Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1920)
- Date
- 1920-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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!?i n w.MQiy wgw wmm Wette 6 Nr. 81 1:1 r; \! j ' ff’ fl ■ I Ü : s*' U ' UM solche handelte es sich Sei der östlichen Einwanderung vorwiegend, Eintreten. Der vormalige preußisch^ Min'ster deS Innern, Heine, habe durch seinen .,Schutz, erlast" für die Ostjuden die unerträglichen verhälmtfle, die jetzt herrschen, erm »-licht Die jüdischen Wohlfahrt»« or-antsationen, denen der Minister weitgehende Rechte Adertragen hat, sind zu Unternehmung?« geworden, die Sie Einwanderung direkt befördern. Die Ostjuden sind zu einer Plage für das gesamte deutsche Volk geworden. Deshalb sollte dessen Vertretung, der Reichstag, sich für verpflichtet halten, dieser schweren Schädigung entgegenzutreten. Zentrum und Demokratie erklärten sich für den Antrag. Gezen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien wird der Antrag in den beiden ersten Teilen angenommen. Die Denkschrift soll sich nicht nur auf die Osteinwanderung, sondern auf die gesamte Ein- und Auswanderung erstrecken. ZuSenlum ünSIflfflüsmus- München, 25. Juli. In den ganz ins alldeutsch-antiseckitische Fahrwasser geratenen „Münchener Neuesten Nachrichten" wird zur Judenfrage ein bemerkenswerter Aufsatz des Kommerzienrats Sigmund Fränk«! veröffentlicht, der starken Eindruck gemacht hat. Es heißt darin n. a.: Die völlige Verwirrung der Geister wird am besten durch jene irrigen und abwegigen Aeutzerungcn beleuchtet, die ein anerkannter Führer des bayerischen Liberalismus in einem in der Demokratischen MittelftandSvereinigunz gehaltenen Bortrage jüngsthin der Judenfrage gewidnet hat. An der Lauterkeit der Gesinnung und der bona fides des Herrn Rechtsanwalts Meyer.Abrberg soll nicht im Entferntesten gezweifen «erden. Wenn er aber in seinem Vorträge behauptete, datz die „jüdischen Grundsätze mehr auf das Materielle als auf das Ideelle eingrstellt" seien, so steht er miji dieser seiner Auffassung denn doch der Lehre und der Geschichte des Judentums wie der Psyche seiner Be- Senner geradezu wie ein Blinder gegenüber. Ist ihm nicht bekannt, dast dt« ethische und soziale Gesetzgebung des Judentums als Marksteine und Wahrzeichen eines erleuchteten Idealismus noch ffeute unerreicht dastehen? Ist ihm nicht bekannt, daß beispielsweise der vor wehr als drei Jahrtausenden dem Judentum und damit der Menschheit verkündete Dekalog so durchgreifende und für alle Bevölkerungsschichten verbindliche Bestimmungen über die Sabbatruhe enthält, wie sie seit knapp 20 Jahren in Deutschland nun zu einem kleinen Teil nach ihrer gesetzgeberischen Verwirklichung ringen? Ist ihm nicht bekannt, datz auch heute noch in Deutschland Welifirmen allerersten Ranges in idealster Durchführung dieser religiösen Satzungen mitunter drei Tage lang — unbekümmert um den ihnen daraus erwachsenden materiellen Schaden — nicht nur ihre Kontore mit Hunderten von Angestellten geschloffen halten, sondern überhaupt kein Telegramm und keinen Brief öffnen, und will Herr Meyer-Absberg eine solche tausendjährige Tradition auch als „eine Einstellung auf das Materielle" bezeichnen? Sind ihm die jüdischen Speise , Sie jüdischen Etzegesetze, die Reinheit und Innigkeit deS jüdischen Familienlebens und der wundersame Zauber jüdischen Familiensinnes nicht bekannt? Ist ihm nickt bekannt, daß die heutige Existenz des Jud-mums nach den vieltausendjährigen Bedruckungen und Verfolgungen deS Altertums und des Mittelalters wohl das hehrste Zeugnis dafür ablegt, welch unverwüstliche Lebenskraft gerade das unerschütterliche Festhallen an den höchsten sittlichen und religiösen Idealen einem Volke einflötzt? Haben etwa die Juden, die während der Kreuzige in Deutschland und während der Jnqusitionsperiode in Spanien den ihnen angesonnenen Abfall vom angestammten Glauben verweigerten, aus „materiellen Gründen" den Scheiterhaufen bestiegen? Hat Herr Rechtsanwalt Mayer-Absberg niemals die Spendenlisten großer Wohltätigkeitsaktioncn in Deutschland und in der ganzen Welt verfolgt, und hat sich ihm bei oberflächlicher Durchsicht dieser Listen nicht die Ueberzeugung aufgedrängt, daß jüdische