Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1920)
- Date
- 1920-12-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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IG.Dezemober. imühj So«: Vrrrneitr. wvmpmv Hm brudergleich befreundenden GeschästSgenoffen den erwünschten Trost nicht versagen. .-r"2v27> Nov6-ZämEy, (Ungarn), 30. November. Am 1. Tage des Monars Kislew verstarb, kaum 25 Jahre üit, Rabbiner Ludwig Stein, Rabbiner in Boskop,tz, ein Schüler des Htldesheimer'ichen Seminars in Berlin. Der Verblichene, der ein Sohn des Tyrnauer Qberrabbiners Stein mar, wurde nach Tyrnau überführt und -art beerdigt Das konservative Judentum betrauert ihm einen jungen .Kämpfer. Sprechsaa!. U8AM üelpkia!. Dem Abdruck meiner Zuschrift in Nr. 47 läßt die Redaktion des „Israelit" einen Epilog folgen, der zene an Umfang beträchtlich übertrifft. und Behauptungen enthält, die mir — sehr gegen meinen Willen — die Feder zum zweitenmal in die Hand drücken. Daß die Redaktion des „Israelit" den Standpunkt des Austritts einnimmt und daß sie alle austauchenden Fragen von diesem Standpunkt aus prüft, ist mir ohne weiteres verständlich. Aber auch der Ausuittsgedanke rechtfertigt nicht die Behauptung: „Bor dem Forum Her Halacha hat eine fynagogale Genfeinschaft, die sich auf die religiösen Grundsätze jener Reformkulte aufbaut, aenau ebensogut ihren Ausschluß aus dem Judentum vollzogen und sich als eine außerhalb des Judentums flehende Sekte' konstituiert, wie dies Herr Moritz A. Zoeb von der Johannisstraßen-Gemeinde behauptet." Wenn dem so wäre, was bleibt dann, muß ich fragen, von verdeutschen Judenheit noch übrig'? Haben Loch leider fast alle größeren Gemeinden neben ihren Synagogen nach dem alten Ritus, auch Synagogen mit Orgel und Damenchor. Man denke nur an Berlin, Breslau, Frankfurt, Cöln, Leipzig, München, Stuttgart «sf. Und alle diese Gemeinden hätten damit ihren Ausschluß aus dem Judentum vollzogen. Ich muß hier die Frage wiederholen: Was bleibt »on der deutschen Judenheit als im Judentum verblieben noch übrig? Außer ein paar Mittelgemetnden nur Lletngemeinden und das Dutzend Austrittsgemeinden. Es genügte eigentlich auf diese Konsequenz jener Behauptung aufmerksam zu machen, um sie zu widerlegen. Indessen ist die Sache wichtig genug, um jenen Satz auch inhaltlich zu prüfen. Der „Israelit" spricht von dem „Reformkult, auf -em eine synagogale Gemeinschaft sich ausbaue", von bem „religiösen Charakter des auf dem Boden der Richtlinien stehenden Berliner Gemeinderabbinates liberaler Observanz". Soviel Worte, soviel Jrrtümer! Um mit dem letzten Punkt zu beginnen: Ein Berliner Gemeinderabbinat existier! nicht. Die Berliner Gemeinde hat wohl 18 »der 14 Gemeinde, abbtner, aber ein Rabbinar ist nicht vorhanden. Unter jenen Rabbinen sind eine Anzahl,. Lie auf streng gesetzestreuem Boden stehen, nie eine Orqelsynagoge'betreten, noch auS ihren Anschauungen ein Hehl machen. Sind Fragen zu entscheiden, Gutachten zu erstatten wie z. B. jetzt in der Frage der Wiederrinführung des Kol-ntdre, so gibt jeder Rabviner sein Gutachten ab. Das ist gewiß kein Jdealzustand, aber tx schließt doch aus, daß man überhaupt von einem Gemeinderabbinat, geschweige denn liberaler Observanz sprechen kann. Was speziell Herin Dr. Kellermann «nlangt, so ist dieser Herr ängstlich bemüht, immer aufs neue zu beweisen, daß er das Gegenteil eines „Lamden" ist — sein jüngstes Gutachten, in dem er fälschlich behauptete, der Siddur des Amram enthalte