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Der Israelit · 1920-12-16 · Heft 50 (16.12.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 50 (16.12.1920)
Date
1920-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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: L Ich will nichts zu tun haben mit meinen armen jüdischen kostjüdischen) Brüdern 2. Ich will nicht als Kind meines Volkes angesehen werden, sondern nur als Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. Ist das aufrichtig? Kann der „Arier" vor solchen Leisetretern Respekt traben? Ich bin weder deutscher Staatsbürger, noch ist irgend etwas in mir, was man als „jüdischen Glauben" bezeichnen kann. Aber ich bin Jude und freue wich, dem jüdischen Volke anzugehören, wenn ich dasselbe auch nicht irgendwie für ein auserwähltes halte. Lassen wir doch ruhig dem N chtjuden seinen Antisemitismus und bewahren wir undie Li be zu unseresgleichen! Macht nicht böse Gesichter wegen dieses Bekenntnisses! Es ist nicht böse oder unfreundlich gemeint. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. A. Einstein. Der ganze Abgrund, an den uns die Entwicklung des modernen Nationalismus geführt hat, wird in diesem, seiner subjektiven Ehrlichkeit wegen g'wiß anzuerkennenden Briefe des großen Forschers sichtbar. , G wtß, es hrt zu allen Zeiten Juden gegeben, in denen nichts vom „jüdischen Glauben" d. v. nichts von dem, was dem Volke Gottes die Existenzberechtigung auf Erden gibt, . lehre. Aber diese Juden worein sich der Tatsache bewußt, -^>ß Blut und Rasse als solche nichts bedeuten, und daß ihr Abltammungsjudentum höchstens noch als Mahnruf zur Rückkehr für sie selbst i^der eine kommende Generation gelten könne. Heute wird dem Judenvolk das Diadem seiner historischen Würde vom Haupt gerissen und eine Gemeinschaft, die alles Physische und Materielle Jahrtausende lang dem Gottesgedanken geopfert hat, soll plötzlich zum Dutzendvölkchen degrad ert werden, dem keinerlei „Glauben" d. h. keine religiöse upd weltanschauungsmäßige Eigenprägung innewohnt. Möge Einstein sich nicht dem irrigen Glauben hingeben, daß seine „Freude am jüdischen Volke" und sein Solidarilätsgefühl gegenüber den ostjüdischen Brüdern in Höherem Maße volkserhaltend sich bewähren werde als der blutleere „Glaube" des Zentralvereins. Zwischen der Scylla des glaubenslosen Nationalismus und der Charybdis des bloßen Konfeisionsjudentums geht der vorgezeichnete Weg der gesetzeötreuen Judenheit, die ihr Volkstum, ohne daraus politische Forderungen herzulrtten, nicht nur ehrlich bekennt, sondern es in Weltanschauung, Einzel- und Gemetnschaflsqut nach der Thora Wort als ein Gottes-Volkstum bewährt. Mln^ Um Wilna ringen, seitdem die Zerlegung deS russischen Bären begonnen hat, Poien und Litauen, und die Kosten haben wieder einmal die Juden, die in Wllna an 70°/0 der GssamtbevöikerunL ausmachen, zu tragen. In wenigen Jahren HMdie relativ größte Judenstadt Europas zu wteverholtenmalen den Besitzer gewechselt. Die deutsche Okkupation entriß sie der Hand der Russen und überließ sie bei Beendigung des Krieges den Polen. Der polnisch-russische Krieg brachte sie in die Gewalt der russi'chen Bolschewisten, die sie bald den Litauern abtraten. Kaum aber vermochten sich die Litauer in ihrer alten Residenz notdürftig einzurichten, als Zeligowskis Schaaren, mit oder ohne Wissen und Wollen der Offiziellen in Warschau, die Stadt besetzten und sie wieder unter den polnischen Adler stellten. Nun soll demnächst die Bevölkerung selbst aus dem Wege des Plebiszit sprecht» und sich für Polen oder Litauen entscheiden. In welche prekäre Lage besonders die Juden durch dieses ewige Hin und Wieder g< bracht werden, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Juden sind Litauen zu Dank verpachtet, aber dieser Dank wird