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Der Israelit · 1920-07-22 · Heft 29 (22.7.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 29 (22.7.1920)
Date
1920-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Mraettt. Nr. SS. Sette 3 22, Juli 1»3S y „Aguda Jisroel" daneben für die aus streng gesetzestreuen Kreisen stammenden thorakundtgen Flüchtlinge selbständig zu lösen. Hierfür bedarf es fortgesetzt größerer Geldmittel, die auf die Dauer nicht avß den laufenden Einnahmen oder aus Fonds zu decken sind. Es werden daher alle diejenigen Gesinnungsgenossen denen das bittere Golus junger hoffnungsvoller YUNV' 'Hiro aus den besten Familien des Ostens zu Herzen geht, gebeten, womöglich größere Beiträge der A gu d a s Jisroel auf Postscheckkonto Frankfurt 6712 oder dem Deutschen Gruppenverband, auf Postscheckkonto Berlin 18901 unter Angabe der Zweckbestimmung zu überweisen. 9er Kampf gegen den AMemWmvs in Devischland. Bon A. Mannheimer in Dettelbach. Zu jedem Kampfe gehört Uebung, Vorbereitung, das' ist ein alter Erfahrungssatz, im praktischen Leben tausendfältig erprobt und durch zahlreiche geschichtliche. Belage erhärtet. Hat nicht der Patriarch Jakob seine Vorbereitungen getroffen zum Kampfe gegen den unnatürlichen Bruder? Wie wären Josephs Brüder verlegen vor Pharao gestanden, wenn Joseph nicht weisheitsvoll vorgebeugt hätte mit den Worten '2 MVA -njne DSfiR „Und es wird sein, so euch Pharao rufen sollte und fragen: Was ist euer Gewerbe?" u. s. w. Wie mag ihnen dankbar das Herz gepocht haben, als sie, durch Joseph wohlberaten, dem mächtigen Herrscher die rechte Antwort geben konnten! Im Talmud finden sich mancherlei Parallelen hierzu. Weise Lehrer antworten treffend auf verfängliche Fragen böswilliger Machthaber. Die Religtonsdispute des Mittelalters sind bekannt, lieber die ausgeklügelte Sophistik der Gegner erhaben steht die scharfe Dialektik unserer Thoragrößen. Auch dem innerjüdischen Feind, dem Gottesleugner, sollen wir gewappnet gegenüber stehen: ,lü INI D“nP1DR^ Wisse, was du dem Eptkuräer zu entgegnen hast! Es wird uns direkt empfohlen, neben der bauenhen Kelle auch das Schwert zur Abwehr gebrauchen zu lernen. Seit dem Beginn der antisemitischen Bewegung, etwa 1878, sind mehr als 40 Jahre ins Land gegangen. Ein anderes Geschecht ist herangewachsen, das kaum glaubt, daß die Hetze der damaligen Judenhaffer doch nicht , leicht überboten werden kann durch den Antisemitismus der Gegenwart. In der Aera Stöcker war der Antisemitismus hoffähig, gehörte zum feinen Ton. ' scheinlich isses ä Zeichen sr Judn, daß se sich geejnseidj evflänn". (Zur Psychologie der Mischehe). In den Abhandlungen aus dem Gebiete der Sexualforschung veröffentlicht.Dr. Max Marcus e einen Vortrag über die Fruchtbarkeit der christlich - jüdischen Mischehe. (Bonn. A. Marens und E. Webers Verlag). Die Tatsache, daß die jüdisch-christliche Mischehe in Preußen für 1875 bis 1900 eine Fruchtbarkeit von 1,7% aufweist (gegen 5% der katholischen, 4°/0 der evangelischen, 3fi°l0 der jüdischen Ehen, 3,l0/0 der evangelisch-katholischen Mischehen), sührt der Verfaffer mit guten Gründen nicht auf rassenbiologische, sondern auf soziologische und vor allem psychologische Gründe zurück. Die Ehe ist umso kinderreicher, je höher die Ehegatten in religiöser Hinsicht stehen, je unbedingter ihre religiöse Bindung, je stärker ihr Gottvertrauen ist. Die jüdisch-christliche Mischehe wächst aber nur auf dem Boden der religiösen Gleichgültigkeit und der Rationalisierung des Geschlechtslebens. Die Schrift ist außerordentlich wSt an Material und dabei klar und fesselnd geschrieoen. . (Ein Herzl-Film). In Wien ist das Leben Theodor Herzls verfilmt