das Kol-nidre nicht, hat es aufs neue gezeigt. Wenn ihn der „Israelit" Srotzdem für einen großen Mann hält und bei jeder Gelegenheit auf ihn hinweist, so wird auch dns an seiner Bedentungslostgevir für die Berliner Gemeinde nicht Biel ändern. Was versteht der „Israelit" unter den „Reform- Zulten der indischen Gemeinde", aus denen die synagogale Gemeinschaft sich aufbäul. Die Jüdische Gemeinde von heute ftcht, wie fast alle deutschen Großgemeinden unter dem Zwang der Verhältnisse, wie sie sich aus den Kämpfen zwischen gefetzestrsuem Judentum und Neologie entwickelt haben. Eiste innerliche Ausgleichung dieses Gegensatzes ist zur Zeit ausgeschlossen; die Gemeindeleitung kann also »ur eine rein äußerliche Parität wahren und so stehen den 5 Gemein desynagogen mit Orgel, 5 ohne Orgel gegenüber. Daneben subventioniert die Gemeinde noch über 29 Synagogenvereine, von denen nur ein einziger Nicht auf konservativem Boden steht. Die Gemeinderabbinen, die in den orgellosen Synagogen amtieren, wie die große Zahl der Rabbiner der Synagogenvereine stehen fast ausnahmlos aus dem gesetzestreuen Boden. Kann man bei dieser Sachlage noch von der Berliner Gemeinde als von einer syna-?ogalen Gemeinschaft sprechen, die sich auf dem Reformalt aufbaue? Aber es ist ja kaum nötig, das alles der Redaktion -es „Israelit" ausetnanderznsetzen, denn am Schluffe ihrer Ausführungen entschleiert sie das Motiv, das sie zu ihrem Angriff auf die sogenannte Gemeindeorthodoxie veranlaßt hat: es ist die Sorge um die kommende Gefamtorgantsation der deutschen Juden. Also ein Angriff ad usurn delphini. Sie fordert für die selbständige Orthodoxie das Recht „jede wie immer geartete Daüergemetnschaft reformierter und gesetzestreuer Körperschaften für sich als Gewiffenszwang und Verfälschung der heiligsten Grundsätze" abzulehnen". Ueber die Beteiligung oder Nichtbeteiligung des gesetzestreuen Teiles der I deutschen Judenheit an der geplanten Gesamtorganisation wird sich m. E. erst reden lassen, wenn der Entwurf, der der bev orstehenden Tagung vorn^egt werden soll, veröffentlicht worden ist. Eine Ablehnung a priori erinnert ein wenig an die berühmt gewordene Aeußerang jenes preußischen LandtagSabgeordneten, die da lautet: „Ich kenne die Gründe des Herrn Ministers zwar nicht, aber ich mißbillige sie". Angesichts der wachsenden Notlage der Kleingemetnden, der de,. „Jsraeltr" selbst schon so oft beredten Ausdruck verliehen hat, sollte man ü^er eine Organisation, die ja nicht als Zwangsorganisation gedacht ist, nicht von vornherein den Stab brechen. Wer in aller Welt ptant denn, die selbständige Orthodoxie in eine Dauergemeinschast zu zwingen, die sie selbst ablehnt? Wollen die Austrittsgemeinden, nur um diese wird es sich in der Hauptsache handeln, der geplanten Gefamtorgantsation fernbleiben, wird und kann sie Niemand daran hindern. Der Redaktion des „Israelit" scheinen die selig entschlafenen Entwürfe der Herren Rosin und Machol vorzuschweben; sie übersieht, daß es sich diesmal nicht um eine mit den Machtmitteln des Staates ausgerüstete Zwungsorganisation, sondern um einen freiwilligen Zusammenschluß handelt, der jede Gemeinde nur solange bindet, als sie selbst in dieser Organisation zu verbleiben wünscht. Wie dem aber auch sei, es mutz als'ein verfehltes Beginnen der Redaktion des „Israelit" bezeichnet werden, wenn sie uns, wie im vorliegenden Falle, bei unterm Kampfe gegen die Sonntagsgemeinde in den Rücken fällt, um der Rückwirkung willen, die dadurch