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Der Israelit · 1920-09-16 · Heft 37 (16.9.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 37 (16.9.1920)
Date
1920-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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E.pr.CX, mämäüMä Bericht über die Generalversammlung de- „Bundegesetzestreuer jüdischer Lehrer DeutschlandS"am 26. Mi 1920 in Frankfurt a. M. Nach mehr als 6 jähriger,^ durch freu Krieg v«ranlaßter Pause traten am 26. Mai d. I. die Mitglieder veS „Bundes" wieder zu einer bedeutungsvollen Tagung in der Turnhalle der israelitischen Volksschule in Frankfurt a. M. zusammen. Ta der Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Tr. Lange, durch Unwohlsein verhindert war, so begrüßte namens des Vorstandes Herr Lehrer Hirschberg-Frankfurt a. M. die Versammlung, in erster Reihe die Ehrengäste, die Vertreter der „Freien orthodoxen Vereinigung" und der „Israelitischen Religionsgesellschast Frankfurt am Main", die Herrn Rabbinen und dann die Kollegen. Ec rief ihnen den altiüdtjchen tSrutz zu a:>sy 'n den Boas in der Zeit schwerer materieller und geistiger Not, in der der Name Gottes ans dem Volke zu schwinden drohte, an seine Arbeiter gerichtet hatte. Tie heutige Zeit sehe jener sehr ähnlich und am meisten litten die Lehrer darunter, besonders die Religionslehrer. Er sei sich dessen bemüht, daß ein großer Teil der Anwesenden mit verbittertem Herzen hergekommen sei und er befürchte, daß die Verhr.udmngen unter dem Einflüße dieses Geistes geführt werden könnten, was er im Interesse unserer eigenen Sache sehr bedauern würde. Er appelliere an das echt jüdische Ideal, das noch immer im Herzen des jüdischen Lehrers fortschlummere. Zeuge dessen sei ja die Tatsache, daß trotz aller, lebhaft zu bedauernden Fahnenflucht noch Hunderte junger, kräftiger Lehrer in ihrem Berufe ausharren, trotzdem ihr Gehalt kaum höher sei als die Summe, die ein ungelernter Arbeiter der Großstadt in einem Monat verdiene. Wir seien zusammengekommen, um zu beraten, wie unserem Stand geholfen werden könne und er hoffe, daß die Verhandlungen zu einem aedeihlichen Ziele führen. Wenn aber unsere Forderungen in materieller, rechtlicher und sozialer Beziehung erfüllt feifett, dann bitte er die Kollegen, dafür zu sorgen, daß in den Stätten ihrer WirHamkeit, in den Gemernden, der Name Gottes wieder lebendig werde, nicht nur bei den Schulkindern, sondern auch bei der schulentwachsenen Jugend und bei den Erwachsenen. Diese weihevolle Begrüßung übte ersichtlich eine äußerst günstige Wirkung aus die Verhandlungen aus, denn sie verliefen m durchaus würdiger, ruhiger und sachlicher Weise. Dazu trug auch die temperamentvolle Art und Weise bei, in der Herr Seminarlehrer Gut-Köln den Vorsitz führt«. Zunächst erstattete Herr Lehrer Hirschberg den Rechenschaftsbericht für die verflossenen 6 Jahre. Er gedachte der durch den Tod uns entrissenen Bunüesmitglieder und der gefallenen Kollegen, die in üblicher Weise gechrt wurden. Eingehend ans die augenblickliche Notlage der Lehrer berichtete er über die zu ihrer Behebung - vom „Bunde" unternommenen Schritte, der eigenen Sammlung und der auf Initiative und unter Mitwirkung des „Bundes" veranstalteten- Hilfsaktion der „Freien orthodoxen Bereinigung", die beide einen verhältnismäßig recht günstigen Erfolg ergeben haben. Durch die letztere seien allein- bis jetzt mehr als 46.000 Mk. an Teuerungszulagen gewährt worden. Er erwähnte ferner einige, teilweise in gemeinsamer Beratung mit dem Ausschuß des „Verbandes der jüdischen L ehr erv «reine Deutschlands" entstandenen Eingaben an den preußischen Kultusminister, die freilich durch dis Revolution