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Der Israelit · 1920-10-23 · Heft 38-39 (23.10.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 38-39 (23.10.1920)
Date
1920-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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28 September 1920 Der JSraeltt. No. 88 u. 8Ü Sette 5 ' Agü 8 ist? New, föttdern aus - einem' Stück Weltgeschichte, das mit der Bthel ganz und gar übereinstimmt; ich meine nämlich dtesogenannte NN21N, jene große Strafrede, die unmittelbar auf ■'fl,TD folgt und mit den Worten arri -beginnt. Daß - diese Strafverkttndigung nachIahrhunderten buchstäblich haarklein sich erfüllte, kann kein Mensch leugnen. Schon diese eminente Tatsache bezeugt einwandfrei, daß das, „Wenn Ihr nach meinen Gesetzen handelt" wohl noch heute das unverletzte Siegel Gottes trägt —, da'Gott allein' dem Volke Jahrhunderte voraus fein Schicksal verkünden durfte. — Haben Sie nun, mein Herr Opponent, auch gegen diese Deduktion einzuwenden? . . . Zionist: Nein, ich müßte ja sonst die Geschichte Lüge strafen. — Agudist: Also beseitigt Ihr Zionisten den von Euch gezogenen Trennungsstrich zwischen öw wm iwbürmfco nanS arottn, bekennt Euch zum Thora-Programm in seiner ungekürzten Fassung, dann zerfällt von selbst die Scheidewand, die uns Agudisten von Euch Zionisten trennt und wir tragen dann gemeinsam innerlich und äußerlich das wirkliche pa-— Zionist: Vielleicht galt das bedingungsweise von Gott festgelegte Programm nur für die früheren Generationen, nicht aber für die große messianische.Zeit, in der Gott, laut Jeremta (Kap. 31, V. 30—32) mit uns einen „neuen Bund" zu schließen verheißt und von der uns unsere Propheten so wunderbare Bilder entworfen haben, ohne uns an 'tipN2 att gebunden zu halten? .... Agudist: Diejenigen, die aus den genannten zwei Versen eine Aufhebung des „alten Bundes", unserer heiligen Thora, oder auch nur einzelne Gebote derselben schließen, mögen sich ruhig in die Liste der Missionäre eintragen lassen und haben den letzten Faden, der sie noch mit dem Judentum verbindet, freventlich zerrissen. Nein, mein irrender Bruder, um jeder Mißdeutung und mißbräuchlicher Ausbeutung der Worte „Bris-Chadoscho" vorzubeugen, sagt gleich derselbe Prophet und im selben Kapitel zwei Verse weiter: „wenn diese Gesetze aufhören vor mir, spricht Haschem, soll auch der Same Israels aufhören, ein Volk zu sein vor mir alle Zeit" / — und heißt es nicht in unserer Thora: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott, an, was aber offenbar ist, das ist für uns und unsere Kinder in Ewigkeit, alle Worte diese Lehre zu erfüllen?" (5. B. Mos. Kap. 29, V. 28). Wir Agudisten halten fest an dem jüdischen Kar. dinalgrundsatz: 'n so, „Nie wird Gott wechseln, noch vertauschen sein Gesetz gegen ein anderes". — Grade darin erblickten unsere Propheten und unsere Weisen die herrliche messianische Zeit, daß wir als heiliges Volk auf heiligem Boden dem einig einzig heiligen Gott werden ungestört dienen können zur Heiligung feines Namens vor allen anderen Nationey. Ich könnte Ihnen dies durch unzählige Stellen im Prophetentum beweisen, beschränke mich aber auf zwei derselben, die Sie sich bitte merken wollen: Ezechiel Kap. 37, V. 21—38: „Ich werde die Kinder Israels holen aus den Völkern, wohin sie gewandert sind und sie sammeln ringsumher/ um sie in ihr Land zu bringen- und in meinen Rechten werden sie wandeln und meine Gesetze beobachten" usw., ferner Jefaia Kap. 59, V. 21: ... „Und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen nicht welchen von deinem Munde usw..... von nun an bis in Ewigkeit.".