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Der Israelit · 1920-08-26 · Heft 34 (26.8.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 34 (26.8.1920)
Date
1920-08-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N. A«gust 198» Betracht. Nach der neuesten Wendung der Dinge find weitere Evakuationen eingestellt worden. veuM-polnMe JuSenKetze. 'Kose», 17. Aug. Eine große Volksversammlung in Posen, unter dem Vorsitz des Weihbischofs Lukoms kt, faßte, „damit.das Warschauer Regime Polen nicht weiter in denAbgrund stoße" foigenderBeschluß: Das ehemals preußische Teilgebiet stellt ein eigenes Heer mit Offizieren hiesiger Herkunft auf. Den Oberbefehl übernimmt General Raszewskt. Juden werden in das Heer nicht ausgenommen, das eine eigene von Judenverrätern freie Intendantur haben wird. Bet dem Ministerium des ehemals preußischen Teilgebiets wird ein besonderes Unterstaatssekretariat für mil tärische Angelegenheiten eingerichtet. Tjrherho-KlorvttKei. Die HJeifMIfsftonferen?. Karlsbad, 16. August. Wie bereits kurz gemeldet, wählte die Konferenz einen Ausschuß von 29 Personen, der 8 weitere kooptieren kann und aus seiner Mitte eine Executive von 9 Personen mit dem Sitze in London wählen soll. Dieser Beschluß entspricht den Wünschen der zionistischen Leitung. Die Opposition hatte folgende Thesen vorgelegt: Thesen: 1. Die Welthilfskonfer^nz beschließt, aus ihrer Mitte eine provisorische Zentrale aus 15 Mitgliedern zu wählen, , unter Berücksichtigung der auf der Konferenz vertretenen großen Hilfsorganisationen und Gesinnungsgruppen. 2. Die drfinitive Zentrale besteht aus den Vertretern der großen Hilfsorganisationen und Gesinnungsgruppen, die von diesen bis 1. November d. A. erneuert werden. 3. Die Konferenz ermächtigt den Permanenzausschuß sestzustellen, welche Hilfsorganisationen und Gestnnunosgruppen hierfür in Betracht kommen und in welcher Stärke dieselben vertreten sein sollen. 4. Bezüglich solcher Organisationen, die nicht aus der Weltkonferenz vertreten sind, rvird die definitive Zentrale ermächtigt, sie oufzunehmen und ihre Stärke zu bestimmen. (Folgen 18 Unterschriften.) Am Schlüsse erklärte namens der Agud as Jisroel Dr. Nathan Birnbaum Folgendes: „Es tut mir sehr leid, daß sich eine eingangs der Konferenz von mir gehegte und kundgegebene Hoffnung vorläufig nicht erfüllt hat. Es scheint mir, daß der hier beschlossene Modus, die zentrale Leitung des Hilsswerks zu bilden, keine Sicherheit dafür schafft, daß in ihr alle jüdischen Volkskreise, insonderheit die gläubigen jüdischen Maffen in gebührender Weise vertreten sind. Ich muß daher den Protest, den ich am Beginn der Konferenz gegen die Art ihrer Einberufung und Zusammensetzung erhoben habe, auch auf die Art, wie jetzt die Leitung des Hilfswerkes gebildet und zusammengesetzt werden soll, ausdehnen." (Wir werden auf die Karlsbader Beschlüsse noch zurückkommen. D. Red.) Die Misckie Lage in 5er Ukraine. Karlsbad, 17. Aug. Als erschütterndes Seitenstück zum Vortrag Dr. Schloßbergs über die Juden in Sowjetrußland, über den wir in der jüngsten Nummer berichteten, bringen wir hier noch den von W. Temkin auf der Karlsbader Konferenz erstatteten Bericht über die schreckliche Lage der Juden in der Ukraine: Das größte Unglück für das Judentum in der Ukraine war stets der Wechsel der Macht. Jedesmal, wenn die Macht von einer Hand in die andere überging, entstanden die fürchterlichen Massakers. Selbst unter den Bolschewiken ist dies nicht ganz vermieden worden, obschon im allgemeinen die neue Macht der Bolschewiken den Exzessen ein Ende machte. Am schrecklichsten war die Ausschreitung, deren sich die Banden Petljuras und einer Reihe anderer Generäle schuldig machten. Man hat tatsächlich gemordet