Namen mit den größten Beträgen obenan standen und stehen, wann und wo auch immer es galt, durch Opferfreudigkeit und Mildtätigkeit die Folgen einer Katastrophe zu lindern oder einer Ehrenpflicht und Dankesschuld an diejenigen zu genügen die der Krieg ernährerlos oder arbeitsunfähig gemacht hat? Vielleicht darf ich Herrn Mayer-Absberg in diesem Zusammenhang aas meinen in der Europäischen SiaatS- und Wirtschaftszeitung vom 20. April 1816 erschienenen Aussatz, „Die zukünftige Kriegssteuer des Besitzes" aufmerksam machen, in dem ich zu einem Zeitpunkte, zu dem jedermann in Deutschland noch von dem siegreichen AuSgang deS Weltkrieges überzeugt war, auf Grund der religiösen Satzungen der Bibel die Absonderung eines ,/Zehnten" von den materiellen Glücksqütern unserer wohlhabenden Klaffen als sittliche Pflicht der deutschen Nation verlangte, und ich darf ihn weirer bitten, die einschlägigen. Debatten über diese meine Forderung im bayrischen Landtag nachzulesen, in welchen hervorragende Steuerpolitiker großer Parteien es als unmöglich bezeichneten, daß in dem von mir vorge-! schlagenen weiten Umfang die Bermögrnsstubstanz deS! privaten Besitzes vermindert werde. -Diese wenigen i fttt AHrrwM 1 Andeutungen «nd Hinweise ■ dürften genügen, Nm zu beleuchten, wty hinfällig und abwegig sich der Versuch einer Jnferioristerung der jüdischen Ethik vor dem Richterstuhl der Geschichte und der Kultur- »nd Sozialwiffenschaft gestalten müßte. Der Verfasser .führt dann die politischen Forderungen deS Rassen-AnLisemtLismus ad »ü»urdum und meint hierauf weiter: Und endlich noch ein Wort zu der neuerlich beliebten Methode unserer Gegner, der Verächtlichmachung unserer Religion und ihrer Satzungen, zu der Aufregung gegen die jüdischen Osterbrote, die rituelle Schlachtmethode und ähnliche Nadelstiche, womit man insbesondere den mir nahestehenden, an ihrem Glauben festhaltenden Bekenner« des überlieferten Judentums den Aufenthalt in unserem Vaterlande .zu verleiden sucht und mit welchen man sich weiter abmüht, im Hinblick auf die Ernährungskrise durch aus der Lust gegriffene, von der Regierung -im Bayerischen GtaatSanzei-er ausdrücklich als unwahr zurückgswiefene Behauptungen die Erregung der Massen gegen die jüdische Bevölkerung zu lenken. Ser unsere bayerische Volkspsßche kennt, wer auS langjähriger Erfahrung weiß, datz es gerade unsere gläubige Landbevölkerung ist, die diesen religiösen Satzungen deS Judentums den tiefsten Respekt und die weitgehendste Duldung entgegen!» ingt, den können alle gegen unsre Bekenntnis und seine Satzungen gerichteten Angriffe nicht in der Ueberzeugung erschüttern, daß auch diese Ausschreitungen nur eine Einzelerscheinung unter den Krankheitdsymptomen bilden, wovon unser fieberkranker WtrtschastSorganismus derzeit noch geschüttelt wird. Die Redaktion schickt dem Aufsatz eine Bemerkung voraus, wonach sie sich verpflichtet fühle, „die Aeußerungen eines gläubigen Juden ihren Lesern nicht vörzuenthalten, der zu den führenden Persönlichkeiten deS bayrischen Wirtschaftslebens gehöre." OestoVveirhs. rüntts wettkonteren? Ser poste S!on. Mit, 29. Juli. Hier wurde gestern die Tagung der Poale Zion eröffnet, die über die Einheit der Partei und ihr Verbleiben in der zionistischen Organs sation oder ihren Anschluß an die dritte (revolutionäre) Internationale entscheiden soll. Aus Deutschland ist der Unabhängige OSkar Cohn anwesend, vom Präsidenten Kaplansky warm begrüßt. Ungarn. Seicken Ser kinketrr? Andapest, 2S. Juli. In der Debatte über das Programm der neuen Negierung wies der der Regierungspartei Angehörige Abg. Gaal auf den ungeheuren Schaden hin, den Ungarn durch seine judenfeindliche Politik erleide. Der patriotischen und anständigen Judenschaft sei schweres Unrecht widerfahren. Man müsse mit ihr eine Verständigung suchen. Anläßlich eines schweren Banden-Ueberfalls im Caf» Klub, wobei mehrere Menschen getötet wurden, erklärte Ministerpräsident Teleki, es müsse endlich durch Taten gegen den Terror Abhülfe geschaffen werden. Gestern Abend käm es jedoch in der Tabakgaffe wiederum zu antisemitischen Ausschreitungen. ' Noten. Die drifte Sitzung der jüdlfdi-polnlfdien Uerftändigungs-Hsmmilfion« Warschau, 25. Juli. Vorgestern fand die