worden. Der Film zeigt Herzl in den verschiedenen Höhepunkten seines Lebens, trrsbesondere auf den Kongreffen und dient als zionistisches Propagandamittel. Ganz anders heute. Das sei dem jüngeren Geschlecht zum Tröste und zur Beruhigung gesagt. Die Arbeiterfrage, das soziale Probleui beherrscht die Welt. Mächtiger denn je ist der Arm des Arbeiters, gegen den nickt regiert werden kann. Das ist immerhin ein gewisses Gegengewicht gerade gegen jene Kreise, die den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben. Es war vorauszusehen, daß diese Kreise krampfhafte Anstrengungen machen würden, die Schuld des verlorenen Krieges von sich auf die Juden abzuschieben und die alte Position wiederzugewinnen. Ihre Kampsesweise ist die alte wie vor 40 Jahren, nichts Neues. Der Radau ist uns Aelteren noch wohlbekannt. Die Verlogenheit, Niedertracht und Heuchelei der 80er Jahre kann nicht überboten werden. Aber, das sei den Jüngeren noch zum Tröste gesagt: wir sind ganz anders gegen den Feind gerüstet wie vor 40.Jahren. Eine reiche Abwehrliteratur ist erstanden, alle Zweige der sogenannten „Judenfrage" umfassend. Der wackere „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", gegründet 44. Dezember 1890, der „Zentralveretn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", entstanden 1893, haben unermüdlich mit den Waffen der Wahrheit, der Fackel der Statistik den Kampf geführt und ihnen zur Seite stand einmütig die spezifisch jüdische Journalistik aller Richtungen. Mit der Zeit mußte das reiche Material gesammelt und gesichtet werden und so entstand der „Antisemitenspiegel" (1900), jetzt in neuer Auflage erschienen, (1911), herausgegeben im Aufträge des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" von seinem Geschäftsführer Curt Bürger. Vom gleichen Verein erschien für die neueste Gegenwart (1920) das Abwehr-Abc. Ersterer 457 Seiten stark, letzteres 128. Nimmt man noch hinzu „Waffen zur Abwehr" von Rabbiner Dr. Italiener, 109 Seiten umfassend, so dürften diese Sammelwerke genügen, um in der Hand jedes Durchschnittsmenschen eine treffliche Waffe zur Abwehr zu bilden. Allumfassende Vielseitigkeit, leichte Handlichkeit und Ueberfichtlichkeit, überzeugende Gründlichkeit und streng objektive Sachlichkeit, das sind die Vorzüge dieser Bücher, die in keiner Gemeinde, in keinem Vereine fehlen sollten, mit de:en sich jeder Laie leicht vertraut machen kann, um gegebenen Falls mit der Wucht statistischer Zahlen, konkreter Tatsachen und amtlicher Bekundungeu häßlichen Angriffen entgegenzutreten. Wohl sendet gerne der „Zentralveretn" tüchtige Redner hinaus in Land und Stadt, veranstaltete auch vom 27.—31. Dezember 1919 in Herford einen Rednerkurs. Allein, alles kann er nicht leisten. Ueberall kann er nicht, sein und einspringen. Sodann kann wohl gesagt werden, daß der Eindruck womöglich noch ein stärkerer Sa-vai-Anfang und Au-gang. unsh ra» O R Ti Anfang I Datum Ausgang Uhr! 5080 Uhr >Min. Frankfurt a. M. 7 50 23. Juli 9. Ab 9 25 Berlin ... 7 30 9 06 Mönche« . . . 7 15 . 8 48 Stratzburg . — — — — Stuttgart. . . — — — ' ■ — Pose« ... — — - — Nürnberg. . 7 — 8 57 Hamburg . . . — — 9 33 iKQ Dr. GoldschmidtiEO Taunus-Sanatorium Bad Homburg v. d. H. (34g8 für Nervöse, innerlich Kranke, Erholungsbedürftige. \ | und wirksamerer ist, wenn Ortsansässige den antisemitischen Hetzern entgegentreten. Und je ruhiger bet aller Entschiedenheit in der Sache das' geschieht, desto besser. Wer seiner Sache gewiß ist, der findet die Form von selbst. Wofür man Interesse hat, das prägt sich schnell und leicht der Seele ein. Sagte mir doch jüngst ein Mann aus dem Volke der den „Antisemitenspiegel" gelesen: „Ich habe das Buch