Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 37 (16.9.1920)
- Date
- 1920-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Itz. September 1020 gewußte Grundwahrheit, bei uns endlich vom Wissen zum. Tein sich entfalte, daß Jisroels Agudoh zur Wirklichkeit werbe: Brüder und Schwestern im Misrachi! Schauen wir uns offen ins Auge, so schwindet jegliches Geheimnis zwischen uns. Nicht politische Etgenbrödelei treibt uns auf unsere Wege und hält uns auseinander. Nicht in Pressekampagnen und Journalistereien werden wir^nns treffen. Weil aber wir beide das Herz wollen schlagen laffen für Gott und sein Volk, so müßten die Herzen sich finden, wenn ffe gleichermaßen im Takte des Thauro- Pfiichtwortes schlügen. Und doch — wie furchtbar! — sie finden sich nicht! Wir aber, wir fühlen es beide, harren nur sehnsüchtig des lösenden Wortes, welches das quälende zu jubelndem ">w wandele, und fühlen ahnend, daß nicht in Alltagsphrasen klügelnder und aus banger Scheu vor Mißdeutungen oder Mißverständnissen sich peinlich verklausulierender GaffenweiSheit es sein kann, sondern ein freimütiger Heimruf aus liebendem Brudermund vor Gott-denn um diese und jene- Welt geht unser Mühen. Darum wagen wir in Tischri-Tagen das erlösende Wort, das herzinnige Flehen und Bitten: „Laßt uns eins fein!" Ist denn Euer letztes Wort schon gesprochen in Eurer Hinhaltung von Jisroels Einheitsfront vor Gott für Gott? Die Bresche in Jisroels Mauern ruft Euch! Erinnert Euch, was Ihr damals (als Wissende und Wollende geboren) in Eurem ersten Lebensschret der Welt kundgabt: „Wolltet durch Euer inniges Gegenwärtig!ein im Kreise derer, welche ohne Gott Gottes Volk und Land beglücken wollen, die von deren immerhin imposanter Kraftaufwendung gezeugte Energie in gottgefälligen Werken zur Verwirklichung bringen. Wolltet über dies hinaus sie, die der modernen Predigt von der freien Liebe folgend ms Kbw NW) mp» die Zionsbraut umwerben, durch Euren Einfluß zum jüdischen mjrw in solchen Dingen erziehen, zur min sie zurückzuführen. Ihr habt Euch gemüht, habt gekämpft, gestritten, und habt es erreicht, daß — immer deutlicher der Strich zwischen Euch und ihnen gezogen wird, immer kompakter die Scheidewand -er „korrekten Beziehungen" aufgerichtet wurde, zu deren einer Seite Ihr „ungestört" Eurem thoratreuen Zionismus mögt huldigen. Eure vielgepriesene Selbständigkeit im gemeinsamen „Waad hachinuch" Ihr meldetet sie jüngst erst als gewaltigen Sieg I — seht Ihr nicht, wie sie nur Moment im System sein wird, Euch auf Euch selbst zu beschränken?! - ITVn "Qvv vnite, alles werdet Ihr bekommen, eigene Vor Wraeltt. Nr. 37. Ee'te 3 JVTUS&A&h BERLIN C S^andauer Str. 16 Könfgstrtiße 11-14 Gegründet 1815 Kaufhaus für Wäsche, Kleidung, Seidenst >ffe, Voll», wirk- und Webwaren, Haröinen, Teppiche Wästhe-Musstattangea Anfertigung in eigenen Werkstätten wohnungs--Einrichtungen vier Stockwerke Möbel Wan verlan ge die ttlr strlrrte Preisliste Nr. mo Schulen, eigene Presse, eigene Verwaltungskörperschaften, eigene Kultur (denn Kulturkampf wäre ja noch Eure Existenzberechtigung)! Und auf der andern Sette, geschürt vor der unbequemen Aufdringlichkeit Eures nervösen Bltckes, sie, um deren Erleuchtung willen Ihr Euer Lebenslicht einst entzündet hattet, sie, die, der Thauro - Gottessonne entfremdet, in anbetender Verblendung vor der 1000-kerztgen Lampe westeuropäischer Kultur am glühenden Spiraldraht Offenbarung schauend sich entflammen möchten. Wollt Ihr es ihnen verargen, daß sie, je jünger desto radikaler, mit scheelen Augen wie Fretheitzwinger, Geistverdunkler Euch anblickm, werten und behandeln? Bestenfalls Euch in Gnaden dulden? Sagt, ist nicht die Scheidewand ihr einziges friedliches Mittel, um ihre Sehnsucht, der sie — wie Ihr Eurem, unserem Gott — mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen dienen, vor Euch zu retten? Denn darob kann kein Zweifel sein: es ist ihr Glaube, ihre Religion, ihr ganzes Sein und Leben, das sie in inbrünstiger Hingabe von Geist, Witz, Ahnung, Intelligenz, prophetischem Gebaren verehren, vertiefen, sich erkämpfen —- und sollten