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Der Israelit · 1920-07-15 · Heft 28 (15.7.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 28 (15.7.1920)
Date
1920-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Päd2Z0Zis J)Grßei(age zum jllsraclii Organ des Hundes gesetzestrener jüdischer Kehrer Deutlchlands. r.D-e, Die vakante Lehrerstelle in Butzbach (Oberheffen) ist mit 3500 Mk. Jahresgeyalt, einer Teuerungszulage ^unbestimmt) und 1500 Mk., jedoch nicht garantierten Kebeneinnahmen, ausgeschrieben. Wir warnen alle. Kollegen vor einer Bewerbung, bezw. die bereits becusenen vor Annahme der Stelle, bis die letstungscihige Gemeinde ein auskömmliches Gehalt bewilligt hat. Die Arbeitsgemeinschaft des israelitischen Lehrervereinsin Hessen. L e b e r m a n n, I. S i m o n, Darnrstadt. Darmstadt. An alle Kollegen! Die Kultusgemeinde Adelsdorf, Oberfrankcn, hat lrotz mehrfacher Aufforderung abgelehrt, die mäßigen Bedingungen des Normalvertrags zu erfüllen, ibwohl dies ohne starke Belastung der Steuerpslich- Igen möglich gewesen wäre. Wir verhangen deshalb wer die Gemeinde die Sperre und erwarten, daß H’i Eintreten der Vakanz keine Bewerbungen um ne Stelle erfolgen. Auch darf kein Nachbarkollege mshilfsweise Amtshandlungen, in Adelsdorf vorichmell, solange nicht der geschädigte Stelleninhabrr, öerr Gustav Neustätter, die normativen Nachzahungen ab 1. Januar 1920 erhalten hat. Ueber tlufhebung der Sperre ivird an dieser Stelle späterhin ltachricht gegeben werden. München, 14. Juni 1920. Verwaltung des isr. Lehrervereins in Bayern: S. Dingfelder, Dr. Klugmann, 1. Vorstand. 1. Schriftführer. -rotokoll der Sitzung des erweiterten Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft vom 16.. Mai in der Franksurtloge. Anwesend waren außer den drei Frankfurter Mrretern, Herren Dr. Höxter, Ochsenmann und Flörseim, die Herren Ehrenreich-Forchheim als Vertreter es Israel. Lehrervereins Bayern und Herr Lebermnir-Darmstadt als Vertreter des Bundes. Herr Dr. Höxter eröffnete die Sitzung und gab nner Freude über das Erscheinen der auswärtigen wrren Ausdruck. Zunächst kam Punkt 4 der Tagesordnung: die Finanzierung der Arbeitsgemeinschaft zur Besprechung, ^ie Druck-, Vervielfältigungs- und Portokosten find ft heutiger Zeit sehr beträchtlich, und wenn die l.-G. arbeiten soll, muß sie genügend finanzierr 'in. Es wurde daher einstimmig der Beschluß gechst, daß jeder Verband nach der Kopfzahl seiner Mitglieder zu den Lasten beizutragen hat. Die Kosten ir die Delegierung außerhalb Frankfurts wohnender Mitglieder zu den erweiterten Sitzungen trägt der Regierende Verein. Im Verlaufe der Sitzung wurden die Aufgaben er Arbeitsgemeinschaft nochmals präzisiert, wobei um Ausdruck kam, daß die Hauptarbeit immer wieder ft den .Einzelvereinen liegen muß. Tie A.