dritte Sitzung unter Vorsitz des inzwischen zurückgetretenen Minister- Präsidenten Grabskt statt, wobei dieser erklärte, daß die Regierung gemäß den Vorschlägen der Kommission alle gewünschten Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Exzesse gegen die Juden angeordnet habe. Das neue Ministerium werde auch die Presse entsprechend zu beeinflussen suchen. Der Abgeordnete Slivitzktz forderte die jüdischen Seim-Parteien auf, einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung zu erlassen, worin zur Unterstützung Polens aufgefordert wird. Die jüdischen Deputierten, insbesondere auch der Abgeordnete Halpern führten dagegen aus, daß es keines besonderen I ft August 199V t Aufrufes bedürfe um die Juden, die fortgefetz ihren Patriotismus betätigten, erst zur Loyalität zu mahnen. Auf Anregung Dr. NossigS ist beabsichtigt einen ständigen „jüdischen Rat" zu bilden, bestehend aus Vertretern der Negierung, der polnischen Sekm-Parreien, sowie aller jüdischen Parteien. ES bleibt abzuwarten, sb dieser jüdische Rat zustande kommen wird. Die in der Debatte über das Programm der neuen Regierung von allen jüdischen Parteien abgegebenen Erklärungen sind in der polnischen Presse mit besonderer Wärme ausgenommen worden. Inzwischen dauern die Heber fälle auf Juden auf Leu Eisenbahnen, den Stationen und auch in der'Stadt Warschau an, sicherlich sehr zur Unzufriedenheit der Regierung. Ein schamloses Hetzblatt, das dieser Tage an allen Straßenecken plakatiert war, ist auf Befehl der Regierung von der Polizei entfernt worden. Sur polnlftfi-lüiifchen UerfländifunQsahfign. Berlin, 25.'Juli. Um daS Zustandekommen der polnisch-jüdischen Verfiändtgungsaktion, über die auS Warschau wiederholt berichtet wurde, hat sich besonders Dr. Alfred Noffig große Verdienste erworben, der die jüdischen Parteien mit Erfolg auf ein gemeinsamer Programm zu einigen versuchte und mit der Regierung entsprechende Verhandlungen einleitete. Nicht beteiligt sind die jüdisch-sozialistischen Parteien (Poale Zion und Bund), gegen welche die Negierunz zur Zeit scharf vsrzngehen gewillt scheint. . " Frankreich. Judenpogrom in fflaier. Saris, 20. Juli. Ueber die algerische Stadt Settf mußte der Belagerungszustand verhängt werden, weil, aus kleinlichem Anlaß, Tauseide von Arabern daS Judenviertel stürmten und ausraubten und zahlreiche Juden tätlich mißhandelten. Setif ist ein Städtchen von etwa 21» 000 Einwohnern südwestlich von Constanttne. England. Die jioniflifrfie Konferenz flScUTonateft» — Kultnrfrage«. — Die Äblebnuug bet Amsterdamer Misrachi-Beschlüffe. — Die neueLeituug.— Ainanzfrager». «London, 22. Juli. Die Konferenz faßte hinsichtlich eines jüdi scheu Weltkongresses folgenden Beschluß: Die Zionistische Jahreskonferenz erklärt sich dafür, daß zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ein jüdischer Weltkongreß auf demokratischer Grundlage einberufen wird. Der Kongreß soll die autoritative Körperschaft sein, die berechtigt ist, im Namen des jüdischen Volkes in allen nationalen Angelegenheiten zu handeln und zu sprechen. -. . Zu diesem Zwecke wählt die Zionistische Exekutive im Einvernehmen mit den Fraktionen eine Kommission von fünf Personen, die in Zusammenarbeit mit der Exekutive die nötigen Schrille tun soll, um sich mit allen jüdischen Körperschaften, die sich für einen jüdischen Weltkongreß ausgesprochen haben, in Verbindung zu setzen zwecks Schaffung eines Organisationskomitees, das den jüdischen Weltkongreß organisieren und eiuberufen soll. Die Kulturkommission setzte den überaus folgenschweren Beschluß durch,daß diezion isttsche Organisation auch für die Diaspora die Leitung der Erziehüngs- und Kulturarbeit im jüdischen Volke erstreben und zu diesemZwecke Gelder ins Budget etnstellen müsse. Vergebens protestierten die Amerikaner durch den Mund von Rev. Silver, vergebens die Misrachtsten Berger und Wachsmann. Bei der Abstimmung, deren sich die amerikanischen Delegierten enthielten, wurden die Anträge der radikalen Kulturkommission angenommen und 21000 Pfund für Subventionierung von Seminaren in Wien, Berlin, Lodz re. bewilligt. Hinsichtlich der Schulverwaltung in Vrez Jisroel kam ein Kompromiß mit dem Mtsrachi unter recht komplizierten Bedtugunge»