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Der Israelit · 1920-10-07 · Heft 40 (7.10.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 40 (7.10.1920)
Date
1920-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-. Oktober 1920 _ , geblieben ist, so blieb er doch ein Freund des konservativen Judentums sein Lebtag. Unter den unzähligen Institutionen, die sich seiner Gönnerschaft erfreuten, sei nur das von ihm gegründete und weitgehendst unterstützte konservative Rabbinerfeminar in New-Aork genannt. Auch in seiner Vaterstadt Frankfurt genossen zahlreiche jüdische Institutionen sein besonderes Wohlwollen und seine tatkräftigste Unterstützung, doch lag es nicht in seinem Sinne, dabei genannt zu werden. Jakob . Schiff hinterläßt eine Frau und zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, die an den bekannten Philantropen und Finanzmann Felix Marburg verheiratet ist. Unter den. Namen der großen Juden unseres Zeitalters wird der Jakob H. S chiffs an erster Stelle prangen. Herr Dr. Nathan Birnbaum schreibt uns: In der vorigen Nummer (No. 38 und 39) Ihres geschätzten Blattes wird in dem Artikel „Das Verhalten des Bolschewismus zum Judentum" die Unterrichtssprache der bundisttschen Schulen in Sowjetrußland, das Jüdische, mit dem Beisatz: „d. h. der verkrüppelte deutsche 'Jargon" erwähnt. Ich möchte nun, bei der Ihrem Blatte und mir gemeinsamen Grundüberzeugung, nicht in den Verdacht kommen, daß ich diese als Selbstverständlichkeit sich gebende Definition ohne Widerspruch hinnehme und richte daher die höfliche Bitte an Sie, zu gestatten, daß ich diesem Widerspruch in Ihrem Blatte Ausdruck gebe. Leider reicht jetzt meine Zeit nicht hin, um das Thema ausführlich zu behandeln, (was ich übrigens in Bezug auf die Frage nach dem Sprachcharakter des Jüdischen schon früher oft getan habe, und betreffs der Einstellung der Ueberlieferungstreuen zum Jüdischen noch zu tun gedenke).' Ich kann meine Meinung hier nur in aller Kürze sagen, und die ist: Die von mir beanstandete Definition ist Frucht eines nackten „Maskilismus", der. deshalb nicht weniger bet Mendelssohn und Grätz in die Schule gegangen ist, weil er jetzt bei den nationalistischen „Hebraisten" nachgelernt hat. Sie beleidigt die elementarsten Vorstellungen von Sprachwerdung und Sprachcharakter sowie die sprachlichen Tatsachen des Jüdischen ebensosehr wie die Ostjudenheit selbst in ihrer menschlichen und völkischen Würde. Ferner: Das Jüdische, das ja auch von der Millionenmaffe der Gläubigen im Osten gesprochen und geschrieben wird, ist für das „Hefkerus" der Bundisten, die es für sich fruktifizieren, zumindest nicht mehr verantwortlich zu Marti in Bern Kichert sich über Vas jüngst erschienene Buch von Delitzsch in einem Briese an den 'hebräisch cn Schriftsteller Dr. S. A. Hvrodetzky in Bern, ans dem nns unser Berner Korrechondent einige Stellen zur Verfügung stellt: „Das jüngst erschienene Buch voll Friedrich Telitzsch „Die Große Täuschung" hat mir die größte Enttäuschung bereitet, und ich kann seine Herausgabe nur lebhaft bedauern. Ich nahm das Buch zur Hand u,ie> erlvartete eine Weitersührung und Vertiefung des wichtigen Vortrags, den Friedrich Delitzsch einst über Bibel uiib Babel vordem Kaiser gehalten hat. Wie groß war aber mein Erstaunen, als ich das Buch las! Gleich von Anfang an mußte ich mir zu meiirein Schmerze sagen: Das ist nicht mehr der alte Delitzsch, den ich als vornehmen Gelehrten kennenzulernen die Ehre rrnd Freude hatte. Ich fand so manches schon ans den ersten Seiten im Ausdruck und ün Urteil nnsein. Konnte ich da noch, denken, das; oi, re scharfe Poin-. ticrnng zur- Herausstellung des. zu behandeliioen' Problems dienerst sollte, so -schwaud bei .weiterer- ..Lesung immer mehr diese Entschuldigung. Denn was -.mich, noch -mehr enttäuschte und was ich für einen großeich.Mangel, des Buches anschenmuß, ist die merkwürdige und ausfallende -Verkennung der wissenschastltchen Betrachtung des Alten Testaments. Wer voll der Entstehung des Alten Testaments etwas weiß und die Arbeit der alttestamentlichen Wissenschaft .wirklich verfolgt hat ltnb kennt, kann nicht so ungeniert mit den Quelleil umspringen