Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1920)
- Date
- 1920-10-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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14 Oktober 1920 Rr. 41 Sette 7 ist schon seit 60 Jahren erfolgreich als Rabbiner tätig und hat die Hälfte feiner segensreichen Rabbtnatstätigkeit an der Spitze der Budapefter orthodoxen Gemeinde verbracht, zu deren kulturellem und wirtschaftlichen Aufschwung er reichlich sein Scherflein beigetragen hat. Anläßlich seines Jubiläums erschien unter Führung des. Gemeindepräses Abraham von Freudiger eine Deputation beim Jubelgreis, um ihm eine kostbare Ehrengabe der Gemeinde zu übermitteln. Amsterdam, 10. Oktober. Kol Nidre- Nacht, ist' hier Frau Rosa Bonn ist, geb. Jcher Hauser aus Frankfurt a. M. im Alter von 49 Jahren verschieden. Sie war ihrem Gatten die edle sürsorgende Gefährtin und hat im Verein mit ihm ihren Lieben in der Heimat in nimmer sich erschöpfender, aufopfernder Weise die Härten des Krieges vergessen zu machen gesucht. Sie war ihren Freunden die treueste, lauterste Beraterin in Freud und Leid und hatte für jeden Bedrängten ein mitfühlendes Herz, stets bereit, mit Rat und Tat zu helfen. Wie sehr ihr edles Wirken und Streben in ihrer neuen Heimat Anerkennung fand, dies bewies die außer g'wöruilich zahlreiche, ehrende Bete-liaung bei dem Leichenbegängnis. Möchte Gott den Hinterbliebenen Trost spenden. Vermischtes. Berlin, 20. Sept. Der Vorstands der Zcire Emune Jisroel, Agudas Jisrocl-Jugendgruppe Berlin wendet sich andie^ gesetzeStrvuen Juüeu, mir der Bitte, die Vemichungeu der Grupps. snrch zahlreiche Geldspenden zu unterstützen. Sie hat die schwere Ausgabe übernommen, die jetzt zahlreich ans dem Osten zuströmeiiden jungen Lmre, die sich dem Tyorastudium widmen wollen, materiell zu unterstützen. . Dieselben stehe>i meistenä mi.tellos da, sie sind sro»), ihr nacktes Leben nach Teutschlnud gerettet zu haben. Die Agudas ZiSroel-Jngendgruppeu^ werden ausgejordert, für dieu'-i Zweck zn sammeln. Spenden sind auf Postscheckkonto Berlin 35210 Herm. Dawidowitz einzuzahleu. Berlin, 2v. Sepr. Die diesjährige Generalversammlung des Hilfs Vereins der deutscken Juden findet Montag, den 11. Oktober, "abends 7 Uhr ln Berlin. Flugverbandshaus (früher Anwalthaus) Blumenhof 17, statt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. James Simon, Herr Dr. Paul Nathan und Herr Generalsekretär Dr. Bernhard Kahn werden über die Tätigkeit des Hilssvereins berichten. Berlin, 27. Sept Der Reichsbund jübst s ch e r F r o n t s o l d a t e n veranstaltete gestern mittag auf dem Jüdischen Friedhöfe in Weißensee für die im ' Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten eine Gedenkfeier, zu der sich etwcr2000 Angehörige und freunde der Gefallenen eingefmiden hatten. Nach dem Trauermarsch begrüßte der Bunbesoorsitzende, Hauptmann d. L. a. D. Löwen st ein die Erichienenen, besonders euch die Vertreter der Reichswehr, die durch einen Off'zier ftn Namen des Oberbefehlshabers des Reichswehrkommandos I einen Kranz niederlegen ließ, ferner die Abordnung des Kyffhäuserbundes deutscher Gefallenen, Vertreter der Behörden und Studenten-Korporarionen. Darauf hielt Justizrat Chodziesner, Leutnant d. R. a. D., eine wirkungsvolle Ansprache, in der er die Begeisterung und Vaterlandsliebe schilderte, mit der auch die jüdischen Kameraden im August 1914 ihre vaterländische Pflicht erfüllt haben. Berlin, 2,-. September. Eine häßliche Straßenszene hätte gestern ein Nachspiel vor dem Schöffengericht BerliN'Mitte. