Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 38-39 (23.10.1920)
- Date
- 1920-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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33. September 19ÄV , _ und unermüdliches Lernen auch dem „Nischmo" gerecht zu werden. Lernen und nochmals Lernen, das ist die Hauptaufgabe unserer Jugend und das ist es auch, was den Kernpunkt der Jugendbewegung in England bildet. Er beleuchtet die Gefahren, welche uns von selten der Zionisten Sokolow und Wetzmann drohen, die uns ein Erez-Jisroel und ein Judentum ohne Thauro geben wollen. Dieser Gefahr können wir nur durch organisatorische Zusammenfassung aller jugendlichen Kräfte im Dienste der Thora begegnen. Als nächster Redner sprach der Vertreter der Jugendgruppen in Litauen Herr Samuel Schere s ch e v s kt (Kowno). Er schilderte die gewaltige Entwicklung der Orthodoxie in Litauen im allgemeinen und der Jugendorganisation im einzelnen. Diese wie jene hat dort dm größten Teil der Judenheit in sich vereinigt und trotz der größten Anstrengungen der gegnerischen . jüdischen Parteien zu einem gewaltigen Machtfaktor entwickelt. Aus ihrer Mitte gingen zwei Vertreter ins Parlament, deren einer als Handeisminister der Regierung angehört und sich trotz seiner Arbeitsüberlastung einige Stunden im Tage der Jugend widmet. Redner schildert die gewaltige Eyinuch-Arbeit, welche die Jugend dort leistete, indem sie einen Lehrerbildungskurs einrtchtete, Schulen gründete' und in nächster Zeit auch ein Lehrerseminar eröffnen wird. Als Vertreter der „Schlome Emune Jisroel" in Polen ergriff Herr I. M. Lew in (Warschau) das Wort, der in begeisterter Rede die Jugend aufforderte, treu an ihrem Ideal, der Thauro festzuhalten und so dem Agudo-Gedanken, der die Lösung aller Aufgaben, im Geiste der Thauro erstrebt, zum Siege zu verhelfen. Mit dem Danke an" alle Delegierte für ihre trefflichen Ausführungen und mit der Bitte, ihren Organisationen die Grüße der Wiener Jugend zu übermitteln, schloß der Vorsitzende Herr David Baumgarten die eindrucksvolle Versammlung. Abends hielt Herr S ch e r e s ch e w sk i (Kowno) einen, musterhaft durchgearbeiteten Vortrag über „die Aufgabe der Aguda-Jugend". Molen. Die polnifdien Srtianflfafen- 16. September. Aus Lukow bei Schiedlez wird hierher gemeldet, ^daß dort am Eingang der Stadt in einer Grube 12 jüdische Leichen liegen, deren Bestattung auf Schwierigkeiten von Seiten der örtlichen Miliz stoßt, wiewohl die Militärmacht die Leichen freigegeben hat. Die Gemeinde Bukow wendet sich an die maßgebenden jüdischen Stellen in Warschau mit der Bitte, bet der Zentralgewalt in der Sache vorstellig zu werden. Des Wetteren wird aus Lukow gemeldet, daß dort über den Verbleib von 200'Juden, die, mit vielen anderen, deren Tod inzwischen festgestellt wurde, verhaftet und verschleppt wurden, jede Nachricht fehlt. --! JTIilöerung in Oer Sonntagsruhe. Warschau, 16. September. Dank den Bemühungen der Rabbiner Kahana und Stebenberg ist mit einem Zirkular des Arbeitsmtntstertums an die jüdische Gemeinde bestimmt worden, daß in den Festeswochen je am Sabbatausgang die jüdischen Geschäfte bis 10 Uhr abends, geöffnet fein dürfen. Es ist nun Aufgabe. der Gemeinde dafür zu sorgen, daß die unteren'Polizeiorgane von diesem Befehl nicht erst xo»t festum Kenntnis erhalten. du Den öorgängen in plozk. Warschau, 16. September. Auf Grund des Berichtes