Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1920)
- Date
- 1920-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 34 Der ASrarM . S» A«-uG im chlag sei einzigartig, ohne Vorgänger. Er glaube nicht, daß die Staatsmänner, die ihn machten, sich seine unmittelbaren, geschweige seine letzten Folgen vergegenwärtigt hätten. Der Kardinal besprach dann seine Reise nach Pa« lästina, wo ihm Proteste von allen Kreisen der Bevölkerung, von Lateinern, Griechen, Melchiten, Orthodoxen, Christen und Mohammedanern gegen die von Balfour eingeeangene Verpflichtung zugegangen wären. Schon viele Gebiete seien m -er Hand der Zionisten, eine Bank sei eingerichtet, die den Juden zu drei Prozent, den Christen zu zehn Prozent und noch höher Darlehen gebe. (?) Im wetteren wuchs sich die Rede zu einer recht antisemitischen Hrtzrede aus, die von Verleumdungen geradezu strotzte. Unter der Wirkung dieser Worte beschloß auch der Kongreß, „zur Begegnung der zionistischen Gefahr" die Errichtung des Postens „eines Verbindungsoffiziers" zu verlangen, zwecks Wahrung katholischer Interessen bei den Verwaltungsbehörden/ Bildung und Tagung der Kommission zur Entscheidung über den Besitz der heiligen Stätten, Vertretung aller dort ansässigen Nationen zur Verteidigung ihrer nationalen Ansprüche an den heiligen Orten. Valästrnct. Aus Pflfäftina- Aerusatcm, 5. Aug. Beim Empfange rirrer Deputation der Jerusalemer Handelskammer am 26. Juli erklärte Herbert Samuel, daß binnen kurzem ein neues Gesetz über den Landerwerb herauskömmen werde, das sicherlich viel zur Entwicklung drs Handels beitragen wird. Die Bahn von Ludd nach Jaffa wird bald Wirklichkeit werden und in 2—3 Monaten wirö eine breitspurige Eisenbahn direkt von Jaffa nach Jerusalem führen. Samuel fügte noch bei, daß man in Europa glaube, daß Jerusalem infolge der vielen Gemeinden eine Stätte des Zwistes sei. Aber die Handelskammer, in der alle Nationen und Parteien vertreten sind, beweise, daß friedliches Zusammenarbeiten leicht möglich ist. Er hoffe, Europa in naher Zukunft den Beweis erbringen zu können, doß in Jerusalem Frieden und Einigkeit zwischen allen Religionen und Gemeinden herrsche. t I «.«444 cf,.Warf, Sabbat, Sabbatpsalm und Havdala nach den Kapiteln -es R. Nieser. (Fortsetzung.) II. 1. „Er vertrieb den Menschen." (Gen. ) Er wurde vertrieben und verließ den Garten Eden und wohnte am Berge Morijah, denn nahe zu diesem ist der Eingang zum Garten Eden. Bon dort hatte Er ihn genommen und dorthin brachte Er ihn zurück. — „Gott nahm den Menschen". Von welchem Orte? Vom Orte des Tempelheiligtums, denn cs heißt: (iü.) „Dem Boden zu dienen, von dem er genommen". Rabbi Jehuda sagt: Gott hütete den ersten Sabbat und Adam hütete ihn als Erster in der hiedigen Welt. Der Sabbattag behütete ihn vor allem Bösen und tröstete ihn von allen Stürmen seines Herzens, wie der Psalm.(93) sagt: „Vor der Menge der Stürme in meinem Inneren geben deine Tröstungen meiner Seele Erholung." R. Joschua ben Korcha sagt: Bon dem Baume,.unter dem Adam und Hawwa sich verborgen hatten, nahmen sie und nähten — Feigenblätter (Gen., tb ). R. Elieser den Jakob sagt: Von der Haut, welche die Schlange abgestreist hatte, machte Gott Ehrengewänder aus Haut für Adam und für feine Hilfe (Ezer, Gatt.n), wie es (ib.) heißt: „Der ewige Gott machte dem Adam und seiner Frau Röcke aus Haut und kleidete sie an". In der Dämmerung des Sabbat saß Adam und dachte in seinem terzen: „Wehe mir! Wie leicht kann jetzt die chlange, die mich am Erew Schabbat verführte, wiederkommen!" Wie es heißt: „Du wirft sie mit der Ferse treten." Da wurde ihm eine Feuersäule geschickt, die ihm leuchten und