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Der Israelit · 1920-08-26 · Heft 34 (26.8.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 34 (26.8.1920)
Date
1920-08-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der ASraeUt. SS. August 1820 Maffenwanderung von Schiebern und Händlern, sondern von arbeitswilligen und arbeitsfähigen Leuten handelt. Der Händler, der kaufmännische Angestellte sind hier ganz in der Minderzahl. Marcus rechnet damit, daß durch das Wirksamwerden der großen amerikanischen Hilfsaktion, die mit ganz enormen Mitteln jetzt damit beginnen wird, die durch den Krieg zerschlagene jüdische Wirtschaft im Osten wieder aufzubauen, dann durch die Entspannung infolge der Auswanderung nach Amerika und Palästina die Anzahl der in Deutschland lebenden Ostjuden eine Verminderung erfahren wird, die ihre an sich verhältnismäßig verschwindend geringe Anzahl zu einer Huautit« negligeable herabsttzen wird. Der Zugendtag m Mruderg. (Fortsetzung). Nürnberg, 16. August. Donn erstag-Nach mittag - Sitzung. Nach einer Mittagspause ergriff Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg das Wort zu seinem Referate über: „Wir und Erez-Jisroel?. Herr Dr. Klein führte u.. a. folgendes aus: Nach einem Worte unserer Weisen werden Fortschritt und Aufwärtsentwicklung des jüdischen Volkes gewährleistet nicht durch den stürmischen Drang der Jugend, sondern durch die Alten, die D'jpr, Jugend und Aller nicht als Begriffe der Lebensdauer, sondern der Lebens reife verstanden. Man hat, von anderer Seite, Jugend definiert als die Fähigkeit, die .Eindrücke der Außenwelt auszunchmen und sie zur Weltanschauung zu verarbeiten. Die „Jugend" wird also ihre WeUanschauung an der Sinnen well orientieren. Denn ist, ganz im Sinne unserer Weisen, „Alrerh n;p? an die Seile zustellen als die Fähigkeit, das Uebersinnliche zu begreifen und aus ihm sich in der dinglichen Welt zu orientieren. Israel als Volk der Thora kann nur als fpi, als metaphysisch aus der Thora orientiert, an die Lösung seiner Probleme herantreten, wenn sie ihm Segen bringen soll. Also auch in das Erez-Jisroel Problem. Es gibt drei Motive der Erez-Jisroel-Sehnsucht: Not, Kulturnot, Thoranot. Die einen erwarten von der Heimstätte Heilung, zuwenigst Minderung der Not unserer Brüder. Andere leiden unter Einengung der jüdischen Persönlichkeit, sie erhoffen in Palästtna^die Möglichkeit, sich als Jude auszugeben, auf allen Gebieten jüdisch-schöpferisches zu leisten. Endlich lebt in den Herzen die jahrrausende alte Sehnsucht jüdischer Seelen nach dem heiligen Lande, dem Lande der Thoraverwirklichung, wie sie in unseren Gewaltigen verkörpert war, z. B.in R.JehudaHalevy, im Ramban, im Schloh. Die beiden ersten Gruppen sind ausschließlich diesseitig orientiert, auch Golus ist ihnen ein politischer, rerrtro-' rialer Begriff. Die letzte Gruppe erfaßt Golus als metaphysischen Begriff, ist auch in seinem ^-Wünschen methophysisch orientiert. Legitim sind auch die beiden ersten Motive - sie dürfen nicht ignoriert oder auch nur leicht genommen werdenam allerwenigsten das erste. Gestaltend und bestimmend muß allerdings ThoraverwirkUchnng sein, wenn es auch in seiner lichten Reinheit nur bei Auserwählten zu finden ist. Die jüdische Gesamtheit mutz Palästina verlangen als Volk der Thora zurVerwirklichung der Thora. In diesem