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Der Israelit · 1920-09-02 · Heft 35 (2.9.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 35 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 3 fit. 35 Der JSraeltt. 2. September 1020 um einige Hundert jüdische Flüchtlinge,^ die sich aus dem Polenlande zu den Deutschen geflüchtet hatten und hier nützliche Arbeit fanden, über die Grenze zu schieben, um so das Heer der Feinde mit Zwangsrekruten zu vermehren, die das Schwert gegen Deutschland erheben.MIn Myslowitz dagegen, das in Händen der Polen ist, wurden die jüdischen Flüchtlinge durch die polnischen Insurgenten über die Grenze geschleppt, was sich noch schließlich eher begreifen läßt. In Breslau demonstriert man gegen das polnische Konsulat, zugleich aber auch, und sogar tätlich, gegen die Juden, die ja bekanntlich in Oberschlesien die sestesten Stützen des Deutschtums sind. Inzwischen ziehen die Polen auf ihrem Siegesmarsch mordend und sengend durch die jüdischen Städte und Städtchen, unter de,r Beschuldigung, die Bewohner hielten es mit den Bolschewikis oder mit den Deutschen.- Was in Polen, in nächster Nähe der deutschen Grenze, in den letzten Wochen vor sich gegangen ist, darüber fehlen noch Einzelheiten. Alle Anzeichen lassen aber das Schlimmste befürchten. Von Warschau aus ist auch eine gemischte Deputation von Regierungsvertretern, Militärs und Juden nach dem Kriegsgebiet und dem sogenannten Korridore abgegangen, um die Vorgänge zu untersuchen und die - dort gegen die Äuden erhobenen Anschuldigungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Eine naive Voraussetzung, als warte jemand darauf, die Wahrheit zu erfahren! Umgekehrt liegt die Sache: Die mordlustige, aller Feffeln des Rechtes und der Moral entsprungene Soldateska kühlt ihr Mütchen an Wehrlosen, stillt ihre Mord- und Raubgier in den Häusern derer, die man schon lange für vogelfrei hielt. Hinterher kommen Verleumdung und Verdächtigung als Rechtfertigung. Was wäre da noch zu erforschen? Vielleicht gelingt es dennoch der Kommission, einige Zahlen und Daten zur Wiederherstellung der jüdischen Ehre aufzubrtngin. Den Witwen und Waisen kann sie aber den Vater und Ernährer nicht wtedergeben. Die jüdische Oeffentlichkeit wird für neue Aufgaben in Bereitschaft treten müssen. »Im Golvs dei Men/' Unter diesem Namen ist dieser Tage eine Broschüre von Dr. Nathan Birnbaum, (Verlag des Zentralbüros der Agudas Jsroel in Zürich) in jüdisch-deutscher Sprache erschienen, die auch denjenigen, die mit Birnbaums Programm und Stil vertraut sind, manches Neue bieten wird. Birnbaum greift auf die Zeit der Haskalah zurück und weist nack, wie die jüdischen Volksbeglücker von dem Mitleid mit den „Finster- Von der Gottesfurcht. Aus dem „Sefer Chassidim". (Fortsetzung.) 31. Was du in der Oeffentlichkeit nicht tätest aus Scheu und Scham vor dem Menschen, das tue auch in deinem innersten Gemache nicht. Böse Tat beginnt immer mit der Meinung: „keiner sieht es." 22. Man lobe keinen in Gegenwart Anderer, da das Lob oft zu einer tadelnden Gegenmeinung herausfordert. Wohl aber dürfen Frömmigkeit und Gottes, furcht in Gegenwart von Frommen und Gottessürchtigen lobend hervorgehoben werden, da die wahrhaft Frommen keinen Neid, sondern Freude ob der gleichen frommen Gesinnung der Anderen empfinden. 23. Hüte dich vor Gesellschaft, aus der nichts Gutes zu lernen ist. Wundere dich nicht, wenn du zu denen gezählt und nach denen bemessen wirst, mit denen du gehest. 