Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1920)
- Date
- 1920-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Mo. S0 _ , __ zwei Jahren die Geldsammlungen täglich wachsenden Schwierigkeiten zu begegnen hatten und daß sie im Vorjahr in verschiedenen Gebieten der Vereinigten Staaten wett hinter den niedrigsten Schätzungen zurückgeblieben waren. Die Konferenzteilnehmer mußten jedenfalls mit Dank anerkennen, daß sie rechtzeitig genng, acht Monate vor dem Versiegen der amerikanischen Hilfsgelder, verständigt wurden. Sie hoffen, bis dahin in der Lage zu sein, viele von den teilweise oder gänzlich auf lue amerikanische Hilfe Angewiesenen unabhängig zu machen. Dir Konsequenzen der geschilderten finanziellen Situation wurden allen Konferenzteilnehmern eindringlich vor Augen geführt. Es gilt nunmehr, euren energischen, mehr oder minder beschleunigten Abbau aller Unlerstützungstätigkeit zur Linderung augenblicklicher Not. Die Versorgung mit Mazzot muß eingestellt werden; für die Flüchtlingsfürsorge werden keine weiteren Geldmittel zur Verfügung stehen und auch die Hilfsquellen zur Unterstützung von Hochschulen sind versiegt. Angesichts dieser Sachlage beschloß die Konferenz eine Resolution, in welcher die versammelten Direktoren an die amerikanische Oeffentlichkeit appellieren, alles zur Aufbringung neuer Geldmittel aufzuwenden, um Ttne Fortsetzung des vor sechs Jahren begonnenen Hilfswerkes des Joint über den Juni 1921 hinaus zu erwöglichen. Diese Resolution wurde telegraphisch nach New- Iork übermittelt. Die Wiederaufbautätigkeit, auf die sich der Joint in Zukunft beschränken will, soll unabhängig von der im Juni etnzustellenden Unterstützungsarbeit durchgeführt werden. Sie wird sich auf breitester Grundlage bewegen und im Sinne der von der Nerv-Aorker Zentrale des * Joint festzulegenden Prinzipien vollzogen werden. irvf m r~~n - ac~j - - Sorrefponvenze« und Aachrlchleu. MerrLsMe» Ksietz. Das neue Rusfriffs-ßefefc. Werlin, 1. Dezember. Das neue Gesetz über den Austritt aus der Landeskirche und aus den Eynagogengemeinden mit Wortlaut, wie bereits in Nr. 38/39 des „Israelit" veröffentlicht und erläutert, hat nunmehr endlich die Zustimmung der preußischen Landesversammlung gefunden. Wesentliche Aenderungen am Texte scheinen nicht vorgenomme« worden zu sein.. . keprösenlanlenverlammlung. Merlin, 8. Dezember. In der letzten Sitzung der Rkprisientantenversammlung ent'Pann sich eine ergebnislos ausgehende Debatte über die bevorstehende Gesamtorgantsatton. Der Vorstand erklärte sich außerstande, seine Stellungnahme bekannt zu geben, während nämlich Dr. Klee mit. großem Ungestüm auf die baldige Schaffung der Gesamtorgamsatton drängte. Dabei dürfe aber keinesfalls ein Trennungsstrich zwischen Ost- und Westjuden gezogen werden, wie ihn die Konferenz-Gemeinschaft der großen Gemeinde beabsichtigt. Die Stimmung geht jedenfalls dahin, die Schaffung der Gesamtorganisatton dem „Deutsch-Israelischen Gemeindebund" zu übertragen. In das religiöse Gebiet führte wieder einmal der Antrag deö Vorstandes hinein, das 87Ö 'K Ü'vnn-Gebet auf Wunsch von Leidtragenden in sämtlichen Synagogen wieder etnzuführen, dabei wurde von liberaler Sette eine Aenderung des Tefftes »erlangt, weil es den „geläuterten reli- 'Yff^nTirf —■n n—imiiMiiwTi .. imiiii gtöseu Anschauungen" der Liberalen widerspreche, die Leitung einer Spende als Förderung des Seelenheiles der Verstorbenen anzusehen. Trotz des Widerspruchs der übrigerA Parteien wurde der liberale Abänderungsvorschlag durch die