gest ffentiich als Undank gegen die Polen am meisten von denen empfunden, die aus Dank der Juden am wenigsten zu rechnen haben. Bet der Unsicherheit und Unbeständigkeit der politischen Lage ist es auch für die Juden Wilnas doppelt gefährlich, sich nach der einen oder anderen Seite sestzulegen. Wo sie aber nur gebotene Vorsicht üben, wird ihnen diese als Mangel an gutem Willen ausgelegt. So wurde im Wilnaer Stadtrat von polnischer Seite ein Antrag eingebracht, General Z ligowskt Lob und Vertrauen auszusprechen. Hier konnten die jüdischen Vertreter sich noch immerhin der Stimme enthalten, mit dem Hinweis darauf, daß der Stadtrat nicht das zuständ ge Forum für hochpolitische Kundgebungen sei. Zur klaren Stellungnahme weiden aber.die Juden durch die von Zettgowski angeordneten „Landtagswahlen" für Wilna und das sog. Zentrallitauen heraus gefordert. Diese Wahlen werben, wie wir hören, von den Zionisten, Sozialisten und allen linksstehenden Gruppen boykottiert, während die rechtsgerichteten Parteien einer Verständigung unter gewissen Voraussetzungen nicht abgeneigt sind. Wie dem auch sei, die Situation ist verworren und schwere Zeiten stehen unse en Brüdern in Wilna bis zu ihrer Klärung noch bevor. Einstellung der Unterstützung des Joint. Ueber den Verlauf und die Ergebnisse der Konferenz der Io int-Direktoren, die vom 15. bis 19. November in Wien stattgefunden hat, geht Wiener Zeitungen folgender Bericht zu: Die Konferenz, an der über 20 Regionaldirektoren aus allen europäischen Arbeitsgebieten des Joint Distribution Komitee, wie auch aus Palästina teilnahmen, hatte die Frage zu prüfen, wie die sehr bescheidenen Mittel, über die das Joint Komitee noch verfügt, auf die noch immer hilfsbedürftigen Länder aufzuteilen wären. Die Beratung war ursprünglich als eine rein administrative Besprechung gedacht, deren Gegenstand ein Austausch von Erfahrungen und Beobachtungen sein sollte, der eine einheitliche Durchführung des Hilfswerkes und ein Zusammenarbeiten der Leiter der Notstandsgebiete betraf. Zu Beginn der Konferenz verlas jeöoch der derzeitige Generaldirektor für Europa eine aus New-Uork eingetroffene Kabeldepesche, die für die Anwesenden eine Überraschung brachte. Wohl hatte jeder schon vorher zeitweilig Andeutungen erhalten, die ihn auf den Zwang einer sehr weitgehenden Einschränkung seines Ausgabenbudgets vorbereiteten. Nichtsdestoweniger bildeten die ziffernmäßige Bekanntgabe der gegenwärtigen Finanzlage, die Aufnahme Ungarns tn die Reihe hilfsbedürftigen Länder, das plötzliche Äustauchen des Flüchtltngsproblems als eme der Hauptaufgaben des Joint Distribution Komitee, und insbesondere die Notwendigkeit, sich für einen raschen sofortigen Abbau und eine eventuelle vollständige Einstellung sämtlicher zur Linderung der augenblicklichen Not gewährten Unterstützungen vorzuberetten, eine Reihe von Ueberraschungen. Man sah stL, nach Mitteilung der New-Uorker Depesche, lediglich vor die Aufgabe gestellt, darüber zü beschließen, in welcher Welse der Rest der amerikanischen Hilfsgelder auf die in Betracht kommenden Tätigkeitsgebiete verteilt werden solle, um möglichst nutzbringend für die Hilfsbedürftigen verwendet zu werden. Die Kaffe der New-Uorker Zentrale verfügt gegenwärtig über drei Millionen Dollar. Dies sind sämtliche Geldmittel, die in der Zeit vom 1. November 1920 bis zum 1. Juli 1921 für Unterstützungen zur Linderung der augenblicklichen Not tn den elf Tätigkeitsgebieten Europas und Kleinasiens verfügbar sind und über die hinaus nach Ansicht von Kennern der amerikanischen Verhältnisse keine weiteren Fonds aus Amerika erwartet werden können. Diese Ueberzeugung leitet sich aus der Tatsache her, daß bereits vor Kleines Feuilleton. ' (Die Verrohung der antifemitifchen Kunstkritik.) In Frankfurt ist vor kurzem ein Denkmal für