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Der Israelit · 1920-10-07 · Heft 40 (7.10.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 40 (7.10.1920)
Date
1920-10-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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UW4P Seite 4 No. 40 Der Israel». 7. Oktober 1920 Eine Jüdifthe UniDerüfäf in Budapefi- Agudist: Auch wir Agudisten würden *§ vom Herzen wünschen, wenn die „Agudas-Jisroel" das würde, was das Wort schon sagt — ein Bund der 'Starken und Schwachen, der Großen und Kleinen, der Stolzen und Bescheidenen, gong wie bei 21TK fttJK/ bei 2^17 n*m — aber — aber — diese beiden Agudas sollten reinigend und veredelnd wirken, — ob aber eine -Vereinigung der Zionisten und Agudisten diesen zum Segen gereichen würde?-Ja, wenn, aber nur dann, wenn Ihr Zionisten uns verbrteftet und dies auch durch Taten bestätigen würdet, daß Ihr Euer ganzes Palästina- Projekt im Sinne und im Geiste der Thora umgestalten wollet, dann, aber nur dann würden wir Euch brüderlich die Hände reichen und uns zur gemeinsamen Arbeit, geistiger und Praktischer Arbeit für und in Palästina zusammenfinden. Solange aber Ihr Zionisten die Mutter und die Tochter ausetnanverreißt, müssen wir Agudisten den Zionismus bekämpfen, bekämpfen nicht mit Spieß und Speer, sondern mit geistigen Waffen, bis wir, wie zur Zeit der Hasmonäer, Knittels eines rein gebliebenen Krügtetns Oel (Israels treue Söhne gleichen dem Oele —) Gottes heiligen Leuchter im heiligen Tempel auf dem heiligen Berge anzünden werden.- Z ionist: Ich werde meinen ganzen Einfluß geltend machen, um die entzweiten Brüder zur Versöhnung zu bringen. — Agudist: Den gemachten Erfahrungen nach, werden Sie in Ihrem eigenen Unternehmen nicht viel Glück haben ... Wenn Sie aber großen Einfluß auf Ihre Parteigenossen ausüben, so möchte ich Sie in meinem und im Namen aller Agudisten bitten, herzlich und dringend bitten, Jhr^m Einstich zuerst nach andrer Richtung Geltung zu verschaffen: nämlich Ihre Zionsgetreucn zu warnen, daß sie uns künftighin mit unehrlichen Waffen bekämpfen,- uns als deutsche Agenten zu verleunden und zu denunzieren; unsere Versammlungen in iznerhört taktloser Weise zu stören. Sie werden wohl die Artikel „Der Terror unserer Gegner" und „Agudas-Jisroel in Oft und West" in Nummer 28 des „Israelit" vom 15. Juli l. Js. gelesen haben. Diese unschöne Kampfweije schadet Ihnen mehr als uns, und grade die Zionisten, die Geulohmacher dürfen sich ihrer umsoweniger bedienen, da sie sonst bekunden, daß sie auf einem viel tieferen -Niveau stehen, als unsere Brüder einst in Mizrajim, die, wenn sie auch in den DKülfc versunken waren, doch wenigstens keine Ang'bsr waren, welche Tugend bekanntlich zu der beschleunigten Erlösung wesentlich beitrug. —- Zionist: Ich werde dieserhalb zuerst intervenieren. — Agudist: Glück auf den Wegi Smespon-enzen and Aachrichtea. Derrtsths» MeLch. Die lilauWen Jefdiiroaus. Ar«»kfmt a. M., 19. S-Pt. Einem Briefe der Leiter der Jeschiwoh in Slobodka-Kowno, der Herren Rabbiner Baruch Hurwitz und Nissan Jablonski an Herrn Hermann Struck entnehmen wir folgende Stellen: „ES Ist unmöglich, die Notlage, in welcher sich unsere heilige Jeschiwah jetzt befindet, schriftlich zu schildern. Denn infolge des Krieges zwischen den Bolschewisten, und Polen flüchteten alle Schüler der Jeschiwoth von Lomza und Grodno und 50 Bachurim von ihnen kamen nach Slobodka. .Ebenso kehren jetzt die nach Krementschug (Ukraine) zu Beginn des Krieges geflüchteten Schüler unserer Jeschiwah nach Slobodka znrück, wo schon etwa 15 von ihnen angelangt sind. Außerdem sind 40 von ihnen zusammen mit den Lehrern bereits am vorigen Sabbat in Minsk angekommen und werden wahrscheinlich am Roschhafchanah in Wilna sein. Und nunmehr, da sie sich alle bei uns versammeln werden, so werden viel mehr als 200 Bachurim bei uns sein außer den Lehrern. Unsere monatlichen Ausgaben nur für Brot und Wasser werden dann 70 bis 80 000 Mark betragen. Woher? wird uns Hilfe werden?" Man darf erwarten, daß jüdisi,er Gemeinsinn die Weitererhaltung der größten Thora-"' Pflanzstätten in Litauen ermöglichen wird. Dfe iüdifchen Religionsnereine gegen Dr. Isöroenffein. Werlirr, 28. September. Tie jüdischen Religionsoereine der südwestlichen Berliner Vororte protestierten am Samstag abend in einer in Friedenau abgehaltenen Versammlung gegen die Wahl des Dr. Löwenstein zum Oberstadtschulrat. Schriftsteller Karl Beer- Friedenau, der das Referat hielt, lehnte Dr. Löwenstein als Dissidenten und Nichtfachmann ab. Die jüdischen Eltern legten den größten Wert darauf, daß ihre Kinder eine religiöse Erziehung erhielten und könnten aus diesem Grunde nicht der Kandidatur eines Mannes zustimmen, der die Religion aus der Schule entfernen wolle. Dr. Löwenstein hätte am besten getan, wenn er freiwillig zurückgetreten wäre, denn durch seine Wahl zum Oberstadtschulrat füge er seinen früheren Glaubensgrnossen außerordentlichen Schaden zu. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die jüdischen Religions- Vereine von Friedenau, Steglitz, Lichteafelde, Zehlendorf,. Lankwitz, Südende und Dahlem protestieren gegen die Wahl des Dr. Löwenstein zum Oberstadtschulrat von Berlin, aus religiösen Gründen. Mit unseren christlichen Mitbürgern stehen wir auf dem Standpunkte, daß die Religion der Schule erhalten bleiben wird und wünschen, daß auch der jüdische Religionsunterricht zu seinem Rechte komme'" —>—> Bund oefefeesfreuer jüdifcher Gemeinden- Kakkerstadt, 24. September. Ter Bund g setzesireuer Gemeinden in Halberstadt hat für das lausende Jahr 95 leistungsschwache Gemeinden mit zusammen 61,000 Mk. unterftützt. ©ejlerreidj. Der „weiße Terror" in Wien Wien, 28. September. Die „Wiener Arbeiterzeitung, das tschechische Organ „Pravo Lidu" und die von dem ehemaligen ungarischen Volkskommissar Kunst herausgegebene ungarische Wochenschrift „Vlllagossag" beginnen? mit der Veröffentlichung geheimer Akten der ungarischen Gesandschaft in Wien über Verbindungen der Wiener Christlich-Sozialen mit Horthy - und die ganze Slowakei unterminierende Propa-? gandaHorthys. Die„Arbeiterzeitung" veröffentlicht: zwei Akten, die beweisen, daß christlich-soziale;■ Flugblätter in Budapest geschrieben und von der ungarischen Gesandschaft in Wien gedruckt und vertrieben werden. Ebenfalls gekauft sind vec- - schiederre Blätter der monarchistischen Offiziere, so „Staatswehr", das antisemitische Organ „Volkssturm" und „Eiserner Besen" und das im Dienst der ungarischen Gesandschaft stehende Blatt „Antisemilenbund". Die Anweisungen lauten wörtlich: „Volkssturm veröffentlicht nach den erhaltenen Weisungen abermals eine mächtige Offensive". Ebenfalls wörtlich „einige mit hervorragendem Organisationstalent begabte Mitglieder der „Erwachenden Magyaren" sind in Wien und werden den Antisemitenbund nach. Budapester Muster umformen". Die „Arbeiterzeitung" verlangt die Ausweisung des ungarischen