hinfällig geworden seien. Mit d«u „Verbände^ seien außerdem seit einer Reihe von Jahren Verhandlungen .gepflogen worden, die ein Zusammengehen'in Standesfragen bezweckten. Auf einer in Hannover stattgefundenen Tagung sei man endlich zu einer Einigung gelangt. Das Resultat war die Gründung der „A r b e i t s g e m e i n s ch a s t", der sich jetzt sämtliche jüdische Lehrerorga>iisattoneu angeschlossen haben. Sie sei vorläufig nur der Räumen zu einem Bilde, aber man sei berechtigt, die besten Hoffnungen auf ihre Arbeit zu setzen. Tazu berechtigen vor allem die günstigen Erfolge, die bisher in fast allen Fällen erzielt wurden, in denen die „Arbeitsgemeinschast" die Sperre über leistungsunwillige Gemeinden verhängt habe. Jedenfalls sei die einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte des jüdischen Lehrerstanoes mit Freuden zu begrüßen. Mit der Fürsorgekommission für die aus den abgetretenen Gebieten geflüchteten Lehrer sei man in Verbindung getreten und von dem vom „Bunde" unterhaltenen Stellennachweis wurden ihnen neue Stellen verschafft. Gemeinsam mrt der „Freien orthodoxen Vereinigung" wurden für die Reichsschulkonferenz in vielen Sitzungen Thesen beraten und Forderungen aufgestellt, die sich mit denen der „Arbeitsgemeinschaft" decken. .In der ail die Verlesung des Rechenschastsberlchtes sich anschließenden Debatte bestätigte der Vorsitzende die Ausführungen des Referenten inbezug auf Pie Erfolge der Sperre in Rheinland und Westfalen. Es habe oft den Eindruck gemacht, als ob die Gemeinden nur auf die Gelegenheit warten, zu einer anständigen Besoldung ihrer Lehrer gezwungen zu werden. Auch hier gelte der Satz: '3K rom “iöiw *iy lmx pew. Hierauf erfolgte die Verlesung des Kassenberichts, der zu keiner Beanstandung Veranlassung gab. Das Vermögen beträgt ca. 47.000 Mk. Ter Einnahme von ca. 4400 Mk. stehen Ausgaben in der Höhe von ca. 3500 Mk. gegenüber. .Dir Berteilungsquote hält sich noch immer auf der „Höhe" von 100 Mk. p. a. Eine größere Regsamkeit der Mitglieder für ihre eigenen Interessen wäre sehr am Platze. Dem verdienten Rechner, Herrn Eugen Ettlinger-Frankfirrt a. M., wurde Techarge erteilt.- Der Jahresbeitrag für die Bundeskasse wurde fast einsttmmig aus 20 Mk. erhöht. Ten Höhepunkt der Tagungi bildete das Referat des Herrn Kollegen Lebermann-Tarmstadt: „Die Zukunft der jüdischen Schule und des jüdischen Lehrers". Er wies zunächst auf delr erschreckenden Rückgang der Zahl der jüdischen Volksschulen in Bayern, Kurhessen und anderswo im Reich und auf die Schwierigkeit, neue zu gründen, hin, ferner auf die Gegnerschaft der aus parteidogmatischen Gründen der jüdischen Volksschule Endlichen Gesinnung der Großgemeinden. So bleibe in der Hauptsache nur di« R eli g io n sschitzle. Er zeigte den großen Gegensatz zwischen dem! Interesse, das man früher der Religionsschule entgegenbrachte und der Gleichgültigkeit, mit Ser man ihr jetzt in weiten Kreiselt gegenüberstehe. Der religiöse Nredergang habe hrer geradezu verheerend gewirkt. Es herrsche die größte „Bescheidenheit" in den Ansprüchen auf das religiöse Wissen des anzustelleuden Lehrers und noch größere inbezug auf das des Schülers., In den Filialgemeinden gehe man aus Sparsamkeitsgründen noch weit unter die Grenzen dts Zulässigen herab und begnüg« sich mit zwei Wochenstunden Religionsunterricht, zuweilen auch mit einer einzigen. Dazu LomMe noch die durch den politischen Umschißring veranlaßt« Gefahr. Wenn auch die auf Trennung vou Staat und Kirche und auf Verweisung des Religionsunterrichte-- au» dßu Wchkö- und tzöherow Vchulon »»richteten Besttevungen vorläufig keinen Erfolg hatten, so könne doch von einer staatlichen Förderung des