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Der Israelit · 1920-07-22 · Heft 29 (22.7.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 29 (22.7.1920)
Date
1920-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 29 Der Hsraetrr 28. Juli 1920 der Chauffeur und Dr. Großmann zu entkommen vermochten, wurden Prof. Friedländer und Dr. Kantor, die amerikanische Offiziers uniform trugen, ausgeraubt und ermordet. Der Letter des „Joint" in Ostgalizieu, Dr. Löw, hat sich nach dem Tatort begeben. (Prof. Friedländer war am jüdisch-theologischen Seniinar in New tätig und hat sich durch maunigfache w>ssLnrchaftliche Arbeiten eiuen guten Namen gemacht,' Dr. Kantor war Prediger an einer New Iorker Synagoge. _ n"25wm polen in fchroerer Not. Warschau, 16. Juli. Während die Negierungskreise sichtlich bemüht sind, die Beziehungen zwischen Polen und Juden in der Stunde höchster Not zu bessern — es ist jchi sogar unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grabs ky ein besonderes polnischjüdisches Verständtgungskomitee zusammengetreten —, hetzt die antisemitische Presse in der schamlosesten Weife weiter und verhöhnt die allenthalben sich bekundende vaterländische Treue und Hingebung der Juden Polens mit äußerstem Cynismus. Diese Hetze trägt traurige Früchte. Es muß weit gekommen sein, wenn vor dem Portale des Seim-Gebäudes ein dort ausgestellter polnischer Wachtposten sich gestern auf den Abgeordneten Rabbiner Halpern stürzte, um ihm den Bart abzuschneiden! Der Vorfall wird natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Die Exzesse häufen sich jedoch, Und in weiten Kreisen der Prlnischrn Judenheit herrscht Angst und Schrecken, vor dem, was die kommenden Tage bringen tönnten. Gott schütze uns! Aus der flgudas Asroel-Sewkgurig Bratislava, 9. Juli. Die durch die Propagandaretse des Herrn Rabbiner Dr. Kohn in Fluß gekommene Bewegung für Agudas Jisroel macht in der Tschechoslowakei gute Fortschritte. Aus Tyrnau, Myjava, Komora, Torna und Stupava liegen über Neugnindung und Ausbau von Orts¬ und Jugendgruppen erfreuliche Berichte vor. Anläßlich des JahrzeitZtages TheodorHerzls macht das hiesige Aguda-Organ darauf aufmerksam, wie scharf sich dieser Führer des Zionismus gegen die Bestrebungen auf Erlangung jüdisch-nationaler Minoritätsrechte im Golus zu allen Zeiten ausgesprochen hat. Bratislava, 20. Jult. Wegen Bedrohung der Ernte und wegen antisemitischer Propaganda unter der Landbevölkerung ist in einigen Bezirken der Slowakei das Standrecht verkündet worden. England. iiönilfen-Ksnferen?. «London, 14. Juli. Die Konferenz wurde nach ziemlich ausgedehnten Debatten, in denen die übliche Kritik an der Leitung geübt wurde, zwecks Aufnahme der Kommissionsarbeiten von Freitag bis Montag vertagt. Gegenstände der Debatte waren vornehmlich die Tätigkeit der zionistischen Kommission in Palästina, die des Maas hochinuch, die Araberfrage und die Immigration. Weizmann beschwerte sich über mangelnde Arbeit im jüdischen Volke als Antwort auf San Remo. Großen Eindruck machte ein Schreiben Lloyd Georges an Weizmann, worin er die Konferenz als „zionistischen Weltkongreß" begrüßt und seinem Vertrauen Ausdruck gibt, daß das „jüdische Volk alle seine Energie, Entschlossenheit, Weisheit, Duldsamkeit und Ueberlegung seinen Mitbürgern in Palästina gegenüber zeigen und so abermals zum Fortschritt der Menschheit beitragen wird." Sie große Semonffrslion in flfberf Ball. i «London, 15. Juli. Unter dem Vorsitz Lord Rothschilds fand am Montag eine imposante Massenversammlung in der riesigen Albert Hall statt, um die Uebernahme des Palästina-Mandats durch England