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Der Israelit · 1920-09-02 · Heft 35 (2.9.1920) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 35 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 No. 85 ,5»er AimBt* Bettstiftungen sind dieses Jahr auch mehrere Ehrenmitglieder mit je 1000 Mk. dem Verein gewonnen morden. ES brjchr sich eben allgemach die Erkenntnis Bahn, daß auch diejenigen Kranken, die nicht beutelsest genug sind, täglich 80—100 Mk. auf dem Altar deS Rakoczy ntederzulegen, ein Anrecht darauf, haben, sich ihrer Fanlilie zu erhalten. Ein etwas unerfreuliches Kapitel Kiffingrr Gemelndepolirik entrollt unS ferner ein langjähriger Kisfinger Kurgast. Er schreibt: Wenn Sie sagen, batz die Gemeindeinstitutionen hier in den besten Händen sind, so darf nicht verschwiegen werben. — schon deshalb nicht, weil die Fälle topisch sind auch für manch andere Gemeinde — daß der Herr Rabbiner dabei keinen leichten Kampf zu bestehen hat, Kampf gegen Indolenz, -egen bösen Willen und auch gegen bemühte Neologie. DaS zeigte sich bei der Mtkwohangelegenheit, die eine Zeitlang den casus delli zwischen Rabbinat und Gemeindeverwaltung bildete. Dah sich die Mikwoh hier in irgend etwas dem Bilde des „LuxusbadeS" einreiht, hat noch keiner behauptet, vielmehr behaupten sogar weniger verwöhnte Kurgäste, dah sich diese in einem Zustande befindet, der ihnen dte Benutzung unmöglich mache. Für Renovierung hat aber die Gemeinde kein Geld. „Erstens", sagen dte Herren Neologen in der Gemeindestube frei nach dem Beklagten in der weltbekannten Geschichte vom Topfe, „erstens brauchen wir keine und zweitens ist sie uns gut genug . . Da aber -er Herr Rabbiner keine Ruhe gab, fand man sich endlich zu einem mockus vivendi bereit nach dem Grundsätze vom sattgewordenen Wolf und dem ganzgeblirbener.en Schäfchen ... Das Schäfchen ist in diesem Falle der gute Kisfinger, das größere Exemplar dieses Genres aber der Kurgast, auf den diese Last abgewälzt wird . . . Einer sogenannten „Zorche Zlbbur"-Kasse, für die «„geschnobert" wird — das pflegte in der Regel fast nur der Kurgast zu tun — sollte eS obliegen, die Gelder für die nötigen Reparaturen aufzubringen. Das wäre noch immerhin eine angänglichs Lösung» tu Anbetracht der Tatsache, baß die Mikwoh ja schließlich mit »ine. öffentliche Angelegenheit des jüdischen KurpublikumS ist. Erbaulich ist aber, was dte Finanzgenies in der Kisfinger Gemeindestube sich nun als Kompensation für diese Konzession auSdachten. Man verdünnte kurzerhand „Zion" vom Almemor, ein höherer „UkaS" verbot, für Erez JtSroel oder ähnliche Zwecke zu spenden. Alle Spenden sind jetzt — mir Ausnahme der für die itodj wenig bekannte Zorche Zibbur-Kaffe gestifteten — für nvrsn rra bestimmt und fliehen in die Gemeindekaffe zur Deckung der laufenden Ausgaben und Entlastung des zumeist sehr wohlhabenden Kisfinger Steuerzahlers.. Diese Lösung hat doch insofern ein Loch, als mancher Kurgast, der sich nicht berufen fühlt, die Steuerfreudigkeit der guten Kisfinger zu heben, bei diesen Umständen fein „Mischeberach" für sich behält. Das sollte er nicht tun, sondern seinen Obolus der „Zorche Zibbur"-Kaffe zuführen, die am Ende einer Angelegenheit dient, welche auch ihm und der gesamten gesetzestreuen Kurgemeinde zu Gute kommt. Ein Kurgast. Der Jugendtag in Nürnberg. Durch ein Versehen deS Berichterstatters find am Schluffe des Berichts über die Nürnberger Tagung Worte deS Herrn Dr. P. Kohn im Namen des Herrn Dr. Klein-Nürnberg wiedergegeben worden. Herr Dr. Klein sagte, dah der Streit um das Wort „Volk oder Gemeinschaft" ein Wortstreit ist, wenn man nur weih, daß die Einheit aller über die Erde und Völker verstreuten Juden als NNj» 'in nie aufgehört hat und unzerstörbar ist) wenn man nur weih, dah die Behauptung, das Judentum sei lediglich eine Religion bedeuten kann, wenn diese Behauptung zur Verleugnung von ’"x rriws und N7ir« führt. Alldem gegenüber reden wir von einem ,jüdischen BolkStum oder einer jüdischen Gemeinschaft, die mehr ist, als das, was