Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 37 (16.9.1920)
- Date
- 1920-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Geile IQ Nr. If „ dis künftig» Agitation zur Gründung n»ü«-r jüdisch»* Schulen. Zu dieser Forderung gesell» sich di« lAotwenviafeit einer besseren Lehrerbildung, vornehmlich in den jüdischen Fächern. Da di» Gestaltung der künftigen Lehrerbildung noch immer in der Schweb» sei, so lassen sich auf diesem Gebiete keine präzisen Forderungen aufstellen. Notwendig fei ab»r. unter jeder Bedingung der Besuch der Jeschiwo auf mindestens ein Jahr nach Beendigung der Seminarzett. Eine gediegene jüdische Bildung und eine forgenftei« Wirksamkeit, das seien in der Hauptsache unser» Wünsche. Im Gegensatz zu vereinzelten Stimmen, die Vorschläge!?, daß der künftige Religionslchrev nicht wie bisher eine Volkssch u ll« hr er bildung, sondern nur eine seinem eigentlichen Beruft ent-- sprechende vertiefte Ausbildung in den ReligionSlehrfachern erhalten solle, verlangt Lebermann di» Beibehaltrmg des bisherigen Shftems, dabei aber eine sehr gründliche jüdische Bildung. Er befürchtet, daß die Zahl der ungeprüften Lehrer sich bedeutend steigern würde, wenn wir selbst schon mit der Ausbildungsfrage einen Unterschied zwischen Volksschul- und Religionslehrern machen. Für ordentlich vorgebildete Lehrer verlangt er aber auch eine gerechte und würdige Besoldung; der Lchrer müsse aus dem Reinertrag der Stelle sein Aus ko in men finden. Er eifert heftig gegen da» rnorio-Unwesen und weist auf die schweren Gefahren hin, die es ftp Gefolge har. Als Norm für das Einkommen des ReligionslchrerS iei der Gehalt des staatlichen VolLSschullehrers desselben Ortes. Mindestens für Groß« rlnd Mittelgemeinde fei an dieser Forderung durchaus festzuhalten. Kleingemeinden müssen sich zu einem gemeinsamen Religionsschulverbande zusammenfchlietzen und denr Lehrer mindestens ein eine Lebensmöglichkeit garantierendes Existenzminimum bei freier Wohnung bezw. Atietentschädigung bieterl. -Um die Leistungsfähigkeit der Gemeinde seftzustellen, sollten Vertrauensmänner für die einzelnen Gegenden ernannt werden. Die Nebeneinnahmen aus Kantor- und Schächterdienst sollen streng geregelt und pauschaliert und können dann auf oas Grundgehalt angerechnet werden. In besonders schwierigen Fällen müssen die O r g a n i s a t i o n e n helfend eingreisen. Es würde ja jahraus, jahrein ,'ür alle möglichen Zwecke gesammelt, für das In- und 'noch mehr für das Ausland, während man für die Träger und Bürtreter der Thora im eigenen Lande, nur Brof a m e n übrig habe. Die Geiahr liegt nahe, daß die Lehrer, die bisher bei den Sammlungen für gemeinnützige Zwecke in selbstloser Weife eine hervorragende .Tätigkeit entfaltet haben, künftig ibre Mitwirkung versagen, wenn sie sehen, iuie stiefmütterlich uc selbst, bezw. ihr Stand bei jeder Gelegenheit bedacht werden. Mit Freuden sei die Gründung des Verbandes jüdischer Gemeinden in Bayern zu begrüßen und ebenso auch der Bund gesetzestreuer Gemeinden Teutschlands, der bereits einen Hilissonds zur Erhaltung der jüdi.chcn Landgemeinde begründet habe. Ten erweiterten Rechten müssen selbstverständlich auch entsprechende Pflichten gegenübergestellt werden. Darum verlangt Referent eine volle ausreichende Beschäftigung für den jütischen Religionslehrer. Bei nur 6 bis 8 Wochenstunden Religionsunterricht, dem sabbattichen Borbeterdienst und der geringer? L-chächtarbeit verkümmere die Schaffenslust des Lehrers. Der Religionsunterricht müsse erweitert und vertieft iutb auch der schulentlassenen Jnendg Zeit und Kraft gewidmet werden. Frlialgemeinden müssen häufig besucht und die Arbeit daselbst ausgiebiger gestaltet werde,?. Der Mangel