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Der Israelit · 1920-09-02 · Heft 35 (2.9.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 35 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nv. ,.3o Dr. Poll a k-Wi en, Di'. Rosen banm- Preßburg. Tie Berichte öder die einzelnen Länder wurden durch Referate über die Bewegung in der T sch e cho sl aw akei (De. Rosenbaum), England (Adler-LondonH olland (Oberrabbiner H i r s ch - Z w o! l e), B n kowi n a (C h o d o -- r o w - C z e r n o >v i y j fortgesetzt. Alsdann erstattete, da der Vorsitzende des Zentralbüros noch nicht erschienen ivar, Dr. Natha n Bir^r- - b a n m - Berlin einen Sonderbericht über die E in i g r a t i 0 n s f r a g e und in Verbindung dainit über die Karlsbad e r H i l f s k o n f e - renz. Tie Agudas-.Jisroel wird sich darüber schlüssig macheil müssen, ob sie angesichts des wenig loyalen Verhaltens der leitenden Kreise der Hilfskonferenz dennoch Mitarbeiten, oder ihre eigenen Wege gehen wolle. Tie Entscheidung inüsse, wenn nicht auf der Konfereliz selber, jedenfalls in Kürze durch die neue Leitung getroffen werden. Hierauf erstattete Oberrabbiner Dr. L e w e n ste i n-Z ü ri ch einen großangelegten B e r i ch t ü b e r d i e T ä t i g k e i t d e s Z e ntralbüros seit der Züricher Weltkonferenz. Trotz dem fühlbaren Mangel an Arbeitskräften und Geldmitteln konnten auf politischem, organisatorischem'und praktisch-humanitärem Gebiet beträchtliche Fortschritte erzielt werden. In politischer Hillsicht lvurde über die aus der Presse bekannten Berharrdlungen mit der zionistischen Organisation gerichtet, die sich angesichts des ablehnenden Verhaltens dieser Organisation zerschlagen haben, und die Ende Mai d. Js. zu der Uebergabe eines ausführlichen Memorandums an die englische Regierung führten, in dem die Forderungen der Orthodoxie formuliert und begründet sind. Tas Memorandum ist von der englischen Regierung durch ein überaus entgegenkommendes Schreiben beantwortet worden und unterliegt gegenwärtig persönlichen Verhandlungen mit dem Oberkommissar in Jerusalem. Ter Bericht läßt' die Erfolge der Propagandaarbeit in allen .Ländern Revue passieren und zählt dann die einzelnen Hilfsaktionen auf, die von der Leitung während der Berichtsperiode durchgeführt^ wurden. Das Zentralbüro habe mit Einsatz seiner ganzen Kraft gearbeitet, sei sich aber bewußt, daß eine Acnderung der Leitung unbedingt notwendig sei. Unter allen Umständen müsse die K e n e i s s i o G e d a u l o so rasch wie möglich einberusen werden. Tie innere Stärke der Agudoh, soweit sie hierfür notwendig ist, sei vorhanden, aber eine zielbewnßte energische Tätigkeit könne nur platzgreisen, wenn die Organisation durch die Kenessio gedanlo auf eine feste Grundlage gestellt ist. In der G e n e r a l d i s k u s s i o n, au der iich fast alle Delegierten beteiligten, kamen eine Unzahl von Wünschen zum Ausdruck. U. a. verlangte Eh rmarrn- Frankfurt größere Beachtung der Propoganda unter der Arbeiterbc- Völkernng. Sche resch ews ki-Kowno beschwerte sich über unzureichende Unterstützung der Kultnrarbeit der Orthodoxie in Littauen. R os e n f e l d - Wa r s ch a u wendet sich gegen den aus den Kreisen der Jugend geäußerten Wunsch des Zusarnmenarbeitens mit der Misrachi; Oberrabbiner B l o ch -Tel s ch i verbreitet sich über Erziehungsangelegenheiten und wünscht dafür eine besondere Kommission; Chaiki«-London hält eine orthodoxe Einheitsfront für notwendig, insbesondere für Palästina. Lewin- W a r s ch a u tritt dem Wunsche nach' einer einheitlichen Erziehungskommission entgegen, weil die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern allzu verschieden lägen. Bon der Deckung wurde erwidert,. daß