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Der Israelit · 1920-08-05 · Heft 31 (5.8.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 31 (5.8.1920)
Date
1920-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 No. 31 Der Israelit. Noch ist ferner auch kein ernsthafter Versuch unternommen worden, um von Palästina aus die amerikanische Orthodoxie darüber aufzuklären, welche ZerstörungSarßeit mit ihrem Gelbe in Erez Jisroel dauernd geleistet wird. Mögen doch diejenigen, die sich schon für berechtigt halten, das Feld zu räumen und aus Erez Jisroel auszuwandern, lieber als Herolde und Abgesandte der wahrhaft jüdischen Palästina übers Baffer ziehen, unfern amerikanischen Brüdern die Augen öffnen über das namenlose Unheil, das sie mit ihrer naiven Prozente sttschen Politik über dos heilige Land gebracht haben und sie zur Schaffung einer s e l b st än d tg en, bewußt thoratreuen Palästina-Organisation begeistern, die dem alten jüdischen Geist eine Heimstätte bereitet »uf seinem alten Boden, bevor das neue, bitterste Golus, der Auszug des treugebltebenen Restes aus Zion, die Flucht der Charakterstärken vor der religiösen Korruption des palästinensischen Zionismus Vn beginnt. Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Bon Dr. Mose- Auerbach in Pethach-Tikwa. IV. Bei all unserer Vorliebe für die Landwirtschaft dürfen wir uns dem nicht verschließen, daß auch Handel und Industrie in Palästina eine wesentliche Rolle zu spielen haben. Auf beiden Gebieten verfügen wir über genügend hervorragende Kräfte, um sie zu größter Entfaltung zu bringen. Aufgabe des Palästlnaamtes ist es, geeignete Männer zum Studium aller in Betracht kommenden Fragen zu veranlassen, um dann allgemeine Grundsätze und Ratschläge im einzelnen geben zu können. Eine sehr wesentliche Rolle für das Wirtschaftsleben wird der in Aussicht genommenen Siedlungsbank zufallen, die in engster Beziehung zum Palästinaamt zu stehen hat. Mit Rat und Tat soll sie Landwirtschaft, Handel und Industrie unterstützen. Eine ganz neue Aufgabe stellt uns das Verkehrswesen. In den Ländern der Diaspora sind wir von seiner Leitung ja fast ganz ausgeschlossen. In Palästina wird dieses anders sein. Der Verkehr zwischen den jüdischen Siedelungen wird wohl ausschließlich in unseren Händen liegen,- aber auch an der Gestaltung der internationalen Verkehrswege, soweit sie Palästina durchziehen, müssen wir beteiligt sein. Abgesehen von den eigentlichen technischen Fragen bedarf die Heilighaltung von rotP und rs"' [ unserer besonderen Aufmerksamkeit. Wie schon erwähnt, muß dafür gesorgt werden, daß die jüdischen Angestellten an den Bahnen, den Post-, Telegraphen- und Telephonanstalten ohne wirtschaftliche Schädigungen, unsere religiösen Ruhetage etnhalten können. Selbstverständlich werden all die Einrichtungen, welche nur dem innerjüdischen Verkehr dienen, an diesen Tagen ruhen. Bon größter Wichtigkeit ist es, daß die Agudas Jisroel sich der eigentlichen sozialen Frage mit Intensität widmet. Der jüdische Arbeiter, mit Hand und Kopf, .soll wissen, daß auch seine Wirtschaftssorgen im Rahmen der Agudoarbeit liegen Die praktische Durchführung der Thoragesetze, vereint mit den Errungenschaften der modernen Sozialwtffenschaft, müssen dem Wirtschaftsleben Palästinas ihren Stempel aufdrücken. Von besonderer Bedeutung dürfte hierbei die Bildung von Gewerkschaften sein, welche in gleicher Weise die speziellen religiösen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterschaft, im weitesten Sinne des Wortes, wahrzunehmen haben. Ferner müssen Kaffen geschaffen werden zur Hilfe in Zeiten von Krankheit oder dauernder Arbeitsunfähigkeit als Folge der Invalidität und des Alters. Der geistige wie der Handarbeiter darf in solchen Zeiten nicht auf Unterstützung anderer angewiesen sein. Das gute Recht auf die Hilfe seiner Kaffe soll ihn in gesunden Tagen sorgenlos arbeiten lassen, ohne daß er gezwungen ist, immer wieder sich Entbehrungen aufzuerlegen, um für später einen Notpfennig sich zu ersparen. In noch höherem Maße als bisher soll die Agudo sich der Waisenhäuser annehmen, in gleicher Weise erzieherisch und sozial wirkend. Den alleinstehenden Greisen und Greisinnen seien Altersheime gewidmet, ihnen ein sorgenfreies Alter bietend. Trotz aller sozialen Arbeit wird die eigentliche Armenfürsorge notwendig sein. Doch ist es ihre wichtigste Aufgabe, sich möglichst entbehrlich zu machen. Nicht Unterstützung ist ihr Ziel, sondern sozialer Wiederaufbau der gesunkenen wirtschaftlichen Existenz. Eine große Aufgabe stellt uns die Fürsorge für die öffentliche Hygiene und die Krankenhäuser. Die klimatischen Verhältnisse Palästnas geben der Volkshygiene eine ganz besondere Wichtigkeit. Die traurigen Verhältnisse, die bisher gerade auf diesem Gebiete herrschten, heischen gebieterisch das Einschreiten der Oeffentlichkett, besonders zur Bekämpfung der beiden Hauptkrankheiten der Malaria und der Augenkrankheit. Bei der furchtbaren Verbreitung durch Ansteckung ist eine wirkliche Bekämpfung dieser Leiden nur durch planmäßige öffentliche Vorkehrungen zu ö. Augrrst.MQ erhoffen. Aufgabe unserer Hygieniker ist es, hier die richtigen Wege zu weisen, Pflicht der Allgemeinheit sie zu beschreiten. Zu den wichtigsten hygienischen Anstalten gehören weiter die Krankenhäuser. Es ist unbedingt notwendig, daß modern eingerichtete jüdische Krankenhäuser nicht nur in Jerusalem, sondern in allen Zentren der jüdischen Siedelungen angelegt werden, daß nicht wie bisher die Schwerkranken vielstündige Leidenswege durchzumachen haben, bis sie das Krankenhaus erreichen. Und in den Krankenhäusern muß es genügend gut ausgebildete Aerzte, Schwestern und Pfleger geben. Hieran hat es bis jetzt sehr gefehlt. Doch dürste es nicht schwer sein, unter den vorhandenen Kräften geeignete zu gewinnen. Wir haben in unserer bisherigen Erörterung versucht, die Aufgaben der Agudas Jisroel in Erez Jisroel zu skizzieren, ohne die Tätigkeit anderer Organisationen zu berücksichtigen. Wir taten dies mit Bedacht. Herrn wir sind der Ansicht, daß die Agudas Jisroel die Pflicht hat, wenn nötig allein, ohne Mitarbeit anderer Organisationen, das jüdische Kulturzentrum in Erez Jisroel zu schaffen. Doch will dies nicht besagen, daß die Agudas- Jisroel nicht mit anderen Organisationen zusammen arbeiten solle. Für das Verhältnis der Palästinaarbeit der Agudas Jisroel. zu dem anderer Organisationen sei Grundsatz: Bei Gegensätzen grundlegender Natur ist organisatorische Vereinigung unmöglich, bei Uebereinstimmung in praktischen Zielen ist Arbeitsgemeinschaft wünschenswert, wenn sie keinerlei Aufgahe von Prinzipien bedingt. Hieraus ergibt sich, daß die Agudas JiSrocl prinzipiell bereit sein soll, in wirtschaftlichen und sozialen Fragen mit der zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten, soweit diese Bürgschaft gibt, daß auf dem gemeinsamen Arbeitsgebiet das Thoragesetz nicht übertreten wird. Hoffen wir, daß die einschränkende Bedingung erfüllt wird. Wissen wir doch, daß es auch die Forderung weiter zionistischer Kreise ist, daß der Wiederaufbau Erez Jisroel nicht durch Verletzung des Gottesgesetzes entweiht werde. Doch niemals wird die Agudo mit Rücksicht auf äußere Vorteile den Heiltgkeitscharakter Palästinas preisgeben. Die Einigkeit darf nicht mit innerer Unwahrheit bezahlt werden. Der Erfolg wird m. G. H. zeigen, daß die Agudo auch die wirtschaftlichen Interessen des jüdischen Volkes selbständig wahrnehmen kann. „Soweit auf kulturellem Gebiet Uebereinstimmung zwischen Misrachi und Agudas Jisroel in betreff der Tendenzen und Arbeitsziele besteht, ist Zusammenarbeit möglich und erwünscht, sofern der Misrachi in Durchführung derselben Ein Rabbiner müßte deshalb in ganz anderer z Art, wie eS geschieht, mit feinen Gemeinden in Verbindung stehen. Da dürfte nichts geschehen, wovon er nicht genauestens unterrichtet, worauf er nicht — ohne Beeinträchtigung der Gemeindebehörden — Einfluß gewinnen sich bestreben müßte. Das Rabbinat f»üte, bildlich gezeigt, ein mächtiges Reservoir sein, zu dem die getrübten Gemeindebäche rinnen, um gereinigt zurückzuflkeßen". Mein Begleiter kam immer mehr in Eifer. „Was nutzt heute eine noch so schöne Predigt! „Schön hat er gesprochen", sagen die Leute, wenn sieaus der Synagoge gehen. Nützlich hätte er gesprachen, wenn er Uebelstände im gemeindlichen Leben gegeißelt und auf die Jdealzustände hingewtesen hätte. Vielleicht nimmt sich'- einer zu Herzen! Die Auslegung eines schönen Midrasch allein ist wertlos. Die Dorfgemeinden sind die Brutstätten der Orthodoxie, sagte iHendwo ein hämischer Rechtsanwalt im Schimpfen. Das heißt im guten Sinne: Sie sind der fruchtbare Ackerboden, wo guter Same, gesät vom verständigen Säemanne, immer noch reife Früchte bringt". In vollstem Einverständnis und in Achtung vordem einfachen Landjuden mit seinen, wohl aus seinen einsamen Gängen ausgedachten trefflichen Darlegungen, reichte ich ihm meine Hand. „Der Wegweiser hier meldet nach K noch v Km. Wenn Sie jedoch den Waldweg nehmen wollen, immer gerade aus, gehen Sie kürzer." Mit einem herzlichen Lebewohl schieden wir. Tiefer Wald umfing mich und schützte gegen die recht heiße Sonne. Der feine Pust reifer Erdbeeren lockte mich oft unter die Büsche, sodaß ich zuletzt ein schnelleres Tempo einfchlagen mußte, wenn ich zur Feier ln K. st in wollte. Die kleine Synagoge mit ihrem holzgeschnitzten Almemor in der Mitte war gut besucht. „Seit 20 Jahren wieder einmal eine Trauung im Dorfe", hörte ich jemand neben mir sagen. Die Nachkriegszeit holt auch sonst manches Altväterliche aus seinem Versteck. Vielfach verlegt man jetzt die Hochzeitsfeier vom Stadthotel ins väterliche Haus, selbst wenn dies auf dem Lande steht. Und sicherlich findet hier der ernste, für das wettere Leben entscheidende Tag am ehesten etwas, das ihn autzsichtSfroh machen wird. Ktndheltserinnerungen steigen auf, elterliche Liebe raunt aus allen Winkeln und vom Jugendglück verschönte Stätten geben gute Fernsichten nach erträumten Zielen. Der Lehrer, ein graues Männlein, sang zur Einleitung Segen verheißende Psalmstellen, und der Rabbiner sprach in Anlehnung an eine Stdrasteüe hohe Worte von Ehe, gegenseitigem Verstehen und liebevollem Achten. „Schön har er gesprochen", sagte ich vor mich hin, als ich hinausging und mußte an meinen Begleiter von heule morgen denken. „Was habe ich Nützliches davon mitnehmen können?" — Eine Mizwoh von den vielen Hunderten der religiösen Gebote ausführlich erklärt, dem jungen Paare als besondere- Leitziel mit auf den Weg gegeben, hätte Positiveres geboten. „Und vielleicht, vielleicht nimmt sich's doch einer zu Herzen!" Jawohl, mein lieber Borfgeherl (Fortsetzung folgt). (Ostjuden einst rrnv jetzt). Der Hauptausschuß des Reichstages hat am Mittwoch einen Antrag der Deutfchnattonalen gegen die „Maffeneinwanderung fremdstämmiger Elemente, insbesondere über dje Ostgrenze", mit den Stimmen sämtlicher bürgerlicher Parteien, auch der Demokraten, angenommen. In der Praxirichtet sich dieser Antrag gegen die Ostjuden, dann gegen die Maffeneinwanderung russischer Emigranten aus dem Adel usw., die namentlich in Berlin große Teile der vornehmen Wohnviertel für sich mit Beschlag belegt haben, hat nach nie ein Deutsch, nationaler etwas einzuwenden gehabt, auch nicht gegen die zahllosen russischen Abenteurer und Offiziere, ditz für die grgenrevolutionären Armeen werben und allerhand Beziehungen zwischen deutschen und russischen Monarchisten anknüpfen. Bet dieser Gelegenheit muß doch daran erinnert werden, daß die Deutschnationalen den Ostjuden gegenüber nicht immer eine so feindselige Haltung angenommen haben. Als 1914 zum erstenmal die deutschen Armeen in Kongreßpolen einrückten, dir erließ die deutsche Oberste Heeresleitung im Osten einen wunderschönen Aufruf „An die Jüden in Paulen". In reinstem „Jiddisch" versicherte Ludendorff den Osijuden, daß die Deutschen als ihre Befreier kämen. Sorgfältig waren alle Schandtaten des Zarismus gegen die Juden, alle Unterdrückungen, Pogrome usw. angeführt, um im Anschluß daran zu zeigen, wieviel besser die Juden in Deutschland behandelt würben. Ja, es war einmal ... «S--S . ' 1 -v 1 („Wie zu Savbatai Zeiten") In einem Tischo be'aw-Artikel schreibt dio zionistische „Jüdische Volksstimme" in Brstnn: „Nun wird aber nicht mehr geklagt. Nicht mehr geweint! Am v. Ab wird der Wiederaufbau Palästinas beschlossen und wie zu Sabbatai Zewi's Zeiten sollen Schiwa asiar-betamus undTischabe-ab aufhören, Fasttage zu sein. Denn aus Fasttagen sollen Freude-, sollen Festtage werden". Spotten ihrer selbst und wiffen nicht wie.

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