an Kantoren in den Kleingemeinden müsse durch Heranziehung und Ausbildung ortsansässiger junger Leute beseitigt werden. Bei sorgenfreier Existenz werde der Lehrer nicht nur an feiner eigenen Fortbildung mit aller Kraft arbeiten, sondern auch für Ausbreitung der Thora im .Kreise der Erwachsenen besorgt sein. Die' Befteiung aus materieller Not werde sicher auch eine Hebung des Ansehens des Lehre rst and es bewirken. Er werde oann nicht mehr wie bisher das Asyl für Schwachbegabte oder anderswo schiffbrüchig gewordene Elemente werden. Bei besserer Besoldung werden sich ihm nicht wie bisher fast ausschließlich Kinder des Proletariats oder der „Ausländer" zuwenden, sondern es werden ihm auch aus den 'Kreffen der Bessersituierten Schüler zugeführt werden. Die Wiederbelebung der regelmäßigen Fv r t b i l d u n g s k o n f e r e n z e n , die durch den Krieg bedenklich Not gelitten, müsse wieder versucht werden. D-er Rabbiner müsse in den Lehrern dre Mitarbeiter für seine Bestrebungen imd die wichtigsten Gehilfen für Erhaltung des Judentums erblicken und dementsprechend deren Sache wie die eigene vertreten, ihre Stellung festigen und ihr Ansehen bei den Gemeinden zu heben suchen.' In dieses Kapitel gehört auch die schon im Interesse von Gemeinde und Schule nicht kräftig genug zu erhebende Forderung, daß der Lehrer das aktive und passive Wahlrecht znm Vorstand erhalte und daß er in alle» dre Schule und den Kultus betreffenden VerwaltungSsragen in den rabbinerlosen Gemeinden zugeWgen werde: Die Veranstaltung von Elternabenden und öfteren Aussprachen über die Wünsche der Eltern seien in» Augs zu fassen. Ten Streik der jüdischen Lehre» Der JSvaslK. _____ \ lehnt der Aefsrsnt aus religiös»» und sittlich»» Gründen ab, aber er warnt die jüdische Oeffentlichveit davor, di» Lchrer auf »ine zu schwer» Prob» M stellen; »S könnt» sonst auch gegen den WiMn der Führer von verzweifelten Elementen sowohl dt» passive Resistenz als auch der Streik als letztes Kampfmittel zur Anwerbung gebracht werden. Er geißelt die Interesselosigkeit so mancher Kollegen, die nur ernten, aber selbst nichts leisten wollen. Der erste Schritt zur gewerkschaftlichen Organisation sei getan, dre „Arbeitsgemeinschaft" arbeitte erfolgreich, ihren Anordnungen müsse sich Zeder Kollege fügen. Herr Lebermann schlägt hier Maßnahmen vor, die unterdessen von der „Arbeitsgemeinschaft" bezw. den einzelnen Vereinen bereits verivrrklrcht worden find. Zur r e ch 1l i dj e u Besserstellung müsse ferner ein Uormalvcrtrag geschaffen werden, der in erster Linie nach einer zweijährigen Probezeit die unkündbare Stellung vorsehe. uvvi nun yevo, Hören, Gchweigen und tragen fei von altersher das Los VeS jüöiscl^n Lehrers gewesen, nur die Hoffnung habe ihn aufrecht erhalten. Es fei aber-die höchste Zeit, daß sie sich verwirkliche, damit nicht Enttäuschung und Erbitterung die Lehrerherzen ganz abstnmpse. Er schließt mit dem kräftigen Appell: „Verschaffet uns Raum, gebet uns Luft und Licht für unsere Zukunft, für die Zukunft des thoratreuen, glaubensstarken uno tatbegeisterten Judentums!" Diese mit großem Schwung und. stellenweiser echter Begeisterung vorgetraganen Ausführungen des Referenten lösten bei den Zuhörern großen Beifall aus. Es entwickelte sich eine lebhafte Di»kusston, die zur einstimmigen Annahme der bereits in diesem Blatte abgedruckten Leitsätze führte. Es wird eine Kornmission gebildet, welche die Drucklegung Uno Verbreitung dieser Thesen in die Wege leiten uno dafür sorgen pill, daß die vom Referenten vorgeschlage.ren Maßnahmen auch durchgeführt werden. Dieser Kommission gehören an die Kollegen: Lebermann-Darmftadt, Hrrschberg, Reich und Adler-Frankfurt a. M. und Kätzensteirr-Wetzlar. Aus der Mitte der Versammlung wird die Forderung erhoben, daß der „Bund" beantragen solle, Sitz- und Stimme in der Verwaltung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" zu erlangen. Der Antrag wurde angenommen. Gerügt wurde, daß der Vertreter der..