- Zionift: Ob wir, unsere Kinder und KindeSkinder das „heilige Volk auf heiligem Boden" nach Ihrer'Perspektive erleben werden? — -- Agudist: Dies hängt ganz von unserem Verhalten Gott gegenüber ab; 1?1p2 airavri 1V2VN, ),heute noch würde Euch geholfen werden, wenn Ihr auf seine Stimme gehorchen wolltet/ rwrm IST „find sie würdig, so beschleunige ich : die Erlösung"; versichern uns unsere W. s. A. (Sarchedrirr 98). Zionist: Und wenn die Zionisten, die „nattonalenArnd nicht-'gesetzestreuen Juden,, aber auch weiter ihre) eigenen Wege gehen? — Agudist: Mit dieser Eventualität haben auch schon unsere Denker und Weisen gerechnet und der Talmud (daselbst 97) gibt uns auch hierin die nötige Aufklärung: „Gott wird eine Regierung erstehen laffen, die harte Haman- Verordnungen treffen wird, his Israel zu Gott zurückkehrt und sich bessert".-Die nähere Unterlage dieser Talmudstelle finden Sie in. Jeremia Kap. 20, wo es unter anderem heißt w rtiaai 2?V'7> 8'n mit rw (Schluß folgt.) Korrespondenzen und Aachrichie«. Peutsth»» Reich. Verkitt, 10. Sept. Die Armen-Kommission der Jüdischen Gemeinde veröffentlicht ihren Abschluß pro 1919. Danach sind Mk. 478000.— verausgabt worden, denen ML. 351000.— eigene Einnahmen gegenüberstanden. Der Rest wurde aus Gemeindemitteln gedeckt. Im laufenden Steuerjahr erhebt die Gemeinde bet den unteren Stufen (Mk. 6.- bis Mk. 86—) 35°/°, bei den höheren» Stufen 60°/° Zuschlag zur Gtaats-Etnkommensteuer. Der $ai( lioeroenRein- { ZSerlirr, 19. September. Die trotz ihrer Kürze an unerfreulichen Erschetnungen nicht eben arme Geschichte der Verwaltung der Reichshauptstadt durch dir neue Mehrheit, in der die „Unabhängigen" den Ton angeben, ist um ein weiteres, besonders unschönes Blatt bereichert worden. Gegen den einmütigen. Protest sämtlicher bürgerlicher Parteien und trotz der unzweideutigen, entschieden ablehnenden Stellungnahme der gesamten Lehrerschaft hat diese Mehrheit für den Posten des Stadtschulrats, dem das ganze städtische Schulwesen Groß- Berlins unterstellt sein wird, einen nomo iioyus, Herrn Dr. Löwenstein benannt, der bisher dem Schuldienst völlig ferngestanden, dafür aber schriftlich und mündlich für eine Reform unseres Schulwesens im Sinne des radikalsten sozialdemokratischen Programms gewirkt hat. Es ist hier nicht der Ort gegen die Ausschreitungen eines Parteifanatismus, der es fertig bringt, ein Objekt von so unschätzbaren sittlichen Werren, wie es die Erziehung von ungezählten tausenden knospenden Menschenseelen ist, einem jungen, uuerprobten und in der pädagogischen Praxis unerfahrenen Mann anzuvertrauen, eine Lanze einzulegen. Die Tatsache, daß Herr Dr. Löwenstein seiner Abstammung nach Jude ist, dient dem im Zeichen des Hakenkreuzes fechtenden' Janhagel als willkommener Anlaß, um in sein schon etwas abgebrauchtes Hetzrepertoire gegen die Juden eine neue Note einzuführen. Aber auch diese Brunnenvergiftung, die mindestens ebenso sehr im Interesse der Volksgesundheit wie in unserem eigenen zu beklagen ist, vermag uns keinen Grund zu einer Selbstverständlichkeit, zur Abschüttelung des Herrn Dr. Löweuftein von unsereNSchößen, zu liefern. So wenig die Vertreter der christlichen Kirche, vernünftigerweise, einen Anlaß sehen werden, gegen Herrn Adolf Hoffmann, der an raffinirter Böswilligkeit in der Verletzung der religtösen Empfindungen Andersdenkender von niemand erreicht wirddas Christ entum, aus dem er hervorgegangen ist, in Schutz zu nehmen / ebensowenig vermögen wir eine Pflicht für uns Juden anzuerkennen, die Scheidelinie, die uns von Männern vom Schlage des Herrn Dr. Löwrnstein, der längst alle