Verlangen nach '"K findet das Bekenntnis zu der ewigen unzerreißbaren Einheit des jüdischen Volkes alsTräger derThora seinen aller Welt sichtbaren Ausdruck. Darum muß uns der Aufbau von '"s Herzenssache sein. (Freilich darf dieses Bekenntnis zur Volkseinheit nicht mit dem politischen Lärm um Nationaliiätsrechte verwechselt werden.) Ein Bekenntnis namentlich auch der min und vGkleugnenden Reform gegenüber. Thoraverwirklichung ist aber mehr, sehr viel mehr als bloße Treue zum Gesetz. Nicht nur Maß st ab darf das Thoragesetz uns sein, denn dann achten wir nur darauf, daß wir sie nicht verletzen, die Impulse für unserTurr holen wir aber von der Außenwelt. Die Thora soll aber die gestaltende Kraft, die Wurzel, das Schöpferische in uns, im einzelnen, wie in der Gesamtheit sein. So war es im alten vormendetssohnschen Judeurum. Die Agudoh ist eine Wiederherstellungsbewegung, die Renaisiance des Judentums. Sie darf nicht ruhen und nicht rasten bis sie glühende Liebe zu Thoraverwirklichung in die Herzen gepflanzt hat, glühende Liebe zur Lebensgestaltung nach Impulsen der Thora (Redner beleuchtet diese Forderung in ihrer Anwendung auf Wiffenschaft und andere Gebiete.) Sie mutz die „meihphysische Orientierung" zum Siege führensie muß, das ist dasselbe, das Gewissen des Judentums werden. Diese Orientierung unterscheidet uns von der gesetzestreuen Form des Zionismus, vom Mtsrachismus. Der MisrachismuS ist mit verantwortlich dafür, daß die GoiuS- und Geulah-Begrtffe ihrer höhren Weihe entkleidet und verflucht werden. Diese Orientierung wird sich auch praktisch auswirken. Vielleicht läßt "sich das so ausdrücken: Die Aguda wird zuerst „in die Thora sehen" und dann zu den Politikern gehen. Der Mtsrachismus ist durch seine organische Verbindung mit dem Zionismus gehalten, erst die Politiker zu fragen und dann eine “irrn rtassp zu machen. Diese Grundauffassung verträgt nicht nur, nein sie fordert volle Berücksichtigung der ersten Motioengruppen. Die Agudah- Aufgave darf nicht und wirdnichtdematertaltstert werden. Wenn also jetzt in der Jugend '"n-Begeisterung herrscht, so soll und muß in den Jugendgruppen dafür gesorgt werden, daß dus '"k Problem behandelt, aber nie von seinem heiligen Urboden losgelöst wird. Die vortrefflichen Ausführungen schlossen mir folgenden Leitsätzen: 1. Die Erez-Jisroel-Frage ist als ein Teil der übergeordneten jüdischen Gesamtausgabe der Thoraverwtrklichung aufzufassen und zu behandeln. Unser Bekenntnis zu E.-J. ist ein Bekenntnis zur ewig verpflichtenden Kraft der 'min, zu ihren Verheißungen und zum jüdischen Volk als tmp 2. Die Lösung der weltlichen materiellen Aufgaben bildet einen Teil der ge samtjüdischen Aufgabe, darum muß für Emigration, wirtschaftliche Entwicklung gesorgt werden. 3. Aufgabe der Jugendgruppen ist, Vorträge halten zu laffen, in denen die gegenwärtig im Vordergrund stehenden Aufgaben behandelt werden. Es darf aber der E.-J.-Gedanken nicht verflacht, nicht seiner metaphysischen Bedeutung entkleidet werden. 4. In Emigralionsländern soll die auswanderungslustige Jugend bei Zeilen von den Zuger, dgruppen gewonnen und der Agudoh zugeführt werden. 