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Der Israelit · 1920-08-05 · Heft 31 (5.8.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 31 (5.8.1920)
Date
1920-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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s. «r»L»k4«ß durch seine Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht behindert ist. Bor allem muß das orthodoxe Erziehungswesen völlig unabhängig von der allgemeinen zionistischen Schulkommisfion (Waad hachtnuch) sein." Bezüglich dieser Zusammenarbeit mit dem Misrachi meinen wir optimistisch sein zu dürfen. Glauben wir doch sicher, daß der Misrachi unsere Kulmraufgaben in Erez Jisroel auch als die seinen betrachtet. Und gerade unsere Forderung der unbedingten Selbständigkeit des orthodoxen Schulwesens wird auch von hervorragenden Führern des Misrachi erhoben. So sehr wir bedauern, daß so viele Männer, die innerlich zu uns gehören, Ln der Frage der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation sich von uns trennen, so hoffen wir, daß grade die praktische Zusammenarbeit in Erez Jisroel uns die wertvollsten Kräfte des Misrachi wieder nähern wird. Einen organisatorischen Zusammenschluß zwischen der Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung und der Agudas Jisroel halten wir für sehr wünschenswert. Ist doch die D. H. P. V. die älteste westeuropäische Palästinaorganisation, und sie war seit ihrem mehr als hundertjährigen Bestehen stets von der Sorge für das thoratreue Judentum geleitet. Zwischen ihr tknd Agudo existiert u. E. keinerlei grundlegender Gegensatz. Dasselbe gilt auch von den meisten Kolelim in Erez Jisroel. Wir betrachten es als selbstverständlich, daß sie fast alle in engstem Kontakt oder in Verschmelzung mit der Agudo arbeiten werden, da die hervorragendsten Führer der Jerusalemer Orthodoxie, R. Jizchok Jeruchom Diskin und R. Chajtm Sonnenfeld öffentlich die Agudo als die Vertretung der thoratreuen Judenheit bezeichnet haben. In obigen Ausführungen habe ich versucht, Grundlinien für die Tätigkeit der Agudo in Erez Jisroel aufzustellen. Im wesentlichen geben sie mein Referat wieder, das zu meiner Freude die Zustimmung der Halberstädter Delegiertenversammlung des deutschen Gruppenverbandes der Agudas Jisroel am 15. Elul 5679 fand. Die Aufgaben für das Wirtschäfts- und soziale Leben habe ich mit Absicht nur in kurzen Strichen skizziert, ihre ausführliche Behandlung Fachleuten überlassend. —- Das der Agudo gestellte Ziel wird vielleicht manchem zu hoch erscheinen im Verhältnis zu d«n Mitteln, die' ihr im Augenblick zur Verfügung stehen. Doch dem wjll ich entgegnen, daß das Notwendigste immer erreichbar sein muß. Die Agudo ist aus der Schwere der Zeit heraus entstanden als der Tat gewordene Wille der thoratreuen Judenheit. Sie hat die furchtbare Kriegszeit überwunden und steht jetzt innerlich gekrästigt, stärker da denn je. Sie will Erez Jisroel dem Gottesvolke, das Volk dem Lande, Volk und Land dem Thoragesetz zurückgewinen. Da haben wir nicht «ach den Mitteln, sondern nach den Aufgaben zu fragen. In Israel bildet nicht der Körper die Seele, sondern die Seele den Körper. Und wenn die Agudas JiSroel sich selber treu ist, dann wird sie m. G. H. ihr Ziel erreichen. 2« '2 N22 «71 /7'N2 «7» •i nw ’nnn EsrreWnvenzen uni Nachrichten. wslinunaskllrlorgr lür oftlildifAe Itrbeller- Wer«», .SO. Juli. Wie bereits in der Tagesprefse bekannt gegeben worden ist, beabsichtigt das Arbeiterfür- » ._JSraeM. sorgeamt in der Nähe von Berlin Teile eines Lagers zu mieten und hier Unterkunft und Arbeitsgelegenheit für eine größere Zahl ostjüdischer Arbeiter zu schaffen. Es sei hierbei von vornherein bemerkt, daß dieser Plan nicht das Mindeste zu tun hat mit den Bestrebungen reaktionärer Kreise, ein Ausnahmegesetz gegen ostjüdische Flüchtlinge zu schaffen und diese zwangsweise in ein Konzentrationslager zu überführen; es war vielmehr ausschlaggebend für diesen Plan, daß augenblicklich in Großberlin die Wohnungs- Verhältnisse unter den Flüchtlingen von Tag zu Tag katastrophaler werden, und daß gerade die ärmeren Flüchtlinge unter Umständen zu übernachten gezwungen find, die ein sofortiges Eingreifen der jüdischen Hilfsorganisationen erfordern. Grundsätzlich handelt es sich also einmal um eine Entlastung des Groß-Berliner Wohnungsmarktes, also um eine Angelegenheit, die für die itt anderen Gegenden Deutschlands befindlichen Flüchtlinge von vornherein ausscheidet. Auf der anderen Seite geht das Arbeiterfürforgeamt von dem Standpunkt aus, daß jede wahllose Zusammendrängüng von Menschen, die selbst mit Zwang zu einer Betätigung nicht angehalten werden, barbarisch ist und aus inneren Gründen scheitern muß. Es genügt, darauf hinzuweisen, zu welchem jämmerlichen Resultat die in Szene gesetzte Auswetsungsprakttk der bayerischen Negierung geführt hatsage und schreibe 7 Flüchtlinge sind, natürlich gefeffelt und unter der üblichen liebenswürdigen Behandlung, in das Lager Ingolstadt geschafft worden. Unter diesen nicht ein ein zigee Schieber, sondern, wie vorauszusehen war, anständige Md ehrliche Landarbeiter und Industriearbeiter, die das große Verbrechen begangen hatten, ohne Kenntnis der arbeiterfreundlichen bayerischen Ausweisungsbefehle bei ihrem Unternehmer zu arbeiten. Es braucht nicht betont zu werden, daß das Arbeiterfürsorgeamt jede derartige, nur mit dem Büttel und dem Poltzeiverstand arbeitende Praxis auf das schärfste ablehnt. — Bei der in einem Lager einzurichtenden Arbeiterkolonie handelt es sich um eine Angelegenheit, die nur unter aktiver Beteiligung der in Frage kommenden Arbeiterkategorteen und unter ihrer möglichst weitgehenden Selbst- und Mitverwaltung zu. einem Ergebnis führen wird. Es soll naturgemäß nicht nur Unterkunft geboten werden, sondern es sollen in ausreichender Zahl Arbeitswerkstätten zu produktiver Beschäftigung von Schneidern, Schuhmachern, Tischlern usw. eingerichtet und für eine weitere Zahl von Arbeitern Lehrwerkstätten bereitgestellt werden, in denen gerade die nur angelernte» oder nicht genügend ausgebildeten jugendlichen Flüchtlinge sich in ihrem Fach vervollständigen können. Aus diesem Grunde kommt für die Arbeiterkolonie zunächst nur ein Stamm von möglichst organisierten jüdischen Arbeitern in Betracht, die von vornherein eine Atmosphäre strenger Selbstdisziplin und Arbeitslust schaffen und ungeeignete Elemente von sich heraus ausmarzen. Es wird also eine strenge Auslese der für das Lager geeigneten Flüchtlinge unter engem Zusammenarbeiten mit den Vertretern der jüdischen Arbeiterparteien stattfinden. Die Grundlage der Produktivwerkstätten soll eine genoffenschaftliche sein. Wir veröffentlichen schon jetzt diese knappen Mitteilungen, um Mißverständnisse von vornherein zu vermeiden,. obwohl erst dann Einzelheiten mitgeteilt werden sollen, wenn die Verhandlungen, die das Arbeiterfürsorgeamt wegen Überlassung genügender Baracken mit den Reichsbehörden führt, zum Abschluß gekommen sind- — Das Arbetterfürsorgeamt wendet sich ferner sehr entschieden gegen dar unüberlegte Abschieben jüdisch-polnischer Flüchtlinge nach den Großstädten; es sei unverantwortlich, wenn einzelne Provinzgemeinden de» dorthin kommenden Einwanderern so verkehrte Ratschläge geben. Folgerungen 9er SemeinOe-NngEllelllen. Merlin, 24. Juli. Am 21. Juli fand im Plenarsitzungssaal der __ No. 81 Qtete » jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2/4, eine Betriebsversammlung der gesamten Arbeitnehmerschaft der jüdischen Gemeinde statt, die sich eingehend mit den BesoldungSverhältniffen der Angestelltenschaft befaßte. In dieser Versammlung wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 21. Juli 1920 im Plenarsitzungssaal, Rosenstraße 2/4, versammelten Beamten, Angestellten und Arbeiter, die gesamte Arbeitnehmerschaft der jüdischen Gemeinde zu Berlin, erheben in Erwägung der äußerst drückenden wirtschaftlichen Notlage aller