man .für den Aufbau des Erziehnugswerkes in Littauen alles Mögliche getan habe, und daß dir Leistung der aus Agudohkreisen stammenden Lehrkräfte in Littauen doch unverkennbar sei. Auch die finanzielle Unterstützung sei zum guten Teil aus Agudoh-Kreisen gekommen. Tie Plenarsitzung schloß gegen 2 Uhr, Warans sich die Delegierten zu gemeinsamem Mittagsmahl im Nebensaal vereinigten. Dabei sprach - ■ - •. Der Israelit. I Oberrabbiner Msinberger, Kuna-Gzerd a h e l l y zündende Diwrei Thouro. ' .Der N a ch m ittagwar gänzlich den Sitzungen der Kommissionen gewidmet, die bis in die späte Nachtstunde hinein tagten, um ihre Arbeit womöglich vor Beginn der Plenarsitzung am Donnerstag zu vollenden. Es wurden vier Kommissionen für organisatorische Fragen, Finanzangelegenheiten, Palast i i; a a r b e i t nnd Wi rts cha ftsproblem e gebildet. Die Plenarsitzung am Donnerstag früh ivar alsdann gänzlich der Frage des Verhältnisses der A g u d a s - I i s r o e z u ver - w a n d t e n Organisationen, insbesondere zum Misrachi gewidmet. Rosenheim-Franksnrt berichtet eingehend sowohl über, die prinzipiellen Gesichtspunkte, die für und wider die Zusammenarbeit mit Misrachi sprechen, als insbesondere über den Verlauf der seit rnehr als einein Jahre immer wieder aufgenommenen Verhandlungen, die nacheinander in Berlin, A m st e r d a m, London, Jerusalem, und Franks u r t stattfanden. Ein praktisches Ergebnis haben diese Verhandlungen bedauerlicherweise nicht gehabt. Ein letzter Vorschlag,, der von dem Redner ausging-, unabhängig von den Organisationen einen Schulverein für Palästina zu bilden, den Agudisten und Misrachisten individuell fördern und leiten sollten, ist vom Vorsitzenden des Misrachi in den letzten Wochen leider a b g e l e h n t worden,, weil der Gedanke einer neuen Organisationsgründnng in seinen Kreisen keinen Beifall fände. Die engere Leitung oer Agudoh habe das Bedürfnis, von den Vertretern der Land'esorganisationen zu erfahren, ob ihr Verhalten in der ganzen Angelegenheit gebilligt und .welche Richtschnur für die Zukunft gegeben werde. Tie Debatte, die sich über den ganzen Vornuttag hinzog und stellenweise zu recht lebhaften Auseinandersetzungen führte, zeigte absolute Einheitlichkeit hinsichtlich der prinzipiellen Stellung zum Misrachi. Verschieden waren die Auffassungen nur darüber, ob oer prinzipielle Gegensatz mit voller Schärfe Betont, ober mit Rücksicht auf künftige Entwicklungen ein möglichst freundschaftliches Verhältnis angebahnt werden solle. Die Vertreter ans.Polen, der Tschechoslowakei und Deutschland vertraten den scharfen Standpunkt, insbesondere erblickt man in den beiden e r st e n Ländern, w e l ch e die große Mehrheit der A gü bo h - M i tg l i e d e r umfassen, im Misrachi den gefährlichsten und unversöhnlichsten Gegner, den Zerstörer aller religiösen Autorität.in den.Gemeinden und will darum von irgend einem Paktieren überhaupt nichts wissen. Den milderen Standpunkt vertrat Holland, trotzdem das gesamte Oberrabbinat die Misrachi-Jdee prinzipiell verioirft, sowie Littauen, dessen Haupt- Vertreter, Oberrabbiner Kähnemann-Pomwesth sich als entschiedener Gegner des Misrachi bekennt, dennoch aber von einem offenen Kampf gegen ihn nichts wissen will. Die Debatte endet mit der e i n st i m m i g e n Annahme folgender Entschließung: „T i e B e r s a nt m lung bi l l i g t b i t v o n der Leitung bisher befolgten Grundsätze bei hen Berhanol ungen mit anderen Organisationen. N a dy bei« diese Verhandlungen, o h n e daß die Agud as-Iis ro el eine Verantwortung trifft, ergebnislos verlaufen'sind, fordert die Konferenz die Leitung auf, nunmehr ihre ganze Aufm e r k s a m k e i t a u f die f e b st ä n d i g e positive Arbeit aus Grundlage der T h a u r o zu ko nzen trier en." Donnerstag nachmittag begann die Berichterstattung der Kommissionen mit dem Reserate Dr. Kohns über die VerhanWungen der O r ga n t-1 atio ns komMission, während j sich sämtliche R a b b inen zu Verhandlungen! 