die Opfer des Krieges emhüllt worden und die Presse feierte mit ehrlichen Lobesworten das sinnige Kunstwerk. Aber der Künstler heiht El kan und ist Jude. Das genügt für die „Deutsche Tageszeitung" sich aus Frankfurt a. M. eine „Kritik" liefern zu lassen, die folgende schöne Wendungen enthält: „In wilden konvulsivischen Bewegungen nach Art der heb! äischen Klagt wetver, wie sie seit aktersher bet der jüd scheu Todesklage üblich sind, modellierte der Frankfurter Bildhauer Elkan lange vor dem Kriege eine kauernde weibliche Figur, die durch kr"wpfhaft gesuchte Geschlossenheit monumental wirken soll, aber durch die Zerrissenheit der Linien und Formtn, besonders jedoch durch die ungemein häßliche Spreizung der Beine aber wie die Karikatur eines harmonisch abgeklärten Bildwerkes wirkt."- „Die Inschrift lautet „Den Opfern". Nur ein Jude kann ferne um die nationale Sacke der deutschen gefallenen Stammesbrüder als Opfer bezeichnen". — —- „Um ein solches Mal zu errichten, hätte es des BekennerSmuts züm Vaterlande bedurftdies kann man vom Stamme Juda nicht verlangen. So hüt die Hochburg des internationalen Judentums Frankfurt a. M. das Denkmal für ihre Stammesbrüder „ohne Vaterland" errichtet und die gesamte Judenpreffe rührt die Reklametrommel fltr Künstler und Werk." „Auch wir wü' schen eine Renaissance der Denkmal-fo.rmen. Geb lde, wie sie die > Ehrung für die Kämpfer von 1870 oftmals her verbrachten, finden unseren Beifall gewiß nicht, aber wir haben genug Künstler im Reiche, die das deutsche Mal noch zu bilden vermögen. Ein Elkan scheint dazu nicht berufen zu sein." Dafür gibt es nur ein Wort: Verrohung der unter dem Zeichen des Hakenkreuzes stehenden Kritik. (Der mohamedani sche Kahn). Ein Senat des Zivillandesgerichts haue die Ehe des seit vielen Jahren in Wien lebenden persischen Staatsangehörigen Ismail Kahn, die er 1811 mir Marie Brabetz geschloffen hatte, auf ihre Gültigkeit zu überprüfen. J'mael Kahn, Juwelen- und Teppichhändler, ist mohamedanischen Glaubens, seine Gattin war zur Zeit der Eheschließung Kaiholtkm; die Ehe wurde auf der persischen Gesandtschaft in Wien von einem persischen Geistlichen geschloffen Nach dem persischen Gesetz, daS ein Ehehindernis des verschiedenen Glaubens zwischen Gatten nicht kennt, ist die Ehe. die auf persischem Boden geschloffen worden ist, gültig. Im Jahue i9l8 gebar Frau Marie Kahn ein Mädchen, das von der Hebamme (da sie Kahn und Kohn identifizierte), als Judenkind angesehen wurdevon der Geburt deS Kindes erstattete sie dem Rabbiner die Meldung, der das Kind,, das von dem Vater den Namen Btbt Nurhamel Kahn erhielt, unter Vorbehalt in die jüdische Matrik eintrug. Die Eltern des Kindes stellten an die Landesregierung das Ersuchen, das Kind, bezw. dessen Namen in die kompotente mohamedütttlche Matrik einzutragen, nachdem seitens des Rabbtnais der Matrikenbehörde Bericht erstattet wurde. Inzwischen war auch Fra« Marie Kahn zum mohamedanischen Glauben übergetreten. Im Ver auf der Verhandlung stellte eS sich heraus, daß Marte Kahn, die ihre Eltern nie gekannt hat und fast gar keine Papiere besitzt, in der Tschechoslowakei heimatberechrigt ist. Der Vorsitzende verkündete hierauf nach längerer Beratung, daß daS Verfahren eingestellt werde. ES handle sich nämlich um die Ehe zweier Ausländer — eines Persers und einer Tschechoslowakin — die ihre Ehe im Ausland, nämlich tn Persien (als welches exterritoriale Gebiet die Gesandtschaft anzusehen sei), geschloffen haben. Saddat-Ansang und Ausgang. ros?- ORT« Anfang j Data« AuSgano Ar lsmn.ll920l 5681 Ar Min. Frankfurt s. M. 4 18. Dez. 7. Tebeth 5 16 Berlin .... 3 65 4 43 München . . . 4 20 5 00 Strastbura . . — — Stuttgart > . . — — Bose« .... — — Nürnberg. . . 4 10 5 05 Hamburg < . . 4 — 4 55 /

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