auf einem ganz anderen Gebiete erzielt werden soll. Die gesetzestreue Minderheit in Deutschland ist durch die Fragen, Austritt oder Nichtauslrttt, Agudah oder Misrachi n. a. wahrlich genug gespalren, so daß es nicht nötig erscheint, diese trennenden Momente nun auch dort noch hervorzuheben, wo sie ihrer Natur nach nicht hingehören. Moritz A. Lo eb. * * * Wir bemerken hierzu Folgendes: 1. Das Wort vom „Ausschluß aus dem Judentum" hat der Herr Einsender geprägt und es auf die Reformgemeinde angewandt. Wir haben lediglich hinzugefügt, daß zwischen der Reform der Johannisst r a ß e und derjenigen der anderen Berliner Reformsynagogen ein Grad Unterschied besteht, aber kein prinzipieller. Und diese Behauptung ist nicht zu widerlegen. Ist man also so intolerant, die Jahanntsstraße „aus dem Judentum" auszuschlietzen, so kann die Tarsache, daß der Kultus, das thoraleugnende Gebetbuch und die nicht minder apostolische Kanzel-Berkündung der übrigen Berliner Reformsynagogen leider kein Privileg Berlins ist. diese logischerweise nicht davor schützen, ebenfalls „ausgeschloffen" zu werden. Die große Masse der Synagogen besuch er ist hier wie dort gleich unschuldig; es sind meist Leute, denen im Grunde ihres Herzens der konservative, überlieferte Gottesdienst weit lieber wäre als der Reform-Kultus des ihrer Wohnung Nächstliegenden Tempels, und von denen man auch sonst, selbst wenn sie prinzipiell sich als „Liberale" bekennen, sagen kann: c>.°iN'2 on*nöK ntäWö. Es wäre tut höchsten Grade ungerecht und unjüdisch, diese Personen als aus dem Judentum „ausgeschieden" zu betrachten. Wir haben es lediglich mit dem d o gmalischen oder religiösen System zu tun, das in den Institutionen, zu denen wir Gebetbuch, Kanzel, musikalische Begleitung rechnen, zum Ausdruck kommt. Dnbei ist es herzlich gleichgültig, ob das Berliner Gemeinderabbinat ein Kollegium im juristischen Sinne ist öder nicht, denn wir höben in diesem Zusammenhang ja gar nicht von der „Berliner Gemeinde", z sondern von den „synagogalen Gemeinschaften" liberaler! Observanz innerhalb jener Gemeinde gesprochen.? 3. Wir sind im höchsten Grade erstaunt, daß grade s der, Herr Einsender der ms Auge gefaßten Gesamtz orgänisation eine „mit den Machtmitteln des? Staates ausgerüstete Zwangsorgantsation" gegen- I über stellt, diese also auch heute noch verwerfen, jene j aber billigen zu wollen scheint. Weiß HerrLoeb nicht, | daß die Reichsverfassung die Machtmittel des Staates E in sehr erheblichem Umfange in den Dienst der Ges meinden und der Verbände von Gemeinden! stellt? Der Unterschied gegen früher ist gleich null, k denn die finanzielle Not wirkt zunächst als Einpeitscher, k und die gesetzlichen Bestimmungen besorgen das übrige i fast genau wie zu Rosins und zu Machöls Zeilen. l 3. Wir müssen uns schließlich dagegen verwahren, i wenn der Herr Emsender behauptet, wir seien der! Berliner Gemerndeorthodoxie „in den Rücken gefallen", r Davon kann gar keine Rede sein. Die Angelegenheit j war praktisch erledigt. als wir den retrospektiven Bericht darüber pflichtgemäß dazu benützten, um an dessen Hand zur Klärung der heillos verwirrten religiösen Begriffe beizutragen. Die Berliner Gemeindeorthodoxie sollte dankbar dafür sein, wenn sie hie und da daran erinnert wird, daß dle Berliner jüdische Gemeinde kein Recht dazu hat, sich den Leuten von der Johannisstraße gegenüber als Bollwerk der Tradition und der Gesetzestreue zu fühlen. Frankfurter Kerichte. Die Sizumfeier der