Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1920)
- Date
- 1920-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 No. 41 Der JSraeltt. M.WtoverMM S/i- Drdnung, die mit Kosten verknüpft ist, von dem mehr oder weniger guten Willen des zionistischen Waad Hachinuch abhängig ist. Daß in diesem Waad Hachinuch auch drei misrachistische Vertreter sitzen, gibt ihm zwar äußerlich ein gewisses unparteiisches Aussehen, durfte aber Lat sächlich gerade in religiös strittigen Fragen sehr geringe Bedeutung haben, ha die Majorität des Waad Hachinuch nicht religiös fein wird; vor allem ist der jetzige Harlptleiter des zionistischen Erziehungswesens durchaus nicht religiös orientiert. Mit Recht h a t t e n f a. st s ä m t l i ch e f ü h renden Mi-rachi steil bis zur Lou d o n e r K o n f e r e n z fcte Ansicht vertreten, das das orthodoxe Schulwesen vollkommen nn abhängig von allen nicht religiösen Einflüssen sein müßte. Als inr vorigen Winter die misrachistische Konferenz in Am st e r dam dieser Ansicht in der Form eines scharf präzisierten Ultimatums an die zio nistische Organisation Ausdruck gab, hatten weite Kreise der unabhängigen Orthodoxie gehofft, der Misrachi würde endlich in der wichtigsten reli giösen Frage der zionistischen Organisation gegenüber fest bleiben. Jetzt hätte sich ein großes Feld gemeinsamer Arbeit aller Thoratreuen ohne Parteiunterschied gefunden. Leider hat der Misrachi diese Hoffnung nicht erfüllt. Trotzdem wollen auch wir fitir die Zukunft di» Hoffnung nicht ausgeben, daß der Misrachi sich wieder zu seinem früheren Standpunkt zurückfindet und so die Einheitsfront des thora treuen Judentums gegenüber dem thorafernen wiederherstellt. Das Nachgeben des Misrachi auch dieses Mal wieder ist ein warnendes Beispiel..dafür, daß auch die notwendigsten Forderungen der Orthodoxie unberücksichtigt bleiben können, wenn die religiöse Minorität in organisatorischer und finanzieller Abhängigkeit von einer nichtreligiösen Majorität sich befindet. Eine befriedigende Gestaltung des religiösen Erziehungswesens und damit die die Rettung des thoratreuen Judentums in Erez Jisroel kann nur d u r ch e i n e u n a b h ä n g i g e orthodoxe Schutorqa nisation ermöglicht werden." Soweit unser Gewährsmann. -Leider hat der „Misrachi" — weil er in seiner finanziellen Schwäche dem Diktate Lerer um Ussischkin nachgeben zu müssen glaubte — den ihm von orthodoxer Seite gemachten Vorschlag zur Schaffung einer solchen unabhängigen Schulorganifation abgelehnt und damit fürs erste jede Möglichkeit zerstört, das von Dr. Schönfeld am Schlüsse als wünschenswert bezeichnte Ziel zu erreichen. Wenn dieser dann in seinem Interview noch der Meinung Ausdruck verleiht, baß der von den'Zionisten geplante „jüdische W eltkongreß" Gelegenheit bieten werde, die „Fühlung" zwischen Misrachi und Agudah herzustellen, so ist das unseres Erachtens eine verhängnisvolle Selbsttäuschung. Ueber diesen „Weltkongreß" selbstder die Gesamtjudenheit zionistisch-rlanonalistisch machen soll und sie jedenfalls in diesem Sinne festlegen würde, wird noch zu reden sein. Ein Mittel, die Gesetzestreuen zu einigen - ist er jedenfalls nicht; er wird im Gegenteil neues Oel inS F»ner gießen, sobald er aktuell werden sollte. (Schluß folgt.) Sorrefpondenzen vnd Mchrlchtes. Deutsches Meich. fftM&futt *♦ M., 11.Okt. Mnimenden Sonntag, den 17. Oktober, ckl Uhr vormittag-, findet in dev Turnhalle der Il e als chul» der Israelitischen Religionszesellschast, Tiergarten S, die Generalversammlung des „Unabhängigen Vereins t-r. Lehrer in Hessen" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichterstattung, 2. Rechnungsablage, L. Festsetzung der Vertetlungsquote, 4. Statutenänderung (betr. Jahresbeitrag und Ausschluß aus dem Verein), 5. Anträge und Mitteilungen, 6. Festsetzung der Gebühren für Kasualien und Ftlialunterricht, 7. Wahl des Vorstandes. Freunde des Vereins find höfltchst eingeladen. prok. ttoffmanns Stellung?um „misrachi". Alertln. 