5. Unsere Akademiker sollen sich der theoretischen Bearbeitung der Frage zuwenden. Nr. 84, Sette 8 6. Gäste-Austausch zwischen und Vn. Ergänzungen Vorbehalten. Dem Vortrage folgte langanhaltender Beifall. Ebenso beifällig wurden die Ausführnngen des Korrefferenten Dr. Oppenheimer-Mainz ausgenommen. Darauf ergriff Dr. Kohn-Ansbach das Wort, 'der unter lautloser Stille und Aufmerksamkeit der Versammlung etwa folgendes sagte: „Ueberall fordert man großzügiges Arbeiten in Erez Jisroel. Wissen denn die so laut Verlangenden, was Großzügigkeit bedeutet? Wer eine Seele rettet, der ist groß und hat ein mächtiges Werk vollbracht. Wir haben in Polen großzügig gearbeitet, was die Nachwelt einstmals bezeugen wird. Groß sein, heißt in allen Dingen und Fragen vorbereitet sein für den Dienst in Gott und im gegebenen Fall großzügiges Ausführen seiner Gebote. Das Erez-Jisroel-Problem ist für uns nicht gestellt, wir wissen, was das Land unserer Väter ihnen, uns und unseren Nachkommen bedeutet, wir kennen den innigen Zusammenhang zwischen Gott, dem jüdischen Volk und Erez Jisroel, wir erleben dieses gemeinsame Verhältnis, wir erbeben freudig und fürchtend vor dieser Dreiheit, wir sehnen die Verschmelzung herbei, wir werden großzügig Erez-Jisroel erkämpfen, wir sind die wahren Zionisten, wir sind die einzigen Zionsfreunde, wir sind die Ziorlssöhne, — keiner außer uns hat Recht und Anspruch auf Zion. Praktische Arbeit haben w i r geleistet. Sehet nach Polen, dort im Osten haben wir so gearbeitet, daß die Verläumder keinen Boden für ihre lügnerische Saat fanden und nach Deutschland kamen, um sie auszuftreuen und — hier fand sie in unseren Reihen gutes Feld, das bald Früchte zeitigte. Der Vorwurf der Volksverräterei fällt auf die zurück, die ihn gegen uns erhoben haben. Kein wahrer Jude sollte mehr das Wort „Volk" gebrauchen. Noch in keiner Zeit ist so gegen das Judentum angerannt worden, als unter dem Banner dieses Wortes. Jüdisches Volkstum ist Vorwand für den Spott, Leugnung, Schmähung des jüdischen Wesens, unserer Religion. Einem Chillul Haschom ist die Verwendung dieses Wortes gleich. Alles, was gegen das Judentum verstößt, erlaubt dieses Wort. Dürfen wir es aufnehmen? Verantwortungslose Elemente treiben ihr Spiel mit dem jüdischen Volkstum, peitschen die Massen auf, um sie verzweifelt zurückzulaffen. Das Goi kodausch hat es nicht nötig, Vorteile von den andern Völkern zu erbetteln. Uns weist Gott zu, was uns zusteht. Man soll geringer materieller Vorteile wegen nicht die Geheimniffe ausplaudern, die dir jüdische Seele btrgt. Unser sameres, ersolgverheißenderes Mittel für den Frieden? Ringe nicht mit dem anderen, kämpfe mit dir, bis du dich selbst überwunden und aus diesem Stege die Selbstverleugnung und Hingabe an die Mitwelt erblüht. Es bleibt ein müßiges erfolgloses Forschen nach dem Schuldigen am Weltkriege, wenn die Menschen nicht ihre persönliche Schuld begreifen, wen»l sie die Verantwortung von sich abwälzeu, die sie alle in gleicher Weise tragen. Das Gefühl der Verantwortung soll an der Wende der Zeiten sich in uns'stärken, damit wir es begreifen, wie jede unserer Talen ein Samenkorn ist, aus dem Segen oder Unsegen hervorkeimt und nicht nur für den, der diese Saat ausgestreut hat. Zu solchen Gedanken will uns der Monat Elul hinletlen, dem die Aufgabe zufäüt, das große Wecken in unseren Reihen zu vollziehen und unfern Anschluß an das Ewige, an das Dauernde und Bleibende zu vermitteln. Der Zeit angepaßt ist auch die gottesdienstliche Vorlesuriß'^dteM Wochen, aus der wir