Mehrheit angenommen. Schließlich wurde noch ein Antrag auf Schaffung eines Vorschusses an die Gemeinden-Beamten nach lebhafter Diskussion ‘ der ganzen Gehaltsfrage zum Beschluß erhoben. Einstimmige Annahme fand ein Antrag C asp ar y s, bet den Staatsbehörden eine sofortige Aenderung des Gesetzes von 1847 von neuem zu beantragen, dahingehend, daß die Zahl der Vorsteher und Repräsentanten fortan keiner Beschränkung mehr unterliegen solle. kine jüDifche keilMie für tuberkulöse kranke in veulscklanö. M erlitt, 8. Dezember. Der Wohlfahrtsausschuß der Berliner Bene Beris-Loge hat sich die Gründung einer leider schmerzlich vermißten größeren jüdischen Heilstätte in Deutschland zur Aufgabe gemacht. In einer dieser Tage stattgehabtrn Versammlung berichtet KommerzienratZDr. Letter über die Entwicklung des Projektes. Als geeignetes Gebäude wurde das ehemalige Kurhotel Schwanenwasen bet Baden-Baden gewählt, das Raum für 50 Kranke bietet und den Anschluß eines Erweiterungsbaues gestattet. Es ist in Aussicht genommen, eine gemeinnützige Aktien Gesellschaft mit 1/» Million Kapital ins Leben zu rufen. Die jüdischen Gemeinden sollen sich durch Ueberrrcchme von Aktien beteiligen. Außerdem wird auf milde Gaben größeren Umfanges und auf Stiftungen gerechnet. Eine Stiftung von ljs Million Mark ist einstweilen zugesagt. Es wäre dringend zu wünschen, daß weitere folgen. Lin 5eifbi!0. Kschaffenvurg, 3. Dez. Am Dienstag, den 16. November d. I. sollte Rabbiner Dr. Breuer in Aschaffenburg eine Trauung vornehmen. Schon vor einigen Wochen hatte er den Vater der Braut, die eine Kriegswitwe ist, aufmerksam gemacht, daß er die Trauung erst dann vornehmen könne, wenn die Zulässigkeit der Wiederverheiratung seiner Tochter durch ein Nabbinatskollegium (pn 7P2) vorher festgeftellt worden sei. Gleichwohl wurde, noch bevor diese Feststellung vorlag, von der Familie der Termin, der Hochzeit auf Dienstag, den 16. November, festgesetzt. Die auf den Tod des ersten Mannes der Witwe, der im Kriege gefallen war, bezüglichen Dokumente, gingen Herrn Dr. Breuer erst, wenige Tage vor dem festgesetzten Termine der Hochzeit zu. Da das Paar dem Darmstädter Bezirk angehört, fragte Herr Dr. Breuer Herrn Dr. Marx in Darmstadt an, ob er die Frage der Zulässigkeit der Wtederverheiratung geprüft habe. Herr Dr. Marx verneinte diese Frage. Hierauf sandte Dr. Breuer die Dokumente dem Nabbinot der israeltttschen ReligionsgeseÜschaft in Frankfurt a. M. zur Entscheidung zm Das Frankfurter Rabbinat erklärte, daß auf Grund der vorliegenden Dokumente die Wtederverheiratung nicht gestattet werden könne, es müßten noch wettere Nachforschungen etngeletteit werden. Dr. Breuer verweigerte nun die Vornahme der Trauung, obwohl sich inzwischen die Familien des Brautpaars in Aschaffenburg zur Hochzeit eingesunden hatten. Die Bestürzung der Beteiligten war groß.; Doch wenn die Not am größten ist, ist — Rabbiner Dr. Italiener in Darmstadt am nächsten. Er kam, sah und — traute. Ohne sich vorher mit dem zuständigen Ortsrabbiner in Aschaffenburg in Verbindung gesetzt zu haben, ohne es der Mühe wert zu halten, in eine .Klärung der Angelegenheit auf Grund der Dokumente, die ihm garnicht Vorlagen, überhaupt nur einzutreten, fuhr Herr Dr. Italiener von Darmstadt nach Aschaffenburg, um hier die religiöse Trauung einer Krtegswitwe, mit Hinzuziehung von zwei Aschaffenburger Herren, denen die religiöse Qualifikation als Trauzeugen vollkommen' fehlt, vorzunehmen. 