„Freien orthodoxen Vereinigung" in der Reichsschulkonserenz nicht dem Lehrerstande angehöre. Herr Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. weift darauf k>tn, daß es sich bei der ReichsschuMmferenz in erster Linie um schulpolitische Fragen handle, die der irr Aussicht genommene Vertreter schon bisher bei Regierung und Mitgliedern des preuß. Landtags auss beste vertreten habe, daß ihm außerdem ein Beirat von Lehrern, die dern „Bund" angehören, zur Seite stehen solle und überdies durch die irr früheren. Verhandlungen — an denen anch der „Bund" beteiligt war — angenommenen Thesen seine Marschroute vorgezeichnet sei. Eine Beschwerde kurheffischer Lehrer über eine angebliche, den Lehrerstand belcidigende Aeußerung *des Vorsitzenden eines Provinzialamtes wurde als reicht vor das Forum des „Bundes" gehörig, als erledigt angesehen. Ter Fall „Schlüchtern" wurde ausgiebig erörtert ttnb von ü«m derzeitigen Inhaber der Lehrerstelle verschiedene,Jrrtümcr richtiggeftellt. Zu Punkt 4 des Tagesordnung : „Statnteiiänderung" wird § 13 lahm geändert, daß, wie bereits erwähnt, der Jahresbeitrag auf 20 Mk. festgesetzt wird. Als erste unter den Lchrerorgnnisationen beschließt der „Bund", daß im § 17 ein Absatz beigefügt wird, wonach derjenige vom „Bunde" ausgeschlossen wird, der trotz einer über eine Gemeinde verhängten Sperre die betreffende 'Stelle einnimmt oder nur vorübergehend dort amtiert. Die Vorstandswaht ergibt die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder per Akklamation. Gegen 7 Uhr wird die überaus anregend verlaufene Generalversammlung geschlossen, nachdem Ehrmann-Friedbera Herrn Seminarlchrer Gut-Köln für die glänzende Leitung der.Tagung den Tunk ausspricht. In der Mittagspause vereinigte ein mit min '121 gewürztes Mahl die Bundesmitglieder. Besonders hcrvorgehobeu sei der auf den Kassier, Herrn Eugen Ettlinger-Franksurt a. M., ausgebrachte Toast, in dem seine Verdienste um den „Bund" Und besonders um die Veranstaltung des heutigen Festmahls gefeiert wurden. Ten Spendern sei auch an dieser Stelle besonderer Dank ausgesprochen. Di» Schriftführer: H e s - Schlüchtern '' ' . Seel kg-Pa» Orb. ■ pssi;-V: Krankfurt a. M. Im Sinn» der von der Generalversammlung b«K „Bundes" am 26. Mai angenommenen Leitsätz» wurden in der Kommissionssitzung am 13. Juni folgend» Beschlüsse gefaßt: 1. Tie Kommission erachtet es für notwendig, daß der Bund mit der Leitung der beiden Thoralehr-! anstalten in Frankfurt und Berlin zum Zwecke der I Einrichtung von Fortbildungskursen für di» AbitH»! 1H. SeptrAbsr 1Ä» ..m im i'i'i1. »„rtriBVi.-!»: —r~ .. rienten der jüv. LMverÜildungtzanstalten in Verbindung trete. Tie Dau»r des Besuches soll sich aus mindestens 1 Jahr vor dem Eintritt in die .Praxis erstrecken. •2. Ein Vorgehen des Bundes zur HerbeiführUtig cirler zeitgemäßen .auskömmlichen Besoldung ist zur Zeit mit Rücksicht auf das entsprechende Rundschreiben der Arbeitsgemeinschaft aller jüd. Lehrervecetne, in der auch der Bund vertretei? ist, unnötig. Tie Arbeitsgemeinschaft wird auch die weitere Behandlung der Sache übernehmen. Dagegen wird den Vereinen das Verhalten der Genreinden bei einttetender Stellenvakanz der größten Beachtung empfohlen. Ist ans dem A?lsschreiben der Stelle eine ungenügende Besoldung ersichtlich, so hat der Borstallv btx betr. Lchrervereine unverzüglich mit Ser Gemeinde zur Herbeiführurrg einer auskömmlichen Besoldung tOriSgehalt her