Ewigkeitsgedänken schöpfen und die' Wege kennen lernen, auf denen uns der Steg über uns und der Frieden auf Erden erblüht. Das Schriftwvrt, das wir da an den letzten Sabbaten des Synagogenjahres hören, wir möchten es, um im Bilde zu sprechen, mit einem Sonnenuntergang vergleichen, den uns da die Thora vor die Seele zaudert. Schön ist die Sonne, wenn sie in ihrem vollem Glanze leuchret und ungeschwächt ihre ganze Kraft zur Entfaltung bringt. Sie ist aber nicht minder schön die Sonne, wenn sie im Verbleichen ihre letzten Strahlen hinaussendet und diese zur wundersamen Feuerkugel sich ordnen, die dann des Menschenauges Entzücken wirb. So leuchtet unsere geistige Sonne, unsere Thora, besonders schön und hell in den Abschieds: eben Moses, mit denen er als treuer Hirte seiner Herde Israel des Herrn Wort und Satzung einzuschärsen sucht. Daß „sich nicht erhebe dem Herz", daß „du fürchtest den Herrn", diese so oft wrederkehrenden Mahnungen zeigen uns den Quell, aus dem wir die Kraft schöpfen sollen zu diesem Kampfe der Selbstläuterung und Selbstveredlung. Gottesfurcht und nicht Menschen furcht, Gottesfurcht und Verehrung seines Willens und nichtMenschentrotz und Anbetung seines Jchs, mit dieser Parole sollen wir uns in dieser Zeit der Einkehr und Sammlung um das Panier des Sinai scharen, damit es uns stärke und den Willen zum Frieden mit und unter den Menschen in uns festige. Mit dem Ausblick zum Himtnel gewinnen wir den rechten Maßstab für den Blick in uns und um uns. Vor der Apbetung des Herrn zerfallen die Altäre des Wahns und zerfließen die Dünste Und Nebel der Selbstsucht und damit ist der Sieg des Sittengesetzes und der Frieden auf Erden gewährleistet. Möchte uns der Monat Elul , diesem heiligen Ziele näher bringen, damit> uns am Ende allen die Palme des Sieges gereicht werde. Kleines Feuilleton. (Antisemitische Politik ans dem Katheder.) Aus Jena wird geschrieben: Professor Dr. Ludwrg Plate, der Nachfolger Ernst Haeckels auf dem Lehrstuhl der Zoologie an der Universität Jena, hat gegenwärtig mit seinen Gegnern einen heißen Kamst s auszuefehten. In einem Aufsatz „Plate, Antisemitismus und Sozialismus" ist er als politischer Agitator hingnstellt «nd der Rokwr der Jnnaer Univrrsität t zum Einschreiten gegen ihn arügesordert worden. Plate behauptet nun, daß er nicht, wie es ihm zum Vorwurf gemacht wird, iu seineu Vorlesungen politisch ng-uerr, wndern „rein wrjfttischnfllich unö ocijertro" die allgemeinen Probleme, die in Beziehung zur Vererbungslehre stehen, insbesondere die Jndens r a g e' als Passenproblem, öe^aubelt hat. Der Rektor hat nach Darlegung der Sachlage keinen Anlaß zum Einschreiten gesunden. Wegen weiterer Angl iste, die sich aus eine alte "Auseinandersetzung Planes mit Haeekel beziehen und gegen Plate den Vorwurf der „schlechthin niederträchtigen Gesinnung" erheben, kündigt Plate die Inanspruchnahme de» Gerichts an. 'Plate bekennt sich zu ausgesprochen alldeutscher Uebe rzeugungeu. Sadkal'Ansaug Md Ausgang. '2 row i rnmir iTmumwiim »■11111^»^ OHTl Anfang Datum i AuSgang Uhr >Mtn. L9201 5680 1 Uhr Mn. Frankfurt a. M» 6 45 27'. Aug. IS. Mul 8 05 Berlin .... 7 05 7 öl München . . . 6 45 7 4» Stratzburg . . — — — — Stuttgart. . . —- — — — Posen .... —. — — — Nürnbrrs. - - S 45 7 40 Hamburg . . . — — 8 08

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