Beziehungen zum Judentum ausgelöscht hat, trennt, erst noch zu unterstreichen, weil antisemitische Verlogenheit es fo' will. Aber ein Punkt zwingt uns trotzdem, uns hier mit der Affaire Löwenstein zu befassen. Seine Freunde haben gegenüber der Feststellung, daß Herr Dr. Löwenftetn bisher noch nie im praktischen Schuldienst tätig war, zur Erklärung dieses Defektes in dem Lrbenswerk des zukünftigen Berliner Schulrats betont, daß seine jüdische Abstammung ihm unter dem alten Regime die AnstellungSmöglichkett verschlossen habe. Gegen diesen Versuch, Herrn Dr. Löwenftetn zu einer Art Märtyrer des Judentums zu stempeln, heißt es entschieden Verwahrung einzulegen. Die, wenn auch nicht große Zahl jüdischer Lehrerinnen und Lehrer, die seit jeher im Dienst der Berliner Kommune in Volksschulen wie namentlich an höheren Lehranstalten Anstellung fanden, beweist, daß die Möglichkeit für jüdische Lehrer, im städtischen Schuldienst Unterkunft zu finden, keineswegs von vornherein ausgeschlossen war. Aber davon abgesehen: wer zu erfahren wünscht, was es heißt: „jüdisches Märtyrertum", der braucht seine Blicke nur nach dem Osten Europas zu richten und er * kann es täglich, stündlich erfahren, daß alle Schrecknisse des Mittelalters dort für die Juden auch heute noch Ereignis sind, daß dort Tausende und Abertausende jeden Geschlechts und jeden Alters unter Qualen ihr Leben verröcheln, die keine andere Schuld trifft, als daß sie den Glauben ihrer Väter selbst um den Preis ihres Lebens nicht verraten wollen. Und es klingt uns, die wir diesen Glaubensleiden ohnmächtig und mttleidend gegenüberstehen, wie eine Blasphemie entgegen, wenn daneben für eitlen Herrn Dr.Löwenstetn die Strahlenkrone des jüdischen Glaubeusdulders gewunden wird! Das, nur das allein auszusprechen, mußte unsere Ausgabe sein. Kamvurg, 10. September. Das R e p r ä f e ntanrenkollegtum der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt eine Sitzung ab. Es lag ein Antrag des Gemeindevorstandes vor, den bisherigen Jahresbeitrag für die Talmud-Thora- Realschule ftir die nächsten Jahre von 25000 Mk. auf 40000 Mk. zu erhöhen. Der Antrag wurde angenommen. ES lag ferner ein DringUchLettsantragdesGemeindevorstandes vor, das israelitische - Mädchenwaisenhaus, das bisher eine selbständige Anstalt war, in die Gemeinde zu übernehmen. Der Arltrag wird ohne weitere Aussprache genehmigt. Für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebünd wird ein einmaliger Betrag von 1000 Mk. bewilligt. Es lag schließlich noch eine Mitteilung des Gemeindevorstandes vor, daß er den Beschlüssen des Kollegiums betreffend den Entwurf einer vorläufigen Verfassung des Reichsveroandes der jüdischen Gemeinden Deutschlands beitrete. Nach Vornahme einiger Neuwahlen für das Paultnenstifr und für das Altenhaus trat geheime Sitzung ein. k!n mannhaftes Wort zur rechten Seit. München, 15. September. Am Vorabend des Pessachfestes 5679, am 6. April 1919, hat unser Mitarbeiter und Gesinnungsgenosse, Kommerzienrat S. Fränkel den „Münchener Neuesten Nachrichten" einen „Offenen Brief" an die damals herrschenden Münchener Bolschewisten jüdischer Abstammung übersandt, den das Blatt damals nicht abdrucken konnte — well seine Redaktionsräume bereits von der Roten Garde besetzt waren. Die Zeitung ist objektiv genug, das bemerkenswerte Schriftstück in seiner gestrigen Nummer nachträglich zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zu bringen. Der Brief lautet: Offener Brief an die Herren Erich Mühsam, Dr. Wadler, Dr. Duo Neurach, Ernst Toller und Gustav Landauer. ■?;t.iT

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