstützungen einzustellen, sofern die zu Unterstützenden nicht Nachweisen, daß sie in Palästina bereits Beschäftigung haben. Es müsse einschränkend auf die überstürzte und kopflose Einwanderung nach Palästina gewirkt werden. 1 -Mi—E.-l Dalästina. gerufatem, 7. Oktober. Unter dem Borsitz Herbert Samuels fand heute die erste Sitzung der beratenden Körperschaft statt, die aus zehn Offizieren und neun die Einwohnerschaft vertretenden Mitgliedern darünrer drei Juden, besteht. Samuel teilte u. a. mit, daß die Verhandlungen mit der französischen Regierung wegen der Nordgrenze ihren Fortgang nehmen und daß zur Bekämpfung der Malaria bereits Maßnahmen ergriffen seien. Brief aus Jaffa- . Jaffa, 1. Oktober. Im „Haarez" wird gegen das Verhalten der Jaffaer gegen die Einwanderer geklagt und jenen Mangel an Gastfreundschaft und Entgegenkommen vorgeworfen. Jaffa ist der Hauptlandungsplatz für die Immigranten. Aber keiner der Bewohner denkt daran, die Ankommenden mit einem freundlichen Wort, mit einem Rät oder mit einer Bewirtung zu empfangen. Es kommt vor, daß Fremde im Hotel krank darnieder liegen, ohne daß sie von jemand besucht werden. Ganz unabhängig von der Frage, ob uns die starke Einwanderung jetzt erwünscht ist oder nicht, so meint das Blatt mit Recht, ist es tief zu bedauern, daß die altbewährte jüdische Gastfreundschaft in Lande, 8er Väter so nachläffen konnte. Man frage einmal einen Bürger aus Jaffa oder Tel Abtb, wie oft er schon am Sabbat einen fremden Gast anseinem Tisch gehabt hat oder diesem ein Nachtlager geboten hätte. Es ist bekannt, daß die, Ankömmlinge sich gleich bet ihrer Ankunft mit entsprechenden Augengläsern und Kleidern versehen müssen, wenn sie nicht ein Opfer des veränderten Klimas werden sollen. Aber keiner ist bereit, den Fremden mit Rat und Tat zur Seite zu stehm, denn man ist Tag und Nacht von Sitzungen,Beratungen und„Abenden"so inAnsPruch genommen, daß vor lauter nationaler Arbeit keine Zeit mehr übrig bleibt, die erste nationale Pflicht gegen den Bruder zu erfüllen. Vor Kurzem fand hier eine Konferenz der palästinensischen Lehrer statt. In einem Referate geißelte Ussischkin unnachsichtig die Zustände, die eine Entfremdung zwischen Vätern und Söhnen herbeigeführt haben. Man müffe beizeiten auf Mittel und Wege bedacht sein, die Einigkeit zwischen Jung und Alt herbeizuführen damit nicht zwei Judentümer entstehen. - Wie wett muß es gekommen sein, wenn Ussischkin selbst, der Diktator des Unterrichts¬ und Erziehungswesen in Palästina, diese^ Kluft feststellen muß. Hoffen. wir, daß diese Einsicht nicht zu spät kommt. Personalien. Mannheim, 10. Oktober. Am rivs-Feste ist ein Mann von uns gegangen, dem es nicht lange vergönnt war, die Früchte, gereift an den vergänglichen Sonnenstrahlen dieser Welt, zu genießen. Mit 38 Jahren hat Nikel Mann heim er, von einfachen Verhältnissen durch ernste, ehrliche Arbeit zur achtunggebietenden Höhe emporgeklommen, ein Mensch unter Menschen, seine Pflicht erfüllt, als Sohn und Gälte. Besonders hervorzuheben ist die ganz merkwürdige Art, mit der dieser Mann npns müo als Iran fna betätigte. Sowohl die Selbstverständlichkeit mit der er gab, oft kaum wissend, wem und was er gab wie die feinfühlige Art, wie er es gab. Wir haben viel verloren. Noch mehr seine Mutter und Maltin. Mag sie der Gedanke trösten, daß die mrw,. die der Frühvollendele bis zum letzten Atemzuge betätigt hat — ihm ein a,/nw1? nrp pp sichern! n“ni»n Kitzingen, 3 Okt. Am Ausgange des Jomkippur verstarb hier nach langem Leiden der durch seine jüdische Gelehrsamkeit bekannte Schochet Meier Schur, nachdem er 44 Jahre in feiner Gemeinde amtiert hatte. Der Verlust von drei herlichen Söhnen durch den Krieg brach vorzeitig seine Lebenskraft. Das unübersehbare Geleite von Juden und Christen, die seiner Bahre folgten, legten beredtes Zeugnis dafür ab, welcher Beliebtheit und Achtung sich der Heimgegangene erfreute. Hamburg, 25. Sept. Am a'arur>2rr> ist eine der ehrwürdigsten Gestalten in der jüdischen Gemeinde nach kurzem Leiden aus dem Hetzen geschieden, Jakob A. Horowitz. Einer angesehenen galizischen Familie entstammend, kam er vor etwa 40 Jahren nach Hamburg und hat durchs seine herrlichen nna, seine große Frömmigkeit und seltene Menschenliebe die Verehrung aller erworben, obgleich er in seiner großen ungekünstelten Bescheidenheit nie in den Vordergrund getreten war. In mehr als SO Jahren hat er der jüdischen Auswanderung, die über Hamburg ging, unschätzbare Dienste geleistet. Als Vertrauensmann der beiden Oberrabbiner M. Hirsch rsft und Dr. Spitzer hat er das nma mit Unermüdlichkeit gesichert und selbst am va'p den weiten Weg bis zu feinem 75. Jahre in die Auswandererhallen gemacht, um die amn durch seine Person zu beruhigen. Seine Selbstlosigkeit hatte die Aufmerksamkeit Daniel Wormsers y'str auf ihn gelenkt, zu dessen eifrigstem Mitarbeiter und treuesten Freund er wurde; er hat diese Freundschaft der Frau und den Kindern Wormsers lange über das Grab hinaus bewahrt. Während der "'H rühmte ein Rabbiner von ihm, daß er im Gegensatz zu den meisten andere« durch die berufsmäßige Ausübung der np-nt nicht abgestumpft und hart wurde, sondern weich blieb. Bet - der '»fr kam die große Verehrung, die der Verstorbene genoß, zu beredtem Ausdruck. Unübersehbar war die Schar der Trauernden. Wegen des nahen — die map war am — mußten anaan unterbleiben. Nur Herr Leo Mendelson gab in kurzen herzlichen Worten dem Dank und Schmerz des Vereins für Obdachlose Ausdruck, in denk der aus unserer Mitte Geschiedene gewirkt hat Die ihn gekannt, werden, ihn nicht vergessen, den gütigen Greis, der Gott gedient hat alle Tage seines Lebens. n"aL2v. Siegburg, 23. Sept. Am 15. Oktober (NZ "s) begeht der Lehrer unserer Gemeinde, Herr Seeltg, das 35 jährige OrtSjubiläum. Budapest, 1. Okt. Der greise Oberrabbiner Koppel Reich, beging am Vorabende des Roschhaschono- FesteS das Jubiläum seiner"30 jährigen Budapester Amtstätigkeit. Der nunmehr SS Jahre alte Meister

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