6. Okt. Der „Misrachi" veröffentlicht zu unserer Notiz in Nr. 37 eine Erklärung, wonach fich drei Herren zur Aufklärung der Angelegenheit zu Herrn Prof. Hoffmann begeben hätten und folgendeberichteten: „Prof. Hoffmann steht nach wie vor auf dem Standpunkt der Aeußerung, die er seinerzeit abgegeben hat. Er erklärt, die Frage de- Eintrittin den Misrachi sei eine politische, politische Entscheidungen gebe er-nicht ab, da er es zeitlebens vermieden habe, sich in die Politik zu mischen. Die Tätigkeit der Misrachisten aber, soweit sie (was selbstverständliche Voraussetzung ist), „leschem schommajim" erfolgt, habe er immer für lobenswert gehalten, zumal es sich bet dieser Tätigkeit um Tätigkeit für Erez Israel und für die Thora handle. Dem entspräche auch daS persönliche Bild, daer von vielen seiner deutschen nnd östlichen Bekannten habe, die eifrig im Misrachi tätig seien. Cr innrrte an Männer wiel Reines, Amtel, Landau (Zawteree), Struck und andere." Hiernach ist also die Behauptung, Professor Hoffmann habe den Eintritt in den MtSracht als Mizwa bezeichnet, tatsächlich unrichtig gewesen und hat, wie wir vermuteten, auf einem Mißverständnis beruht. Im übrigen möchten wir auf eine Diskussion verzichten und unS nur dir Bemerkung gestatten, daß Hirsch und Hildesheimer ^'acj die Frage des Eintrittin eine Reformgemeinde jedenfalls nicht als eine „politische", sondern als eine reltgionSgefetzliche bettachtet haben und daß man daher nicht begreift, warum dir Misrachi-Frage sich der religiösen Entscheidung entziehen soll. Man wird ja auch der Gemeindeorthodoxie da- Zeugnis einer an sich lobenswerten Tätigkeit für die Thora der Regel nach nicht versagen können, ohne daß durch diese Feststellung die Frage berührt wird, ob nicht der Beitritt und die Zugehörigkeit zu einer Reformgemeinde religiös unzulässig ist. Lin MiiihommengruS. Merlin, t. Okt. Zu unS dringt die-Kunde, daß der Leiter der Slobotker Jeschiwah, Oberrabbiner Eppstein und feine Jünger, die im Jahre ISIS vor der Einnahme KownoS durch die Deutschen ins Exil gegangen waren, heimgekehrt sind. Fünf Jahre weilten sie fern in der Ukraine, fern der heimischen Stätte, in der der Geist R. Israel Salanters als geniuS loei das Studium geweiht hatte. Sie hatten jene erzwungene Wanderung gen Osten mitgemacht, aber nun haben fie der Heimat Boden wieder erreicht. Mit dem Meister und seinen Schülern ist die rmn selbst heimgekehrt. Darin liegt die Bedeutung der Rückkehr. Freilich war Kowno- Slobotke auch in der Zwischenzeit nicht verwaist. Ls muß hier voll inniger Freude und Dankbarkeit die Tatsache verzeichnet werden, daß die vereinte Kraft der litauischen und deutschen Ju- )en ein würdiges Provisorium geschaffen hatte. So ist die Kontinuität fast lückenlos gewahrt worden und erleichtert den Repatrtierttu die Wiederaufnahme der heiligen Arbeit. Den Erjaltrrn"der »Jeschtwqh, dem- .Alexotter Raw R. K ü rwitz an - der -Spitze,> gebührt der »Dank-der MmW.MorajrcheiMt.