-G. hat ur allgemeine, umfassende Fragen zu erledigen. ... Tie Frage der Erhaltung und Neugründnng jüycher Volksschulen nahm selbstverständlich einen sehr reiten Raum in den Beratungen ein. Die Ausstiche wurde in mehrere Anträge zusammengefaßt, le unserem Vertreter bei der Reichsschulkonferenz, errn Rektor. Feiner, übermittelt wurden Ebenso ergab sich völlige Einstimmigkeit bei der ^age: Anstellung jüdischer Lehrer an paritätischen Schulen. Das staatsbürgerliche Recht des jüdischen Lehrers auf Anstellung soll mit allem Nachdruck vertreten werden. Es wurde einstimmig beschlossen, eine auf die Erhaltung der jüdischen Volksschule und .hie Allstellung jüdischer Lehrer an Paritätischen Schulen bezügliche Eingabe an das Reichsamt des Innern und den kommenden Reichstag abzusenden. Zu den brennendsten Fragen unserer Zeit gehört aber unstreitig, die Besoldungsfrage der jüdischen Religionslehrer. Es ist ein unerhörter Zustand, wenn Gemeinden ihren Beamten heute noct) ein Gehalt von 800—1000 Mk. zahlen. Als bezeichnendes Beispiel für d»n Tiefstand der Besoldung jüdischer Religionslehrer sei angeführt, wie sich die Bezüge eines im Dienste ergrauten Kollegen im ehemaligen Großherzogtum Hessen nach erfolgter Gehaltserhöhung gestalten: Der Kollege erhielt als Religionslchrer 400 Mk. früher 225 Mk. für den Vorbeterdienst 350 Mk. „ 220 Mk. als Gemeinderechner 100 Mk. „ 65 Mk. als Friedhossrechner 260 Mk. „ 130 Mk. Friedhvfsausseher 820 Mk. „ 410 Mk. (Es handelt sich um einen Zentralfriedhof für merhere Gemeinden). Insgesamt stieg also das Einkommen unseres alten Kollegen tum 1050 aus 1930 Mk. Aber nicht nur in Kleingernelnden sieht es so trübe aus. Nein, auch Großgemeinden und jüdische Organisationen zeigen eine unglaubliche Rückständigkeit. Was soll man dazu lagen, wenn eine jüdische Organisation, deren Mitglieder z. T. im öffentlichen politischen Leben eine führende Rolle spielen und dann an einer Lehrerbildungsanstalt seit Jahren angkstellten Kollegen, welche um ihr Recht kämpfen und um gehaltliche Gleichstellung mit ihren christlichen .Kollegen nachfuchen, den „guten" Rat gaben, sich um anderweitige Stellung 'umzufehen. Um solchen unhaltbaren Ztlständen ein Ende zu bereiten, soll noch einmal an den guten Willen her jüdischen Gemeinden und Organisationen appelliert werden. Es wurde daher beschlossen, ein darauf bezügliches Rundschreiben hinanszuschicken. Dasselbe ist schon seit Monaten seitens der A.-G. fertiggestellr, aber infolge der Indifferenz einzelner Vereine konnte es bis heute xwä) nicht völlig zur Versendung gelangen. Dasselbe lautet: Frankfurt a. M, im Mai 1920. Fried richstr. 50. An den Vorstand der Isr. Kultusgemeinde. Die durch den Krieg hervorgerusene soziale Umwälzung hat allen Berufsständen eine Erhöhung ihres Einkommens gebracht. Nur ein Stand rst leer ausgegangen, der jüdische Religionslehrer. Er hat wohl unter den von- Tag zu Tag sich, steigerndeir Tererungsverhättnissen ganz empfindlich zu leiden, aber die.Segnungen des sozialen.Umschwungs hat er nicht erfahren. Sein Einkommen hat llch nicht im Gleichschritt mit der fortgesetzten Teuerung gesteigert. Es steht in schreiendem,-Mißverhältnis zu den Kosten für den notwendigen Lebensunterhalt. Der Verarmung und Verelendung der Religionslehrersamilien muß endlich Einhalt geboten werden. Die durch die überaus große Notlage der jüdischen Lehrer begründete Arbeitsgemeinschaft aller jüo. Lehrervereine im Deutschen Reiche kann nicht länget mit zusehen, wie ein beträchtlicher Teil der jüdischen Lehrerschaft das Leben mit einem Einkommen fristen muß, das tief unter dem .Existenzminimum steht. Wir Z'hen uns deshalb veranlaßt, von den Mischen Gemeinden dringend die