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Der Israelit · 1920-07-29 · Heft 30 (29.7.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 30 (29.7.1920)
Date
1920-07-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ro 30 GtzKe» M- DM IG» Mit aller Energie «Affen wir un» dafür einsetzen, »aß auch fürder 4a» jüdische Volk keine ankere Familie kenne, kein ankere- Ghegesetz anerkenne als?m»'l,-iWV PN2 Und nun -um Zivilrecht. Ist es nicht eine Schmach, daß man daran denkt, in Erez Ais« rvkl fall nicht nach dem Gesetz der Thora Recht Gesprochen werden! Das Volk, dessen Ideal seit den Taften seines Anfangs das Recht war, smn p-ntpTX. dieses Volk sollte sich in de« Augenblick, da es ein neues LeLen auf seinem Stammesboden beginnt, moralisch für Bankrott erklären, nicht imstande zu sein, nach eigenem Recht das nationale Heim zu verwalten. Aller« dingwird auch in Ihoratreuen Kreisen West« europas auf dem Gebiet des jüdischen Rechtes viel gefehlt. .Man hat fast vergessen,' daß es einen min p*J gibt. Daher scheint der Gedanke, in Erez Jisroel nicht nach min pn zu richten, gerade auf diese Kreise nicht so fürchterlich zu wirken. Aber umgekehrt: nicht Golusempfindüngen sollen Erez JiSroel beherrschen, sondern die reinen Erez Jisroel-Anschauungen das GoluS befruchten. Die osteuropäischen Juden müßten ihren westlichen Brüdern bezüglich des min pn ein Beispiel sein. G. s. D herrscht er fast in allen Kreisen de- Ostens und auch in Erez JiSroel. Die Praxihat längst den Einwurf widerlegt, dajüdische Zivilrecht sei für die komplizierten Rechtsverhältnisse des modernen Wirtschaftslebens nicht geeignet. Wer das jüdische Reckt wirklich kennt, weiß, wie es auf alle Verhältnisse anzuwenden ist. Allerdings bedürfen alle Rechtsbegriffe des Thoragesetze- und des heuiigen Wirtschaftslebeneiner genauen Klärung und Fixierung. Ein Feld fruchtbarster positiver Arbeit bietet sich hierin dem akademisch gebildeten jüdischen Juristen, in gemeinsamer Tätigkeit mit den Koryphäen der Thora, ein modernejüdische- Zivilrecht zu schaffen. Durch die Agudo ist ein enger Zusammenhang zwischen Erez JiSroel und der Diaspora herzustellen. Deshalb soll die Agudo darauf hinarbeiten, daß möglichst viele Juden des Auslandes ihre Kinder in Palästinensischen Bildungsanstalten erziehen lassen. Hierdurch wird Erez Jisroel ganz von selbst das Zentrum der altjüdischen Erziehung. Die Schulen Palästinawerden so tatsächlich zu Schulen der jüdischen Gesamtheit. Die- Jugend, die hiev auswächst, wird immer palastinozentrtsch fühlen und immer weitere Kreise mit der in Erez Jisroel erworbenen Th orakultur durchdringen. Aus den in Erez Jisroel Erzogenen, sollen die Gemeinden im AuSlande nach Möglichkeit ihr, Führer wählen. Ein ständiger Gedankenaustausch soll dir geistigen Führer der Diaspora mit den Gelehrten der Jerusalemer Akademie verbinden. WaS die Judenheit aller Länder bewegt, muß feinen Widerhall in der KröTiö finden. Zweifelhafte Fälle der Halacha kommen hier zur Entscheidung. So sollen nach Möglichkeit Differenzen zwischen den Talmudgrößen der einzelnen Länder ausgeglichen werden. Don Jerusalem aus werden Normen für die Behandlung neuentstandener Fragen aufgestellt. Und was auf schriftlichem Wege nicht erledigt werden kann, das sei der Entscheidung der Versammlungen überlaffen, welche etwa alle drei Jahre die hervorragendsten Führer der Gesamtjudenheit mit den Gelehrten der Jerusalemer Akademi« zusammenführen. Diese Versammlungen werden sich kraft ihremoralischen Ansehens ohne jeden Zwang zu einer allgemein anerkannten