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Der Israelit · 1920-07-29 · Heft 30 (29.7.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 30 (29.7.1920)
Date
1920-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der JSraelit. «Seite 4 No. SO sein, daß man da einer offenbar schweren Gefahr auszuweicheir sucht. . Wenn sich die Bereinigten Staaten gegen die japanische und chinesische Einwanderung sträuben, so sind da wichtige politische Momente im Spiele. Und wenn das gleiche Land die italienischen Analphabeten nicht hereinlassen will, so ist das auch gewiffenmassen leicht zu begreifen. Ganz anders sieht die Sache bei der jüdischen Einwanderung aus. Amerika weiß ganz gut, waS jüdischer Fleiß, jüdische Intelligenz, jüdischer Unternehmungsgeist für die Erschließung des Landes bedeuten kann. Und wenn es auch einer .jüdischen Masseneinwanderung nicht Tor und Tür öffnet, so ist es nur deshalb, weil es mit Recht das weitere Anschwellen des New Aorker Ghettos ungern sehen würde. Ich stelle die kühne Behauptung auf: Würde man in der Lagese in, den chaotischen Wa ndererstrom zu meistern und von der überfüllten «-Millionenstadt nach den ungezählten Orten zu lenken, wo noch keine Hypertrophie von Menschen herrscht, würde man ferner in der Lage sein, jüdische Kräfte dergmerikaNischen Landwirtschaft zuzuführen, — dann — behaupte ich, wäre die Frage -es jüdischen „Wohin?" in kurzer Zeit gegenstandslos geworden. ÄS ist somit einfältig und naiv, wenn man mit dieser Fragestellung das Wesentliche der jüdischen Tragik auszuschöpfen glaubt. Ich rede schon nicht von den ungeheuren freiliegenden Ländereien in den Republiken Südamerikas. Aber die Bereinigten Staaten allein sind ja in der Lage, zehn solchen Völkern wie das Jüdische Platz und Nahrung zu gewähren. Nein, die Frage kann nicht lauten: „Wohin?", sondernv„Wie?" * * * Der bekannte Pazifist Dr. Alfred H. Fried erzählt, daß als das Haager Schiedsgericht infolge „Beschäftigungsmangel" einzugehen drohte, der Franzose d'Estournelles sich nach Amerika begab und den Präsidenten veranlaßte, einen Fall — den ersten also — dem Schiedsgericht zum Haag zu unterbreiten, um ein Exempel zu statuieren. „Es war kein wichtiger Fall", fügt Fried hinzu, „doch darum hatte es sich in jenem Augenblick nicht gehandelt. Die Maschine wurde in Gang gesetzt, das war die Hauptsache." Vor etwa 18 Jahren begab sich der Vertreter einer jüdischen Organisation ebenfalls nach Amerika und leitete ein Unternehmen indie Wege, das ebenso als durchaus gelungene Probe aufs Exempel und zugleich als überzeugende Bestätigung obiger Behauptungen gelten darf. Obwohl damals ganz ähnliche Restrtkttonsgesetze bestanden haben wie jetzt, hat die amerikanische Regierung doch dem G a l v e st o «-Unternehmen außerordentliche Begünstigungen -eingeräumt und kein Hehl daraus gemacht, wie w ohlw o llend sie solche Experimente überhaupt zu behandeln geneigt ist. Ueberschaut man nun mit offenenen Augen die gegenwärtigen Verhältnisse, so ist kein triftiger Grund dafür aufzutreiben, daß -^Stellungnahme der amerikanischen Regierung in dieser Sache jetzt eine wesentlich andere sein würde, sofern das Unternehmen nur von einer wirklich ernst zu nehmenden Seite au'sgehen sollte. Die gegebene Instanz wäre offenbar die amerikanische Judenschaft selbst, als nächstinteressierter Teil unseres Volkes. Und nach allem zu urteilen, was man in amerikanisch-jüdischen Zeitungen über das ungemein lebhafte Interesse liest, mit welchem die gesamte dortige Judenschaft die Wiederanschwellung der jüdischen Wanderflut verfolgt, und über die feurige Energie, mit welcher die nötigen Maßnahmen zur Aufnahme der flüchtenden Brüder getroffen werden, muß man annehmen, daß es ein leichtes sein wird, die immensen Ressourcen der dortigen jüdischen Oeffentltchkeit in den Dienst der großen Sache zu stellen. Man braucht ihnen nur vor Augen zu führen, daß auch die Regulierung der jüdischen Wanderung im wahrsten Sinne des Wortes ein a u f b a u e n d e 8 W e r k ist, indem es Abertausende von Juden einem freien, zukunftsreichen Leben zuführt. Freilich muß die Auffassung des Wanderungsprozeffes von Grund auf geändert werden. Nicht das einfache Ueberführen aus dem Lande des Elends in das Babel der