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Der Israelit · 1920-09-02 · Heft 35 (2.9.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 35 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sffce 6 Nr. 3g Oer Sßraem 9 Eepttmber LAO mit diesem Abschub bezw. Ausweisungsbefehl nichtzu tun." fintlsemltilcke Dusschrettungen. - Brest««, 26. Aug. , Im Anschluß an eine Demonstration der bürgerlichen Parteien gegen die polnischen Aufstände, fanden hier Ausschreitungen zunächst gegen das polnische und französische Konsulat statt, die sich aber gegen Abend zu einem kleinen Pogrome auswuchsen. Nachdem der Pöbel vor den Hotels, in denen die alliierten Offiziere wohnen, auf Widerstand der Sicherheitspolizei gestoßen war, zog er nach der Antonienstraße, um gegen die Juden zu demonstrieren. Die meisten der Exzedenten waren mit Gummiknüppeln ausgerüstet. ES hieß natürlich : „Gegen die eingewanderten Ostjuden." In Wahrheit wurden aber sowohl in der Antontenstraße wie in der Sohraustraße jüdische Geschäfte, u. a. auch das große Warenhaus. Herzfeld, geplündert. Polen. kine flaaflidie Unferfuchüngshommiffion gegen die JuöenDerieumöung in Polen. Warschau, 25. Aug. Hn Angelegenheit der neuen antisemitischen Verleumdungen gegen die Juden hat gestern ein Ministerrat ftattgefunden, dem auch die Vorsteher der jüdischen parlamentarischen Vereinigung, die Rechtsanwälte Grünbaum und Prilucki, betgewohnt h^ben. Die jüdischen Vertreter haben die Regierung nachdrücklichst aufgesordert, die jüngst erlassenen Verordnungen gegen die jüdischen Soldaten und Osfiziere zurückzuziehen und insbesondere eine Kommission zur Untersuchung der gegen die Juden neuerdings gerlch^ teten Verleumdungen einzusetzen. Der Vertreter des Kriegsmintsteriums stimmte den jüdischen Forderungen zu. Warschau, 26. August. Heute hat sich eine aus Vertretern des Kriegsmintsteriums und der jüdisch polnischen Vereinigung zusammengesetzte Kommsssion nach dem polnischen Korridor begeben, um die gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen sowie die an ihnen begangenen Grausamkeiten zu untersuchen. öemeinge-vermögen befchlagnahmf- Lodz, 23. August. Die Regierung hat das Vermögen der jüdischen Gemeinde beschlagnahmt und den Tag der öffentlichen Lizitation ausgeschrieben, um in solcher Weise den Betrag von 1 Million Mark als Pflege- und Heilungökosten für die in städtischen Krankenhäusern untergebrachten mittellosen jüdischen Patienten einzutreiben. Die Lodzer jüdische Gemeinde hat gegen dieses Verfahren wiederholt schärfsten Einspruch erhoben, da es nicht angeht, ein ^veraltetes Zarengesetz, wonach die jüdische Gemeinde ihre mittellosen Kränken nicht auf städtische, sondern auf eigene Kosten zu unterhalten hat, gerade auf die Juden der polnischen Republik anzuwenden. Jiöifrhe Opfer des polnifrfien Selöjuges- Berlin, 30. August. Die Nachrichten aus den jüdischen Städten und Städtchen, die die Polen mit ihrem Rückzug berührten oder jetzt auf dem Vormarsch durchstreifen, lassen erkennen, daß in den letzten Wochen wieder jüdisches Blut tn der nächsten Nähe der deutschen Grenz-, ja auch auf früher deutschem Boden, im sogenannten „Korridor", in Strömen geflossen ist. Wenn die Polen in ihrem Tagesbericht betonen, die Juden hätten überall in dem vorübergehend von den Bolschewisten besetzten Gebiet; diesen Vorschub geleistet, so.weiß der Eingeweihte, daß damit eine Rechtfertigung bereits begangener und noch zu begehender Greueltaten ausgesprochen werden soll. To weiß auch