Instanz ausreffen, deren Spruch sich die jüdische Gesamtheit freiwillig unterwerfen wird. Mit ihnen schafft sich das jüdische Volk das einigende Band, welches in den Jahrhunderten de- GoluS so schmerzlich vermißt wurde. übüTP wird wieder zum nvsbn br\. Bei unserem Streben, Palästina zum Kulturzentrum des jüdischen Volkes zu machen, dürfen -wir auch die Sorge um Hebung des Wirtschafts¬ und sozialen Lebennicht außer Acht lasten. Wir wollen das Wort unserer Weisen nicht vergeffon : min PK ncp ,'tt bk I Wo die Wirt. schaftliche Grundlage fehlt, können auch die idealen Bestrebungen keinen dauernden Bestand heben. Richtig ist es allerdings, daß auf Jahrzehnte hinaus aller Voraussicht nach die wirtfchaftlichen Grundlagen des jüdischen Palästina vom Auslande abhängig sein werden. Wir betrachten dies nicht als ein Geschenk der Diaspora an die Palästinenser. Denn was das Ausland materiell Erez Jisroel gibt, erhält es ja ideell hundertfach zurück. Alle Leistungen der Dta-pora für da- Zentrum find ja in Wahrheit für sie selbst. Aber trotzdem muß es unsere Aufgabe sein, da- Wirtschaftsleben Palästinaauf gesicherter Basis zu gründen. Wie für etnr.gesunde geistige Entwicklung des Einzelnen ein gesunder Körper von größtem Werte ist, so ist auch die kulturelle Entwicklung des Volk-ganzen von geregelten Wirtschaft-Verhältnissen in hohem Maße abhängig. Mit Recht werden viele Goluskrankheiten dejüdischen Volkeauf seine anormale Wirtschaftslage zurückgeführt, vor allem auf unsere unglückliche Berufsschtchtung in den Ländern der Zerstreuung. Wenn Palästina die geistige Führung -er Gesamt judenheit übernehmen soll, so muß unser Augenmerk auch darauf gerichtet sein, daß die in Palästina Heranwachsende Jugend unter gesunden wirtschaftlichen Bedingungen aufwachse. Die Sorge hierfür soll die Aguda- Jisroel einem Palästtnaamt übertragen. Die Zentrale sei in Palästina, Zweigstellen in allen Ländern der Diaspora. Hervorragende Männer aller Berufe sollen hier zusammen arbeiten, um ein wirtschaftlich und sozial gesunde- Palästina zu schaffen. Eine der wesentlichsten Vorbedingungen hierfür ist die Regelung der Emigration auden Ländern -er Diaspora und die Immigration nach Erez Jisroel. Wir wissen, daß eine viel größere Zahl von Juden den heißen Wunsch hat, sofort nach Palästina einzuwandern, als es für lange Jahre möglich sein wird, ihnen hier Lebensbedingungen zu schaffen. Eine augenblickliche Massrneinwanderung müßte für das Land und die Einwanderer katastrophale Folgen haben. Emuß festgeftellt werden, wieviel Neueinwanderer Erez Ji-roel aufnehmen kann und die Vertrauensmänner -e- Palästinaamtein den Ländern der Dta-pora müffen unter den EinwanderunAslustigen aufklärend wirken, um nur so viel und solche Einwanderer zur Uebersiedelung tu veranlassen, wie fts die Existenzbedingungen n Palästina zulaffen. Eine schwere Aufgabe ist es, da zu hemmen, wo physische Not und Idealismus zur Eile antretben. Aber das Geühl der Verantwortung für Land und Volk zwingt dazu. Bei der positiven Arbeit zum wirtschaftlichen Wirderaufdau Palästinas steht die Landwirtschaft in erster Linie. Hwei wesentliche Momente treffen hier zusammen: die Eignung Palästinaium Agrarlande und jene rührende Sehnsucht »es jüdischen Volkes, zur Scholle zurückzukehren. Wir, die wir in den Jahrhunderten der Seßhaftigkeit zum überwiegenden Teil ein Volk von Bauern waren und in der Leidenszeit des Golus immer wieder der Mutter Erde entfremdet wurden, wir spüren in all unseren Gliedern ein heiße- Sehnen, zurückzukehren zur Grundlage aller menschlichen