21. Werkeine Barmherzigkeit kennt, hat die Grenze zwischen ihm und dem ohne Gemeinschaftsgefühl dahinttngen" allgemach zum unversöhnlichen Haß gegen die Gläubigen übergingen, die all ihre „dunkle Ltchtmacherei" entschieden und beharrlich ablehnten. Sie, die mit der Zeit gehen, ja laufen, begreifen nicht die „Zurückgebliebenen", die alle Errungenschaften des Menschengeistes unter ein oberstes Gebot stellen und in der Zeit nur eine Magd im Dienste des ewigen göttlichen Willens sehen, die über alle Theorieen und Hypothesen hinweg sich einzig' der Frage zuwendm: „Wie steigt man von Stufe zu Stufe, um das zu werden, was Gott von uns verlangt?" Neben der „Bildung" haben die Aufgeklärten den Begriff vonRecht und Gerechtigkeit erfunden, als hätten wir nie eine Thora gehabt, die die Menschenliebe gebietet, nie Propheten besessen, die mit Flammengeist allem Unrecht entgegentraten, als-hätten wir keinen alten Glauben an den Messias, der die Welt von allem Drucke des Unrechtes und der Unmoral erlösen wird. Freilich weiß unsere Thora, wissen unsere Propheten, weiß unser alter Glaube nichts davon, daß man mit Mord, sittlicher Entartung und großtuerischer Ueberhebung gegen das Unrecht der alten Welt kämpfen soll, sondern daß man durch andauerndes Steigen von Stufe zu Stufe zur Höhe gelangt . . . Zum dritten haben sie entdeckt, daß wir ein Volk sind. Mit den „Volks"-Berkündern setzt sich Birnbaum insbesondere scharf auseinander und zeigt ihnen, was für uns „Volkstum", „Palästina" und „hebräische Sprache" sind. Bet all den „Beglückungen", die uns von dieser Seite zugedacht sind, ist nicht einmal die Emigration in Bahnen geleitet, daß sie uns heute in der Zeit der Massenpogrome und der Boykotts einige Luft schaffen könnte. Nach Ehren und Aemtern steht ihr Sinn — auf unsere Kostensie spielen sich als Vertreter von Interessen und Angelegenheiten auf, die ihrem Herzen fremd sind, die aber unsere Interessen und unsere ureigenen Angelegenheiten sind. Schuld an diesen Zuständen sind zum guten Teil wir selbst. All diejenigen, die diesem Treiben untätig zu sehen, die dem religiösen Egoismus verfallen, der da glaubt, ein Jeder habe nur für sein eigenes zu sorgen, könne aber im übrigen die min und die nDJD » ruhig fremden Händen überlaffen. Gottvertrauen ist nicht stille Passivität und Gewährenlassen, sondern Leben und Tat in Erwartunggöttlichen Beistandes. Birnbaum zeigt, was der Gesetzestreuen jetzt an Wiederaufbauarbeit in den zerstörten Jeschiwaus in Litauen, im kulturell erwachenden Palästina, auf dem Gebiete der Emigration und sonst überall harrt. lebenden Tiere aufgehoben. Mittragen mit dem Nebenmenschen bewirkt aber göttliches Erbarmen. 25. Liebe das ängstliche „Vielleicht" und haste das selbstgefällige „Was machts?" Das h?ißt: überlege jeden Schritt und jede Tat, ob dir nicht vielleicht daraus ein Schaden für Leib oder Seele entsteht, denke aber nicht, all dieses könne dir nichts schaden. 26. Wenn du aus einem Dispute mit einem Weisen als Besiegter von dannen gehst, so freue dich, etwas Neues dabei gelernt zu haben. Hättest dn aber ihn besiegt, was hättest du dabei gewonnen, was du nicht schon früher wußtest? 27. Wer sich von der Gemeinde und ihren frommen t oder gemeinnützigen Handlungen ausschließt, ist ein Sünder, auch wenn ihm keine direkte Sünde nachzuweisen ist. 28. Wer durch sein Benehmen selbst Verdacht auf sich gelenkt hat, verzeihe in seinem Herzen all denjenigen, die ihn verdächtigt haben. 39. Besuche nicht deinen Freund, wenn er bei einer Beschäftigung ist, bei der er nicht gesehen sein möchte, auch nicht, wenn er bei Tische ist. 30. Ein Mizworäuber ist derjenige, der die Segenssprüche über die Thora und bei anderen religiösen Handlungen so leise dähersagt, daß die Gemeinde nicht mit Amen einfallen kann, da er die Vielen um die Erfüllung eines vorgeschrtebenen Gebots bringt. (Fortsetzung folgt.) (Ansnvabungen in Palästina.) Die britischen Behörden haben der Jüdischen Ausgrabungs-Gesellschaft Die Agudas Jisroel hat ihre Aufgabe er* faßt, sie tritt frisch an die Arbeit und -keiner, der M Gott und seiner Thora hält, bleibe ihr fern. Me preßburger Konferenz. Wraliskava, 27.