Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 38-39 (23.10.1920)
- Date
- 1920-10-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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fr**'.'rri!0r7| " ' '** >■ --- ■ " -* "* A’,'I},“J,>‘w-««e«W!S , Seite 8 No. 38 -u. .49 „Der ISraelit." M. SeptemKer iKÄlr .fi! ■[’> i i> :;t> um des hohen Glückes teilhaftig zu werde'.!, dieselben gleich den Vätern zu gelehrten Männern hcranwachsen zu sehen. Ihr ältester Sohn R. Moses Jakob gewann früh einen geachteten Namen unter den Jüngern der heiligen Wissenschaft; doch der zwe.ite Sohn, unser Chajim Nathan wurde lange Zeit durch eine schwere Krankheit und deren Folgen vom Studium ferngehalten. In der ersten Zeit nach feiner Wiederherstellung erwies er sich als sehr zerfahren, er konnte nicht lange bei einer Sache bleiben. Immer wieder entnahm er andere Bücher der häuslichen Bibliothek, um dieselben ungeduldig zu durchblättern und bald bei Seite zu legen. Einmal siel ihm das Geschichtswerk Zemach David des R. David Gans in die Hände, durch welches er in dem Maße gefesselt lvurde, daß er sich Tage lang nicht von der Lektüre losreißen ko:rnte. Von dieser Zeit datiert seine Vorliebe für geschichtliche Studien. Auf ernste Mahnung seines älteren Bruders hin, der ihn auf einen hochsirebenden Altersgenossen hinwies, nahm dann Chajim Nathan alle Kräfte zusammen, sammelte sich und ging wieder mit Ausdauer au die Studien, um, durch ein untrügliches, hervorragendes Gedächtnis unterstützt, bald einen hohen Grad des Wissens zu erreichen. Die Gutachtensammlung |"n miri/ die auf letztwillige Verfügung R. Chajim Nathans kurz nach seinem Hinscheiden veröffentlicht wurde, zeigt uns den Anfang und Mitte der dreißiger Jahre stehenden Gelehrten schon auf der Höhe des Könnens. Erste Männer seines Heimatlandes wie R. Salomo Kluger, R Hirsch Chajes, die unter dein Namen ü'.i ’BHBö vielgenannten Lemberger großen Schwäger R. M. W. Oettingcn und R. I. S. Nahhanson sind seine Korrespondenten, deren bewundernder Anerkennung sich ein jeder anschließen wird, der sich dein Studium der f 'n min -jn^w hingibt. In der talmndischen Literatur, besonders auch in den Gutachtensammlungen alter und neuerer Zeit, war R. Chajim Nathan bewandert wie die Großen seiner Zeit. Eine besondere Note erhalten die Forschungen unseres Meisters durch seine Liebe und Aufmerksamkeit ft'ir das Geschichtliche. Ans seine Bedeutung als Geschichtsforscher sei im Folgenden besonders hingewieseu. Eine staunenswerte Vertrautheit mit allen Teilen des weiten Gebiets talmudischen Schrifttums gibt feinen Forschungen zur jüdischen Gelehrtengeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit ihren hohen Wert. Viele der bekanntesten jüdischen Historiker der Neuzeit haben für Talmudisches geringes Verständnis und Interesse, nur um das Aeußerlirhe, um die Schale ist es ihnen zu tun. Um seiner selbst willen wird der Talmud und die ihn behandelnden Schriften von ihnen nicht gelesen. Indizes, Einleitungen, Ueberschristen, Empfehlungen, -werden daraufhin betrachtet, ob man an einer-gewissen Stelle eine geschichtliche oder eine sonstige, die moderne Welt interessierende Notiz finden kann. Viel wertvolles historisches Material ans das keine Überschrift und ähnliches hinweist, entgeht ihnen dabei'vollkommen-,--wozu kommt, daß sie selbst die hauptsächlichen Leistungen der von jKneii geschilderten Großen kalt lassen. Die besten Quellen-sprudeln für sie nicht nutz das, was sie erspürt haben, gehört einen: ihrem Geist und Herzen fremden Knltnrkreise an. So darf man nicht darüber staunen, daß die Darstellung lückenhaft wird und dem Leser keine lebendige Anschauung vermitteln kann. In jüngerer Zeis haben die. epochemachenden Untersuchungen R. Jizchak Hrleous gezeigt, daß gründliche Kenntnis des Talmuds es ers, möglich macht, dieses weite Gebiet in wünschenswerter Weise historisch zu umschreiben. Wie Halevy ist R. Chajim Nathan 'Dembitzer zunächst