ihn vor allem Bösen behüten sollte, und er sah sie und sprach erfreut: „Jetzt weiß ich, daß Gott mit nur ist". So breitete er seine Hände am Lichre de^ Feuers aus und pries „den Schöpfer der Leuch: eu des Feuers". Als Adam seine Hände vom Feuer entfernte, sprach er: „Jetzt weiß ich, daß der heilige Tag vom Alltag geschieden ist und daß am j-ßtP kein Feuer angezündet werden darf/ gepriesen sei, der scheidet zwischen Heilig und Gemein." R. Mana sagt: Wie soll man den Segen sprechen? Ueöer einem Becher Wein beim Lichte des Feuers, und sprechen: Gepriesen sei der Schöpfer der Leuchten des Feuers. Wenn man keinen Wein hat, so strecke man die Hände zum Lichte des Feuers aus, betra htet die Fingernagel, die ja weißer als der Körper sind, und spricht so den Segen. Beim Entfernen der Hände vom Lichte sagt man: „Gepriesen sei, der zwischen Heilig und Gemein scheidet." Hat man kein Feuer, so streckt man die Hände zum Lichte der Sterne, die auch aus Fener sind, aus, betrachtet die Nägel, die ja weißer als der Körper sind und preist den „Schöpfer der Leuchten des Lichtes". Bewölkt sich der Himmel, so nimmt man einen Stein von der Erde, macht Havdala und spricht: (Gelobt sei,) der zwischen Heilig und Gemein scheidet. — R. Elieser sagt: Nachdem man den Havdalabecher ausgetrunken hat, ist es verdienstlich/ etwas Wasser hinein zu gftßrn und auszutrinken, um die Freude an der Miswa zu zeigen. Was dann im Becher bleibt, streicht man sich über die Augen, weil cs heißt: Was von der Misma nachbl'ibt, hemmt die göttlichen Strafgerichte R. Sadok sagt: Wer am Sabbatausgang nicht über Wein Havda>a macht oder es nicht von Anderen hört, erlebt niemals ein Zeichen des Segens. Wer aber von Anderen hört oder selber über Wein Havdala macht, den erwirbt Gott Sich zum Auserwählten, wie es (Ex. 20) heißt: „Ich sonderte (vaavdil) euch aus den Völkern, und seid mir ein Auserwähltes". Der Rest des Kapitels behandelt die Buße, die Adam freudig auf sich nimmt: Er läßt sich am Oberläufe des Gihou nieder und erwirbt im nugaAichen Lande im Schweiße des Angesichtes sein Brot. Bei der Schilderung des Eintretens des Ersten Menschen in den Alltag ist es wichtig, nochmals darauf h nzuweisen, daß auch das Irdische am Menschen nicht dem Tierreiche angehört, sondern eine besondere Schöpfung Gottes ist, dem heiligsten Teile der Erde entnommen, dem Boden des Tempels, dem Moryjah-Berge. „Ein Tempel Gottes, — Tempel Gottes seien sie selber", ruft der Prophet den Zeitgenossen des untergangbedrohten Heiligtums zu. Ebendort ist die erste Stätte menschlicher Alltagsarbeit. Alle Menschenarbeit fei: einen Boden bereiten dem Heiltgtume/ das ist die Forderung die alles tägliche Leben und Streben des Menschen ohne Unterschied heiligt: Aus eigener Kraft aufbauen, was als Gnadengeschenk sich nicht dauerhaft erwiesen hatte. Die mühselige Last dieses Strebens hat Gottes Gnade durch einen einzigen Tag der höheren Weihe, den Sabbat, gelindert. Sein Scheiden schmerzt wie das eines lieben, im Unglück tröstenden Freundes. Rabbi Eliesers Schilderung läßt uns den Schmerz des Ersten Menschen lebhaft mitfühlen. Bis zur Vertreibung aus dem Garten hat Adam leibliche Sorgen nicht gekannt/ einen Menschen ohne jedwede Tätigkeit uns vorzusteüen. läge jenseits der Erfahrung. Bleibt also nur übrig: Geistige Erhebung und Erbauung war eS, was die ersten Stunden seines Daseins erfüllt hatte. Welcher Schmerz, von da ins Erdenleben zu stürzen, für. den denkenden Menschen! Gott erbarmt sich und lehrt ihn den Sabbat heiligen. Noch einen Tag Frieden, bevor es ins Ungewiffe geht! Doch nicht bloß diese eine Linderung schenkt ihm Gott. Allwöchentlich bleibt