Bolksschnllehrer, bezw. Festsetzung eines der Leistungsfähigkeit ' der Gemeinde entsprechenden Existenzminimums) in Verbindung zu tretell. Im Falle der Weigerung muß die Sperre über dis Gemeinde verhängt werden. Das Gleiche gilt auch bei llngerechtsertigter Tienstentlassllna des Lehrers. BiS zur endgültigen Regelung der Besoldungsfrage sind die Kollegen önerltlich vor jeder Bewerbuna um die betreffende Stelle zu warmen. ' Ferner ist den einzelnen Vereinen Folgeitdes zur Turchführling bei den Gemeinden ihrer Mitglieder nahezulegenFür die Nebeneinnahmen aus den Kantor- und Schächtsuuktionen sowie für den Unterricht in den Frlialstellen sind zeitgemäße Sätze aufzustellen. Für den Besuch der Frlialstellen ist der gesamte Zeitaufrvarld zu berücksichtigen. Tie von den Vereinen beschlossenen Sätze sind den Mitgliedern ' und den Gemeinde Vorständen zu übermitteln. Bezüglich der Einnahmen aus den -Kantor- und Schächtfunktionen ist die Erhebung der Gebühr durch 'die Gemeinde, sowie die Gewährung einer ParlschalsUmm» rtrt h.ie Lehrer zu. empfehlen. 3. Ferner ist von den Vereinen bei allen Gemeinden ihrer Mitglieder die Forderung zu erheben, dem Lehrer in? Interesse von Schule und KriltuS das aktive und passive Wahlrecht zum Vorstand eiuzuräumen. Unter allen Umstanden ist der Lehrer zu den den Kultus und der Schule betreffenden Sitzungen znzuzicheu. Außerdem muß nach einem zlreijährigen Provisoriiml die unkündbare Anstellung des Lehrers erfolgen. 4. Zur Erreichung der berechtigten Forderungen der Lehrerschaft, namentlich zur Herbeiführung einer auskömmlichen Besoldung müssen alle zmerttnäßigen Mittel angewendet werden. Deshalb empfiehlt es sich, durch Verbindung mit den zuständigen Rabbinern zur Aufklärung und Orientierung eine Versammlung der Gemeindevorstände herbeiznführen. Die Herren Rabbiner sind zu ersuchen, im Falle ungenügender Besoldung des Lehrers in-den .Revisionsberichten bei Religsonsprüfungen der Behörde (KveiSschnlkommission nsw.) davon Mitteilung zu machen. Dieses Vorgehen bezw. das Einschreiten der Behörde har sich wiederholt erfolgreich bewährt. 5. Zur wirksainen^Durchführung der von ernem jüd. Lehrerverein über eine Gemeinde verhängten Sperre ist allen, dem Bunde angeschlossenen Vereinen, wie cs bereits von der Generalversammlung des Bundes beschlossen ivurde, folgende Zusatzbestimnmng in den Statuten zu empfehlen: „Jedes Mitglied,-welche» die Stelle in einer von einem jüd. Lehrervereill gesperrten Gemeinde anninnnt oder vorübergehend verwaltet, wird unter Verlust aller Recht? und Ansprüche aus dem Verein allsgeschloffen." RS3-I AichrtHlen und K»rres»»ndenren. Au- Heffeu. Vor einigen Wochen starb im Krankenhause zu Frankfurt im Alter von 69Jayr»n uriser lieber Kollege Lublinski von Reichelsheim im Odenwald. Da derselbe am nw in Frankfurt zur map kam, konnten wir leider diesem wackeren Dulder die letzte Ehre nicht erweisen. Am ftischen Quell heimatlicher man?' schöpfte er feine reichen Talmudkenntniffe; im trauten Elternhause in' lechöjüdischer Umgebung eignete er sich eirre ttsfinnigr Frömmigkeit an. Tie Errungenschaften seiner Jugend blieben seine steten Begleiter. In geistreichen Vorträgen suchte er mit ftammender Energie seim Gemeinden für das Judentum zu begeistern, mit sprudelnder Beredsamkeit erfteute er seine Freund» mit den herrlichen Perlen^ feiner fFalmudischen Weichheit. ivwi war - des teueren Verstorbenen Lebenselement, jtiih war seine Erholung in den dielest stürmischen Gtunden seines irdischen Wandel-, seine Erquickung während seiner Kräncheit LeivLn»- zeit. .Im besseren Jenseits mv mv wird - ihm reicher Lohn für feilt treue» Wirk»» und VtvEsn zureil werden, '"pn mög» di» v»rlafs»rw Mtw» trM»n und stärken.