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Der Israelit · 1920-12-16 · Heft 50 (16.12.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 50 (16.12.1920)
Date
1920-12-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette tz Nr. Äß IS Dezember 1929 ir^—-ir“"—*~rwiif —-mii ni-f-nu.wMr~ni>rr««ii~ni > -*■ 'UkMmm*'» -**<«ar.n>w* r«« Durch die Nussagen zweier durchaus vertrauenswürdiger — darunter eines christlichen — Augenzeugen, find regelrechte Judenpogrome der Baiuch»Wttsch-Truppen festgestellt, die diese am L-. November, nach der Einnahme von Mozyr GOistrikt Minsk), dort veranstalteten. Au dem genannten Tage drang in Mozyr die Spitze der Balachowitsch-Truppeu, dos erste R-ttterregiment, unter Kommando des Obersten Balacho wir sch, eine? Bruders dos Generals ein, dem sich S a w i n k 2 w angelchlosierr hatte. Am Markt- Platze engelangt, stiegen die Reiter sofort ab und zerstreuten sich in Windeseile, von den Ossizieren uicht zuriickgehalten, durch die ganze Stadt, wo das systematische Plündern derjüdischenWohnungerr «nd Geschäfte begann. Die christlichen Wohnungen und Grichäfte wurden nicht berührt. Tore und Türen wurden mir Aexten und Karabinerkolben aufgebrychrn. Jüdische Männer und Frauen, die sich in Kellern versteckt hatten, wurden aus die Straße gezerrt und mißhandelt. Dann mußten die Bedauernswerten selber die Plünderer durch ihre Wohnungen und Geschäfte führen und die Gewahrsame des Geldes und Gutes zeigen, stetig »on Bajonetten und Revolvern bedroht. Die Kahl der dabei Ermordeten -konnte noch nicht jestgestellt werden, wird aber auf über dre ßlg geschätzt. Erst gegen abend hörte bas Morden und Plündern auf, nachdem General Balachowitsch die Schaffung einer jüdischen Miliz erlaubt hatte, die allerdings kein jüdisches Gut mehr zu schützen hatte. KrMürrd. KgusSL 3isroel in tioiianS- Hromngeu, 30. November. , Dieser Tage sanö unter dem Vorsitz des Herrn M. van Gelderen eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel statt, in der Herr Dr. Jonas Simon aus Heidelberg Al glänzenr-cn, eindrucksvollen Ausführungen über die Entwicklung der Agudas Jisroel nach dem Kriege und ihre Bedeutung für die Gesundung des jüdischen. Volkslebens referierte. Bemerkenswert war die Anwesenheit des hiesigen Oberrabbiners Ascher, der, trotzdem er der einzige Misrachistische Oöerrabbiner Hollands ist, seinem Interesse für die Aguda-Beweguug Ausdruck verleihen wollte. In der Debatte spielte das Verhältnis zwischen Aguda und Misrachi Natürlich eine große Rolle. Der Referent verstand «s, die Verschiedenheiten der beiden »rthsdoxen Gruppen scharf zu beleuckteu, gab Ddöch für sich persönlich der Meinung Aasdruck, Latz diese iderÜen Gegensätze ein praktisches Zusammengehe« auf weiten Strecken W ges nicht verhindern sollten und brauchten, soweit der 3ft(ä)knttc(;? Rat der Agudas JiSrsrl dagegen kernen Einspruch erhebt. Griczlerrr^. Sie Hgudas Jisroel in England. ' London, 10. Dez. Mittwoch abend fand in der Synagoge „Mackstke Hadath" der feierliche Empfang der polnischen Rabbinerdie mir der Rguda-Delegation hierher gefoimuen ftt?b, statt. Mit dem Erscheinen der Gäste um 8 Uhr war die Synagoge bereits so gefüllt, daß man diesen erst einen Weg durch die Menge bahnen mußte. Herr Oberraßbmrr Dr. Jung hielt eine Begrüßungsrede, in der er u. a. sagte, die Rabbiner seren die offiziellen Vertrecer aller Gaonim und Zadikim Polens, wie überhaupt des gesamten religiösen Judentums in Osteuropa. Sie kommen nicht um Hilfe für Einzelne oder einzelne Kreise, sondern es handele sich -um die Quellen des jüdischen Lebens, die Pflanzstätten der Thora. Nach dieser mit Begeisterung aufgenommenen Begrüßungsrede hält Rabbi Josef Lew aus Warschau