es vor Euch nicht schützen wollen? ja sollten als heißherzige Juden nicht glauben, treu zu handeln, wenn sie auch Eure Jugend mtt ihrer berauschenden Seeligkeit beglücken möchten? Eroberung Eurer Jugend! Sie müßten nicht Juden sein, wenn sie das nicht wollten. Ist denn — um Himmelswillen! — ihr sl'L Eures? Und nun, was fesselt Euch? oder solltet Ihr vielleicht noch gar glücklich sein über soviel Toleranz, wie Euch mit Eurer Unangefochtenheit widerfährt? glücklich mtt der ehrerbietigen Duldung Eurer ^religiösen" Besonderheit im Lichterbäche fließen ins Dunkel, Leuchtende Worte strahlen empor, Flammen auf aus der Seele des greisen Mannes, der .weitgeöffnet das Tor Schaut in unerreichbaren Fernen. Er betet und weint. Es beten die Tränen ... Viele vermögen nicht Worte zu «inden. Verhüllen das Haupt und lassen nur ahnen, Wie sie die Stimme schmerzhaft gebären, Die aus dem Innern bebend dahinströmr. Stumm wird die Nacht, wie endloses Sterben. teiliges Schweigen senkt sich auf die Hell« es lichtüberfluteten, staunendetl Hauses, Alle umspannt die seltsame Stille, fst so der Tod? Züngeln die schweren, angsamen Worte, des Tages Ende Kündend, so schwer von den Gründen der Seele. Aufwärts zu Gott? " LsMäm srnki Me SLimnie des dreM.^ ‘; DchMstt Hich ■ noch einmal lebendigste Kraft Jitz leinchrJnMrn. - ~ Schreis tt? Imendlichem Willen die Worte Und kündet noch einmal die Allmacht und Einheit Des ewigen, ewigsten Gottes ... Me eine Sehnsucht, die, uachtwindgleich, Hinwcht und verflattert, So schwingt sich doch Schofars Ruf, Tie Tekiahl Sinaus in die Nacht, r lauschen die Stern», Aus den Selichaus. Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenbura In dem an diesen heiligen Tagen in unseren Gebeten immer wiederkehrenden, die Selichaus umrahmenden Stück sind die Worte -?2pv jtiwn jwrn Vielen unklar. Das Sachs'sche Machsor übersetzt z. B.: „der nachsichtig die ersten läßt entschwinden". Was das bedeutet, ist nicht recht verständlich. Auch andere Uebersetzungen, die ich gesehen habe, lassen an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Ich taffe nun in aller Kürze die Erklärung felgen: Dis Worte beruhen, wie der Sachkundige weiß, auf einem agadtschen Ausspruch (Roschhasch. 17), der vom den Talmudkommentatoren verschieden gedeutet wird. Welchen Sinn sie im Zusammenhang der ralmudischen Kontroverse haßen, darauf braucht hier nicht eingegangen zu werden. Hier soll nur der Sinn klargestellt werden, den sie in unserm Gebete haben. Die wörtliche Uebersetzung lautet: „Er tilgt die jeweilig erste (Sünde)". Der verzeihende Gott kommt dem. reuevollen Sünder mit' erbarmender Liebe entgegen. Cr verfährt anders als der irdische Richter. Der irdischeRichter ist zwar milde gegen den, der sich zum ersten Mal vergeht, aber streng gegen den, der das Vergehen wiederholt. Gott jedoch ist nicht nur milde gegen die erste Sünde und tilgt sie (Hiob 33, 39), sondern er beurteilt auch die folgende Sünde, nachdem die frühere getilgt ist, so als ob es die erste wäre und so fort. So löscht er, wenn wir reuevoll vor ihm erscheinen, eine Schuld nach der andern. Dies ist der schlichte Sinn der Worte. Sie sind am besten frei zu übersetzen: „Er tilgt eine Sünde nach der andern". (Ein französischer Roman audem Leben der ThaMdimr) Der große Preis der Pariser Akademie wurde im Mai d. I. den Brüdern Jean und Jerome Tharaud für ihren Roman „L'Ombre de la Erolx" („Der Schatten der Kreuzes") verliehen. Im Mittelpunkte dieses Judenromans steht das Lebensschicksal eines jüdischen Knaben auS Hunfalu (Hundsdorf), deffen große Jeschibah daS geistige Zentrum chasstdischen Lebens in Ostungarn ist. Dis beiden christlichen Autoren haben daS chasstdische Leben und seine Poesie viele Monate hindurch in der MarmaroS und am Hose de» Rabbi ven Belz an» eigener Anschauung kennen gelernt. SaMt-Anfang und Ausgang. ■-p n fbv ORT) Anfang Datum Ausgang UhrlMn. 19210 5«80_ Uhr Mia. Franksnrt a. M. 6 0» 18. Sept. «. Tischri 7 20 Berlin .... tz 81 7 17 München . . . V — 7 Strakbnra . . — — Stuttgart. . . — — ' Posen .... — Rürnbers. . . — — — Hamburg . . - - 7 19