Kenner des Talmud und daneben nur Geschichtsschreiber seiner Träger und Erläuterer. Mit demselben .Halevy hat er auch die eiserne Gedächtniskraft gemein. Als er im Alter sein klassisches Geschichtswerk 'SV rvp'OS niederschrieb, sagte er von sich: Wenn auch jetzt nicht all» Bücher. tzuS dienen ich schöpfte, um. Verborgenes zn enthüllen, mir vorliegen; so verließ ich michans .die Kraft meines guten Gedächtnis, womit Gott mich seit ich bin und auch noch im Alter und Greisenalter begnadet hat. Eine Sache, die meine Augen einmal in irgend einem Buche während meiner Jugend gesehen haben, ist mit Gottes Hilfe mir auch jetzt sin Alter nicht entfallen." Im Jahre 5642 gab er ans Anregung S. Ch. Halberstamms in Bielitz aus einer von diesem kurz zuvor erworbenen Handschrift Traktat Berachot und die dazu gehörigen Responsen ans dem halachischcn Werke des rheinischen Meisters R. Elieser den Rabbenn Joel Halevi rt"-*n jum ersten Male heraus. Den Text begleitete er mit einem ausführlichen Commentar lPUVl^.Von seinem Commentar sagt er: 1. diene derselbe der Erklärung; 2. dem Nachweis der Zitate des Werkes bei den Autoritäten des Mittelalters und der Neuzeit; 3. der Wiedergabe eigener talrnndischer und halachischer Forschungen; 4. der Geschichte der Tossaphisten. Diese letztgenannten Beiträge enthalten außerordentlich Wertvolles, besonders für die Geschichte der deutschen Tossaphistenschnlen und sind uns darum wichtig, weil sie die Verfasser der Tossaphot einzelner Traktate seststellen, welche nicht, wie die zn dein größeren Teil der Gemara, ans den Sanünlnngen von Sens und Tonqnes geflossen sind. - Weltrnhm brachte ihm seine Darstellung der Blütezeit des Talmndstudinms in. Polen in dem zweibändigen, gehaltvollen Wepke 'SV Der erste Band erschien erst 5 Jahre vor seinen! Tode. Das Erscheinen des zweiten Teiles erlebte -er nicht inehr, dieser wurde erst kurz nach seinem Heimgange veröffentlicht. David Kanfrnann, ein besonders warmer Bewunderer des Meisters rastete nicht, bis er die Mittel zur Drucklegung des von ihn: heiß ersehnten Werkes durch die Unterstützung gelehrter Gesellschaften herbeischaffte. Der Titel des Werkes 'SV meint die alt-berühmte jüdische Gemeinde Lernberg, welche R. Pethachia in der Vorrede zmn sil"k *vj? seines Vaters N. David Lida tznu?a 'LU IHKn nennt. Der erste Teil des Werkes -enthält neben einer Geschichte Lembergs 21 Aufsätze über die dortigen Rabbinen. Der zweite Band behandelt den Ueberschristen nach sieben Meister, die in Krakau und anderen großen polnischen. Gemeinden wirkten. 1 Der Verfasser beschränkt sich aber nicht darauf, uns über Leben und- Wirken her in den Ueberschristen Genannten zu belehren. Wir erhalten eine Fülle lichtvoller Mitteilungen über eine große Zahl weiterer berühmter Lehrer unseres Volkes. Wo ein glänzender Name in der Darstellung genannt wird hält der Meister inne, um unserer Wißbegierd'e cntgegenznkommen. Wir haben einen Forscher vor uns, der auf. einem bestimmten Gebiete unge-' niein viel gefunden hat, lange keine Gelegenheit Hatte, sein..Jahrzehnte hindurch angesammeltes Wissen der Welt bekannt zu geben. Endlich wird, ihm selbst unerwartet, Gelegenheit gegeben, einen Teil seiner Geistesschütze heranszugeben, bi,e Öffentlichkeit mit seinen Errungenschaften vertraut zu machen. Da gibt es kein. Gefäß, das weit genug wäre, um die Fülle des Stoffes zn fassen; es sprengt denn der überreiche Inhalt, das nm ihn gezogene Band. Tic Anmerkungen werden vielfach zn selbständigen, viele Seiten hindurch fortgesetzten Aufsätzen. So begegnet uns schon in der Einleitung eine Abhandlung über R. Moses Jsserlxs, das Beste vielleicht, das über diesen Lehrmeister eines jeden von uns geschrieben wurde, als eine gich über 18 Seiten in kleiner Schrift erstreckende Note. Die anziehende Schilderung, wie der Schnlchan Arnch und die Zusätze des R. Moses Jsserles trotz des Widerspruchs einiger Großen sehr bald zn allgemeiner Anerkennung gelangten, gibt dieser „Anmerkung" besonderen Wert. Eine ähnlich umfangreiche und bedeutsame Studie begleitet dre schöne Biographie des R. Josna ben Joses, ans dessen Schul» eine Reihe der größten Meister » hervorgegangen sind und der in der Literatur hnrch seine Responsen und durch seine Verteidigung Raschis gegen die Kritik derTossafot bekannt ist. Dort wird von der Verbreitung des Studinlns der Kabbala und von den anseinandergehenden Ansichten über Berechtigung Und Verpflichtung zn diesen Studien gesprochen, ein Gegenstand, ans den der Verfasser bei oer Darstellung des Wirkens des R. Jakob Aschkenasi nochmals zurückkommt. Die Lebensbeschreibung des Chacham Z'wi gibt Gelegenheit, dessen Vorgänger im Rabbinate der deutschen Gemeinde Amsterdam anfznzählen. Tier Aufsatz über R. Inda Löb Oettingen gibt Gelegenheit zu einer viel Neues bringenden Biographie des R. Jonathan Eibeschütz. So begegnen wir vielen weiteren selbständigen Abhandlungen, .für die nur unter dein Striche sich Platz findet. Als eine Perle des Buches ist der große Aufsatz über den Verfasser von 2NI 'Tlt2, R. David Halevi, zu bezeichnen. Mit' lebhaftem Interesse liest man darin, wie R. David Halevi und andere klassische Cemmentatoren des Schnl- 'chan Arnch ungeachtet anfängliche Widerspruchs in kurzer Zeit ihre maßgebende Stellung für die praktische Halacha erlangten. Eine für unsere Kenntnis des inneren Lebens der I uden Polens äußerst wichtige Arb eit üb er die Vierländersynode.war zuerst für die Ausnahme in 'sv Jiyto bestimmt, erschien aber, während der Druck des zweiten Bandes vorbvreitet wurde, zuerst in Zeitschriften und dann als Sonder- . Heft. Dafür hat am Schluß des 'SV noch eine Würdigung' R. Josef Samuels aus Krakan, Schwiegersohn des R. Chajim R. Jesaias Platz gefunden, welche der Verfasser nach Vollendung des Werkes, als er . durch schwere Krankheit geschwächt, die Zeder nicht mehr führen konnte, seinem eigenen späteren Biographen, F( H. Wettstein, diktierte. Bevor er von der Welt ging, wollte er noch über das Leben dieses Großen sprechen. „Damit du weißt, wer dieser Gaon ist, dessen Wasser wir trinken, und dessen Namen wir nicht, erwähnen." Zweinndvierzigmal hat R. Josef Samuel, der die letzten 14 Lebensjahre, 5450—5464, Rabbiner von - Frankfurt a, M. war, die sechs Ordnungen des Talmud „ansgelernt". In sein Handexemplar, eine Krakauer Ausgabe, hat tr bei diesen vielfach wiederholten gründlichen Studien eine Fülle von Randbemerkungen, Textkor rektnren, Hinweise auf Parallelstellen und ans die Entscheidungen des Rambam, Tnr, Schul- " chan Arnch, Semag (ML2 **0 iDSE?a- PiO eingetragen. In den von seinem hochgelehrten Sohn R. Arje Löb Frankfurter besorgten Talmnddrucken von Amsterdam und Frankfurt a. M. sind diese Hinzufügnngen, welche das in früheren Ausgaben Gebotene nm Vielfaches nbertreffen, znm ersten Male veröffentlicht. Mit geringen Ausnahmen haben die späteren Drucke, dieselben ausgenommen. Anfangs wurde der Autor noch genannt, später sah man davon ab. ' Heute vermögen wir es kaum, sie uns hinwegzn denken. Der Lehrer sagt dem §ßnaben, den er zur Gerüara hinführt, das mi,t eckigen Klammern .Umgebene müsse er lesen, das mit runden Klammern Versehene übergehen. Meist ahnt anch der Lehrer nicht, daß diese Korrekturen nach den großen Erklcirern und nach eigenen Erwägungen von dem Handexemplare des R. .Joses Samuel ans ihren Weg in die Talmndansgaben fanden, und daß wir auch das System ihrer Eintragung dem Meister selbst oder seinem Sohne R. Arje Löb verdanken. Wir alle schöpfen ans den Wassern R. Josef Samuels, doch sein Name wird nicht erwähnt.. Die Grabschrift auf dem alten Frankfurter Friedhof nennt' den Großen, der nach dem Rabbinat von Krakau' das von Frankfurt bekleidete CPiznipn cnrsnrr Wan* 'D'ttHpn ttHID* Die Schilderung dieses Gaon im 'SV der Bericht von dessen Weisheit, Ansehen, Frönnnigkeit, Lauterkeit des Charalters, von seinem Wöhltun und F!riedensstr-eben lehrt uns, daß die Ehrungen der '8»r.ahmm