eine großangelegtt Drascha, ausgehend von der Chuuuka-Ge chichte und die Probleme des gesetzestreuen Judentums von. heute eingehend besprechend. Die Schlußrede hält Rabbi J I. M. Lewin, der Schwiegersohn dps „Gerrer Rebbe." Das Hauptziel der Aguda, sagt er, ist die Herbeiführung des Friedens zwischen Juden und Juden ans der Basis der Thora. Er führt auch alle. Gründe an, die dazu zwingen, daß sich die Aguda als vollkommen selbständige Organisation aufmacht und betätigt. In einem Inserat in der Tagcspresse wird zu einer Agu^a-Bcrsammlung am ' Snustag abend bm 18. Dezember «ungeladen. Als Gäste und Redner werden u. a. genannt: Rabbi Ch. O. Grodzinski aus Wilna, Oberrabbiner K. Weber, der Präsident der orthodoxen Gemeinde-Organisation in der Tschechoslowakei, Dr. Nathan Birnbaum und viele bekannte Rabbiner aus London und anderen* Städten Englands. Am fttzlen Sabbat wurden in sämtlichen ge- .setzestreuen Synagogen Londons von ausländischen Gästen, wie von Londoner Rabbinern religiöse Vorträge über die Wichtigkeit und Bedeutung des Zusammenschlusses der Äefttzestreuen zur gemeinsamen Arbeit gehalten. In einem eigens eingerichteten Empfangsbureau halten die auswärtigen Rabbiner Sprechstunden ab für ihre Landsleute, die bei der Gelegenheit sich von kompetenter Stelle über die Zustände in der Heimat unterrichten lassen wollen. Emigranfen-flusbeufer- Waris, 6. Dezemöerl Zweihundertfünfzig jüdische Amerikaauswan derer sind in Chrrboug zurückgehalten worden nachdem sich herausgestellt hatte, daß ihre Schiffskarten gefälscht waren. S'.e waren Opfer eines Schwindlers namerrs Florian, dem die „Amerikanische GesellschastzumStutze der Emigranten" (Hajas?) in seiner Eigenschaft als Beamter einer Transportgesellschaft 300 000 Frs. ausgehändigt hotte, um die Emigranten mit Bahn- und Schiffskarten zu versorgen. Die SchWgsssllschaft erkennt aber die Karten nicht an, da sie gefälscht sind. Das Ministerium des Innern, das in der Sache angerufen wurde, ordnete an, daß die Emigranten bis zur Klärung der Sache inEherbourg entsprechend unrergebrachr und verpflegt werden. Nach dem Schwindelagentea wird gefahndet. Bulgarien. Me Ksge in öulgsnen. Sofia, 28. Nov. Im Oktober fand ein Kongreß der bulgarischen Juüenheit statt, auf dem cm allgemeines Programm für bre Organisierung der bulgarischen Judenheit angenommen wurde, dessen Hauptpunkte sind: Das bulgarische Judentum organisiert sich aus nationalen Grudlagen und nicht stuf Grund der Religion. Oberste Instanz der nationalen und kulturellen Drganisaüon ist der jüdische Kongreß, der sich znsa-nmensetzt aus für drei Jahre direkt gewählten Delegierten. Der Kongrest ist du permanenter. Las bulgarische Judlnrum soll alle Anstrengungen machen, uni das Budget der jüdischen Schulen sicherzustellen und eine Unterstützung sowohl von Seiten des Staates als auch der Kommunalgemcinden für die jüdischen humanitären Institutionen zu erreichen. Ogaiaßina* Trauer im ttaufe Samuels- Jerusalem, 20. Nov. Sir Herbert Samuel nahm aus Anlaß des Todes seiner Mutter Trostkundgebungen von allen öffentlichen jüdischen Anstalten entgegen. Am ersten Trauertage waren beim Gottesdienste im Palaste des Oberkommtssiars anwesend u. a. auch die Rabbiner Jakob Met ir und A. I. Kuck, die nach dem Minchagebete Gedenkreden hielten. Wie man hier erfährt, haben sich Ende November 550 jüdische Emigranten in Konstantinopel nach I affa 'eingeschifft. Die Auswanderer stammen aus der Krim, dem Kaukasus, dem Balkan, aus Klein-Asien und Sowjet- Rußland. jtamrilta» Los vorn Joint- Wcrv-Horü/ 29. November. Bei den mehrtägigen Beratungen der vom People Relief-Korniteeeinberufenen Sonderkonfereuz wegen Austritt ans dem Joint Dtstrtdurtou Komitee, kam