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Der Israelit · 1920-08-19 · Heft 33 (19.8.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 33 (19.8.1920)
Date
1920-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 No. 36 Der JSraelit. mvmumWi der Jugendgruppen fortgesetzt, und die Debatte wendete sich zunächst auf Grund be sonders temperamentvoller Ausführungen einer Berliner Vertreterin der Lerntätigkeit der Mädchengruppen zu. Je mehr die Lebensverhältniffe die jungen Mädchen zwängen, sich immer intensiver in den Geist der modernen Kultur einzuleben, desto notwendiger sei es, ein Gegengewicht durch gründliche jüdische Belehrung auch in den rabbtnischen Disziplinen zu schaffen. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß bereits jetzt in fast sämtlichen Gruppen sür die Belehrung der jungen Mädchen, soweit geeignete Lehrkräfte zu gewinnen sind, gesorgt werde. Eine vom Delegiertentag an die Rabbiner-Verbände gerichtete Anfrage ist dahin entschieden worden, daß auch in den Mädchengruppen Chummisch mit Raschi betrieben werden dürfe. Immerhin solle nicht vergessen werden, daß die jüdische Tat die Voraussetzung für alles Lernen und alles Erwerben einer jüdischen Weltanschauung sei. Die jüdischen Mädchen sollten, auch im Gegensatz zu der jetzt geltenden Gesellschaftsordnung und selbst wenn die ältere Generation nicht immer ganz einverstanden ist, die alte jüdische Weltanschauung in ihrem Leben wieder zu Ehren bringen (Tanzen, Kleidung), insbesondere das vorbildliche Zeniuth der alten Zeit. Hinsichtlich der Lerntätigkeit der männlichen Jugend wurde schließlich der Antrag Ehrmann- Frankfurt angenommen, wonach eine Thorakommission gebildet werden soll, deren Aufgabe zunächst darin besteht, einen festen Normalplan für den Unterricht in den Gruppen auszuarbetten. Die Kommission hat ferner dahin zu wirken, daß eine möglichst große Zahl junger Agudisten vor Eintritt ins Berufsleben sich eine gewtffe Zeitspanne ausschließlich der höheren Ausbildung auf Jeschiwos widme. Es soll endlich ihre Aufgabe sein, sich über den Stand des Lernens in Deutschland innerhalb der Jugend- Organisation zu unterrichten und ständige Anregungen auf diesem Gebiete zu geben. Endlich wird der Kommission aufgetragen, die Mittel zu einem Thorafonds aufzubringen, mit Hilfe dessen Minderbemittelten die Möglichkeit gewährt werden soll, ohne allzugroße finanzielle Opfer sich im oben erwähnten Sinne eine zettlang ausschließlich dem Thorastudium zu widmen. Es wurde dabei auf das Beispiel der tschecho-slowakischen Agudas-Jisroel-Jugendorganisation hingewiesen, die für 40 ihrer Mitglieder die Kosten eines einjährigen I es cht Wb -Besuch es aufbringt. In die Kommission wurden gewählt bezw. kooptiert: Die Herren Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach, Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg, Dr. Herz-Fulda, Zahnarzt Ehrmann-Frankfurt, Siegm. Stein-Berlin, I. Grün gras-Frankfurt, Merlin-Leipzig , Max. Hirsch-Halberstadt und für die Mädchengruppen Fräulein Thekla Feuchtwanger-Berlin. Es wurde ferner ein Antrag Frankfurt angenommen, wonach aus jedem Delegtertentag der Jugendorganisation ein vorher allgemein vorzuhereitender halachischer Vortrag gehalten werden soll. Als Thema für den nächsten^ Delegiertentag wurde die N212 N12NL ni2Ctt •* mu bestimmt. Aus den Höhen der idealen Begeisterung für das Lernen der Gotteslehre wurden die Delegierten in etwas unsanfter Weise durch Dr. Willy Hof mann-Frankfurt in die rauhe Wirklichkeit hernied«l^eMrt/ der den Bericht über die Finanzlage erstattete. Es müßten für Gehälter des: Generhlsekretärs und der Bezirkssekretäre, Reisespesen, Flugblätter und Broschüren, Beitrag zu den „Blättern", Thorafonds und Anteil an den Kosten der Hauptorgantsation im ganzen ML 152000 aufgebracht werden, weshalb es notwendig sei, den Mtzliedsbeitrag auf Mk. 12 zu erhöhen. Nach einer lebhaften Aussprache werden sämtliche zur Finanzfrage gestellten Anträge dem neuen Organisationsvor- | jtanbHn Gemeinschaft mit einem, Vertreter der Finanzkommission als Material überwiesen. Donnerstag Vormittag-Sitzung. Nachdem am Tage vorher ein Redner das Schlagwort der „Judatsierung" der Agudas Jisroel in Deutschland geprägt hatte, bot der Vormittag des Donnerstag eine ganz vortreffliche Illustration zu der Ehrlichkeit dieses Be strebens in der Diskussion über den Frankfurter Antrag, der die Anrufung des .TViri s'N für den Austrag aller privaten Streitigkeiten unter den Aguda-MtLgltedern obligatorisch machen will. Nach gründlicher Aussprache wurde der Antrag einstimmig angenommen. Es folgte das Referat Max Cohen über die soziale Arbeit in Jugend- und Mädchrngruppen. Dem Referat lagen fol geyde Leitsätze zugrunde: Die soziale Arbeit muß sich nach 2 Haupt-Gesichtspunkten orientieren: I. Arbeit innerhalb der Gruppen selbst, und zwar muß sie sein A) sozial in weiterem Sinne. a) Allgemein. 1. Praktische Pflege des Areiwus innerhalb der Gruppen. 2. Praktische Pflege des Areiwus in der A.-J.- Melt-Organtsatton. 2. Jugendlichen-Fürsorge (Kindergärten, Nachhtlfe-Ztrkch Esra). 4. Familtenfürsorge. d) Sonderfälle. 1. Ostjuden a) wirtschaftlich, ß) gesellschaftlich. 7) geistig. * (Erwachsene, Jugendliche.) 2. Ortsfremde. 8) Sozial in materiell-wirtschaftlicher Beziehung. Schaffung eines Angestellten-Verbandes. Organisationsaufbau von seiten unserer Organisationsleilung unter Mithilfe aller Jugend- und Mädchen-Gruppen, sowie befreundeter Organisationen. . II. Arbeit nach außen.; A) In der Diaspora. 3) Emigration und Immigration. 1. Siedlungen. 2; Flüchtlingsfürsokge. b) Materielle Thauro-Fürsorge für den Osten. 8) In Erez-Jisroel. a) Sorge für Bestehendes. 1. Lebensbedürfnisse, s (Sammlungen evtl. 2. Institutionen. J Warenbeschaffung.). b) Sorge für Chaluzim. Der Referent legte vor allem Wert auf die geistige Seite der sozialen Arbeit d. h. auf die bewußte Fürsorge für geistig falsch eingestellte oder zurückgebliebene Aguda-Genossen. Das Verantwortlichkeitsgefühl müffe in dieser Hinsicht innerhalb der Gruppen aufs äußerste gesteigert und zu. erfolgreichen Leistungen erzogen werden. Von den praktischen Aufgaben fand vor allem der Vorschlag zur Gründung eines An ge stellten-Verb an des beifällige Aufnahme, während im übrigen aus Zeitmangel auf eine eingehende Diskussion des Cohen'scheu Referates bedauerlicher Weise verzichtet werden mußte. (Schluß folgt.) Die Stunde der Tat. Von Dr. Ben Zion gefrier in Wien. Die Existenz einer Weltorganisation geetzestreuer Juden - Agudas Jisxoel — ist ein Bekenntnis und eine Erkenntnis. Ein Bekenntnis, daß der Bestand des Judentums und seitres Instrumentes, des Judenvolkes, in seiner historischen Entwicklungslinie aesäbrdet ist: und eine Erkenntnis, daß Wittel, Wege und Ziele gesucht und gefunden werden^wüssen, tvie den unleugbar vorhandenen, bald starker, bald schwächer hervortretenden ZersetznnHsxrscheinungen innerhalb des Judentumes uttd der Jtrdenheit begegnet, wie die Knesses-Jisro^chaniert werden solle. Tenn die Knesses Jisroel ist krank, an Seele und Körper krattk. Diese schmerzliHL-Aiagnose rnnß eindringlich erfaßt und erkannt werden, um zu einer rabifafen Tberapiezu gelangen oder wenigstens den Weg einer^vlchen zu finden. Und dabei ist es gar tticht notwendig^aleich den zionistischen Theoretikern, mit HeränMyung _ 19. August 1820 zahlreicher Beispiele äns „anderen Völkern" die Krankbeitsaeneiis des indischen