Schwitzindustrien darf fortan die Hauptsache sein. Weder wird man durch ein solches Vorgehen die Regierung der Bereinigten Staaten zum breiteren Oeffnen der Tore veranlassen, noch wäre damit den Emigranten selbst gedient, wenn es sogqx gelingen sollte sie hereinzubringen. Es müßte vielmehr dafür gesorgt werden, daß sie dorthin gebracht werden, wo man sie eben braucht. Und an solchen Stellen ist in einem Lande, wie die Bereinigten Staaten, wahrlich kein Mangel. Und noch eins: man vergißt es (und viele wissen es überhaupt nicht), daß in Nordamerika bereit- Anfang der Achtziger Jahre zahlreiche landwirtschaftliche Versuche in verschiedenen Staaten unternommen wurden, daß viele von diesen Kolonien sich ausgezeichnet entwickelt haben und zur Zeit blühende, fast nur von Juden bewohnte Städtchen und Dörfer bilden. Wäre es nicht eine ungemein dankbare Aufgabe, diese landwirtschaftlichen Zellen durch neue Ansiedler zu vergrößern, in ihrer Nähe neue solche Zellen ins Leben zu rufen? 4- £ * Ich wiederhole: nicht das „Wohin", sondern das „Wie?" ist jetzt zü studieren. Eine gigantische und der Aguda wäre. Frei sprach Dr. Schönfeld: Mizrachi kümmerte sich stets um Erez Jisroel, Aguda anfänglich überhaupt nicht — Palästina war niemals Teil des Agudaprogrammes — und auch heute noch vernachlässigte Aguda-Palästinaarbeit. So sprach Dr. Schönfeld, obwohl er wissen mußte, daß schon im Kattowitzer Programm die „Kolonisation Palästinas auf religiöser Grundlage" einer der Hauptpunkte war, und obwohl die Palästinabeschlüsse der Züricher Konfe« renz ihm bekannt sein mußten. Der Ehrensekretär der Londoner Aguda veröffentlichte einen Brief im Jewish 'Chronicle, in welchem er. auf diese Tatsachen hinwies. Dr. Schönfeld hat sicherlich davon gehört, da er damals noch in London war. Trotzdem mußten wir einige Zelt darauf in einem Klausenburger Blatt unverantwortliche Angaben Dr. Schönfelds lesen, die sich nur erklären lassen durch . . . . Propaganda« Moral. Vor einiger Zeit gab Herr Farbstein, ein Führer der Mizrachi in Polen, dem Vertreter der jüdischen Preffezentrale in Zürich ein Interview, in welchem er erklärte, die Schlome Emune JiSroel gebe es gar nicht, sie sei ein Hirngespinst gewisser Orthodoxen .... Wenige Wochen daraus in London gab einer seiner Leutnants in einer ZeitungS« polemik unvorsichtigerweise zu, daß in Warschau die Majorität der jüdischen Volksmassen in der Aguda seien .... Propaganda. Von Zeit zu Zeit hören wir Fansarenstöße auS dem Lager der Mizrachi. „Wir kamen, sahen, siegten". — In Amerika bildet der Mizrachi eine zionistische Organisation, die mit der offiziellen amerikanischen Zionist Federation gar nicht verkehrt. In Polen lebt der Mizrachi durch die finanziellen Leistungen der Amerikaner. Mit allen andern Zionisten find die Mizrachtften auf — engstem Fuße.. Bei der Londoner Konferenz richtete Rabbi Fish man einen Appell an Dr. Weizman und den allgewaltigen Ussischkin, ihrem Versprechen nachzukommen und einen zweiteiligen W'aad Hachinuch in Palästina einzuführen. Die Antwort war,eine absolute Verneinung. „Wir wollen kein doppeltes Judentum in Erez Jisroel", schrie Dr. Weizman. Ein anderer Vorfall. Der New-Iorker „Tag" meldet auf Grund einer telegraphischen Mit« reilung von London an das Zentralbüro des Mizrachi in New-Aork: Oberrlchter Brand eis fordert als conäitio sine qua non seines Weiterverbleibens, daß die M^zracht-Organisation nicht anerkannt werde. Er droht mit seiner Resignation, wenn das Fortbestehen der amerikanischen Mizrachi-Organisation weiter gestattet werde. Es wird hoffentlich nicht lange mehr dauern, bis auch der Mizrachi ein sehen wird, daß wir thoratreue Juden zueinander gehören, und daß uns eine tiefe Kluft vom radikalen Zionismus trennt. ES ist eine Ironie, daß Dr. Nordau und die Poalei Zion, unterstützt von energischen Amerikanern, für einen jüdischen Kongreß eintreten und so wenn auch unbewußt, den Kampf der Orthodoxie gegen oligarchische Bestrebungen der jetzigen zionistischen Leitung unterstützen. Wenn es zu einem jüdischen Kongreß kommt, müßte die Mizrachi als Partei aufhören zu existieren, weil eS dann nur zwei große Parteien geben dürfte: die zionistische und die thoratreue. Und doch sagte Rabbiner Landau aus Zawierze