Ieschiwaß. Für die Sijumseier der Jeschtwah am Mittwoch, 11. Teweth, in der „Frynkfurt-Loge" sind die weit- Nr, 60 Sette 7 gehendsten Vorbereitungen getroffen worden. Die'Anmeldungen der Teilnehmer mehren sich mit jede« Tage. Das Fest beginnt um 7 Uhr präzises Gßarmkafeier im Israelitischen Siechenyaus. Man schreibt uuS: Bor geladenem Publikum fand am Samstag abend die Chanukafeier tmGumpertz fche» Siechenhause statt. De Feier erhielt ihre persöu-- liche Note durch das Mitwirken des Jüdischen Orchestern e re ins und eines von Herren und Kindern gebildeten Chores, unwr der Gesamtieilunk von Herrn Max Neumann. Nachdem die Chanukalichter entzündet waren, hielt der Präsiden«, H-rr Julius Goldschmidt, eine kurze, aber innige Begrüßungsrede. Dann setzten Orchesterklänge ein, die Herz und Ohr gefangen nahmen. Unter der feinsinnigen Leitung seines Dirigenten, leistete der Jüdische Orchesterverein wirklich künstlerisch Ballende,es. Die zwischendurch vorgetragenen Chöre wurden äußerst korrekt und schön zu Gehör gebrächt. Hier hatte Herr Neumann Gelegenheit zu zeigen, daß er nicht nur Orchesterdirigent, sondern auch äußerst bewanderter mit der speziellen Chortechntk vertrauter Chorleiter ist. Das dankbare Publikum spendete rauschenden Beifall und mit Stolz kann der Jüdische jOrchesterverein unfein unermüdlicher begeisterter Dirigent den Abend als den feinen buchen. Wererrr Kiferetf» Machnrim. 2 Die für den 19. d. Mts. augekündigte erste Vorlesung des Herrn Direktor Dr. Crombacher über „Lektüre von Aufsätzen über das Wesen des Judentums" beginnt nicht an diesem Tage, sondern erst a« Sonntag, den 2. Januar 1921, abends 8% Uhr. Kunstrnssterlirng. In der Kunsthandlung H. Trittler ist vom 1. Dezember bis 1. Januar 1921 das gesamte BerlagSwerk von Friedrich Dehne, Leipzig ausgestellt. Die Ausstellung bietet eine umfaffende Uebersicht über daS gesamte graphische Schaffen unserer Zeit, junge und ältere Künstler sind mit hervorragenden Arbeiten vertreten. Außerdem ist eine kleine, gewählte Kollektion von Bruno Goldschmitt, München, ausgestellt. Der Künstler hat sich hauptsächlich als Buchtllustrator eine» geachtetn Name«« erworben, Sammler von Ruf wissen diese Arbeiten längst zu schätzen. Ausgestellt ist die soeben erschienene Folge „Aus den Bergen" bestehend ans 8 Originallithographien, sowie die erste Lieferung eines umfangreichen Werkes: 39 Holzschnitte zur Bibel *■ ■ ■ ■» Vereinskalender. Verein Mekor Thajim. Freitag abend, nach Schluß der Synagoge: „Mikro"; Herr Oberlehrer Jos. 5kaufmann. SamStag vorm, nach Schluß der Synagoge: „Digim"; Herr Rektor B. Falk. — Mittag» 12 Uhr, im Hörsaal Frtedverger Anlage: „Melochim"; Herr Prof. Weyt. — Nachm. 31/, Uhr: „En Jakauf"; Herr Redakteur Sch ach no rate, Sonnrag vorm. Uhr und Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A Posen. Sonntag abend 6 Uhr:'„Jecheskel"; Herr Dr.Jos. Breuer. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag morgen, JahrzeitSlernen: Justizrat Naftalt Hirsch-Stiftung. Donnerstag abend 7 Uhr: „Mischna"; Herr Rektor Faik. Allabendlich 8‘/4 Uhr: „Gemoro"; Herr H. Halpern. Jeden Morgen Mischnalernen. Ji^roel-Juqenr»gvttppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumtsch mit Rqschi"; Herr Leopold Oppenheimer. — Nachm. 2 Uhr: „Tesillim";Herc Herrn. Frankenthal. GrcB-Frankfurt am Eschenheimer Turm j Spazialitaten-; Tiieates* I Zillepfa! und fiieHkabapeti Kassenöffnung 6l/a Uhr, Anfang 71/# Uhr abends f e i n Ic Sause Eingang nur S(ift8ti*aBa 32