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Der Israelit · 1920-09-02 · Heft 35 (2.9.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 35 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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*. September is99 Emigranten von früher sind so gut wie ganz von der Bildfläche verschwunden. Es kommen nur Frauen und Kinder — und viele junge Mädchen -- zu ihren Männern und Vätern, hier und da auch ältere Leute zu ihren Kindern. Es wird dadurch, wie die Zeitungen betonen, die HetrütSfragr für die Männer in günstigem Sinne gelöst, aber auch das sittliche Niveau der Familie wesentlich gehoben, da die frauenlosen Häuser bis dahin gewiß nicht zur Hebung der jüdischen Frömmigkeit und Gemütlichkeit beitrugen. Selbst die grimmigsten Scharfmacher in der Emigrationsfrage dürften sich mit dem jetzigen Etnwanderungselement vollkommen zufrieden geben. Vatästiriä. IDleöerheTir 9er Tfiorarolleft. Jerusalem» 20. August. Ein eigenartiges Fest wurde vor kurzem in der Jefchtwoh „Ez Chajim" begangen. Sechzehn heilige Thorarollen hatten in den Pogromtagen die arabischen Mordbuben in der Jeschiwoh, d!e sie fast ganz zerstörten, entweiht. Sie wurden jetzt, nachdem der Bau neu hergertchtet worden ist, wieder in Stand gesetzt und unter großen Festlichkeiten ihrem heiligen Zwecke wieder zugeführt. An dem Festzug beteiligte sich Alt und Jung und Herr Rabbiner Kuck hielt im Jeschiwohhaufe die Festrede. Personalien. Würzburg, 30. August. Der an der israel. Volksschule im benachbarten Hetdingßseld angestellie Lehrer Grün selb wurde auf Grund des bayr: Beamtenbesoldungsgesetzes von der Regierung zum Hauptlehr er befördert. Prag, 22. August. Im 19. Lebensjahre hat Richard. Sohn des Herrn Rudolf und der Frau Äamilla Stravsky, nach kurzer Krankheit seine Seele ausgehaucht. Die Trauer urn diesen Edelmenschen ist. eine allgemeine. Er mar einer der wenigen von der hiesigen Jugend, der nicht nuc die „Talmud Thora" eifrig besuchte, sondern sich auch bestrebte, die Religions- Vorschriften, wie er sie tm Elternhause betä'igen sah, einzuhalten. Nach Ab'olvierung der Handelsakademie fand er eine Stelle bei Aron Hirsch-Halberstadt, bevor er sie aber antrat, ereilie ihn daS böse Verhängnis. Am v'LL'.V 'a nachmittags fand die Bestattung unter sehr groher Beteiligung statt. Möge der Allmächtige die schwergeprüften Eltern, die für die religiöse Erziehung ihrer Kinder kein Opfer scheuen, um den Heimgang dieses ihres ältesten, hoffnungsvollen Sohnes seinen Trost spenden. ri"2nri. Berlin» 23. August. Am Montag voriger Woche veranstaltete die Tiergartensynagoge an der Potsdamerbrücke eine Gedenkfeier ,für den vor Jahresfrist aus dem Leben geschiedenen Bankier Max Jaffa, der einer der opferwilligsten Förderer dieser ehrwürdigen Andachtsstätte im Berliner Tiergartenvierlel gewesen ist. Die Gemeinde bekundete ihre Dankbarkeit zunächst durch einen Beschluß, wonach das Gotteshaus in Zukunft den Namen „Tiergartensynagoge Max Jaffas führen soll. Jetzt ist. auch der erste Jahrzeilstag ihres hochherzigen Gönners von den, M.tlMeKMt.WsqyW,en^Mtt den Angehörigen der Familie Jäffa, zahlreichen Vertretern wohltätiger Vereine und Institutionen sowie Mitgliedern der hiesigen Gesellschaft in erhebender und eindrucksvoller Weise begangen worden. Nach Beendigung deS Minchagebetes überreichte der Schwiegersohn des Entschlafenen, Herr Dr. Ist Kahn-Jaffa, unter Verlesung der Stisrungsurkunde dem Synügogenvorständ ein Sefer-Thora, das die Familie im. Sinne des Verstorbenen dem