geradezu verschlungen - ich konnte nicht aufhören zu lesen und kann es sozusagen auswendig. Nun fürchte ich mich nicht, in irgend eine Autisemitenversammlung zu gehen". Mir sagte der Herr nichts Neues. Es könnten Hunderte so sprechen, wenn sie sich der Sache in gleicher Weise widmeten. Wo keine Angriffe Vorkommen, also in politisch ruhigen, d. h. nicht antisemitisch gestimmten Versammlungen oder Bereinigungen werden wir nicht agitierend hervortreten. Wir halten die Defensive als Regel fest, was nicht ausschließt, daß man in ruhiger Weise hie und da aufklärend wirken kann. Ist z. B. von Raffen die Rede, so weise man darauf hin, wie gerade im Weltkriege die Raffentheorie jämmerlich in die Brüche ging. Deutschland verbündete sich mit den slavischen Bulgaren, mit den muselmännischen Türken, war im Dreibund mit dem romanischen Italien, kämpfte gegen die germanischen Engländer, hatte wenig Sympathien bei den Germanen im Norden. Auf Rumäniens Thron saß kein Jude, sondern ein Christ, und dieser Christ war ein Deutscher und dieser Deutscher, ein Hohenzoller. Ao bleibt da Rafft und Blutsverwandschaft? Solche Argumentation begreift auch der schlichte Mann des Volkes/; insbesondere wenn man noch sagt, daß nach den Antisemiten Wilhelm II. kein Deutschblütiger sei, ja nach dem „Semi-Gotha" direkt ein Judenstämmling, daß der Stifter des Judentums ein Arier gewesen, seine Religion wett unter dem Wodankultus stehe, kurzum verjudet sei. Das sind Schlager, wie auch die Aufzählung all der antisemitischen Größen, die der Strafttchter zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilen mußte. (Stöcker, Hammerstetn, Ahlwardt, Pückler, Leuß, Schack u. a. m.) Ist vom jüdischen Gott der Rache die Rede, so genügt der Einwurf, man solle einmal auch nur ein Jahrhundert und ein Land nennen, ivo das Christentum als Religion der Liebe gewaltet, d. h. ohne Kriege, Eroberungen, Unterdrückungen u. dgl. Vielleicht im Mittelalter? Etwa jetzt nach dem Versailler Frieden? Es waren doch christliche Völker, die sich in der schrecklichstenForm bekämpften! Für alles findet man in obengenannten drei Sammelwerken treffliche Waffen zur Abwehr. Vielleicht macht sich der Leser ein genaueres Bild, wenn ich an dieser Stellendem Raume Rechnung tragend, Inhaltsübersichten mttteile, um das Erschöpfende und Retchhalttge zu kennzeichnen: Staatsbürgerliche Gleichheit — Entwicklung des politischen Antisemitismus — Parteien — Stöcker — Ahlwardt — Parlamentarische Tätigkeit der Anttsemiten — Zentrum — Sozialisten — Alldeutscher Verband — Friedrich der Große — Wilhelm I. — Kaiser Friedrich — Wilhelm II. — Deutsche Bundesfürsten — Die fünf Reichskanzler —Raffenantiftmitismus—Die Studentenschaft — Antisemitisches im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben (Bäder, Aerzteschaft, Turnerschaft) — Antisemiten und Katholiken — Schmähungen des Monarchen, des Christentums, — Zurücksetzung der Juden (Schöffen, Anwälte, Richter, Universitäten) — Kriminalität der Juden — Börse — Konfession und Bankkrachs — Der jüdische Reichtum — Talmud — Jüdische Gehetnilehre — Schächten — Rttualmord — Güterschlächterei — Deutsche Dichter und Denker — Verein zur Abwehr. — Folgendes aus dem Buch „Abwehr-Abc.": Kapp-Putsch und Antisemitismus Semi Gotha — Semt Kürschner — Schuld am Kriege — Kriegshetzer — Knüppel-Kunze — Moderner Raffenwahnflnn—Internationalismus — Richard Wagner — Wucher — Ostjuden — Pogrome — Presse — Jüdische Flieger — Bolschewismus usw. Aehnltch auch im Merkchen „Waffen zum Abwehrkampf", Philoverlag, Berlin S. W. 68. Auch hat es ein Schlagwortregister. Wie obige Sttchpunkte zeigen, ist kein Gebiet

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