der Berichterstatter der „Freiheit", der einzige von den deutschen Journalisten, der den tttzten Krieg.aus MeneL Anschauung ein wenig kennt/ bereits von eirschütterndest Eintelheiten zu berichten, die er zum Teil als Äützenzrnge selbst miterlebt hat, und noch beuntühigender klingt das, was ihm über die Vorgänge zu Ohren gekommen ist' und er nur andeutungsweise vorerst streift. Aus den Zeitungen an der Grenze entnehmen wir u. a., daß am 18. dss. eine Bombe auf die jüdische Synagoge tn Soldau abgeworfen wurde. Andere Bomben platzten am nächsten Tage in der Nähe des Gotteshauses. In Chorzelle ist nach Meldungen heS „Allensteiner Volksblattes" der größte Teil der hauptsächlich aus Juden bestehenden Bevölkerung von den Polen niedergemetzelt worden. Eine große Reihe von jungen Leuten wurde nach kurzem Prozeß standrechtlich erschossen. Nach einem Telegramm des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten in Kowno an das Komitee der jüdischen Delegation in Paris haben die Polen auf ihrem Rückzüge aus Wilna die jüdische Bevölkerung schonungslos ausgeplündert. Noch schlimm'r erging es den Juden in^Srodno, wo entsetzliche Pogrome ftättfanden. In Wilna erwartet man mit Sehnsucht den Einzug der Litauer (der inzwischen erfolgt ist.) Aus Breslau wird der Deutschen Nachrichten- Agentur unterm 22. August berichtet: Wie von zuständiger Stelle berichtet wird, wurde der jüdische Kaufmann Erich Bock von den Polen verhaftet und am 15. d. M., sechs Uhr früh in Posen erschossen. Bock, der eine besondere Stütze des Deutschtums war, war den Polen unbequem, und seine Verhaftung und Erschießung dürften ohne triftigen Grund erfolgt sein. - Line jilöifche TragöOie In Schieöie?. . Warschau, 28. August. Gleich nach Wiederkehr der Polen in die von den Bolschewisten geräumte Stadt wurden vierhundert Juden verhaftet und unter der Beschuldigung, den Bolschewisten Waffendienste geleistet zu haben, vor das Kriegsgericht gestellt. Tatsächlich besteht ihre Schuld darin, daß sie in der durch den Abzug der Russen entstandenen allgemeinen Panik die Flucht ergriffen. Sie sind aber den Polen in die Hände gefallen. Schon am ersten Verhandlungstage wurden zehn Angeklagte zum Tode verurteilt, von denen, fünf gleich hingertchtet und fünf zu lebenslänglichem Zuchthaus „begnadigt" wurden. Die anderen Angeklagten, unter denen sich auch Handelsschüler, fast Kinder, befinden, sehen einem gleichen Schicksal entgegen. Jittmäniett* Das heue Rumänien- Bukarest, 20. August. Es wäre unrecht, behaupten zu wollen, daß Rumänien aus dem Kriege nichts gelernt hätte. Die Lage der Juden hat sich dort gegen früher tn einem Maße gebessert, daß betspielsweise die ungarischen Juden jetzt im Moldaustaat ein Dorado sehen könnten. Daß auch dort nicht alles aufs Beste bestellt ist, erfährt man aus einer Rede des Abg. Dr. Straucher in der rumänischen Kammer, die nicht zu Ende gesprochen werden konnte, weil der Präsident schließlich dem Redner das Wort entzog. Dr. Straucher wies nach, daß durch die bisher getroffenen Maßnahmen nur ein Teil der Juden des alten Königreiches die rumänische Staatsbürgerschaft erlangt chabe, während große jüdische Massen noch immer von der Staatsbürgerschaft ausgeschlossen seien. Er fordert, daß diesen Mängeln bei der Ratifikation des Gesetzes über die Zuständigkeit in der Weise abgeholfen werde, daß durch das Gesetz sämtliche rumänische Juden sn dlov .tn den Staatsverband als Staatsbürger ausgenommen werden, ^wie dies der Friedensvertrag ausdrücklich