^August. Tie von der Leitung der Agudas-Mroel ursprünglich nach Men, alsdann nach Preßburg einberusene Sitzung sollte durchaus geschlossenen Charakter tragen, und in keiner Weise propagandistischen Zwecken dienen. Nichtsdestoweniger war es, angesichts der ungeheuren Teilnahme, die sichin allen Schichten, der jüdischen Bevölkerung der alten Gemeinde Preßburg geltend machte, unvermeidlich, daß die Tagung sich zu einer mächtigen Demonstration für die Ideale der Agudas-Jisroel auswuchs. Trotz der Kürze der Zeit hatten die leitenden Herren der Orts¬ und Jugendgruppe Bratislava es vorzüglich verstanden, die nötigen Anordnungen zu treffen, um die aus fünfzehn Ländern herbeigekommenen mehr als 60 Delegierten gastlich aufzunehmen, und die Agudohgruppen wetteiferten mit der Kultusgemeinde und der orthodoxen Landeskanzlei in einer Fülle von Aufmerksamkeiten für die Gesinnungsgenossen, die sich auf dem altgeheiligten Boden des jüdischen Preßburg zusammen fanden. Nach dem durch kernige Thora-Worte gewürzten Empfaiigsabend, der am Montag für die bereits anwesenden Delegierten in der Mensa der Jeschiwoh veranstaltet worden war, fano am Dienstag vormittag die feierliche Eröffnung der Tagung in öffentlicher Sitzung statt. Den Vorsitz übernahm vorläufig der Sekretär der Wiener Agudoh-Gruppe, Dr. Pollak. In längerer warmherziger Rede begrüßte per Preßburger Raw, Oberrabbiner Schrerber die Versammelten. Im Sinne des „Jomin llßmaul tifrauzi" bezeichnete er es als die beste Methode für Agudas-Jisroel, vor allem die auf der äußersteil Rechte stehenden Kreise des ganzen Ostens für sich zu gewinnen, dann werde es der werbenden Kraft der Idee möglich sein, allmählich auch nach links diejenigen Volkskreise zu erobern, die innerlich dem alten Thora-Geiste die Treue bewahrt haben. Weihere Begrüßungsansprachen hielten namens der Kultusgemeinde Bankdirektor U nger, namens der Ortsgruppe Herr Benedikt, namens der Jugendgruppe und der tschechoslowakischen Jugendorganisationen Herr Dr. Rosenbaum-Bratislava. Der Präses der orthodoxen Landeskanzlei, Oberrabbiner W e b e r - Pistiany gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, kurz von Jerusalem die Erlaubnis gegeben, die Ueberreste der alten Stadt Liberias, die südlich von der modernen Stadt gelegen sind, auszugraben. Die alte Stadt, die zwischen den Jahren 16 und 22 vor d. ü. Z. erbaut wurde, war die. Hauptstadt Galiläas und nach der Zerstörung Jerusalems der Hauptsitz des jüdischen Volkes. Man erwartet, hier bedeutsame archäologische Funde auch zur Geschichte des Neuen Testamentes zu machen. (Die Jude» in Zypern.) Der „Haarez" bringt in einem Brief aus Zypern einige interessante Daten über die vor Zeiten berühmte Insel, welche jetzt zum britischen Reich gehört, übrigens vor fast zwei Jahrzehnten auch in südischen Kreisen durch gewisse Kolontsationsprojekte lebhafteres Jntereste erweckte. Die Insel zählt etwa 356.000. Einwohner, vorwiegend Grieche», welche sich unvermischter Abstammung von den alten Hellenen rühmen, ferner etwa 100 000 Türken. Die offiziellen Sprachen sind Griechisch, Türkisch und Englisch. Die Einwohner sind zumeist Landleute. In der Hauptstadt Nikosia wohnen etwa 20000 Seelen. In den letzten Jahren haben sich auf der Insel auch Juden niedergelassen. Die jüdische Siedlung besteht im ganzen aus 42 Bauernfamilien in drei Kolonien; außerdem wohnen fünf jüdische Familien in den Städten, wo sie sich mit Handwerk verschiedener Art befassen und dabei ihren leidliche»! Lebensunterhalt finden. Die Bauern betreiben Getreide- und Baumwollbau, welch letzterer ihnen reichlichen Gewinn bringt. Während des Krieges wurde durch Araber, die aus der Türkei hinkamen, der Tabakbau mit gutem Erfolg ekngefirhrt, und dies veranlaßte auch die jüdischen Kolonisten, sich darin zu versuchen. Die Anbauresultate waren sehr günstig

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