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung waren angeklagt: Ingenieur W. Schwertseger, Dr. jr. Hennig Beermann und Kaufmann Fritz Ihlenfeld. Als Nebenkläger war der Kaufmann Paul Neichard zugelassen. Der Nebenkläger schilderte sein Abertteuer wie folgt: Am 26. Februar abends, gegen 11 Uhr, sei er mit einem Herrn die Linden entlang gegangen. Da sei ihnen «ine Anzahl Leute begegnet, die laut „Judenbande" schimpften. Als er zu seinem Begleiter sagte: „Was ist denn hier los" fei Ihlenfeld auf ihn losgestürzt und Habe ihn angeschrien: „Was wollen Sie, Sie Juden- Lümmel, Sie können eins in die Fr . . . kriegenwas geht das Sie an, was hier los ist!" Dabei habe Ihlenfeld mit der Faust heftig nach ihm gestoßen. Schwertfeger sei gleichzeitig auf ihn zugekommeu, habe ihm seinen Spazierstock aus der Hand gerissen, zerbrochen und auf den Fahrdamm geworfen. Tie Beweisaufnahme ergab, daß die Darstellung des Nebenklägers im allgemeinen zutreffend ist. Der Staatsanwalt beantragte je 1500 Mark Geldstrae. Der Nechtsbeistand des Nebenklägers hielt die Strafe für viel zu gering und beantragte je ein Jahr Gefängnis. Gegen solche Exzesse müsse nachdrücklich eingeschritten werden, wenn man nicht wolle, daß die Unsicherheit auf den Straßen, die schon eine so bedenkliche Ausdehnung angenommen habe, immer noch größer werde. Das Gericht berücksichtigte, daß die Angeklagten sich in der Wetnlaunezu dieser Ausschreitung haben chlnreißen laffen und daß sie bisher unbestraft sind und verurteilte Schwertfeger zu nur 900 Mark, Beermann und Jdlefeld nur zu je 800 Mark Geldstrafe. München, 35. Sept. Der Prozeß der Israelitischen Kullusgemeinde München gegen den Völkischen Beobachter" wurde nach wiederholter Unterbrechung der Beweisaufnahme nunmehr zu Ende gefjhrt. Die von dem Studenten Braßler in einem rrikel des Blattes ausgestellte Behauptung, die Israelitische. Gemeinde habe den Haüptführern der Rätezeit, Levien, Levtnö und Toller, Schutz gewährt und sich geweigert, deren Aufenthaltsort zu verraten, wurde als durchaus unwahr erwiesen. Es wurde festge- .stellt, daß der Kriminatkommiffar, der eine in dieser Hinsicht irreführenden Eintragung in die Polizeiakten gemacht hatte, beim Vorstand der Kultusgemeinde nach den genannten Persönlichkeiten überhaupt nicht gefragt,., sondern nur allgemeine Erkundigungen über Oitjuden eingezogen habe. Au» die Frage des Vorsitzenden, ob ein Vertreter der Kultusgemeinde erklärt habe, diese verrate keinen ihrer Olaubensgenosien, bekundete der Kriminalkommissar als Zeuge, daß er; einen solchen Ausdruck, saus er in seinem Berichte oorlornme, nlchc aufrechlerhalten könne. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde habe sich, als der Zeuge ihn aufsuckte, um Recherchen einzuzieben, außerordentlich korrekt verhallen. Das Urtetl lautete gegen den Verfasser des unter Anklage stehenden Ariikeis Student Karl Braßler und den Verleger des „Völkischen Beobachter" Franz Eder auf eine Geldstrafe von je 400 Mark. Das Urteil nahm an, daß die Beklagten die als unwahr erwiesene Behauptung nicht wider besseres Wissen ausgestellt batten, da ste sich auf Mitteilungen stützten, d»e der Führer der Deutschvölkischen, Jusiizrat v. Zezschwitz auf Grund der Polizeiakten verbreitet batte. Sprechsaal. Noch einmal Geldheiraten. ** In Ihrem ge sch. Blatt wird Zt. die Frage der Geldheirat bxharldelt. Bis jetzt ist nur die eine Partei zit Wort gelangt, gestatten Sie auch mir, meine Ansicht als Heiratsländidat kundzugebeu. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse siitd die Mögtick.-leiten zur HauseSgründnag in mannigfacher Hinsicht erschwert worden. Der unglücklich.' Weltkrieg 'tzat manche Existenz vernichcht, vielfach ist es jungen Leuten nicht möglich, den Wunsch, zu h. traten, ansznsühren. Ja, die Ansprüche sind heute viel größer, umsvrnchr, als viele junge Mädck.en durch eigenen Verdienst mehr verlangen als früher. Und wenn wir .uns fragen, welche Kreise gehen denn die Geldheiraten ein, so muß man sagen, daß die Vermöaen besitzenden Eltern ihre Tockrier nur solchen Männern geben, welche sehr gewinnbringende Existenzen besitzen. Es kommt doch vielfach vor, daß junge Leute mit größerem Vermögen ganz arme Mädchen heiraten. Leider vermisse ich den umgekehrten Fall. Es fehlt eben in den jüdischen Kreiselt das richtige Bitochaun und nur zu oft erfahren wir, daß Eltern den Ausspruch Koheleth bewahrheiten: Auhew kessew, lo'jisba kessew. Hier liegt der springende Punkt. Führende Kreise sollten zeigen, daß nicht allein die gute Existenz des zukünftigen Schwiegersohnes maßgebend ist, sondern in der Hauptsache oer (gute Charakter, der unbeschadet der äußeren Bedingungen Gewähr leistet, daß die betreffende Bath Jisroel in anständiger Weise durchs Leben geführt wird. Reiche Leute sollten vor Allem beweisen, daß es ihnen bei der Verheiratung ihrer Tochter nicht allein um den Teufel Geld zu tun ist. Sie sollten manchmal 'auch dem zukünftigen- Schwiegersohn zü einer ehrbaren Existenz verhelfen, wodurch es ihm ermöglicht ist, den Schabbos in richtiger Weise zu halten und nicht ihr Kind einem Manne anvertrauen, der, wie man jetzt so oft hört, im Kriege viel Geld verdient hat. Leider ist dies oft der einzige Vorzug des Ehossen, während andere Männer, welche auch während des Weltkrieges jüdisches Pftichtbewußtsein bewiesen haben, keinerlei Ansehen genießen. Wenn hiermit der Anfang gemacht wird, dann wird allmählich „der Tanz um bn§ goldene Kalb" aufhören, die männliche Jugend wird früher und zahlreicher, als es jetzt der Falk ist, zur Ehe zn bringen sein. Frankfurter Berichte. Agudas Aisroel-Hrtsgrrrppe. Die Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. teilt mit, daß die Neuwahl des Vorstandes auf der letzten Generalversammlung infolge des schlechten Besuches nicht zustande kommen konnte. Eine neue Generalversammlung zum Zwecke der Wahlen ist für den 17. Oktober, abends 8 Uhr, in den Agudaräumen, Hanauer landstraße 17 einberufen und werden die Mitglieder um rege Beteiligung gebeten. Wairnorndes, sein Leven und seine Werke. Sonntag abend 6 Uhr beginnt Herr Redakteur Schachncrwitz seinen diesjährigen Vortragszyklus aus der jüdischen Geschichte im M e k o r C h a j i m, .Langestraße 18, mit einem Referat über „Maimonides". Weshamidrasch Hsterrdstraße- Im Beshamidrasch, Ostendftraße, spricht Herr B. Rachelsohn je am Freitag abend nach der Synagoge über raw rnsbn. Pie arrgenvkickliche Lage in JakLfiirra. Ueber dieses Thema sprach am Montag abend vor gut besuchtem Hause im BolksbildüngSheim, Herr Dr. Moses Auerbach aus Petach-Tikwah. Was dieser treffliche Kenner Palästinas, dem man es anmerktz daß jedes Wort aus tiefem, in heißer Liebe für das heilige Land schlagendem Herzen kommt, über daS heutige Palästina mitzuteilen hatte, war nicht gerade erfreulich. Wirtschaftliche No», religiöser Radikalismus ufw. Aber es fehlte auch nickt an erfreulichen Lichtblicken; die Lage ist kritisch, aber nickt verzweifelt. Und der Gesamteindruck war so, wie es der Versammlungsleiter, Herr Zahnarzt Ehrmann, in seinem Schlußworte sagte: „Das Haus der alten Mutter steht noch, es weist Lücken und Ritzen aus, aber es steht auf festem Grunde und an uns allen ist es, mit Hand und Herz arn Wiederaufbau mitzuarbelten". Wir werden in der nächsten Nummer auf die Ausführungen des Herrn Dr. Auerbach, die mit großem, ehrlichen Beifall ausgenommen wurden, eingehend zurückksmmen. Aas „Zehngevot" der Antisemitin. Drei Damen gaben der Schöfftngerichtsverhandlung vom 10. Oktober die eigene Note. Frau Marie Holzer ist Pensionsinhaberin und Antisemiiin von Beruf und hat ein Plakat an ihrem Hause prangen: „Kauft nicht bei Juden usw." Frl. Dr. Käthe Neu-' mark ist Kinderärztin, und als gebildete Dame nahm sie Anstoß an dem Hetzplakat und riß eö herunter. Frl. Dr. Anna Schulz ist Rechtsanwältin und verreidigt die Aerziin, die von Frau Holzer wegen Entfernung des Plakats und Beleidigung ongeklagt ist. Das Jmeressantege an der Sache ist die Begründung der Frau Holzer: „Die Juden haben ja^auch ihr Zehngebot an der Türe . . Angeklagte und Verteidigerin belehrten nun die Klägerin i ber den Unterschied zwischen einer jüdischen „Mesusah" und — — einem antisemitischen Hetzplakate und die Kiagesache mar damit erledigt — leider ohne daß die Klägerin ihrer wohlverdienten Strafe zugeführt wurde. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend, nach Schluß der Synagoge: „Mikro"; Herr Louis Kahn. SamStag vorm., nach Schluß der Synagoge: „Dinim"- Herr Rektor B. Falk. — Nachm. 37« Uhr: „En Jakauf",' Herr Redakteur Schachno witz. Sonntag vorm. 9®/4 Uhr und Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"- Herr R. A. Posen. Sonntag nachm. 6 Uhr: Jüdische Geschichte „Matmonidis"; Herr Redakteur Schachnowltz. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: -,Gemoro"- Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend 7 Uhr: „Mischna": Herr Rektor Falk. _ - Freitagmorgen. Jahrzeitsstiftungslernen: Hannchen Mosbacher-Stiftung,ZerlineMayer, geb.WilmerSdoif Stiftung. Allabendlich 83/4 Uhr: „Gemoro"; Herr H.Halperu. AgudaS Jisröel-Jugeudgruppe. Sonntag vorm. 87« Uhr: „Chumisch mit Nascht" - Herr Leovold Oppenheimer. — Nachm. 2 Uhr: D'Tin; Herr Hermann Frankenthal. - nachm. 3 Uhr, Semtroih- Herr M. Golde. — Abends 8 Uhr: Damen und Herren. Jüdische Geschichte- Herr Red Schachnowitz. Montag abend 8 Uhr: „Dinim"- Herr Oberlehrer Munk. — 9 Uhr: „Gemoro"- Herr Zahnarzt Ehr mann. Dienstag abend 8 Uhr: „Tefilloh"- Herr Oberlehrer Kaufmann. „Gemoro"- Herr Dr. Hosmann. — 9 Uhr: Sanitätskurs. Mittwoch abend LUhr: „Gemoro"- Herr Zahnarzt Ehrmann. — 0 Uhr, Herren und Damen: „Meviim"- Herr Lehrer Unna. — 8% Uhr: Turnen. Donnerstag abend 8 Uhr:' „Sabbatvorschriften"- Herr Waisenyausverwalter Marx. Örflss-Sroniifiiil - am Eschenheimer^Turm. fOeoler. Zitierthal und Arrkabarrtt. N«rr»smu»g 6 v. «dk. flnf. 77» kl»r abenas. Neu eröffnet: Wein-Klause« Eingang nur Stiftstraffe 32. 025335