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Der Israelit · 1920-08-05 · Heft 31 (5.8.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 31 (5.8.1920)
Date
1920-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Rr. 81 Saite 7 S «ngust 1B8 ■ - _ zustande. Äbgeleliti bleibt die Amsterdamer Forderung des Misrachi auf Bildung einer selbstänb igenorthodoxen Waad hachinuch. Der einheitliche Waad hachinuch besteht aus & Mitgliedern. Hiervon werden je 2 durch -E zwntsttfche Organisation, die palästinensische Delegierten-Verfammlung und den Lehrerverband gewählt. Die drei übrigen (als Vertreter der o rth o boxen Schulen) vom Mi-racht, den Lehrern dieser Schulen und den orthodoxen Mitgliedern der Delegierten Versammlung. Unter dem Waad hachinuch steht wieder ein Erziehungs-Departement, Bestehend aus einem Direktor und zwei Inspektoren, einen für die orthodoxen und einen für anderen Schulen. Endlich bilden die drei orthodoxen Mitglieder des Waad hachinuch zusammen mit dem orthodoxen Inspektor und mit drei weiteren Mitgliedern, dir der Misracht wählt, einen, sogenannten orthodoxen AufsichtSrat, der für die inneren Angelegenheiten der orthodoxen Schulen Autonomie besitzen soll. Auf diese Weise ist der Rückzug, den der MiSrachi gegenüber dem in Amsterdam eingenommenen Standpunkt angetreten hat, in genügender Weise verschleiert. - Die neue Leitung besteht aus Brandets, Sokolow und Weizmann, die ihrerseits Reffort-Leiter berufen können, es ist also eine . vollkommene Diktatur geschaffenda das große Akttons. Komitee von 88 Mitgliedern natürlich nicht arbeitsfähig fein kann. In finanzieller Hinsicht ist am wichtigsten der Beschluß zur Einführung einer Maaßer- Steuer. Personalien. Br. Bbraham Hirsch Halberstadt, 23. Juli. 7>2^ 1ZN2N In diesem Epitheton liegt im all- Gemeinen die Feststellung einer Tatsache, und ein stilles inniges Gebet: in diesem Wort erschöpft sich auch das Lebensbild des Mannes, der — trotz zweier Leidensfahre unerwartet — der jüdischen Gesamtheit am LS. Aw entrissen wurde. Nur 53 Jahre waren ihm beschieden, aber jeder einzelne Tag dieser knappen Jahre war ein Leben, erfüllt von dem Bestreben der Aufgaben gerecht zu werden, mit denen heilige Tradition ihn schon an der Wiege begabte. Tradition der Heimat, Tradition der Familie, vor allem des unvergessenen Vaters, Kommerzienrat Benjamin Hirsch und seiner edlen Gattin, der Tochter B. H. Auerbachs. Keines Wollen zeigte jhm den Weg, vornehme Gesinnung rankte um alle Erfolge selbstprüfende Demut, klare Erkenntnis gipfelte in einer Welt voll Treue gegen seinen Schöpfer und das weitete stetig feinen Blick und ließ ihm die Krsnutt, feines öffentlichen Lebens erscheinen in der Stunde, in welcher er vor acht Jahren an einem Frühlingstage des jüdischen Werdens in Kattöwitz die erstem Versammlung eröffnere und leitete, in welcher sich die relkgtottSlttuen Teile der Jndenheit mit banger Krage und stolzer Hoffnung einander suchten — unter dem Namen „AgudaS JiSroel" Weit dieser Stunde hielt er, mit rührendem Glauben au den endlichen Sieg der Thora in der jüdischen Gemeinschaft, das Bauner der Aguda hoch, pflanzte in schweren Zeiten ihre Fahne im Osten auf, und wenn -S mit des Allmächtigen Hilfe gelang, den furchtbaren Erschütterungen, dem rasenden Ansturm gegen p"mn dort zu begegnen, so ist dies ein 7N2» von Abraham Hirsch und Glelchstrebender, die er zu hohem Ziele vereinigte. Für ihn war Judentum und mm, mm und Mrnschen-- tum ein Begriff, und dieser Totalität einer geschlosst neu Weltanschauung beugte sich jeder; sie errang ihm die Achtung auch Außenstehender und Netz ihn das rwl erleben, ln all seinem Tun ein BOT enpö zu sein. ES war sein Ideal, daß auch die Führer der jüdischen Gemeinden, die Nabbiner, zu dieser Einheit herangebildet würden und diesem Ideal diente er als Kurator des Nabbtnerfemtnars, wobei er sich stets als Vollstrecker deS selbstlosen Willens seines Großoheims, des unvergeßlichen Rabbi ESriel begriff. Nit einer reinen Hand Wohltaren streuend, mit reinem Herzen Liebe spendend und um Liebe werbend, so schritt er durch sein Dasein, und in seinen keuschesten Stunden, deren es unzählige gab. wandte er den Blick ostwärts, allwo die Armen des heiligen Landes in DankeSthränen zü ihm sprachen, um auch dort die Einheit zu ahnen, die der sterbende Moses erschaute, den heiligen Tempel eines heiligen Volkes im heiligen Lande. Das war ihm Er ez JiSroel, Quelle deS reinsten Glückes, die erschließen zu Helsen, der innige Traum seiner um fassenden Menschenliebe war. ra~ab * * * Die Bestattung fand am' Dpnnerstag mittag auf dem. alten B"n,1 N'2 der Halberstädter Gemeinde statt, nachdem im Trauerhause der Bruder und treue Mitarbeiter deS Heimgegangenen, Dr'. Emil Hirsch, seinem Schmerze erschütternde Worte der Liebe abgerungen hatte. " Auf dem Friedhofe, der die ungezählte Menge der aus Nah und Fern herbeigeeilten Freunde und Verehrer, wie der Vertreter zahlreicher Organisationen und Vereine kaum zu fassen vermochte, zeichnete Herr Rabbiner Dr. Auerbach in zu Herzen gehenden schlichten Worten das Charakterbild des Entschlafenen, sein vorbildliches Forschen und Neben, sein Ltebeswirken im Kleinen und Großen und die Quelle aller dieser Leistung: die bescheidene, gottessürchtige Heiligkeit der Persönlichkeit. Wohl tm Sinne des Heimgegangenen wurden weitere Ansprachen nicht gehalten, und es bedurfte in den Kreisen derer, die Dr. Abrabam Hirsch im Leben gekannt, nicht erst der Worte um sein frühes Scheiden von dieser Erde als ein wahres nationales Unglück empfinden zu lassen. Möchte in diesen Wochen der naiv den Seinen und allen, die sich zu den Seinen zählen durften, ein Strahl von Trost und Aufrichtung zuteil werden. n2"3t:n lein heilig Wort. / Als pnaio Tt&n seines Oheims Dr., Selig Auerbach s. A., paarte er reiches Wissen mit heißer Liebe zur p"mri; aus dieser Quelle allein und ausschließlich schöpfte er die Norm für sein privates Leben und für sein öffentliches Wirken, schuf er an der Seite einer edlen Gattin, welcher Gott die Kraft seines Trostes erschließen möge, ein vorbildliches Haus, um in Kindern und Enkeln bewußte Träger der Tradition Heranzuziehen. Was er als Chef eines WellhauseS leistete, entzieht sich der Darstellung im Rahmen dieser Blätter. Aber schon, was er seiner Kehilla, den von ihm so sehr geliebten Halberstadt leistete, gehört als kostbares Erbe dem bxw ^>2 an, und wenn Halberstadt eine über den zahlenmäßigen Wert hinausragende Stellung Einnimmt, wann diese Kehiüo führend in so vielen Fragen geworden ist, so ist dieses Äätsel in der wunderbaren Persönlichkeit gelöst, welche Abraham Hirsch darstellte. Cs gab für ihn schlechthin keine „Kleinigkeiten"; was ihm als Problem des TageS seine Gemeinde vorlegte, er suchte es ganz zü erfassen und hat eS gemeistert. Sein Traum.war es, baß so wie Halberstadt auch jede Gemeinde, jeder Einzelne sich dienend dem Ganzen anschließe. Das war das Leitmotiv seiner unermüdlichen Tätigkeit .zum Wohle der „Freien Vereinigung für die .Interesse« des orthodoxen Judentums" Rödelheim, 2. Aug. Am Sonntag, 24. Ab (8. August), feiert Herr I. Zinkes sein 25jähriges Amtsjubiläum als Kantor und Religionslehrer in unserer Gemeinde.' Um 8 Uhr versammeln sich die Gemeindemitglieder zum Festgottesdtenfte. in hiesiger Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Horowitz wird die Festpredigt halten. Um 5% Uhr nachmittags, gemütliches Zusammensein im „Gasthaus zum Schützenyof". Würzburg, 28. Juli. Am »k. Juli hauchte Frau Philippine, Gattin deS -Herrn Abraham Hamburger in Hammelburg, nach kurzem Krankenlager ihre edle Seele aus. Wer die Verblichene gekannt, der versteht den tiefen Schmerz, den ihr Hintrttt auSgelöst. .Sie verkörperte des Dichters Wort: „Die Sprach? der Liebe ruhte auf ihren Lippen". An den Strahlen ihrer Herzensgüte wärmten sich so viele ohne Unterschied des Bekenntnisses. Wer sich in bedrängter Lage je an sie gewendet, der konnte ihrer Hilfe sicher sein. Ihr Wohltun war reichlich, war unbegrenzt und wenn die Rechte gab, die Linke durfte eS^ nicht wissen. Und wie wurde in ihrem Hause Me3 Gastfreundschaft gepflegt. Wer je hungernd ihre Schwelle betrat, der verließ sie hochbefrtedigt. Ihr liebenswürdiges Wesen gewann ihr alle Herzen,' die Trauer um sie berührt daher weite Kreise. Möge sie nun im Reiche der Liebe, wo sie nun «eilt, Fürsprecher für ihre teure Familie sein. .§ n/,22Sri.f!g Alllensteirr, 28. Juli. Zum Nachfolger des verstorbenen Rabbiners unserer Synagogengemeinde Dr. Olktzki, wurde Rabbiner Dr. Apt, bisher in Filehne. gswähit. Dr. Apt ist ei» Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Gelnhausen, 28. Juli. Unsere Gemeinde rraf durch das Hinscheiden ihres Synagogen-Aelteften, deS Herrn Jakob Moritz, ein schwerer, kaum zu ersetzender Verlust. Am 1. Aw beim Margen gebet, die Tefillin an Haupt und Arm, schl»ß er. die Auge» zum ewigen Schlummer, zum unsäglichen Schmerze seiner engeren und weiteren Familie. Der Dahingeschiedene zeichnete sich durch strenge Pflichttreu« und echte, tiefe Religiöfität aus, er wirkte vorbildlich und an-- rifrrnd für die ganze Gemeinde. An seinem Sarge sprach tm Traueryause der älteste Sohn, Herr Ludwig Moritz ,uS Berlin, in schmerzerstickter Stimme Worte deS Abschieds. Am Grabe sprach Herr Lehrer Weia-. garten und hob die schwere Trauer hervor, welche Familie, Gemeinde und Stadt betroffen. I Vermischter. * Berlin, 27. Juli. Zum Vorsitzenden der hiesigen Agudas Jisroel-Ortögruppe wurde Herr Dr. med. Max Caivary gewählt, von dessen Initiative eine lebhaftere Betätigung der bisher ziemlich passiven Gruppe erwartet werden darf. Berlin, 25. Juli. Der „Vorwärts" schreibt Die deutsche Arbeiterzentrale (Abteilung MySlowttzf, vermittelt täglich polnische Arbeiter (Deserteure) alS Landarbeiter nach Deutschland. Die Vermittlung von jüdischen Arbeitern lehnt der Leiter dieser Stelle, Herr Wtduk, jedoch grundsätzlich ab und zwar angeblich auf Grund eines Befehls des ReichSarbeitsministeriumS. Jüdische Arbeiter werden beim Grenzübertritt verhafte» und ohne weiteres nach Polen zurückf.eschickt, wo sie als Deserteure erschossen werden. Der „Vorwärts" fragt, ob es auf Tatsachen berußt, daß das RetchsarbettSministcrium einen derartigen Befehl an die Myslowitzer Stelle hat gelangen lassen? , Berlin, 23. Juli. Dem berüchtigten antisemitischen Privardozenten Dr. Arnold Rüge in Heidelberg, der durch seine aufreizenden öffentlichen Reden wiederholt Unruhen in Heidelberg herausbeschworen hat, wurde die Erlaubnis zur Abhaltung von Vorlesungen an her Universität vom badischen Kultusministerium entzogen, BreHfau, 20. Juli. De« Vorsitz rerhiesigen Agudas Jt sro el-Ortsgruppe hat Herr Bankier G. H. Löwy übernommen. ’ Göttingen, 24. Juli. Auf dem Deutschen Studententag behandelte Dr. M ah r h o l z, München, den Antisemitismus in der Studentenschaft ln durchaus ablehnendem Sinne; es sei der akademischen Jugend unwürdig, irgend eine Gruppe deutscher Staatsbürger, welchen Stammes und welcher Konfession auch immer, in ihrer verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung anzutasten. Demgegenüber versuchten die Rassenpoliliker, die auf der letzten Tagung in Dresden durchzudringen vermocht hatten, auch diesmal wieder ihre auf Ausschließung aller der Abstammung nach jüdischen Studentensoweit sie sich nicht ausdrücklich als Nationaldeutsche bekennen und die jüdische Nationalität negieren, zu erreichen. Im allgemeinen herrschte jedoch die versöhnliche Richtung vor. SMat-Ansang und Ausgang. rjpy rot» 0 R Ti Anfang Datum Ausgang UörlMin. 1920! 5680 MrjMa. Frankfurt a. M. 7 15 6. Aug. 33. Ab 8 68 Berlin .... 7 30 8 88 München . . . 7 IS 8 35 Stratzbnrg . . — — ~ — Stuttgart. . . — — — — Bofen .... — — — — Nürnberg. . - 7 — 8 83 Hamburg . . . — — 8 — •TO Dr. Goldschmidtitto Taunus-Sanatorium Bad Homburg v. d. H. fir llsrrävo, innerlich Kranke, Erbalungsbedürftlge.

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