4aanrtmai9iimMaHMHVMoaBiBa0BaaBaMaM«!M*«SaEd£saBä£3eaQa*Bpck£ssaac£s g i Dieser Vorgang beweist wieder einmal, wt. verderblich und unwahr die Phrase von der Ein heit des deutschen Judentums und wie nötig es ist, die Erklärung der gesetzestreuen Rabbiner gegen die „Richtlinien zu einem Programm für das libe rale Judentum" der jüdischen Oeffentlichkeit wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Die wichtigsten Sä tze dieser Erklärung lauten: 1. Religiöse Entscheidungen und Autorisationen liberaler Rabbiner haben keinen Anspruch auf Gültigkeit. 2. Ern Zusammenwirken des überlieferten und des liberalen Judentums in religiösen Dingen ist nicht denkbar, weil die Behauptung einer „religiösen Einheit des Judentums" den Tatsachen nicht entspricht. 3. Zum Schutze der Reinheit des jüdischen Familienlebens müssen Maßnahmen getroffen werden, die in jedem Einzelfalle den Nachweis aller vom Religionsgesetz geforderten Vorbedingungen einer Eheschließung ermöglichen Line neue 7efcbiws in Deuffdrtana. Würnverg, 7. Dezember. Seit den Tagen des dunklen Mittelalters wurde in Nürnbergs Mauern kein solches Fest gefeiert, wie das, welches am 25. Kislew standfand. Unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Klein, d'ssen ganzes Streben und Trachten dahingeht, nxT und min in Israel zu verbreiten, konnte im Verein gottbegnsterter Männer in seiner Gemeinde eine Krönung seiner Strebensart erleben. Die m'V hatte das Kuratorium und die Väter der Bachurim zu einem Verhör geladen. Es war eine Freude mitanzuhören, wie Herr Rabbiner Dr. Klein und Herr Rabbiner Dr. Bergmann die Thaurobeslifsenen examinierten und junge Studenten, die.ihr Studium unterbrochen und Gymnasiasten, die ihr Abitur gemacht, schlagfertig Rede und Antwort standen. Eine heilige Stimmung beherrschte die ganze Veranstaltung. Während Erfrischungen gereicht wurden, trug Herr Rabbiner Dr.. Klein in begeisterten Worten geistsprühende. Thoraworte vor, denen solche von Herrn Rabbiner Dr. Bergmann, Abr. Grünbaum, S. Kohn, B. Marx und Jischiwohbachurtm in reicher Zahl folgten. Einstimmig herrschte die Ansicht, daß diese Feier einen Markstein in der Entwicklung unserer Adas darstellt, die eng mit dem Namen des Herrn Rabbiner Dr. Klein verbunden ist, ihm und der ganzen Kehilloh zum höchsten Ruhme gereiche. Das Sriüdtfal 9er israelischen Kirchenoerfaffung. Stuttgart, 29. Nov. Der Engere Rat der Israelitischen Oberkirchenbehörde hat am 22. November d. I. folgende Eingabe an die Staatsregierung gerichtet: In den israelitischen Kreisen des Landes hat über das Schicksal der israelitischen Ktrchenverfaffung neuerdings eine gewiffe Beunruhigung Platz gegriffen. Das Kultusministerium hat wiederholt ausgesprochen, daß der israelitischen ReligionsgeseÜschaft die Erlassung einer neuen staatsfreien Ktrchenverfassung gleichzeitig mit der evangelischen Kirche ermöglicht werden soll, und hat schon im Herbst 1919 mit uns auf dieser Grundlage verhandelt. Verschiedene Preffeartikel, die sich in neuester Zeit an eine zugleich an die Staatsregierung und an den Landtag gerichtete öffentliche Erklärung der evangelischen Kirche vom 12. November d. Js. geknüpft haben, geben nun der Befürchtung Raum, daß sich das angekündigte^ Gesetz zur Ausführung des Art. 138 der Retchsverfaffung aus die evangelische Kirche beschränken und die Aufhebung des Jsraelitengesetzes von 1912 auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könnte. In einem solchen Verfahren müßten wir eine unbillige Zurücksetzung unserer Religionsgemeinschaft erbucken. Auch wir, empfinden eS als einen unhaltbare« Zustand, daß nach dem Grsvtz