Gotteshause gespendet hat. Herr Kommerzienrat Maximilian Stein dankte im Namen der Gemeinde mit trefflichen und sinnigen Worten für das kostbare Geschenk. Nach erfolgter Einstellung des Sefer in die heilige Lade betrat Herr Rabbiner Dr. Berg er die Kanzel, um noch einmal in längeren Ausführungen ein Lebensbild Max Jaffa's zu entrollen. Die Worte des Predigers ließen das Bild des Verklärten als eines wahrhaften Jehudt und großzügigen Philantropen vor den Zuhörern noch einmal lebendig werden. Mit dem Gesänge Enosch Rechozir und dem El Mole rachamtm.Gebet fand die ergreifende Feier ihren Abschluß. Am Abend gab der Altmeister der Jüdischen Wissenschaft, Herr Professor Dr. Ho ff mann, im engen Freundeskreise im Hause des Entschlafenen eine ausführliche persönliche Würdigung seines verstorbenen Freundes. In der Frühe desnächsten TazeS vereinigten sich am Grabe des Verewigten die nächsten Angehörigen und «rr Jsraeltt. ' _ _’ Freunde, und von mehreren Rednern wurde auch hier abermals dem lieffchmerzlichen Verlust Ausdruck gegeben, den die Familie und die Mitwelt Max Jaffa's durch fein^ allzufrühes Scheiden von der Erde erlitten. ES sei noch erwähntdaß dem Andenken an den Entschlafenen auch zwei kleine Broschüren gewidmet sind, von denen die eine die Gedächtnisreden enthält, die anläßlich der Beisetzung des seligen Herrn Jaffa gehalten wurden, die andere eine von dem bekannten Schriftsteller Davidowitsch in vorzüglichem Hebräisch verfaßte Biographie und Familiengeschichte des Verstorbenen. Berlin, 20. August. Am 29. August beginnt in Nerv Aork eine" neue große jüdische Tageszeitung, „Jewkch Daily Times", zu erscheinen. Das Blatt ist das Organ der Poale Zion. An der Spitze der Redaktion steht der Schriftsteller David Pinsky. Berlin, 20. August. Die Zentra lw ohlfahrtSftelle der deutschen Juden, Berlin, meidet: Aus Grund deS von Mr. Hoover geschaffenen Systems der Versendung von amerikanischen Liebesgaben besteht seit einiger Zeit eine Möglichkeit, Verwandte und Freunde in Deutschland mit amerikanischen Nahrungsmitteln zu unterstützen. Diese werden zu billgsten Preisen geliefert und erreichen nachweislich ihren Bestimmungsort. Die American Relief Administration (Geschäftsstelle: Hamburg, Ferdinandstroße 58) hat in Deutschland amerikanische Lebensmittellager eingerichtet, durch welche amerikanische Lebensmittel sicher und billig zugesandt werden können. Mit'Hilfe von Postkarten, die von den Gemeinden bzw. denjenigen Institutionen, welche dem örtlichen Wohlfahrtsausschuß für die Amertkahilfe angeschlvffen find, ausgegeben werden; wenn der Name des Absenders in Amerika glaubhaft genannt wird, kann sich ein jeder, der Verwandle oder Freunde in Amerika besitzt, Lebensmittel beschaffen. Auf rituelle Lebensweise ist bet der Zusammenftellung der Pakete Rücksicht genommen. Berlin, 15-. August. Die im Vergleich zum Wintersemester aeringere Mitgllederzahl der diesigen Vereinigung jüdischer Akademiker bot eine günstige Gelegenheit, die Vereinstäligkeit mehr auf die Jnnenarbeit zu konzent'ieren. Zu diesem Zwecke war der Vorstand vor allem bemüht, wö.silchst zahlreiche und den Kenntnissen der einzelnen Brmdeslnüder angepatzte Schiurim in den verschiedenen Stadtteilen Berlins einzurichten. Gelernt wurde in der Hauptsache rrivr und fivatro, daneben auch pVp, und Vv-.n mit 'Ai.' An den all. wöchentlich stattfindenden Vereinsabenden, die in der Regel auch von zahlreichen Gästen besucht warerr, wurden folgende Referate gehalten: Vbr. I. Merzbach, „Die Haarverhüllung des jüdischen Weibes