vorschreibt. Gleichzeitig müsse den Juden die volle kulturelle und politische Autonomie etngeräumt ttterden, ohne welche" eiH ehrliche Emanzipation nicht gedacht werden könne. Dieses Gesetz müsse die Magna Charta Rumäniens werden, dje jedem gleiche Rechte und gleiche Pflichten sichert. Im wetteren ^Verlauf seiner Rede fordert Dr. Straucher: die Errichtung einer eigenen jüdischen' Sektion im Kultusmini st e r i u m, in welchem die jüdischen Angegenheiten von Beamten jüdischer Nation erledigt werden, denn so. wohlwollend der rumänische Beamtenstab auch sein mag, die spezifisch jüdischen Verhältnisse und Forderungen kennt er Nicht. In der Bukowina zum Beispiel ist die Zahl der Juden größer als die der Katholiken und Protestanten und sie besitzen, für ihre inneren Angeleg-nheiten nicht die Unabhängigkeit _ wie diese. In den weiteren Ausführungen führt Straucher Beschwerde darüber, daß die Bukowtnaer jüdischen Beamten aus ihren Stellen entfernt wurden, und fordert deren Wiedereinsetzung in ihre Aemter. Er beschäftigte sich auch mit den Willkürakten und Ungerechtigkeiten der Verwaltungs- und Militärbehörden gegen die Juden in der Bukowina, in Beßarabien und Siebenbürgen und zählte einzelne, besonders krasse Fälle auf, bis ihm das Wort entzogen wikd. Da aber Wortentziehung kein überzeugendes Gegenargument ist, wird die rumänische Regierung nicht umhin können, den Beschwerden Strauchers einige Beachtung zu schenken. GrrglMrV. Lin Rabbiner kür Schanghai- London, 27. August. Die jüdische Gemeinde zu Schanghai in China wandte sich an den engltschen Chiefrabbt Dr. Herz, mit der Bitte, ihr einen geeigneten Rabbiner zu empfehlen, der als wahrer Führer der dortigen Judenheir gelten solle. Das Gehalt beträgt 500 Dollar monatlich. Im Briefe wird mitgeteilt/ daß die Gemeinde zum größten Teile aus Sefardim, die Nach sefärdischem Ritus beten, besteht. Es sind zwei Synagogen in der Stadt, deren jede ihre eigenen Kultusbeamten hat, diese sollen dem Oberrabbiner unterstellt werden. Die Hauptforderung der Gemeinde geht dahin, daß der Rabbiner alle Interessen des Judentums in der Gemeinde zu neuem Leven bringen möchte. Dr. Herz machte in seinem Antwortschreiben den Vorschlag, in Anbetra ht des großen Mangels an geeigneten Männern, einen jüngeren Q2N in London auf Kosten der Gemeinde für diese Aufgabe heranbilden zu lassen. Die Gemeinde ging auf diesen Vorschlag ein und es hat sich auch bereits ein junger Gelehrter gefunden, der sich in London vorbereitet, um etwa tn einem Jahre seinen Beruf anzutreten. JtmevUm. Die Tore von Kanada den jüöiftfien Waisen geöffnet . New Kork, 20.. August. Prof. A. Chefez, der sich als Vertreter der ukrainischen Juden in Amerika besonders die Sache der Pogromwaisen angelegen sein ließ, teilt mit, daß es ihm gelungen sei, nach vielen Beratungen mit den Hilsskonferenzen, in Kanada einige tausend jüdischen Waisenkinder aus der Ukraine unterzubringen. Auch die kanadische Regierung steht dem Plane sehr sympatisch gegenüber und will den unglücklichen Kindern alle Wege zur Ueberfahrt wie zur weiteren Versorgung ebnen. Der erste Transport, der über 1000 Kinder umfaßt, ist bereits in allen Einzelheiten vorbereitet und soll demnächst in Angriff genommen werden. emigrafionsfrage- Aew 20. August. Die New Aorker jüdischen Zeitungen lenken die öffentliche Meinung auf den ganz neuen Charakter der amerikanischen Einwanderung hin. Die „grünen" mlttellosenund gleich hilfsbedürftigen

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