Gesandten und das Strafverfahren gegen diejenigen, die sich für ungarisches Geld zu Aktionen gegen die Republik dingen ließen. Wettere aufsehenerregende Enthüllungen folgen. Wien, 29. September. Die Budapester jüdische Wochenschrift „Egyenlöftg" hat mit Rücksicht auf die immer größer werdende Zahl der von der Universität zurückgewiesenen jüdischen Studenten einen Aufruf zur Gründung einer jüdischen Universität veröffentlicht. Der Großhändler Armin Hirsch hat nun für diesen Zweck eine Million Kronen gestiftet und sich zu einem jährlichen Beitrag von 50000 Kronen verpflichtet. Noten. Bus Polen- ' Warschau, 29. September. Auf dringende Vorstellungen bet den maßgebenden St'Üen in Warschau wurden die Militärbehörden in Schedlez angewiesen, die weitere Vollstreckung der Todesurteile an den dortigen Angeklagten Juden vorerst einzustellen. Eine neue Untersuchung ist eingeleitet. Bei einer Eisenbahnkatastrophe in der Nähe von Lublin sind an 80 jüdische Reisende zum Teil getötet,, zum Teil verwundet worden. Endlich wurde in Lu kow nach vier Wochen die Bestattung der vierzehn erschossenen Juden freigegeben. Außer den Angehörigen durfte sich keiner am Leichenzuge beteiligen. Es verletzt das ästhetische Empfinden der Warschauer Polizei gar sehr, daß manche Balkone Laubhütten aufweisen (was in Berlin und Frankfurt nirgendwo Anstoß erregt). So gibt ein Polizetukas schon freizeittg bekannt, daß auch dieses Jahr die Aufstellung von Sukkaus nur in den Höfen, aber keineswegs auf den Balkonen erlaubt fei. Das Echo der Judenverfolgungen im Parlament. Warschau, 1. Oktober. Die erste Sitzung des Landtages nach den Ferien anr letzten Freitag beschäftigte sich mit drei Interpellationen von jüdischer Seite über die Verleumdung und Verdächtigung der Juden in den Communiques des Generalstabes und Verfolgungen von seiten der Behörden. . Demgegenüber lag auch eine antisemitische Interpellation über „jüdischen Verrat" vor. In dieser dringenden Eingabe werden die Pogrome in Abrede gestellt, alle bekannten Beschuldigungen gegen die Juden nochmals wiederholt und die Dokumente über den „jüdischen Maffenverrat" zur Veröffentlichung gewünscht. Alle Interpellationen wurden einer-Kommission überwiesen und kann man auf die nächsten Verhandlungstage gespannt sein. Wie der Wind geht, zeigte schon die Eröffnungsrede des Ministerpräsidenten Mttos, der von Verrätern und schlechten Bürgern sprach, gegen die die Regierung mit strengen Strafen hervortreten mußte. Den Bauern und Arbeitern, die in den amtlichen Kriegsberichten mit beschuldigt waren, die ersten Niederlagen verursacht zu haben, wird in Verfolg der Rede volles Lob gespendet. So bleiben eigentlich nur noch die Verleumdungen gegen die Juden ungeschwächt bestehen. Lodz, 30. September. Nach der neuesten offiziellen Bekanntgabe haben alle jüdischen Kinder vom achten Lebensjahre an eine öffentliche Volksschule oder eine Schule mit öffentlichem Charakter zu besuchen. Damit wäre der Kamps um das Cheder in Lodz endgültig verloren. Amerika. Prälidenf HJilfon.?u den polnischen Judennerfolßunflen- London, 1. Oktober. Präsident Wilson Hat an Rabbiner Wise auf Grund eines ihm erstatteten Berichtes über die systematische Verfolgung der Juden in Polen unterm 10. September einen Brief gerichtet, in dem er seinem tiefsten Mitgefühle für die Leiden der Juden Osteuropas Ausdruck gibt, die nicht nur die Lasten des Krieges tragen mußten, sondern

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