in unseren religionsgesetzlichen Schriften"; Bbr. S. B amberger, Die Deutungsart al tikro"; Bbr. Dr. I. Levv, „Die Entwicklung des Lernens im Bund jüdischer Akademiker"; Bbr. S. Birnbaum, „Leben und Worte des Baai-Schem"; Bbr. Dr. M. Calvary, „Rabbiner Dr. Woiff Feftchenfeld-Posen und seine Bibelerklärungen"; Bbr. W. Löwenthal, „Der Unsterbtichkettsglaube in der Bibel"; Bbr. Dr. S B. Bamberaer, „Judentum und Menschheitsglaube"; Bbr M. PincuS, „Die Lehre vom richtigen Recht und jüdische Rechtsphilosophie"; Bbr. M. Stern, „Der jüdische Staat in der Bibel". An die Vorträge schloffen sich meist rege Diskussionen. Der Pflege der Geselligkeit dienten die ziemlich regelmäßig veranstalteten Ausflüge der Bundesbrüder in die Umgebung Berlins, sowie ein Kegelabend, der im Laufe des Semesters stattfand. Den Vorstand der Bereinigung jüdischer Akademiker Berlinbildeten im abgelaufenen Semester die Herren G. Haarburger, Dr. M. Birnbaum, P. Galewski, S. Nürnberger und E. Schlüssel. Die Ausbildung der Füchse lag in den Händen von Bbr. Dr. Jacob Levy. Berlin, 31. August. Der Verband der Ostjuden wird ab 1. Ttschri eine Wochenschrift in jüdischer Sprache unter dem Titel „Der Misrachjud" erscheinen laffen. Dieselbe wird sich mit allen aktuellen Problemen sozialer, kultureller und politischer Natur, die die Ostjuden in Deutschland und die Lage der, Juden in den Ostländern btreffen, befaffen und besonders den Fragen der jüdischen Wanderung und ihrer Klärung gewidmet sein. Die Redaktion und Administration befindet sich Berlin C 54, Rosenthalerstr 43. Zeiiungsvertrieb Hamewaffer. Berlin, 31. Aug. Eine Organisation „zur Bekämpfung innerer Verhetzung" betreibt in Berlin im umfangreichen Maße eine Geldsammlung und verweist dabei auf eine von rhr herausgegebene Broschüre: „Der Antisemitismus — Deutschlands Verhängnis." Nach Information von einwandfreier Seite handelt es sich bei dieser Organisation um ein reines Geschäftsunternehmen. Berlin, 30. August. Der Deutsche Verband Jüdischer Krankenpflegerinnen - Vereine hat sich auf seiner letzten Delegierienversammlung mit den Einkommens-Verhältniffen der Schwestern und mit deren Ruhegehalt beschäftigt und hat die Bezüge auf eine den Zeitverhältniffen entsprechende Höhe festgesetzt. Man darf bestimmt erwarten, daß die Schwestern jetzt so gestellt sind, daß sie in einfachen Berhältniffen auskömmlich leben und ohne Sorgen der Zukunft entgegensehen können. Der Verband hat ferner folgende Resolutionen gefaßt: Nr. *5 Sette T ».wTOT-r— - --- —- —- -. i i -.' 1) Die o« 1. und 2. Juni 1920 in Berlin versammelten Vertreter der Jüdischen Schwesternvereine Deutschlands erklären, daß die Tätigkeit der gesamten Vereine nicht auf Erwerb gerichtet ist. Sie stehen auf religiöser Grundlage und verfolgen in freier LiebeStätigkeit gemeinnützige Ziele im Dienste der Allgemeinheit. Die Tagung erhebt daher Widerspruch dagegen, den Bestimmungen der neuen Gewerbesteuergesetzgebung unterworfen zu werden. 2) Durch die Anstellung kontraktbrüchig gewordener oder disziplinarisch entlassener Schwestern wird daS Ansehen der jüdischen Krankenpflegerinuen-Sache auf das Empfindlichste geschädigt. Alle jüdischen Wohlfahrtsstellen werden daher ersucht, vor Anstellung von Schwestern über deren frühere Tätigkeit Auskunft einzuziehen., München, 25. August. Die „Münchener Post" schreibt: Man hat uns jüngst auf den RedaktionStisch Reichsbliesmarken gelegt, die an Stelle der Durchlochung mit Firmeninitialen in der Form deS Hakenkreuzes durchlocht waren. Man sieht: Die Verehrung deS Hakenkreuzes ist bei den Altdeutschen so gestiegen, daß eS nicht nur auf alle Hauswände gemalt, auf gewölbter deutscher Männer- und Frauenbrust getragen, sondern sogar schon beleckt wird ... Karlsbad. 