gehaltliche Gleichstellung ihrer Lehrer mit den in denselben Orten wirkenden Volksschullehrern zu fordern. Wir hoffen bestimmt, daß uns keine Gemeinde in die Zwangslage versetzen wird, mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln Vorgehen zu müssen Bei gutem Willen wird auch die kleinste Gemeinde Mittel Und Wege finden, ihren Beamten das für die heutigen Lebensverhällnisse unbedingt erforderliche Einkommen zu beschaffen. Um Ihre gesch. baldige Rückänßernng bittet mit vorzüglicher Hochachtung Die Arbeitsgemeinschaft der Milchen Lehrervereine u. Verbände t D. R. Dr. I. Höxter Vorsitzender. Tie Arbeitsgemeinschaft cst fick aber auch klar, daß zur Erreichung des gewünschten Zieles in der Besoldungsfrage unter Umständen zu stärkeren Mtteln gegriffen werden muß. Ueber die einznschlagenden Wege wurde eingehend beraten, und werden die gemachten Vorschläge den Einzetvereinen hiw ansgegeben werden. Von den gewerkschaftlichen Kampfmitteln hält die A.-G. unter anderen die Sperre renitentere Gemeinderr gegenüber für angegebracht. Wir erwarten jedoch von jeder Gemeinde, daß sie bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit Entgegenkommen zeigt. Zuschüsse müßten die einzelnen Zentralverbände gewähren, in Fällen, wo die Leistungsunsähigkeit erwiesen ist. Eine Erhöhung der Michtstundenzahl der Religionslehrer ist anzustreben. Sollen unsere Maßnahmen Wirkung haben, so müssen wir. natürlich von allen Kollegen erwarten, daß sie die gewerkschaftliche Disziplin wahren. Der Antrag Ehrenreich, die Einzelvereine zu ersuchen, ihre Statuten dahin zu ändern, daß jeder Kollege, welcher sich um eine gesperrte Stelle bewirbt, aus dem Verein unter Verlust seiner Anrechte aus die Vereinskassen ausgeschlossen wird, fand einstimmig Annahme. In den weiteren Beratungen wurde daraus hingcwiesen, daß die jüdischen Lehcervcveine mit alter Kraft im Interesse der Schule und der Hebung des Lchrerstandes dahin tätig sein müssen, daß den jüdischen Lehrern aktives und passives Wahlrecht in den Knltusgemeinden zugcstauden ivird. Jedenfalls ist für alle Fragen, die Schule und den Kultus betreffen, dem Lehrer Sitz und Stimme bei Beratungen zu gewähren. Was in der Großgemeinde Frankfurt a. M. möglich ist, wird auch in kleinen Gemeinden durchzuführen sein. Abends 10 Uhr. schloß der Vorsitzende, Herr Tr. Höxter, mit Worten herzlicheil Dankes die Sitzung. I. A.r Flörsheim. Sitzungsbericht des Sundes gesetzestreuer Lehrer Deutschlands. Iweigverei» Rheinland. Die am 6. Mat 1920 (unjo -fr) in der Aula des Jüdischen Lehrerseminars zu Cöln stattgehabte Versammlung des ,,Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands, Zweigverein Rheinland" erfreute, sich eines etwas stärkeren Besuches als die im September vergangenen Jahres. Vor allem wußte man bei lebhaft bekundetem Interesse die neuen Bestrebungen des Bundes zu würdigen. Herr Lebermann- Darmstadt, der seiner amtlichen Tätigkeit itub der schlechten Zugverbindung wegen am Erscheinen verhindert ivar, wünschte in einem Telegramm der Versammlung guten Verlauf; auch Se. Ehrw. Herr Dr. Wolf-Cöln mußte allzustarker Inanspruchnahme wegen entschuldigt werden. Aus der Tagesordnung standen folgende Punkte:

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