ihm und seinen Nachkommen ein Tag des Aufatmens vom Elend der Welt. Ein Tag bleibt ihm, an dem ihm auch weiterhin das Stegen über die Schöpfung vergönnt ist/ doch auch der neigt sich nun zum Ende. In den Aengsten der Dämmerung dieses Tages erschauernd, gedenkt der Mensch seiner Verfehlung. Da lehrt ihn Gott, sich zu kleiden und so äußerlich seine Menschenwürde auch in diesem Sündenleben weiter zu wahren. Seine Kleidung nennt R. Elieser „dieHaut decSchlange", dle Trophäe des Steges über die „Natur". Ungeachtet des Sieges zittert der Mensch, als er den Sabbat scheiden fühlt, vor der Rache der erwachenden Besi.'gten. Noch kennt er ja krinen einzigen ihrer nutzbaren Vorgänge. Da schickt ihm Gott ein Licht, das weder aus der Ewigkeit herstrahlt wie das- Urlicht der ersten Tage noch aus Htmmelshöhen wie das der ewigen Gestirne: Er lehrt ihn die wohltätige Macht des Feuers kennen. Er lehrt ihn das Feuer als Licht der Erde nützen, den ersten Naturvorgang, den der Mensch in der Gewalt hat. Doch in derselben Stunde, da er seine Herrschaft über die Kräfte dieser Erde auszuüben beginnt, weicht von ihm die Heiligkeit des ersten Sabbat, und er erkennt, daß Gott geschieden hat zwischen Heilig, dem. Zustande, in welchem der Mensch sein soll und noch aus göttlicher Gnade am Sabbat ist, und Irdisch, dem Zustande, in dem er am Werktage ist. Noch aber ist der Funke der Allwiffenheit seines Urzustandes nicht §o weit verglimmt, daß er den Segen dieser Unterbrechung seiner Heiligkeit (für sein Stäben und seiner Seele Kampfeskraftentfalrung) nicht einsähe, und so preist er Gott für den Wechsel zwischen heiliger und ungeheiligter Zeit. Allein es ist kein freudiger Segenssprucb, sondern di' Ergebung in daS unentrinnbare Los des Schönen auf der Erde. Erst diese Ergebung macht die von Gott ins irdische Leben eingeflochtenen Tage der Weihe begehrenswert und dadurch in edlem Sinne als Anreiz wirksam. So lehren Hillel und Schammaj im Talmud, jeder auf seine Weise, wie man „alle Tage zu Ehren des Sabbat leben" kann. (Schluß folgt.) MMM8» WMMMeSM MMH1HWWWI ZufaA oder Schickung? Erzählungen, von Heinrich Einstädter. Verlag von Sänger & Friedberg, Frauksurt a. M. 1929. Die Leser dieser Blätter kennen die anmutige und zutrauliche Art des Verfassers beste,ls. Ohne langes Besinnen, ohne viele Umschweife und ohne jegliches Pathos erzählt er irisch von der Leber weg allerlei rührende Geschichten aus dem jüdischen Alltags- und Feiertagsleben, bevölkert sie mit rein geschauten und edel geformten Gestalten und durch-- sonnt sie mit warmer sieghafter Weltanschauung. Klar und ebenmäßig wie seine Figuren ist.auch dev Stil. In diesem Buche wird alles überwölbt von dem Bewußtsein, daß es einen Zufall nicht gibt, sondern nur milde, weise Gottesfügung, die auch aus den scheinbar geringfügigsten Begebnissen Großes entsprießen lassen kann. Möge das'hübsche Jugendbuck viele Freunde und Freundinnen finden. M. Sp. Mose- Erzählung für die Juaend von Frreda Weitzmnnn Mit 14 Bildern von State Ephraim-Marcus. Verlag o. I. Kauffmann, Frankrurr a. M. Preis (einschließlich BerlagSteuerungszufchlag): 25,68 M. Wir find im Zweifel, was wir meür bewundern sollen: Tie Art der Erzählung, die Vorführung der Bilder oder die Ausstattung des Buches. Die Sprache zeugt von einem seltenen Erzählergeschick. Ohne gegen den Inhalt der Bibel zu verstoßen, verstand es die Verfasserin, den Stoff so reizend kindertümlich wiederzugeben, doß sich selbst der Erwachsene dadurch gefesselt suhlt. Tie herrlichen Zeichnungen erhöhen wirkungsvoll die Anschaulichkeit der Schilderung. Sie wirken durch ihre Einfachheit. Zegliches wertlose Betwerk ist vermieden.