20. August. — Die in Karlsbad tagende jüdische Wellhilfskonferenz sandte an die Witwe des Ermordeten Prof. Friedländer nach New- Aork folgendes Telegramm: „Die in Karlsbad versammelte Hilfskonferenz hat mit tiefster Erschütterung deS tragischen HlnscheideuS Ihres verdienten Gatten, des Prof. Israel Friedländer md seines Begleiters Dr. Cantor gedacht, deren Marryrium für ihre Brüder in der Geschichte der HÜfkliiiigkeit unvergeßlich bleiben wird. Nehmen Sie die Versicherung unseres schmerzlichsten Beileids entgegen, deS Beileids im Namen derer, denen Ihr Gatte in solch hingebungsvoller Wesie sein Leben zum Opfer gebracht hat". Bad Neuenahr, 19. August. Aus Einladung deS jüdischen Jugendbundes Neuenahr-Ahrweiler vecanstalteie Herr Obernsänger Walter Woog auS Krefeld am 10. d. MtS. einen Vortragsabend in Bad Neuenahr. Das etwas zu reichhaltige Programm umfaßte neben einer Arie aus Mendelssohns „EitaS" u. NubinsteinS „Asra" eine Reihe Jargon-hebräischer Lieder, Negltationen aus Beer-Ho ff manns „JaakobS Traum" u. Zweiges „Jeremias", sowie Gedichte von Heine, Friedländer, Zuckermann, Böerics von Münchhausen u. a. Das Bestreben des Herrn Woog, breiteren jüdischen Kreisen „jüdische Kunst in Wort und Lied" nähcrzubringen istiehrgu begrüßen. Ein zahlreich erschienenes Publikum spendete reichen Beifall und nötigte dem Künstler Zugaben ab. Am Klavier war Herr Manfred Llchieudorf ein verständnisvoller Begleiter. Der Ueberschuß aus den Einnahmen deS Abends fiel dem Bausonds des Israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr zu. Labischin, (Posen), 20. Aug. Unser Rabbiner Herr Dr. Rosenwässer, ist vom Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands nach Halberstadt berufen worden. Bei seinem Abschied von der Gemeinde hat er dem Gemeindevorstand Mk. 500.— überreicht als Grundstock einer van Y Stiftung. Die Stiftung soll seinen Namen dauernd in der Gemeinde erhalten und deren Zinsen zur Unterhaltung des N'an *u verwendet werden. Sprechsaal. Z» den Kissinger Badebriefen. Zu unseren Kissinger Badebriefen geht uns eine Reihe von Zuschriften, besonders aus Badeplätzen zu, die in der Hauptsache Zustimmungen und Ergänzungen auf Grund von Beobachtungen der Einsender enthalten. Ueber die geplante Errichtung des Hospiz für arme 'Israeliten in Kissingen wird uns geschrieben: Ihre Angaben über das „Kurhospiz für arme Israeliten'" bedürfen der Ergänzung. Dasselbe sieht seiner Eröffnung schon im kommenden Jahre entgegen. Das Heim ist bereits da — ein HauS mit herrlichem Garten in einer Gesamtfläche von 5000 qm neben dem Kinderheime — wird aber zur Zeit noch von anderen Mietern bewohnt. Die Vereinsverwaltung, der auch 20 auswärtige Herren angehören, arbeitet mit Eifer daran, das Werk so bald wie möglich in Betrieb zn setzen, was mit Hilfe der täglich wachsenden Gönnerzahl auch gelingen dürfte Außer kleinen und großen Spenden bis zu 3000 und 10 000 Mk für Zimmer- und "EQ Dr. Goldschmidt "ed Taunus-Sanatorium Bad Homburg v. d. H. für Nervosa, innerlich Kranke, Erholungsbedürftige. Berlin. In Berlin wurde eine Meih-Fabrik errichtet, die sich mit der Herstellung eines Meth befaßt, der nach polnisch-russischem Modus erzeugt wird. Nä^ bereS aus der heutigen Anzeige der Germania. Meth- Fabrik, Berlin, Greisenhagenerstr. 37.

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