^^ I NM. .hät>.MMex Olanx enttM . Ige- MWck^hä^ eS gesützt, Saß- Litauens z iärkste Feste der min von allen Ländern deS OstenS die friedlichsten innerpolitischen Verhältntsse barbieret, daß in keinem Land die Stelüng der Juden in ihren kulturellen Bestrebungen gesichert erscheint wie dort. Zur rechten Zeit lehren die Scharen' der iTTjafiB heim, in dem Zeitpunkt, da in Litauen noch manch andere Schöpfung das in Thora» wurzelnde Denken festigen und erhöhen will. Sie, die der Thora ihre ganze Kraft zur Verfügung stellen, werden die besten Mitkämpfer sein in diesem Werke der Festigung und Verjüngung. Sie werden dem dem Neuen zusttebenden Geist die ewigen Grundlagen des Erkennens zeigen, damit er nicht gleite, sie werden die Lebensgesetze verteidigen, die unser Volk gegen alle Gefahren immun machten, jetzt aber ins Wanken geraten. Euch grüßen wir, Ihr Gotteskämpfer, deren Schwert das Buch, deren Feld der Seist ist. - Wir, die in unserem Land für Euer materielles Wohl die Grundlage schaffen helfen, wissen, daß Ihr gebt, wir nehmen, und daß wir Euch danken müssen, für Euch wirken zu dürfen. In der Stunde Eurer Wiederkehr gedenken wir Euer und werden weiter für Euch Wirken. Dem Wtllkommengruß an Euch laffen wir die Bitte und Mahnung an alle Brüder folgen, für Euch zu spenden, damit Ihr lernen könnt und wir leben von Eurem Wissen. Dadeutsche Zentralkomitee für die Unterstützung der litauischen Jeschiwoth besteht aus den Herren Dr. Hildesheimer, Rabb. Weinberg, Dr. Wohlgemuth. Spenden sind zu richten an Aron Hirsch u. Sohn, Halöerstadt, Postscheckkonto 297 Berlin, oder Retch-bankgirokonto. t\n mul für oNjUSIfchs Üüditiinoe. Merlin» S.-Okt. D»r Verband der Ostjuden in Deutschland hat im Verein mit dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen daS städtische Asyl für Obdachlose in der. Wiesenstraße, die sogenannte „Wiesenburg", deren Betrieb mangels der erforderlichen Geldmittel seit Monaten stillgelegt war, eigens zur Unterbringung der durchreisenden Emigranten gemietet. Dieses Asyl, das im Jahre 1SSS erbaut worden ist, bietet Raum für insgesamt 700 Männer und 400 Frauen. Zurzeit läßt der Verband der Ostjuden die Gebäude mit eigenen Mitteln instandsetzen. Für strengste Hygiene ist in weitestem Maße gesorgt. Die neu Ankommenden werden zunächst mit allen ihren Sachen einer gründlichen Desinfektion unterzogen. Bade- und Waschgelegenheit ist zur Genüge vorhanden. Eßsäle und Schlafsäle mit guter Ventilation bieten genügende Gewähr für dte gesunde Unterbringung der Asyiisten. Von seiten der jüdischen Organisationen wird angenommen, daß die „Wiesenburg" zur Unterbringung sämtlicher Flüchtlinge in Berlin auSreiche, da etwa S0 Prozent von ihnen Durchwanderer sind, die fich nur ganz kurze Zeit in Deutschland aufhalten. Dle tatkräftige Selbsthilfe deS OstjudenverdandeS — man rechnet mit laufenden jährlichen Ausgaben bis zu. einer halben Million Mark wird allgemein begrüßt. Swel Versammlungen. München, S Oktober. In einer von der antisemitischen „Nationalsozialistischen Arbeiterpartei" in München abgehaltenen Versammlung versuchte der Redner nachzuweisen, daß. die Vorschriften des Talmud Mangel an Sittlichem aufwtesen. In der Aussprache verwahrte sich Herr Rabbiner Dr. Bärwald zuerst dagegen, daß er, weil er ein Jude sei, von dem Versammlungsleiter als Ausländer bezeichnet sei, er sei stolz darauf Jude und Deutscher zu sein; Die weiteren Auseinanders-tzüng-n,W>schen.M^Bär«M^rln» drmK-ft. reytett steigert^ hje allgechem-Erregung faMß HUM «Muh Dr.MMM.MtE.dnn^Vchutz.cker ffamrmungsleitung - den den Radauantisemiten beherrscht war, verlaffen mußte. Noch erbaulicher ging rin einer anderen demokratischen Versammlung zu, wo der bekannte Berliner Arzt Dr. Magnus Htrschfrld einen streng wissenschaftlichen Borttag über Kort. 'S1’'*'1 zh