zu feiern. Der Clou des Abends war Balfours Rede, die, von tiefster Sympathie für die Juden als historisches Volk getragen, die Schwierigkeiten auszählte, die es zu überwinden gelte, um zu einem jüdischen Palästina zu gelangen. Das erste sei die arab ische Fra ge, die auf beiden Seiten viel Takt und Wohlwollen erfordere,' aber die Araber sollten nicht vergessen, daß England sie befreit habe, und daß für sie mit ihrem unabhängigen Arabien und Mesopotamien das kleine Palästina doch nur ein untergeordnetes Interesse habe. Die zweite Schwierigkeit Biete das Prinzip der Selbstbeftimmung, das bei logischer und ehrlicher Anwendung das künftige Schicksal Palästinas von dem Willen der g egenw ärtigenBevölkerün gs mehr hei tabhängig mache. Aber die Lage der Juden sei nun einmal so exzeptionell, daß man sich nicht pedantisch an technische Regeln halten dürfe, die allein allerdings keine beflirdigendx Antwort zuließen. Das Dritte sei die verhältnismäßige gering e Ausdehnung Palästinas, der man jedych durch Jntensioilät der Kultur ein Gegengewicht schaffen könnte, und das vierte die historisch begreifliche Disziplinlosigkeit der aus lauter Fanatikern ihrer Ideen bestehenden verschiedenen Gruppen des jüdischen Volkes. Die Mandatarmacht und das jüdische Volk hätten zusammen ein großes Ab enteuer begonnen und dürsten einander nicht enttäuschen. Es sprachen noch Lord Crewe, So ko low, Weizmann, der die Araber in eindringlicher Welse haranguierte, Lord Robert Ce eil, Chiefrabbi Dr. Hertz, Major Omsly -Gore, James de Rothschild, scharf zwischen jüdischem „Heim" und jüdischem „Staat" unterscheidend, Max Nord au, Wedgwood für die ladour party ». a. m. Die Versammlung schloß mit dem Absingen der Hatikwa und der englischen Natiünalhymne bei Orgelbrgleitung. dangmill über Balfours Hede. «London, 17. Juli. Zangwill veröffentlicht zur Rede Balfours ein Schreiben, worin er sich sehr unbefriedigt äußert und unter anderem darauf hinweift, daß er bereits zur Zeit der Abgabe der bekannten Balfourerklärung ihren Urheber schriftlich gebeten habe, sich über die von ihm ins Auge gefaßte Lösung der Araberfrage hinsichtlich Palästinas zu äußern. Wenn der für den ganzen Plan verantwortliche Staatsmann in dieser Hinsicht jetzt nichts anderes vorzubringen habe als einen Appell an den Gerechtigkeitssinn und die Ritterlichkeit der Araber, so sei dies zwar als Anpassung an die harte Wirklichkeit dankenswert, aber immerhin im höchsten Grade erschreckend. Irgend welche praktische Anregungen zur Lösung des arabischen Problems fehlten vollständig. Zangwill schreibt dann pieiter: „Takt, Vernunft, Sympathie — gewiß, aber in welcher legislativen Form sollen sie Ausdruck finden? Die Errichtung des jüdischen nationalen Heims soll allmählich erfolgen, sagt des Königs Botschaft, unzweifelhaft wird sie langsam sein, aber wird sie sicher sein? Balfour erklärt, die Mandatarmacht werde uns nicht enttäuschen — sie hat es schon getan. Wir wißen nicht, ob der Boden der durch die lange Verzögerung und durch die antisemitische Politik in Palästina verloren worden ist, jemals wieder gewonnen werden kann, und ohne wohlverbriefte Rechte, welche Sicherung haben wir, daß die nächste Regierung ihre Politik nicht umkehren wird? Mit allem guten Willen der Welt kann die Mandatarmacht im Angesicht von 600000 Arabern kein jüdisch-nationales Heim ohne speziellen und gänzlich unkonsiitutionellen Plan entwickeln. Wer das Ziel will, sagt das französische Sprichwort, wünscht die Mittel, aber welches sind die Mittel?" Zangwill schließt mit der Erklärung, daß er, angesichts der ungeheueren Leiden der Juden im Golus, sich