2. Keptember iMil s—TC-7»rj>j »'min n liiVi ii »tmennk’iauMOBartiMnMiBCjBpmearttOM^eti«cs=: , üUr %zükbfegtnSe jüdische KraM zu siner besonderen Rabbinsrversammlüng zurückgezogen hatten. Die Anträge der Organisationskommission wurden nach. längerer Debatte, deren Wiedergabe zu weit führen würde, ungefähr in folgender Form angenommen: -- ‘ - 1. Das Zentrnlbüro wird von Zürich nach London verlegt. Bis zur Einführung der Londoner 'Herren in die Geschäfte bleibt gas Züricher Zentralbüro im Amte. ~ 8. Zur o b ersten Leitung der Agn 8 «ih bis zur Kenessio Gedanlo wird — unter Auflösung des provisorischen Komitees — ein Zentral r a t gebildet, in ßen jede Landesorganisation die entsprechende Anzahl von Vertretern entsendet. Der Zentralrat wählt ein Präsidium aus fünf Mitgliedern. Der Sih des Zentralrates ist ' Wien. Zur Sicherung der Continnität der Geschäftsführung kann der Zentralrat - sich eine entsprechende Anzahl von Mitgliedern öes bisherigen provisorischen Komitees cooptieren. s. Die Vertretung der Agntzoh nach a u ß.e n obliegt einzig und allein dem -Zentral-, büro in London. Das Zentralbüro ist dem Zentralrat verantwortlich und' hat dessen Votum vor wichtigen Entscheidungen einzuholen. Die Richtlinien der Arbeit stellt - der Zentralrat fest, die Exekutive ist allein Sache des Zentralbüros. 4. Zum Zwecke der Organisation ung Propaaanda in den östlichen Ländern wird eine Örganisationszentrafe in Wien errichtet und mit den nötigen Bürokräften ausgestattet. Sie ist den: Zentralbüro verantwortlich. 5. lieber den Modus der Bildung des rabb inischen Rates soll zunächst das Botrun der anwesenden Rabbinen eingeholt . werden. 6. Die Festsetzuirg der Z e i t u n d d e s O r t e S d e r K e n e s s i o Gedanlo bleibt dem Zentralrat überlassen. - - Nach der Beendigung der Organisationsdebatte erschienen die Herren Rabbinen, zu denen sich inzwischen noch eine garrze Reihe hervorragender Gedäulim, darunter n. a. die Rabbiner von Buczacz, Brody und Galanta gesellt hatten, wieder im Saal, und Oberrabbiner W e b ar-Pystiany verkündet nach einleitenden Worten des P re ßb n rge r Raws folgenden Beschluß: „Die heute an der Vorkonferenz zur Vorbereitung der Keneissio Gedanlo teilnehinenden Rabbonim erklären einstimmig: Mit Rücksicht daraufdaß die Agudas-Jisroel ihre Hauptaufgabe in .YTinn nsTrn erblicken muß, betrachtet es die Agudas-Jisroel als ihre erste und oberste Aufgabe, in allen Ländern und Städten die bereits bestehenden Chadorim und Talmud- Thora-Schulen zu erhalten, und wo solche nicht vorhanden sind, solche zu .errichten. Selbstverständlich müssen alte solchen,Chadorim her Aufsicht des orthodoxtn Orts rabbiners unterstehen. Ferner Haben die Rabbinen beschlossen, daß nur . solche Jeschiwos von der Agudas-AiSroel unter stützt werden dürfen, in denen inan sich ausschlieUich mit dem Studium der Thauro. beschäftigt." Es war ein Augenblick von besonderer Feierlichkeit als Herr T h u m i m - Przemysl sich erhob, um in bewegten Worten den Beschülß der Rabbinen, dessen W-erdegang einer eingehenden Betrachtuirg und Würdigung bedarf, zu begrüßen, nnd seine einstimmige diskussionslose Annahme zu fordern. Diese erfolgte unter stürmischer Begeisterung in der Ueberzeugung) daß mit der heute stattgehabten Rabbinerversammtung ein getvattiger Schritt vorwärts zur inneren EiniMna und zum festen Zusammenschlüß von Ost und West gemacht-worden ist.

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