einer zur Untersuchung der Vorgänge eingesetzten Kommission, faßte der Stadtrat von Plozk am.31. August dm folgenden einhelligen Beschluß: Drr KSrüeW. Nr. 83 u. 8v Sette? „Der Stadtrat von Plozk, als eine den Ereigniffen am nächsten stehende Körperschaft, stellt fest, daß die jüdische Bevölkerung ein durchaus loyales Verhalten zur polnischen Armee bekundete, durch nichts ein Hinneigen zu den Bolschewiken an den Tag legte, von welch letzteren die jüdische Bevölkerung in ihrem Vermögen genau so geschädigt und gebrandschatzt wurde wie die christliche. Die von der polnischen Telegraphenagentur verbreitete Meldung, daß die polnische Armee von der jüdischen Bevölkerung mit siedendem Wasser begossen worden sei und daß die Juden sich mit den Bolschewiken durch unterirdische Telephonverbindungen verständigt hätten, ist durch kein einziges Faktum bestätigt worden. Der Magistrat wird aufgefordert, die unverzügliche Veröffentlichung dieses Beschlusses durch die polnische Telegraphenagentur zu veranlassen." Der Magistrat der Stadt Plozk, der sich dem Beschluß des Stadtrates angeschlossen hatte, übersandte die Resolution wohl sofort der Telegraphenagentur, die Veröffentlichung ist jedoch bis zum heutigen Tage nicht erfolgt. Ebenso wie sich die Unwahrheit der Meldungen über Plozk erwies, so besitzt der jüdische Landtagsklub die Beweise für die Lügenhaftigkeit der Behauptung, daß Juden sich anderswo hochverräterisch gegen Polen benommen hätten. öegenfäfce im öionismus. London, 10. September. Der Gegensatz zwischen dem amerikanischen Zionismus, der unbedingte Selbstbeschränkung auf palästinensische Kolonisationsarbeit, Heranziehung nichtztonisttscher Hülfe und Verzicht auf Kultur- Propaganoa verlangt, einerseits, und der europäischen Mehrheit der Partei andererseits, ist bereits auf der Londoner Konferenz stark zutage getreten. Jetzt veröffentlicht der Leiter des amerikanisch-zionistischen Pressebüros, Fromenson, ein Schreiben, in dem er zwar die verbreiteten Gerüchte, als wollten die Amerikaner j,aus der Partei ausscheiden, energisch dementiert, aber den amerikanischen Standpunkt nochmals stark betont. Er bedauert, daß der Bran d ets'sche Vorschlag, den ganzen Verwaltungsapparat mit Ausnahme einiger Londoner Filialbüros nach Palästina zu verlegen und die tüchtigsten Fachmänner aller Parteien für das Stedlungswerk heranzuziehen, keine Annahme fand. Das jüdische Volk habe nur achtzehn Monate Spielraum, um zu zeigen, was es aus Palästina machen könne, und es sei angesichts dieser ungeheuren Verantwortung falsch, irgendwelche Sentimentalität oder Partei-Doktrinarismus walten zu lassen. kme Krifis im öionismus? London, 15. September. Das zionistische Zentralbüro hat nunmehr im Gefolge der sich verstärkenden Notschreie aus Jaffa einen energtschen Appell an sämtliche Landesorganisationen gerichtet, dem Chaluzim- Wesen d. h. der Entsendung mittelloser Auswanderer nach Erez Jisroel Halt zu gebieten. Die zionistischen Organe sollen den britischen Konsulaten gegenüber nur solche Palästina-Wanderer empfehlen, die mindestens soviel Mittel besitzen, um sich notfalls einJahr lang ohne Arbeitsverdienst im Lande erhalten zu können. Diese energische Maßregel, die natürlich im Osten wie eine Katastrophe empfunden werden muß, hängt mit der Haltung der amerikanischen Zionisten zusammen, die seit der Londoner Konferenz im höchsten Grade erbittert über die