Angestellten und in Erwägung dessen, daß von irgendwelcher nennenswerten Verbilligung der Lebenshaltung noch nichts zu spüren ist, an den Gemetndevorstand und an die Repräsentanten-Versammlung die Forderung, unverzüglich die Besoldungsordnüng des Magistrats der Stadt Berlin für sie in Wirksamkeit zu setzen und sofort einen Vorschuß von 1000 Mark zu bewilligen. Die Versammelten sind fest entschlossen, falls innerhalb 10 Tagen ihre Wünsche keine Befriedigung erfahren haben, vor keinem Mittel, auch nicht vor der Arbeitsniederlegung zurückzuschrecken, um sich eine menschenwürdige Existenz zu erringen." Außerdem wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern gewählt, die die Verhandlungen und die Interessen ihrer Auftraggeber bis zur letzten . Konsequenz wahrzunehmen hat. Die in der Versammlung anwesenden Vertreter der Gewerkschaften haben die weitgehendste Unterstützung zugesagt. Die Mliöisckie iinroanöerung im öeuffdien Reichstag. Merlin, 29. Juli. Die Deutschnationale Partei hatte im Hauptausschuß bei Beratung des Reichsministeriums des Innern folgenden Antrag gestellt': Der Reichstag wolle beschließen: die ReichSregierung zu ersuchen: 1. in geeignet erscheinender Weife darauf hinzuwirken, daß der Masseneinwanderung fremd» stämmiger Elemente, insbesondere über die Ostgrenze, gewehrt werde. 2. in geeignet erscheinender Weise darauf hinzuwirken, datz sremdstämmige Elemente, soweit sie sich als lästig erweisen, über die Grenze, sofern angängig, zurückgcbracht und erforderlichenfalls inzwischen interniert werden. 3. dem Reichstag beim Wiederzusammentritt eine Denkschrift überdieEtnwanderung fremdstämmiger Elemente seit 1914, über die gegen unerwünschte Einwanderung getroffenen älteren und neuen Maßnahmen und über daS bisherige Ergebnis derselben vorzulegen. v. Mumm begründete den Antrag. Der Mehrheits-Sozialist Hoch erklärt fich, obwohl er die schweren Mißstände der Osteinwanderung anerkennt, gegen den Antrag. Reichsminister Koch erkennt an, daß bei der Desorganisation es häufig den Ostjuden gelingt, auf dem Wege der Bestechung »der mit falschen Pässen über die Grenze zu kommen. Er sieht die Frage nicht als Partetfrage an. Bei unserem Mangel an Nahrungsmitteln, an Wohnungen, bei der Gefahr der Geucheneinschleppung hallen wir dafür, daß bei der Erteilung von Pässen mit Zurückhaltung verfahren wird. ES geht nicht an, wenig brauchbare Arbeiter auS-dem Osten zu importieren und gelernte deutsche Arbeiter dadurch zur Auswanderung zu zwingen. Dr. Rofenfeld (U. S.) bezeichnet die Verhaftungen bei der Razzia in der Grenadierstrahe als eine Brutalität und wendet fich gegen alle Polizeimatznahmen. Frau Zietz (U. S.) erklärte, daß nur eine Denkschrift über die gesamte Ein- und Btuswauderung die Grundlagen abgeben könne über etwaige Maßnahmen gegen Uebelstände, die sich bei großen Völkerverschiebungen in sanitärer und sonstiger Hinsicht notwendig machen können. Auf das schärfste müßte sie jedoch den antisemitischen Antrag der Deutschnationalen bekämpfen, dessen Annahme eine starke Stütze der unerhörte» antisemitischen Hetze bedeuten würde, die zu Verfolgungen gegen politisch Mttzlievige ausgenutzt werde,- wie die Erfahrung genugsam gelehrt habe. Wenn Mumm zur Begründung seines Antrages die Befürchtung ausgesprochen habe, die deutsche Kultur werde heravgedrückt durch Einwanderung Fremdstämmkger aus dem Osten, so habe sie nie diesk Befürchtung äußern hören, «renn man polnische, russische und jüdische Landarbeiter und Bergarbeiter in Massen in Deutschland hereiugezogen habe, um ihre Arbeitskraft zugunsten der Krautjunker und Schlotbarone auszubeuten. Die größte Kulturschande Deutschlands sei dagegen der immer mehr ins Kraut schießende radaulustige Antisemitismus. Bruhn (Dtschn.) wendet sich gegen die beiden Vorf redner. Es sei tief bedauerlich, daß Vertreter deutscher, Arbeiter für die unlauteren und volksschädlichen Elemente

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