Wirtschaft, daeigne Brot selbst zu ziehen, nach langer Goluswanderung wieder zu ruhen, ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum. . Männern der Praxis muß eS überlaffen bleiben, die Grundsätze aufzustellen zur Gestattung der Landwirffchaft Palästinas, Ratschläge zu geben über die Methoden der Arbeit, über die Anlage neuer Siedelungen und Entwicklung der bestehenden. Nur andeutungsweise ei hier bemerkt, daß mit allen Kräften die Sodenspekulation verhindert werden muß, daß ein gesunder selbsttätiger Bauernstand gefördert wird, welcher oaS Rückgrat des Wirtschaftslebenzu bilden hat. (Fortsetzung folgt.) sorrefponvenzen und AaHrichten. Itagfö»»* SLrfdf. Pom »luiröflefegesfrener JlWifdiff GtmcInOen*- K»l«krst»i>l, 10. Juli, erstand und Ausschuß des Bundes gesetzestreuer Gemeinden versammelten sich am 7. Juli in Frankfurt a. M.,um geschäftliche und Organisationsfragen zu behandeln. Zur Betsteuer a« Kleingemeinden für Teuerungszulagen an Lehrer und Kultusbeamte, zur Instandsetzung von Ritualbädern, Synagogen und Schulhäusern wurden dem Bundesvorstand bis 80000 Mark für das laufende Jahr freigestrllt. Kamönrg, 16. Juli. Das RkpräsentenWnkollegium der Deutsch-J-raelitischen Gemeinde nahm in seiner unter Vorsitz' von Alfred Lffsauer abgehattenen Sitzung zunächst einen Antrag des Gemeindevorstandes an, wonach der Vorsitzende des Armenkollegiums in Zukunft bet Bewilligung von Mitteln aus dem Dispositionsfonds nicht mehr an eine bestimmte Höchstgrenze gebunden ist. Ferner wurden die beantragten Gehaltserhöhungen für die Beamten bewilligt und gleichzeitig ein Antrag angenommen, in dem der Gemeindevorstand ersucht wird, baldigst eine Befoldungsreform elnzuletten. Für die von den jüdischen Organisationen geschaffene Arbeitsgemeinschaft zwecks Fürsorge; für die ausländischen Juden wurden 500 Mark ' bewilligt. Ueber die „Stellungnahme der Ham-! burger Gemeinde zur Gründung einer Gesamtorganisation der deutschen Judenheit" erstattet- •; die eingesetzte Kommission Bericht. Die endgültige \ Beschlußfassung wurde nach längerer Aussprach, ' vertagt. Molen. * Oie Laue in Oligaltyen. Mi«», 14. Juli. Mehr n»ch »lr in «ongreßp»lm »»chm sich 1 in, Lemberg und Ostgaltzien schwere Befürchtungen Ar die Sicherheit der Juden geltend. Zum Stadt-; kommandanten von Lemberg ist MinezinSki ernannt worden, der sich von dem Verdacht der - Mitverantwortung für den Lemberger Pogrom bisher nicht gereinigt hat. Angeblich sollen einige jüdische Persönlichkeiten in Lemberg unter ntchttgen Vorwänden verhaftet worden sein. Neue Pogrome? Marsch«*, 20. Juli. . Das Organ der polnischm Sozialdemokratie berichtet über Plünderungen und Brandstiftungen der auf dem Rückzug befindliche* polnischen Truppen gegen die Minsk er jüdische Bevölkerung. Auch in Kiew sollen die polnische* Soldaten das jüdische Viertel in Brand gesteckt haben, sodaß Tausende von Familien obdachlos seien. . ■, Marfcha*, 20. Juli. In der weiteren Sitzung der von der Regierung einberufenen polnischjüdischen Verständigungs-Kommission? M legten die jüdischen Vertreter dar, daß die Bor-s^H bedkngung für jede positive Arbeit die entschieden« Einstellung der unerhörten Exzesse gegen di«. KM Juden sei, die sich jeden Tag ereignen. Die Er-HM klärungen der jüdischen Vertreter riefen Erwide i rungen der Antisemiten hervor, worauf die Re^ H gierung erwiderte, daß sie zwar von den VolksI trömungen abhängig sei, nichts desto wenige. fW aber den Entschluß habe, den antisemitischer^S Exzessen ein Ende zu machen.

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