leichtsinnige zionistische Finanzwtrtschaft inPalästina sind und als hauptsächliche Geldgeber der Organisation sich dafür verantwortlich fühlen. Man hat sie zwar in London überstimmt, als es sich darum handelte, die zionistische Organisation mit der ungeheueren Verantwortung der Kulturarbeit in der Diaspora zu belasten, allein nachträglich scheint sich diese Energie gegenüber den Amerikanern als höchst verhängnisvoll zu erweisen. Die Eingänge aus Amerika nehmen ab -- wozu allerdings auch die schlechtere wirtschaftliche Lage beitragen mag —, und man ist. in palästinensisch-zionistischen Kreisen in der größten Sorge, wie das Budget des Waad hazirim und des Waad hachtnuch auch nur in der bisherigen Höhe aufrechterhalten werden kann. Nun aber noch tausende mittelloser Einwanderer bet der im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit zu ernähren, geht ohne höch st ge steigerte finanzielle Hilfe der Amerikaner durchaus über die Kräfte der Organisation. Man darf trotzdem mit Sicherheit darauf rechnen, daß der amerikanische Zionismus, ja die ganze amerikanische Judenheit zu dauernden bedeutenden Opfern für den Aufbau Palästinas bereit sein wird, nur dürfte die Parteileitung gezwungen sein, sich mehr als bisher den kühl rechnenden, praktischen amerikanischen Anschauungen anzupaffen, wie sie Brand eis erfolglos auf der Jahreskonferenz vertreten hat. Vcrtcrstrncr. Die Cinberufung Oer „DelegierfenDerlammlung“ unO Oie Lage in £re? Jisroel. Jerusalem, 10. September. Die Delegiertenversammlung ist auf den 25. Tischrt etnberufen worden. . Usfischkin, der in London in schärfsten Gegensatz zu den Amerikanern geraten ist, erstattete in' der Komiteesitzung (Waad. hasmani) einen pessimistischen Bericht über die Lage,' es sei ihm nicht gelungen, ausreichende Subventionen für die Erhaltung des jüdischen Schulwesens in Erez Jisroel und für die Schaffung von Notstand arbeiten zu Gunsten der Immigranten zu sichern. DaS Komitee protestierte daraufhin feierlich gegen den Versuch, den einsetzenden Einwanderungsstrom zu hemmen und forderte alle zionistischen Organisationen der Welt auf, die zionistische Arbeit in Erez Jisroel vor der Gefahr des Untergangs zu retten. Jerusalem, 5. September. In den AufsichtSrat für die religiösen Schulen wurden von mis* rachtstischer Seite die Herren Rabb. Usi e l, Rabb- Oftrowsko, A. M. Ltfschitz und Dr. Mirkin gewählt. Das Gesamtbudget wird vom allgemeinen Waad Hachinuch bestritten, der seine Aufsichtsrechte durch Vermittlung des Aufsichtsrates ausübt. — Rebb. Kuk bemüht sich, den in besonderer Wahl gewählten Delegierten (Kalpi charedt) Sitze in der Delegiertenversammlung zu sichern. Ttmi Ehajim Aathan Semvitzer. Zu seinem hundertsten Geburtstage. Von Rabb. Dr. I. Bondi in Mainz. Am 17. Damus 5580 wurde in Krakau hem gelehrten und angesehenen Kaufmann Jekütieb ein zweiter Sohn Chajim Nathan geborem Der Knabe hatte das dreizehnte Jahr noch nicht erreicht, als er den Vater verlor; mit Hessen Tode Not' und Sorge in das früher so glückliche Haus einzog. Die Verwandten wollten die Knaben -ein Handwerk erlernen lassen; doch die treffliche, edle Mutter konnte sich nicht entschließen, sie dem in her Familie, welche einen R. Moses Userles und andere Größen zu ihren Ahnen rechnete, erblichen Thorastudium zu entfremden. Sie nahm es aus sich, hie Söhne mühsam durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren.