Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1920)
- Date
- 1920-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19. wtgttft um Der JSraeM. » Nr. 99. Sette 8 Beamten aller öffentlichen Körperschaften. Wie diese Bestimmung aüfzufassen"ist, ergibt sich insbesondere daraus, daß die Verfassung selbst bereits für alle drei Gebiete Grundsätze aufstellt, mit denen wir uns noch näher befassen müssen. Zu bemerken ist hier nur, daß Nr.'2 auch die Frage der konfessionellen Schule und des Religionsunterrichts, Nr. 3 die Rechte die jüdische Kultusbeamten berührt. Während nun aber der zweite Hauptteil „Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen" derartige Grundsätze aufstelltist in Artikel 137 am Ende auf die Landesgesetzgebung verwiesen und damit an den alten Zustand angeknüpst. (Fortsetzung folgt). Wocheimmdschau. Asiida« Moel-Probleme. Wir veröffentlichen an anderer Stelle zu der bevorstehenden Arbeitskonferenz der Aguda- Leitung, eine Aeußerung unseres Wiener Mitarbeiters, die uns Anlaß zu einigen Bemerkungen zu bieten scheint. Wenn Herr Dr. Feßler in dem wertvollen Rahmen des Aguda-Programms ein bis zu den Einzelheiten ausgeführtes „Zukunftsbild" vermißt, so scheint uns dieses Manko ein Vorzug (zu sein, denn niemals hat es eine Zeit gegeben, in der die doktrinäre Festlegung von Einzelheiten angesichts der Wandelbarkeit aller Dasetnsbedingungen für Individuen und Völker so unangebracht war wie heule. Die berechtigte Forderung aber, über die Allgemeinheiten das Kattowitzer Programms hinaus eindeutig und konkret Stellung zu den idealen und praktischen Fragen des Tages zu nehmen, ist Agudas Jsroel längst gerecht wordensie hat in Kassel und Zürich ganz ausführliche und präzise Arbeitsprogramme angenommen,- die das Gesamtgebiet der öffentlichen jüdischen Aufgaben umfassen, und deren Existenz unserem gesch. Mitarbeiter offenbar nicht gegenwärtig war. . Auch Großzügigkeit und höhere Impulse find unseres Erachtens nicht grade das, was der Aguda fehlt, wenn auch zuzugeben ist, daß die Ideologie der Agudas Jisroel einen steißigeren Anbau durch begabte Kräfte wohl vertragen könnte. Worin aber Herr Dr. Feßler zweifellos recht hat, ist sein Ruf nach zwei anderen Dingen: dem festen organisatorischen Gefüge und einer vielgestaltigen Presse. Die Erfüllung des ersten Verlangens hängt jedoch von den Zeitverh ältnissen ab, die bisher eine Kenessio gedaulo schlechterdings unmöglich machten — werden ja auch jeA wieder die Vertreter «der größten , und stärksten Aguda-Landesgruppe, der polnischen, aus dem eingeschlossenen Warschau heraus kaum ihren Weg zu der ersehnten Aussprache mit der Gesamtlettung finden können! Dennoch ist auch organisatorisch in den zwei Jahren seit Kriegsende von der -Züricher Zentrale Gewaltiges geleistet worden. Auch auf dem Gebiete des Pressewesens sind unleugbar Fortschritte zu verzeichnenneue Organe sind in Oesterreich, der Tschecho-Slowakei, Transsylvanien entstanden, und die einzige orthodoxe Tageszeitung, der „Jud" in Warschau, kann sich neben ihren weit älteren Bruderorganen sehr wohl in der Welt sehen lassen. Aber unendlich viel mehr bleibt noch zu tun übrig, wenn die gesetzestreue Judenheit ihrer heiligen Pflicht, die Idee, für die sie lebt und stirbt, in der Welt mannhaft zu vertreten, auch nur in primitivster Weise gerecht werden will. Vorläufig wird jeder Ruf für die ewige Sache des Gottesvolkes durch das tausendfältige Stimmengewirr einer. ganz auf die nationale Assimilation eingestellten gegnerischen Presse gänzlich erdrückt und ertötet, und die orthodoxe Presse muß zufrieden sein, wenn sie > nur in den eigenen Reihen die Reinheit und Einheit der Ueberzeugung zu stärken und aufrecht zu erhalten vermag. Was „Agudas Israel" vor allem fehlt, ist: aber nach unsrer Ueberzeugung heute nicht mehr Idee und Programm, nicht Masse und Führerschaft — sondern es find die ausreichenden materiellen Mittel für organisatorische und praktische Leistungen. Die Ursachen für diese Tatsache liegen auf der Hand. Wir haben sie schon vor anderthalb Jahren ‘ in unserem Leitartikel „Valutaelend und Gesamtheitsarbeit" ernst genug gewürdigt und zur Beachtung empfohlen. Hier Abhilfe zu schaffen wird sicherlich die wichtigste Aufgabe der bevorstehenden Konferenz sein. 155! Die „Jüdische Rundschau" veröffentlicht unter den Presse-Stimmen zur Londoner zionistischen Jahreskonferenz unter anderem eine längere Aeußerung der „Neuen Züricher Zeitung", die in folgenden Worten gipfelt: „Die englische Presse hat von den ttonferenzver- Handlungen nur sehr zurückhaltend Kenntnis genommen. Man verhehlt sich aber wohl auch in jüdischen Kreisen nicht, daß für die weitere Durchführung der zionistischen Pläne viel Takt nötig sein wird, wenn man nicht außer der unvermeidlichen Opposition der nichijüdischen Eingeborenen sich auch in Europa einflußreiche Gegnerschaft zuziehen will." _Wir finden diese Mahnung höchst beherzigenswert und möchten sie — allen naheliegenden Mißdeutungen zum Trotz — gerade in diesem Augenblick stark unterstreichen. Das . Verhalten der zionistischen „öffentlichen Meinung" in Palästina, das in einer geradezu beängstigenden Wandelbarkeit, zwischen „zu Tode betrübt" und „himmelhoch jauchzend" hin- und herschwankt, läßt die Notwendigkeit dieser Mahnung lebhaft empfinden. Augenblicklich ist man auf der Stufenleiter der von gewiffenlosen Agitatoren aufgepeitschten Geula- Gefühle bereits soweit, den englischen Oberkommissar als eine Art „König von Juda" zu feiern und ihn damit rettungslos zu kompromittieren. Die Sabbat-Nachmu Feier in Jerusalem weist Züge auf, die nach dieser Richtung viel zu denken geben. Verantwortlich für derartige Veranstaltungen, mit denen man einer herzensretnen und ganz der Sache hingegebenen Persönlichkeit wie Herbert Samuel, einen schlechten Dienst erweist, sind nicht.die als Werkzeuge benutzten, politisch unerfahrene Rabbinen, sondern die jungjüdischen Arrangeure, denen der Verstand mit dem Herzen durchzugehen pflegt. Die zionistische Leitung aber, bei der man größere Nüchternheit und Klugheit voraussetzen darf, unterliegt naturgemäß einem inneren Konflikt zwischen dem Interesse der Geldbeschaffung unter der Hochspannung der Geula-Sttmmung und demjenigen einer weiterschauenden gewissenhaften Volkspolitik. ©# steht vorläufig nicht in der Macht der Orthodoxie, hier mehr zu tun als pflichtgemäß zu warnen. . Der Zugendtag in Mnderg. (Fortsetzung). Dürnberg, iv. August. Mittwoch Nachmittag-Sitzung. Der Vertreter der litauischen Aguda- Jugend, Scheresche wsky aus Kowno, trat in einer hebräischen Rede für praktische Erez Jsroel-Arbeit und die Pflege der hebräischen Sprache ein. Dagegen zeigte sich in sämtlichen Aeußerungen der deutschen Vertreter ein stürmisches Drängen nach mehr Limud hathauro, nach Gründung neuer Jeschiwos in Deutschland, systematischer Organisation deS Lernens in den Jugendgruppen durch Festsetzung bestimmter gemeinsamer Themata, nach Errichtung offener Bes-Hamt drafch-Räume in allen Großstädten, Heranziehung der ostjüdischen Flüchtlinge zur Lehrtätigkeit und Ersatz des.ehemaligen Militärdtenstjühres durch mindestens einjähriges ausschließliches Thorastudium. Mittwoch Aben--Sitzung. In der Abend-Sitzung wurde die angeregte Aussprache über das Lernprogramm befindet sich auch eine Höhle, tq welcher sich der Prophet Eltjahu auf seiner Flucht vor Ächab verborgen hielt. Allerdings ist diese „Elijah-Höhle" nicht die einzige in Syrien, denn es ist ein Wettstreit unter den verschtedenen Städten Syriens um die echte Mlijah-Höhle", die jede Stadt für sich in Anspruch nimmt, entstanden. Die Synagoge von Haleb besitzt unter anderen Altertümern auch eine mit vielen Inkunabeln gezierte, auf Pergament ausgeführte handschriftliche Kopie der 24 Bücher der Bibel, welche auch die Bewunderung FaisulS erregt hat. Jniereffant ist auch der Text des Gebetes, welches der Ehacham Bafchi von Haleb, HtSkijah Sffendi Sabbatai, anläßlich des Besuches Faisuls in der uralten Synagoge verrichtet hat. Es ist das eine Adaptierung des auch in Europa üblichen „Hanothen Tefchuoh", und zwar in folgender Form: „Der Hilfe gibt den Königen . . ., der segnete mit dem Ueberflutz seiner Gnade Abraham, Friede sei ihm, Bater Israels, Vater der Araber, und Isaak, Vater der JSraeltten, segne . . . unseren mächtigen, gerechten und vorzüglichen Herrscher, dessen einziges Streben das Wohlergehen der unter seinem Schutze lebenden Nation ist. Faisul der Erste usw." König Faisul war von seinem Besuch in Haleb und von dem Empfang im Judenviertel sehr befriedigt. (Füdrsche Kunstblätter.) Bei Benjamin Harz, Berlin sind Kunstblätter und Karten nach Drigtnalradierungen von E. M. Lilien erschienen, die Freunden ' der jüdischen Kunst viel Freude bereiten werden. SS Kartenbtlder und 10 Kunstblätter zeigen in der bekannten Ltliensch en Anschaulichkeit biblische Vorgänge, Landschaften vmb Typen anS Palästina, Jemen, Marokko, Galiziern u. a. m. Sin Bild zeigt I den alten Judsnfrisdhos in Prag. Die Bilder, die I man zum Teil schon früher hier und da in großem Formate gesehen hat, werden in dieser kleinen billigen Ausgabe rasch ihre Liebhaber finden. (Aus dem Harze.) Trotzig flankieren die beiden mächtigen bewaldeten Höhen des sagenumwobenenHexen- Platzes und der Rotztrappe den Eingang zum Tale der Bode, der „kühlen, stolzen", wie sie Heine nennt, welche in eiligem Laus unter Tosen und Schäumen ihre kristallklaren Fluten durch den gewaltigen Spalt des Granit. Massivs über kleinhaushohe Sieinblöcke hinüberrollt. Am Eingang in dieses Tal, in welches man von den umgebenden leicht erreichbaren Höhen, wie in die Eingeweide der Berge schauen kann, liegt Thale, der romantischste Winkel des Harzes, welches als eines der Etnfallstore für Harzwanderer gilt. Für Menschen, welche nicht ans Tal gefesielt sind, sondern steigen können und die den Anblick und die Arbeit der nahen Eisenhütte nicht stört, ist Thale ein guter Erholungsort, billiger als ähnliche süddeutsche Plätze. Dabei ist für Verpflegung in der Pension Goldschmidt (Aufsicht: Dr. Auerbach Hälberstadt) so gut gesorgt, daß kein Wunsch unerfüllt bleibt. Unterkunft ist in Villen und Gasthöfen ohne jede Verpflichtung, dort etwas genießen zu müssen, leicht zu erlangen, da der Platz dieses Jahr nicht stark besucht ist. Es mag anderen ähnlichen Plätzen ebenso gehen, denn die neuen Reichen suchen sich die fashionadlen Kurplätze auf, wo sie Gelegenheit haben, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und zu zeigen, daß sie ihren „Stand" repräsentieren können. Die anderen Menschen haben in den letzten Monaten angefangen rechnen zu lernen und sich zu bescheiden. Thale scheint von Süddeutschland noch nicht entdeckt zu sein. Dr. S. v'vLv rav O R Ti Anfang Batnm Ausgang MriMiu. ieao| 5680 Uhr Mia. Frankfurt a. M. 6 55 20. Aug. S. Slul S 20 Berlin .... 7 20 S 08 München . . . 7 — 7 m Straßbrrrg . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Pose« .... — — — — Nürnberg. . . 8 öS 8 04 Hamburg . . . — — 8 26 HO Dr. Goldschmidt "itto Taunus-Sanatorium Bad Homburg v, d. H. (Us8 für Nervöse, innerlich Kranke, Erholungsbedürftige. zungeinyrs oer rommenoen Feste werfen wir ar die bei Sänger & Friedberg, Frankfurt ä. M erschienene Pijutim zu Mosch Haschonoh" vo Dr. Joseph Breüer, hin, die die denkbar finnigst und nützlichste Festgabe für Jung und Alt -erstellen.