Volkes a l l e i u ans dem Golns abzuleiten und zur jüdischen Heimstätte ahL^zur alleinigen, ausr e i ch e n d e n Rettung für die Knesses Jisroel zu gelangen. .Meder beweist die zweitausendjührige jüdische Golusgeschichte mit ihrem un- . geheueren Reichem an geistig jüdischen Schöpfungen, daß. das Golns eine absolute Anormali-- tat ist, Iifti—eirtent dauern d krankhaften Zustande kann unmöglich dauernd geistige- Produktivität-.Le-stehen — noch ist es in absehbarer Zeit möglich — und das geben einsichtige' Zionisten ja sähst zu —, daß durch die Schaffung einer jüdischen Heimstätte auch unter denkbar günstigste«-Umständen die Judennot, also auch das Golns, beträchtlich.: gemildert, geschweige denu-Hbg,eschafft werden! könnte.: Leider ist das jüdische Problem so kompliziert, d^st es durch die einfache H e i m st ä t t e - I 0 r m e l in seinem gitttz e n U m s a^g e nicht g e l ö st w e r d e n kann. Allein, bleibt auch das Golns als.ein vorläufig mit menschlicher Kraft und Einsicht nicht lvegzuschaffenE Faktor im jüdischen Leben, so läßt sich doch^mcht wegleugnen, daß das Golns auch in den Mhigsten Zeitläuften doch immer noch als eine ^est a t i v e Anormalität, sich darstellt, als ein mehr oder weniger labiler Zustand, aus denru^weniger ruhigen Zeiten größere Gefahren für das wirtschaftliche und geistige Leben der gesamten Knesses Jisroel sich ergeben. *“ Ich betone: der gesamten Knesses Jisroel. Tenn auch das muß deutlich und klar erkannt werden — ln^jüdische Geschichte liefert tüu- , sendfach Belege^ierfür —, daß der äußere Truck auf irgend einen Teil der Jnd'enheit sich rascher oder lanaiamer auf andere Judenheitsteile sortpslanzt oder wenigstens durch Störungen im internen Leben der letzteren sich empfindlich, fte* merkbar macht. Ein besonders lehrreiches und augenfälliges Beispiel liefert die traurige Leidensgeschichte der Ostjuden kn den letzten Jahr- - zehnten und ihr__Einflnß auf die Politik.sämtlicher großer jüdischen Parteien und Organ, isationen in der Lanzen Welt. Zieht man noch außerdem in Betracht, daß die Zerstörung bertfdE)aftlien Gleichgewichtes in irgend einem Teile der Jüdenheit auch - die Entartung und den Verfall des geistigen Lebens innerhalb und oft — durch Herübergreifen der schädlich^ Einflüsse — sogar auch außerhalb des ursprünglichen „Zerstörungsgebietes" nach sich zieht, so gelangt man dazu, d i e K nesses I i Fr 0 e l als eine ganze u n z e rt r e nn b a r e_Einheit anfznsass e n, a n w e l ch e r von einem einheitlichen Gesichtspunkte aus die wirtschaftlichen und geistigen Schäden und Krankheitserscheinungen untersucht und für welche einheitliche, großzügige Saniernngspläne gefunden werden müssen. Das alles, ist eigentlich nichts Neues. Es wurde hier ja nur explizite gesagt, was im Agudohprogramm imLäzite schon enthalten ist. Wenn hier aber unternommen wurde, die grundlegende. AufgabOler Agndah als einer gesetzestreuen .jüdischen Weltorgapisation nachmals klar dahin zu formulieren, daß sie berufen ist, die Knesses Jisroel als e i n j ü d i s ch e s Gesamtheitsprob lem zu erfasfenunb d ie Lösung desselben im Geiste der Tradition durch und sür die Gesamtheit durchzusühnen, so geschieht es nur deshalb, weil in der ^bisherigen Tätigkeit dieser einheitliche Zentralgesichtspunkt meiner Meinung nach tticht scharf genug zum Ausdruck kommt. D a s A g u d a h p r 0 g r a m m i st ein sehr wertvoller Rahmen, zu dem aber noch ein bis zu den Einzelheiten ausge süh r t e s j ü d i siche s Z n k u mstH-/- b i l d fehl t. Es fehlt der Agudahorg'anisation Großzügigkeit, und ein festes Gefüge^ Es fehlender... Organisation Impulse, höhere^ Gesichtspunkte,'

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