oder so gedankenlos übersetzen >vie S. 144, wo inan lieft: „Fleisch «itf freiem Felde, Zerrissenes sollt ihr nicht essen, dem Hunde sollt ihr es hin werfen (Ex. 22, 30, vorhergeht: heilige Leute sollt ihr mir sein)", kann aber auch nicht so über die Eroberung Kanaanurteilerl und muß ein ganz anderes Bilo von den Der K-raeM._ machin, als das Hebräisch der Nationalisten für das „Apikorssus" seiner Propagatorett. Endlich: Vielleicht kommt es einmal der Orthodoxie zum Bewußtsein, daß sie gegen sich selbst arbeitet, wenn sie sich ihre Einstellung zum Jüdischen (wie manche andere- Einstellungen) von zionistischer ^Mentalität vorschreiben läßt. (Die von Dr. Birnbaum angegriffene Wendung, die auch wir nicht vertreten möchten, entspringt keineswegs „zionistischer Mentalität" - der Verfasser ist uns vielmehr seit langem als Gegner des Zionismus bekannt. Red.). Von der jüdischen HeimMe. flusfpracfie?wisckien einem öioniifen und einem Hguöifien- Bon Jakob Testier in Schwabach. (Schluß.) Zionist: Soweit ich nun Ihren Aeußerungen nach schließen darf, ist also, vorläufig jedes Ansiedlungsunternehmerwerk in Palästina nutz- und zwecklos? — Agudist: O nein, die „Ansiedlung in Erez Jisroel" ist ja an und für sich ein heiliges Gebot und diese zu einer Zeit zu föröery, wo Tausende nnd Abertausende unserer Glaubensbrüder, verfolgt von ruchlosen Menschen, existenz- und heimatlos wie Nomden herumirren, ist gewiß eine der heiligsten und brennendsten Aufgaben unserer Gegenwart, eine Aufgabe des Gesamtjudentums, — aber wehe uns, wenn wir es wagen den heiligen Boden nach zweitausendjähriger ruheloser Wanderung, durch Ansiedlung sog. „Nationaljuden" abermals zu entweihen und uns über das pan DK irionfl K21 „Und du sollst das Land nicht versündigen" (5. B. Mos. 24, 4.), das wir einst überhörten, sodaß wir ins Golus mußten, trotz der gemachten bitteren Erfahrung auch jetzt hinwegsetzen wollen! Wenn wir eine Zukunft wünschen, dürfen'wir nicht unsere Vergangenheit übersehen Wir Agudisten find darum auf die den Zionisten in San Remo gemachten Zugeständnisse gar nicht eifersüchtig, weil wir a priori der unerschütterlichen Ueberzeugung sind, daß das zu erbauende Erez Jisroel, das einstige Wallfahrtsland Jisroels, und das künftige aller Völker sicherlich nur dann von Bestand sein kann, wenn es auf jenen fundamentalen auf jenen festen drei Grundfäulen errichtet wird, worauf die Welt überhaupt bestehtich meine jenen Dreifuß von 2'22N N12'2^>1 n212P „Gotteslehre, Gottesdienst und Menschenliebe", also die Thora an der Spitze! Wir wissen israelitischen Propheten haben. Es fehlt dem Buche leider aus Schritt und Tritt an einem wirklichen Eindringen in die Erkenntnis von Geschichte und Religion Israels, welche die wissenschaftliche Theologie gewonnen hat. — Fehlt so dem Buche die feste Grnndlage, so ist aitcl) seine Tendenz verfehlt und seine Polemik gegen das Judentum vom Boden des Alten Testaments aus, unbegründet. Die Verquickung mit antisemitischen Tendenzen macht das Buch völlig unerquicklich. Tie alttestamentliche Wissenschaft har mit ihren Errungenschaften nicht hinter dem Berge gehalten; tut es die Kirche, so sind deswegen nicht die Alttestarnentler anzugreifen. Förderung des heutigen Antisemitismus ist aber nicht Sache und Aufgabe der alttestcnnentlichen Wissenschaft. — So bedaure ich das Buch aus den verschiedensten Gründen: es dient einmal nicht zur Erhöhung des Ruhmes des Autors, und daun erweckt es ganz falsche Vorstellungen von der alttestnmentlichen Wissenschaft. Das Buch ist nach meinem Urteil selber eine große: Täuschung." (Das Hakenkreuz.) Im „Vorwärts" weist Philipp Scheidemann in einer gelehrten Abhandlung nach, daß das Hakenkreuz, dieses Symbol des Antisemitismus, mit dem Swastika des alten Buddhismus identisch ist und wohl schon über 3000 Jahre alt ist. Das Zeichen war in ganz Europa verbreitet und zwar in den verschiedensten Epochen. Es scheint in den letzten Jahren wieder aufzuleben. In den entferntesten sowie benachbarten Ländern war es als Zeichen des Glückwunsches und in erweitertem Sinne als eine Art Garantie für Glück und gutes Gelingen weit verbreitet. Ueberall verwandte man es als Amulett