weigern müsse, einen Pfennig Geld oder einen Splitter Kraft an die neue britische Besitzung zu hängen, bevor bessere Garantien für ihre jüdische Zukunft gegeben feien als die Zionisten sie bis jetzt erwirkt haben. Wie gewöhnlich ist Zangwill auch hier wieder ein scharfer Kritiker — er vergißt jedoch seinerseits „praktische Anregungen" zu geben/ denn daß der phantastische Plan Zangwtlls, die Araber zwangsweise „auszusiedeln" praktisch sei, wird er selbst nicht behaupten wollen. Das Judenproblem ist eben mit menschlichen Mitteln nicht so leicht zu lösen, wie gewisse Politiker glauben. öionlftifche Hegemonie? London, 14. Jult. . Weizmann erklärte in einer Versammlung der Zionisten aus den angelsächsischen Ländern, man müsse mit der I. C. A. Zusammenarbeiten, wie überhaupt alle Kräfte im jüdischen Volke» heranziehen, jedoch un.ter Aufrechterh altung der zionistischen Hegemonie. Amerika. 3ü3iiche Emroanderuno. Mew York, 23. Juni. Vier curopäischeDampfer aus Holland, England und Frankreich brachten gestern erstmals wieder eine größere Zahl jüdischer Einwanderer: elshundert Personen, meist Frauen und Kinder, die auf Grund der von Leon Kamaika eingeleiteten Aktion zu ihren Familienoberhäuptern herüberg-holt worden sind. Die Emigranten stammen meist aus Polen, teilweise aber auch aus Palästina und der Türkei. Palästina. Die Hollage der Jefchiroaus. Zürich, 4. Jult. Wie die „Jüdische Presse-Zentrale" meldet, hat die Jerusalemer zionistische Unterstützungskommission (Waad hazirim), welche die amerikanischen Hilfsgelder verteilt, neuerdings beschlossen, die Unterstützungen der Jeschiwos und Thoragelehrten wiederum um 15°/0 zu vermindern. Die Not dieser Kreise ist schon im vorigen Jahre durch eine Herabsetzung der Unterstützungssumme um 50% und im Januar um weitere 8°/0 ins Ungemessene gewachsen. Man kann sich vorstellen, wie die neueste Maßregel wirkt, die sicherlich nicht im Sinne der amerikanischen Spender liegt. Der Korrespondent der Pressezentrale erblickt in dem Vorgehen der Kommission einen Ausfluß bewußter Feindseligkeit gegen den alten Jschuw, der dem Zionismus aus Gewissensgründen ablehnend gegenübersteht. Personalien. Frankfurt a. M, 16. Juli. Frau Sophie C a r l e b a ch, die bereits das bayerische Ludwigskreuz besitzt, wurde jetzt auch die rote Kreuz-Medaille 3. Klasse am Bande für ihre Tätigkeit im Dienste unserer Verwundeten und Gefangenen, verliehen. Berlin, 12. Juli. Dem Verwaltungsbeamten beim Magistrat Berlin, Herrn Max Salomon, wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf /dem Gebiete der Kriegsfürsorge, - die Ehrendenkmünze der Stadt Berlin verliehen. Oderberg, 12. Juli. Herr Dr. E. Baß aus Kuttenberg, vom Rabinerseminar zu Berlin, wurde zum Nachfolger des nach Kopenhagen berufenen Rabbiners Dr. Friediger, gewählt. Nagh Tapolesany, 12. Juli. Nachdem, wie vorauszusehen war, Herr Rabbiner Dusch inskt aus Galant», die Wahl nicht angenommen hat, ist durch das Vertrauen sämtlicher Gemeindemitglieder Herr Oberrabbincr Samuel Austerlitz gewählt worden. Rabbiner Austerlitz, ein Schwiegersohn des berühmten Papaer Rabbiners Roth, der als hervorragender Gelehrter und tüchtiger Kanzelredner bekannt ist, wirkte zuerst in Somorja; seit 1913 als Oberrabblner in Miskolcz. Zu den ersten Aufgaben unseres Rabbiners wird es gehören, die durch eine Stiftung gesicherte Jeschibo ins Leben zu rufen, -.r.'ZZZZ Szered, 12. Juli. Herr Ch. Eckstein, Sohn des Rabbinatsverwesers aus Papa, ein Schüler der Pretzburger Rabblnatsschule, wurde zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt.

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