Religionsunterrichtes nicht mehr gesprochen werden. Dementsprechend sei auch die Halrnng der Regierung in allen einschlägigen Fragen. So lehn» beispielsweise die hessische Regierung die weitere Anstellung jüdischer Religionslehrer mit den Rechten eines Volksschullehrers entschieden ab und in Ostpreußen haben die dortigen Behörden bei der Anstellung von KnltusbeaMten den Gemeinden volle Selbständigkeit eingeräumt und durch Verzicht aus das Bestätigungsrecht mancherlei' Mißständen Tür und Tor geöffnet. Entsprechend der geringen Einschätzung Hrer Tätigkeit sei auch die Lage der jüdischen Religionslehrer fast im ganzen Reiche. Nur in Württemberg nehmen sie in finanzieller, rechtlicher und sozialer Beziehung. «tue , würdige Stellung ein. Selbst in dem „Mnsterländle" Baden mit seiner strammen Organisation waren die Religion»- lchrer gezwungen, die Flucht in die Oeffentlichkeit zu ergreifen, um sich eine den Bedürfnissen der Zeit wenigstens annähernde Befoldungsreform zu.ei), kämpfen. In dem übrigen Deutschland läßt sich ihr» Lage nur als ein Martyrium sondergleichen bezeichnen. Die S ch ä ch t g e b ü h r e n sind infolge der Rationierung des Fleisches auf ein Mindestmaß zurückgegangen und an Gehalt beziehen viele von ihnen noch immer eine Summe, die ihnen auch in Friedenszeiten Lein Atlskommen gewährte, sie aber jetzt der drückendsten Not überantwortet. Turan ändert nichts die von der „Freien orthodoxen Vereinigung", von dem „Bayrischen Landesverein", und von anderen Organisationen unternommene Hilfsaktion: es ist ein Tropfen auf einen heißen Stern. Referent gibt einige ihm bekannte Beispiels zum besten, die unterdessen teilweise schon den Weg in die Oeffentlichkeit gefunden haben. Noch schlimmer seien Lehrer Witwen und -Waisen daran. So fall» der Lehrer entweder der Armenunterstützung zur Last oder er sei gezwungen, mit Waren hausieren zu gehen, um sein Leben zu fristen. Durch diese Ding» würde der Lehrer seelisch zermürbt und fern Ansehen vernichtet. Schule und Gemeinde erleiden da-; durch den schwersten Schaden und die Folgen müssen ' katastrophal sein. Die Jugend verwahrlost in religiöser Beziehung, da» nixa-Leven in den Landge- I meinden, ehemals ein erfrischender Born, liegt brach,! die einst herrlichen religiöse»! Institutionen verfallen. ' Tä dürfe inan sich nicht wundern, wenn einfache, schlichte Leute beim Wegzug vom Land in die Großstadt sich immer mehr den neologen Gemeinden anschließen und dem gesetzestreuen Jltdentum verloren gehen. Das sei aber nur die natürliche Folge de» bestehenden Zustände. Da der Lehrer auf dem Land» fast noch allem das Proletariat vertrete und gezwungen sei, zu Mittel« zu greife«, die seines Standes und des Jnderttums unwürdig sind, nur um sein Leben zu fristen, so leide sein Ruf bedenklich. Ohne Ansehen bei Eltern und Kindern aber gebe w keinen Respekt, ohne Respekt keilten untsrrichtlichen Erfolg, ohne rmterrichtlichen Erfolg keine nttv. 90 fehle unseren Gemeinden häufig am guten Willen und Gerechtigkeitsgefühl, leider auch der jüdischen Oeffentlichkeit am Bewußtsein der schweren Verantwortung für die Zukunft des Judentums. Ser das Bild, das die Gegenwart bietet, auch unendlich trübe, so dürfe doch die Hoffnung am Besserung nicht -allsgegeben werden. Erhaltung der jüdischen Landgemein den und b!er jüdischen Volksschule, sowie die Gründung neuer, sei die erste Forderung. Tsr Referent verweist auf einige betrübliche Erscheinungen, die in den letzten Jahren bei Besetzung von Religionslehrerstellen zu Tage getreten find, di« sich recht gut in eine Vol»- schul, verwandt« lass»» und macht Vorschläge fit»; 4 1 •> i ] 5 i k

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