oder Talisman, oder als Zaukei-mittel, das Nr. 40. Seite 3 wohldaß diese drei Dinge allein zum Anfbau eines Staates nicht hinreichend sind, — und doch sind wir uns hierüber eins mit den einstigen' Bauleuten Palästinas: „Wenn der Ewige nicht bauet das Haus — umsonst mühen sich seine Erbauer daran." Wir Agudisten sind deshalb auf die in der letzten Zeit errungenen „Erfolge" des Zionismus garvicht neidisch, weil wir tief durchdrungen sind von der Wahrheit der Worte eines Jesajas (Kap. 4, V. 3): „Und wer wird übrig bleiben in Zion und übrig sein in Jerusalem, der wird heilig heißen, ein Jeder, der eingeschrieben ist zum Leben in Jerusalem." — Welche der drei Kategorien — Zionisten, Mtsrachisten und Agudisten — die meisten 22t0l'Y2 stellen wird, — dies festzustellen, ist nicht unsere Sache, entzieht sich auch ganz und gar unserer Kenntnis, — aber wir „Naiven" und „Glaubseügen" haben gar keinen Grund, an den Worten unserer Talmudweisen zu mäkeln, die da meinen: 2V cWTp (n"V 2"2) nb pDSUün kSk j'K 2"N1V. Darum sehen wir orthodoxen Juden dem nra pOT/' der wiEchen Geuloh mit der größten Ruh^ entgegen, ohne uns auf die Seite der pp 'Neider Draufgeh er zu werfen, sprechend mit Vater Jakob: „Ich will behutsam einhergehen nach dem Schritte des Zuges", „Und siehe, er kommt selbst hinter uns" ... Wir kommen schon hinter her nach und müssen auf den feierlichen Einzug in Jerusalem in corpore mit den Herren Zionisten leider verzichten, — verzichten, selbst auf die Gefahr hin, daß sie alle freien Plätze inzwischen belegen sollten. Wir werden hoffentlich auch schon irgend ein Eckchen vorfinden. Zionist: Glauben Sie, daß alle Agudagruppen etwa aus lauter „Kedauschim", Heiligen^ bestehen? Agudist: Dies zu behaupten, wäre eine anmaßende Ueberhebung. Es gibt auch unter uns Unkraut, — und so ungerecht die Behauptung ist, daß alle Zionisten thoralos wären, so töricht wäre es von mir, alle Agudisten und orthodoxen Juden als 222 2'2122 2212 hinzustellen. Wir sind aber wenigstens bestrebt, nach den Richtlinien der 2'VNp zu handeln, besonders wenn wir ins heilige Land, den Ort der Kedauschim zurückwollen, wofür Ihr Zionisten leider nicht das geringste Verständnis an den Tag legen wollt, weshalb wir nicht mit Euch den gemeinsamen Weg gehen können und gehen dürfen. — — Zionist: Wären nicht gerade beim künftigen Aufbau Crez-Jisroels die trefflichen Worte König Dawids zu beherzigen?: „Stehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder in Eintracht beieinander sind." den. Erfolg sichern sollte. Es verhieß gutes Gelingen Reichtum und Genüsse. Manche Völker haben das Zeichen künstlerisch auSgeschmückt. Sollte es heute eine Wiedergeburt in den "'modernen Ländern erfahren? Fast scheint dies so! Die Künstler gebrauchen es wieder als dekorativen Schmuck für Gebäude, Balustraden und Gewebe. Ebenso fürkeramische Gegenstände. Ueberall findet man Ornamente, in denen das „Swastika" dte Hauptrolle spielt.. Die antisemitischen Hansnarren, meint Scheidemann; tragen das Swastika wahrscheinlich als „Zaubermittel". Ader-vielleicht verspricht ein Ring, den sie in der Nase tragen könnten, für ihren politischen faulen Zauber noch größere Wirkungen. Um die gefällige Form des Glückszeichens nicht zu einem Monopol von Hansnarren werden zu lassen, empfiehlt er die allgemeine Verwendung des Swastika für Schmucksachen aller Art. Junge und Alte, Juden und Christen, Velo- und U. - S. - P.- Disten, Männlein und Fräulein -alle, soweit sie sich überhaupt schmücken, könnten in hunderterlei Gestalt das mehr als dreitausend Jahre alte Glückszeichen tragen, sei eS als Nadel, als Ohrring, als Brosche, als Anhängsel) auf Ringen usw., fei eS verarbeitet tm ovalen Reifen oder im KreiS, in» Dreieck, tm Viereck, fei eS tm blumigen oder im Blätterkranz. Für Gold- und Silberschmiede, sür Holz- und Elfenbeinschnitzer, für Künstler aller Art," scheint die Möglichkeit, das Swastika zu verarbeiten, unerschöpflich zu sein. Wenn aber die Anttsemiteriche das Kreuz unter allen Umständen in besonderer Art für sich reklamtore» wollen, dann sollen sie eS sich tätowieren oder einbrennen lassen . . .

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