und geschändet. Und dies geschah nicht bloß durch Banden, sondern durch organisierte Armeen einzelner Heerführer. Die Behörden haben von diesen Pogromen gewußt und ste zum Teile Der Jsrarttt. mmmmmammmammaa=saB3BBss=s=:\,f--. uau Bi.',, -auai «■ u.. ■'„■ay^nei selbst inszeniert. Ein Kommandeur hat unmittelbar vor dem Pogrom einen Befehl hinterlassen, in welchem er die Juden warnte, sie als unglückliches Volk liluiierte und sie fragte, ob sie denn nicht für ihr Leben besorgt seien. Als der Pogrom ausbrach, dauerte er sechs Tage und an jedem Tage wurde er wie eine bestimmte Arbeit um 6 Uhr mit Musik zu Ende geführt. Zuerst waren die Pogrome nicht so fürchterlich, wie sie später wurden, aber schon die ersten Pogrome versetzten die Juden in höchste Besorgnis und Angst. Das war schon zu Ende 1918 und anfangs 1919. Die Parole, unter der die Pogrome gemacht wurden, war: Heilige Ukraine, Tod den Juden! Erst am sechsten Tage, als der Bürgermeister von Proskurow, kein Jude, unter größter Erniedrigung bei dem Bandenführer vorstellig wurde, fand der Pogrom ein Ende. Furchtbar waren dann die Aprilpogrome von Struck, einem anderen General. Bier Städtchen wurden absolut ausgeschlachtet. Die Dampfer wurden angehalten und die Juden, die sich flüchteten, wurden hinausgezerrt und ertränkt. An vielen Orten fanden die Pogrome zehnmal zu verschiedenen Zeiten viele Tage hindurch statt. Radomysl hat überhaupt einen ständigen Pogrom erlebt. Dann begannen die Maipogrome unter Hetman Gregoriew. Es waren keine Pogrome mehr, sondern ein Pogromorkan. Es sind bis jetzt 568 Orte pogromiert worden. Ermordet sind 138000 Juden. Die Zahl der Kranken, Verwundeten, Mißhandelten ist unabsehbar. Völlig ruiniert sind von 3 Millionen Juden 1200 000 (Beeten. Die Summe, die notwendig wäre, um zu helfen,' ist 400 Millionen Dollar. Die Zahl der Waisen beträgt 12® bis lüOOOO. Das ganze Material, welches Temkin vorgebracht hat, samt Dokumenten, Befehlsabschristen usw. wird in einem Schwarzbuch in französischer, englischer und deutscher Sprache erscheinen. Vas Komitee 5er iüöiffften Delegation» Karlsbad, 20. Aug. Im Anschluß an die Welthilfskonferenz fand hier eine Plenarsitzung des „Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz" statt. In den zwei Verhindlungstagen wurde zunächst Bericht über die bisherige Tätigkeit des Komitees zum Schutze der bürgerlichen und nationalpolitischen Rechte der Juden in vielen Ländern erstattet. An den Debatten beteiligten sich Vertreter aus Amerika Deutschland, Oesterreich, sowie Delegierte der jüdischen Nationalräte in Rußland und in den Randstasten, die im einzelnen über die Haltung ihrer Regierungen zu den Fragen der jüdischen Autonomie referierten. Es wurde allgemein der Wunsch ausgesprochen, daß sich das Komitee jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Nationalräte enthalten und lediglich für Schutz der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden in allen Ländern sorgen möge. Im Weiteren wurden Beschlüsse gefaßt über eine Permanenzv ertretung des Komitees beim Völkerbünde, ebenso über Vornahme der Neuwahlen der jüdischen Nationalräte in den einzelnen Ländern auf breiter demokratischer Grundlage. * Die Lage in Kurland. Wien, iS. Aug. Die in Wien anläßlich der poale-zionistischen Weltkonferenz ein getroffenen Delegierten aus Rußland überbrachten authentische Nachrichten über die geradezu katastrophale Lage der dortigen Judenheit. Obwohl alle Delegierten der dritten Internationale angehören und zum großen Teile auch Kommunisten sind und selbstverständlich das Bestreben zeigen, das bolschewistische Regime und russischen Verhältnisse in mögtichst rosigem Lichte zu schildern, lautet doch ihr Bericht über die spezielle Lage der russischen