es zu erbitterten MeinungsverschiLdenhei.cn. Gegner des Joint waren die P o ale Z ion, mit Baruch Zuckerman« an der Spitz?, während für das wettere Verbleiben vor allem die Mitglieder der Gewerkwertschaften unter Führung von Rechtsanwalt Alexa^er Kahan sich einsetzten. Zum Schluß wuroe eine Kompromißresolutiou angenommen, wonach das People Komitee Wetter Mitglied des Joint Komitees bleibt, jedoch ein Teil der Gelder, die vom People Komitee sei es direkt, sei es durch gemeinsame Sammlungen aufgebracht werden, laut Angaben des People Komitee verteilt werden sollen, zur Unterstützung der Arbeiterorganisationen und der vereinigten Arbeiterkomuees. Ziemlich böses Blut machte das Auftreten von Dr. Dudrowsky aus Moskau, der erklärte, daß der Joint keineswegs die alleinige Vermittlungsstelle )ür Hilfe nach Sowjet-Rußland bilde. »—ca»—* > .H glrofilim* Emigration nach Brafilien- Wien, 12. Dez. Dem Ukrainischen Komitee in Kt sch in ew ging ein offizieller Vorschlag der brasilianischen Regierung zu, nach dem Brasilien bereit sei, 2500 jüdische Emigranten aus der Ukraine auf ihre Kosten zu übernehmen und sie als Kolonisten anzusieveln. Das Komitee nahm den Vorschlag oankend an und entsandte einen Delegierten nach Brasilien, um die näheren Umstände der Ansiedlung kennen zu lernen. Personalien. Berlin, Am 15. Kislew verschied eine in weite» Kreisen der hiesigen Judenheit geachtete Persönlichkeit, I. Ostcrweit, in der Vollkraft des Lebens. Durch anerkannte Strebsamkeit und Rechtschaffenheit gewarm er, der in jungen Jahren von Galizien nach Berlt« kam und die religiösen Traditioen seines Elternhauses mit sich rrug, in aufsteigender Linie der Erfolge den selbständigen Besitz deö durch seine Mitwirkung zu ausgebreitetem Betriebe entwickelten, den Gesetzeetreue» Deutschlands bekannten und maßgebenden Kolonial- Warengeschäfts Ad. Golüschmidt, hrcr. Beispielgebend ist die Innigkeit des von ihm aust.ebauten Familienlebens, die von ihm im Vereine mit feiner gleichgesinnten Gattin seinen Kindern gegebene Erziehung. Für seine Pvrsött'.ichkelt und ihr An'ehen spricht die Tatsache, daß, nachdem Rabbiner Dr. Munk an der von unabsehbarem Trauergefotge umringten Bahre dem Schmerze der Adatz Jisroel Ausdruck gegeben hatte, an jedem Tage der Schiwoh vor einer, die Räume des Hauses stets füllenden Zuhörerschaft, ein anderer Rabbiner einen Hesoed hielt, die Herren Dr. M. Hildesheimer, Dr. Ä. Lieber mann, Dr. H. Cohn, zuletzt der Schwager des Verstorbenen. Rabbiner Dr. L. Htrschfeld-Gteße». pnoriNv *6: p-CN*? ^-n. Möge der Allgütige die Hinterbliebenen trösten! Hamburg, 8. Dezember. Samson Mendel, ei» Urenkel Saurson Raphael Hirschs, ist im Alter von erst 27 Jahren gestorben. Er hatte sich in der kurze» Spanne seines Erdenwallens so viel Hochachtung und Freundschaft erworben, datz seiner Bahre eine auffallend, große Menge von aufrichtig Trauerbeweglen folgte. Schon sein Ääußeres kündete seine tiefe Innerlichteit. Der stets freundliche Ausdruck seines Antlitzes, der liebevolle Blick ließen den Menschenkenner auf seine seltenen Charaktereigenschaften schließen. Als echter Sproß seiner würdigen - Ahnen halte er für alle idealen Bestrebunoerr inniges Verständnis und regsten Sinn und jüdische Wohlfahrtseinrichtungen waren seiner praktische« Beteiligung sicher. Sein tiefes Gemüt und seine teilnahmsvolle Hingabe gewannen ihm die Herzen feiner Bekannten und vermittelten ihm den freundschaftlichen Verkehr mit einem ausgesuchten Kreis gleichgesinnter Gefährten. Möge der Allbarmherzige den tiefgebeugten Eltern, die vor kaum drei Monate einen hoffnungsvollen Sohn verloren, den trauernden Geschwistern und dem

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