die Außenwelt unter dem technischen Ausdruck „Religion" versteht. Noch einmal Geldheiraten. Zum Kapitel, „Geldheiraten" möchte ich mir auch einige Bemerkungen gestatten, da es sich um eine Sache der Gesamtheit handelt. Ich habe nämlich die bescheidene Auffassung, dah die Sache doch nicht so einfach liegt, wie die Herren Einsender meinen, daß mancher Vorwurf, bet Licht betrachtet, doch nicht immer an dte richtige Stelle gekommen ist. Zur Einrichtung auch des alleretnfachsten Haushaltes ist leider heute schon ein recht ansehnliches Minimum an Geldmitteln erforderlich, ganz zu schweigen von den Kosten deS Haushaltes, die ja hier nicht in Betracht kommen. — Die Mittel für die Einrichtung sind jedenfalls zwingende Notwendigkeit. — Wiill nun der aufstrebende Kaufmann, der heute einen Kampf zu kämpfen hat, wie vielleicht kaum je vordem, will er sich, der gerade knapp ferne Familie durchzubringen im Stande ist, außerdem noch eine kleine Stütze an Mitteln schaffen, wer will es ihm verdenken? Nicht wird von ihm in allen Fällen, der Antrag willkürlich bei Seite geschoben, wenn die Geldfrage nicht zufriedenstellend ist, sondern er muh leider darauf verzichten, wenn er ein Mensch ist, der VerantwortlichkritSgefühl hat. Ich weiß genügend j Fälle, wo rS sich um solche handelt, die keineswegs in der Hauptsache nach den Geldmitteln sehen, aber leider können sie diese Bedingung heute nicht au»- halten. " Aber das ist ja auch garnicht der Kern de» Nebels. Dte Ursachen für die betrübenden Verhältnisse bestehen nicht erst seit heute, sondern da» geht schon weit zurück. Schließt so ein Sohn reicher Eltern eine Ehe, da kann man mindestens bei 95*/, damit rechnen, daß er zu seinem Gelbe sich wieder eine Frau sucht, die auch recht viel von dem Mammon aufzuweisen hat. Gibt es nicht auch in den weniger mit materiellen Gütern gesegneten Ständen, gute gottesfürchtige, charaktervolle Mädchen, dte alle Bedingungen erfüllen, die man an eine jüdische Frau stellen sollte? und ist es gar so schwer zu beglücken, da wo man so leicht dazu in der Lage ist, und für die jüdische Gesamtheit durch eine sittliche Tat zu wirken? Und als Pendant dazu, wie steht eS denn mit den Töchtern begüterter Eitern? Ein einfacher, ernster, strebsamer Mensch und guter Jehudi, dem es ernst damit ist, in der Frau fein Kleinod zu sehen, genügt er ihnen? Nein. Meist wird nur danach gefragt, ob wieder genügend Geldmittel vorhanden ist, oder eS muß, mindestens einer setn, der den Doktortitel hat und je nach der Mitgift bewegen sich die Ansprüche in aufsteigender Linie, als wenn das Erdenglück nur in kostbaren Möbeln und dergleichen läge. In dem Geiste werden unsere Ehen geschloffen und unsere Kinder er, zogen. Wenn eS uns gelingt, dagegen zu arbeiten so komme.r wir vielen zu Hilfe. » Einer für Biele. Frankfurter Kerichte. Vortragsabend der Kgndas Krsroek. Am Montag, den 6. September 1920, abends »'/. Ahr findet in dem im Inseratenteil noch bekannt zu gebenden Saale ein Vortragsabend der AgudaS JiSroel statt, auf den wir besonders aufmerksam machen. Der durch seine Gelehrsamkeit, wie durch feine öffentliche Wirksamkeit rühmlichst bekannte P o n i - wescherRaw, der Führer der Gesetzestreuen im litauisch-jüdischen Nattonalrar, Herr Rabbiner Kahnmann wird über die Lage in Litauen und über die Preßburger Konferenz referieren. Außerdem spricht Herr Wolf S. Jacobson au» Hamburg über den Stand der Bewegung. Wir zweifeln nicht daran, dah der Vortragsabend mit Rücksicht auf die Gegenstände, wie auf die Person der Redner besonders lebhaftes Interesse finden wird. «Zemaan Aiov. Der Verein „Lemaan Zion" gestartet, sich auch dieses Jahr feine Freunde und Gönner in einen Ausruf auf kurze Ziele zur Förderung des Wohls unserer Glaubensbrüder im heiligen Lande htnzuweisen und um Geldbeiträge zu diesem Zweck zu bitten. Die hohen Feiertage sind besonders geeignet, zur Wohltätigkeit anzuregen. Spenden sind zu senden an Sw. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. N. A. Nobel. pijutim. Am Sonntag den 5. und Sonntag den IS« September nach, nru# setzt Herr Dr. Jos. Breuer im Vereinslokale seine Borträge über die Pijutim zu •Yifcö vv. fort. Die Teilnehmer werden gebeten, Machsor mitzubringen. Antisemitismus auf der SchnmannbüHne. Im Schumanniheater, wo man in den Ferienwochen klafstsche Opern in. boiksiümlicher aber künsterisch beachtenswerter Ausführung sehen konnte, scheint der ^Uebergang zur Operette, dem eigentlichen Lebenszwecke des Theaters, mit einigen Schmerzen verbunden zu sein. §ur Zeit geht abends über die Bühne eine komische perette unter dem Titel „Flotte Bursche", ein Stückchen wie es sich die Herren Antisemiten für ihre Hetzzwecke garnicht besser wünschen könnten. Ein jüdischer Wucherer und Schieber ist die Hauptperson, die eine geschlagene Stunde mit seinen Tricks, seinen Schlichen und seinem habgierigen unersättlichen Getue das Publikum erheitert. Ein von dem Juden ausgebeuteteS Pärchen mühte, weil „er" nichts mehr hat, auseinander, da legen sich die „flotten Stunden" ins Mittel, spielen dem Allen einen Schabernak und schwindeln ihm das nötige Geld ab, damit „sie sich kriegen". Vorhang fällt. Aber der erstaunte Zuschauer fragt sich, von wem die sonst so verständige Direktion des Schumanntheaters so übel beraten wurde, in einer Zeit der Gärung wie der heutigen und in einer Stadt wie Frankfurt, wo die Verdienste der Juden für dte Kunst und Wissenschaft allbekannt sind, solchen gefährlichen Schund auf die Bühne zu bringen? S.Septe«-er1«» Verein MekorChaji« Samstag morgen nach Schul: „Dinim") Herr; Rektor Falk.— 13 Uhr: „Melochim^; Herr .. Prof. Weyl. — Nachm. 4>/«Uhr, Langestr. 18: „Mikro",' Herr H. Holpern. Sonntag morgen, 9y4 Uhr und Dienstag vor nrüö, im Vereinslokale: „Gemoro"; Herr ». «. Posen; nachmittag nach Mincha Pijutim zu Herr Dr. Joseph Brewer. Sonntag bis Donnerstag abend, 0 Uhr: v"s»'Schiur; Herr-H. Halpern. Montag und Mittwoch, 7 Uhr abend»: „Gemoro"; - Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag,LahrzeitSftiftungSlernen, Ludwig Elieser Kollmann--Stiftung. Freitag, JahrzeitSstiftungslernen Ahron Kollmann. Stiftung. - . x .. Jeden Morgen nach Schluß der Synagoge: „Mtschnalernen". Vgudas Jisroel-Jvgeudgrnppe. . Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumtsch mit Räschi"; Herr Leopold Oppenheimer. Dienstag, 8—9 Uhr abends: „ro»". — »*/,—<41/* Uhr nachm.: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. Mittwoch abend, 8 Uhr: „Tefillo"; Herr Oberlehrer Jof. Kaufmann. — 8-/^ Uhr: „Newiim",' Herr Lehrer Unna (in der Wohnung de» Dozenten, Kleine Obermalnstr. 30). — H,» bi» 10 Uhr: Turnen. SamStag vorm., */*10 Uhr: „Gemoro": Herr Dr. I, P o s e n. - 11-/. Uhr r „Mischna"; Herr Lehrer A. Hirschberg. Slgndas Disroek-Mädchengrnppe. Gon ntag abend, 8*/, Uhr: „Hebräische Sprache- Herr Lehrer Je len. Dienstag abend, 8% Uhr: „Machsor zu n"V'; Herr Zahnarzt Ehrm ann. Mittwochabend, 8% Uhr: „Chumisch" für Anfänger,' Frl. Edith Joel. Donnerstag, 81/, Uhr: LMN), Herr Zahnarzt Ehrmann. SamStag, nach Schluß der Synagoge: „Sidravortrag". — 11 Uhr: „Lektüre", Frl. Ehrentreu. — 4 Uhr: „ThauroHerr Lehrer HtrfchberL. — 8 Uhr nachm. „Tesilloh"; Herr Dr. Hofmann. Bkshamidrasch, Ostendbratze 1» SamStag nachm. 8 Uhr: Vortrag. SamStag nachm., l/*ö-J/,7 Uhr, Sonntag früh 8-0 Uhr, DienStag und Donnerstag abend, 9—10 Uhr: „Gemoro-Schiur" nvv am; Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. SamStag abend, •*/« Stunde vor Nacht: Herr H. Halpern. Alltäglich % Stunde vor Nacht: Dlntm; Herr Rosen zweig. QV *TDri> Ostendstratze 18. Täglich nachm. ,—8 Uhr, v'nov mw; SamStag nachm. 4l/a—0 Uhr: Herr Rabbiner S. Weber. Heb etz eiten. Kirsn '2 nstp. Freitag abend 6.30. SamStag morgen S.—. SamStag nachm. 5.—, Samstag abend 7.50. Wochengottesdienst: MorgenL 5.30. Nachmittags 6.30. Sonntag morgen 5.15. am Eschenheimer Turm. o ilufir. Mrrthal und Siettabarrtt. KastcnSffiums 6 7. ilftr, Hut. 77. M adenOS. Neu eröffnet: Wein»Klause* Ginsang nur Gtiitstratze SS. 028335

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