Juden übereinstim- __No. »4 «ckw » mend geradezu niederschmetternd. Das bolschewistische Regime habe zur vollständigen Proletartsierung der großen jüdischen Massen geführt. Die Juden auf dem Lande zu kolonisieren, sei unmöglich, da die Regierung den Bauern gegenüber ziemlich machtlos ist und bei diesen auch Antisemitismus herrsche, fodaß für die eventuell in den Dörfern sich ansiedelnden Juden Lebensgefahr bestehe. Man versuchte für die Juden Fabriken zu schaffen und sie auch in der Schneiderei, für die die Juden große Fähigkeiten mtt» brtngen, zu beschäftigen, jedoch könne dieses Experiment nicht im Großen durchgeführt werden, da es an Rohstoffen fehle. Die Einführung der Zwangsarbeit für die Beschäftigungslosen Hobo es mit sich gebracht, daß 93 Prozent der Juden zu Zwangsarbeiten rekrutiert werden, und zwar, da sie meistens keine gekernten Arbeiter sind, zu den allerniedrigften Arbeiten, wie Straßenret» nigen, Ztegeltragen und dergl. Es drohe also die Gefahr, daß die Juden zum ticfststehenden Element der Bevölkerung degradiert werden. Die Bemühungen, die Juden in Rußland selbst zu produktiven Befchäfttgungen zuzuziehen, seien im besten Falle nnr Palliative, während darussische Judenproblem nur durch Auswanderung und Kolonisierung in Palästina gelöst werden könne. Wenn die Judenfrage in Rußland auch politisch gelöst sei, so sei die ökonomische Lage der Juden ganz trostlos, dem abzuhrlfen nicht in der Macht der Sowjets liege. IDrangel. Warschau, 20. Aug. Der Mitarbeiter eines führenden russischen Blattes teilt über ein Jnterwiew mit General Wrangel mit, in dem der derzeitige Beherrscher eines großen Teiles des südlichen Reiches sich auch über die Juden äußerte. Der Judenhaß, meint er, sei recht eigentlich nur der Haß gegen den Bolschewismus, hinter dem man die Juden vermutet, weil sie hier gar zu sehr an expunierter Stelle wirken. Das Volk, dadie jüdischen Kommissare kennt, könne und wolle nicht begreifen, daß es nur Einzelne find, die lange schon alle Beziehungen zum Judentum gelöst haben, und daß die Judenheit als solche mit dem Kommunismus nichts gemein habe. Jede Pogrombewegung, sagte der General weiter, halte er für ein Staatsunglöck, und er werde sie mit.aller ihm zu Gebote stehenden Macht bekämpfen. Pogromstimmung bringe gewöhnlich den Geist der Anarchie in daS Heer und macht es unfähig für jede ernstliche Aufgabe. Es sei immer noch so gewesen, daß die Soldaten, die am Morgen die Judenhäuser plünderten, gegen Abend auch in die ntchtjüdischen Häuser und Geschäfte einbrachen. Die Judenfrage könne nur durch eine starke Regierungsmacht auf der Basis des Gesetzes gelöst werden. Wo Willkür und Anarchie herrschen und die Unantastbarkeit der Person und der Habe nicht gewährleistet ist, da hat die wilde Bolksverhetzung ein freies Betätigungsfeld. Diese Worte enthalten freilich nicht- Neue-. Neu sind sie nur in dem Munde des Generals, der heute, gestützt auf die Autorität Frankreich-, der Diktator eines guten Teiles des früheren Zarenreiches ist. Leider fehlt es an direkten Nachrichten aus jenen Gebieten, um zu erkennen, wie weit dort die Verhältnisse mit den Worten des Generals übereinstimmen. England. Die englifchen Kafhoiiften gegen Sie Baifournote- ^iverpoat, 18. Aug. Auf dem englischen Katholikentag in Liverpool hielt Kardinal Bouene eine judenfeindliche Rede, in der er die Errichtung des jüdischen Staates berührte und mit größter Bitterkeit die Haltung der englischen Regierung in der Batfour-Erklärung kritisierte. Diese noch des öfteren abgegebene Erklärung habe durch San Remo ihre Sanktion gefunden. Der Vor- Sfiaäaäi;! fr I if ■; : i i : *, ff ■;/ / jij : > ' ' k;; £ 1 | Ä f i f l l i ,i

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