gelegentlich eines Meetings in England: „Wir Mizrachisten vertreten die Orthodoxie der ganzen Welt. . . Propaganda. (Ein Reiseerlebnis). Man schreibt uns: Wir iuhren im v-Zuge von München nach Würzburg. Meine Begleiterin war ein Mädchen von 11 Jahren, - Aufgabe auch so, gewiß. Gigantisch sogar für Amerika. Aber eine Aufgabe, die in sich ungeahnte Möglichkeiten, gewaltige Perspektiven birgt. Alles hängt davon ab, wie man die-Sache anpackt, und ob die Judenheit, speziell die amerikanische, für die Erkenntnis der wahren Sachlage in der alten sowohl als in der neuen Welt bereits reif ist. $ jjc * ' Die jüdischen Massenwanderer zeichnen sich einstweilen nur in den allgemeinen Umrissen ab. Die ganze Schwere des Problems kann jedoch keinem weitsichtigen jüdischen Politiker verborgen bleiben.^ Schon brandet?aus dem ausgepowerten Europa eine nichtjüdische Wandererwelle nach der anderen an die jenseitige Küste der Atlantik heran. Bald wird die Rückwanderung aufhören oder jedenfalls von der Einwanderung überflügelt werden. Die Schwierigkeiten der Einwanderung werden im gleichen Maße 'steigen. Wird das Problem der jüdischen Wanderung nicht unverzüglich, zugleich aber auch großzügig in seiner ganzen Brette angefaßt, dann gehen wir einer ungemein ernsten Situation entgegen. Auch da, vielleicht noch mehr denn sonstwo, gilt es: „Mist come fisst served.“ Aguda- Moel in Grez Moel. Bon Dr. Moses Auerbach in Pettzach-Liktva. III. Leider müssen wir es als eine besondere Aufgabe der Agudo bezeichnen, für die Durchführung des jüdischen Ehe- und Zivilrechtes sich ' einzusetzen. Es tut bitter weh, überhaupt mit der Möglichkeit rechnen zu müssen, daß auf. heiligem Boden ein anderes Eherecht gelten könne als das jüdische. Aber leider ist es eine Tat- ' fache, daß Männer, die als Führer des jüdischen Volkes gelten, mit dem Gedanken spielen, auf palästinensischem Boden die unbedingte Gültigkeit der jüdischen Ehegesetze anzutasten. Die Heiligkeit der jüdischen Familie ist gefährdet. Was wir durch die Jahrhunderte des Golus uns gerettet haben, das soll preisgegeben werden. Die Einheit des jüdischen Volkes ist in Gefahr, wie noch nie seit Absplitterung der Karäer. Ein fürchterlicher Riß, der nie wieder sich schließen könnte, würde uns *i"n trennen. Zwei Arten von Juden würde es dauernd geben: Juden reiner Abstammung und — Das Gewissen des ganzen jüdischen Volkes muß aufgerüttelt werden, in Erez Jisroel wie in der Diaspora. Nie darf es geschehen, daß die Reinheit der" jüdischen Familie getrübt werde. Wer es wagt, sie anzutasten, der schließt seine Nachkommen dauernd aus der Volksgemeinschaft aus: bnpB Kim "iDx__ ___ die zu ihren Eltern nach WÜrzburg fahren wollte- Das Kind war äußerst lebhaft, freundlich und besonders unsere Nachbarin tm Abteil, eine würdige, ältere jovial, aussehende Dame, war ganz entzückt von der kindlichen, Ungebundenheit und Heiterkeit deS Mädchens. Sie: plauderten aufs lebhafteste zusammenüber Ferien, Reiseziel üfw. Die Dame zeigte ihm die v landschaftlichen Schönheiten - das Kind war ganz Auge und Ohr. So verging eine schöne Zeit. Jetzt bekam das Kind Essenslust. ES entnahm seinem Reise« täschchen eine Tafel Chokolade und reichte sie zunächst der Dame hin. Diese lehnte vielmals dankend ab. Aber das Kind ließ mit Bitten nicht nach, bis die Dame ein Stückchen annahm. Bald darauf holte die Dame zwei mit Fleisch belegte Brötchen hervor, davon eines dem Kinde reichend. Dieses nickte abwehrenb mit dem Kopse. „Aber, mein Kind", sagte dle Dame, „ich habe von deiner Chokolade gegessen, da darfst auch du mir keinen Korb geben"! Das Kind befand sich in einer furchtbaren Verlegenheit. Es sah die Dame bittenden Blickes an. Aber dies hatte nicht den erwünschten Erfolg. Da endlich neigt sich das Mädchen der Dame zu und flüstert ihr ins Ohr: „Ich darf es nicht essen, meine Religion verbietet eS mir"! — „Du bist."? - „Ja, ich bin Jüdin"! - „Go . Jüdin"? Tie sah das Kind mit ganz eigenartigen Blicken an, drehte sich brüsk herum und beachtete von nun an das Kind nicht mehr. Geburten. Einen Tohn: Timon ÄnSbacher und Frau Telma, geb. Obermeyer, Würzburg. Barrnizwoh,Feier. Moses, Sohn des Herrn Samuel Kohn, WArzVmg.

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